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BUDDHISMUS HEUTE
Aus: Buddhismus Heute Nr. 44, (Winter 2007)

"Was heute geschieht, ist morgen Geschichte"

Ein Interview mit Thule G. Jug

Man sieht dich seit Jahren bei allen großen Veranstaltungen mit dem 17.Karmapa Thaye Dorje mit einer großen Kamera offensichtlich professionell filmen und fotografieren. Könntest du uns erzählen, was dahinter steckt? Für wen machst du das?

Ich arbeite für das "Karmapa Documentary Project". Dieses Projekt ist unter der direkten Leitung von Gyalwa Karmapa und ich begleite ihn mit den Kameras bei den meisten seiner Aktivitäten weltweit. Einen Teil der Arbeit kann man immer aktuell auf Karmapas Webseite www.karmapa.org sehen, die von mir mit Bildmaterial und Fakten versorgt wird. Ausführlichere Berichte und mehr Fotos stelle ich auf www.karmapa-news.org aus. Diese Webseite betreue ich auch selbst und ich bin bemüht noch während der Reisen aktuell zu publizieren.

Was ist die Idee hinter diesem Projekt?
Es geht vor allem um eine kontinuierliche Dokumentation des Lebens und Wirkens eines so besonderen Bodhisattva, wie Karmapa es ist. Was heute geschieht, ist morgen Geschichte. Das macht dieses Projekt so kostbar, da wir bei allen wichtigen Ereignissen in Karmapas Leben gefilmt und fotografiert haben, seit er aus Tibet nach Indien kam.

Wie kamst du persönlich zu dieser Aktivität? Seit wann machst du das schon?
Seit 1987 dokumentiere ich buddhistische Aktivitäten - vor allem innerhalb der Karma Kagyu Schule - auf Video. Das war bekannt und so hat man mich zusammen mit Tina und Alexander Draszczyk 1994 gefragt, ob wir einen Film über die erste Willkommenszeremonie für Gyalwa Karmapa im KIBI in Neu Delhi machen könnten. Wir sind damals zusammen mit einem professionellen Filmteam, das wir organisiert haben aus Wien nach Indien gereist und haben den ersten Film "Die Wiederkehr des Karmapa" gedreht und dann auch in Wien fertig gestellt.

Um eine Plattform zu haben, wurde dieses Projekt damals in den bereits bestehenden Verein "Vienna Dharma Projects" eingegliedert. So hatten wir anfangs auch den Namen "Vienna Dharma Videos" und "Vienna Dharma Photos" für diese Aktivitäten. Dieser erste Film war eigentlich als eine einmalige Aktion gedacht. Aber danach wurden wir immer wieder gebeten, Ereignisse im Leben des jungen Karmapa zu dokumentieren. Da ich selbst professioneller Fotograf bin und auch als Kameramann gearbeitet habe, haben wir von da an ohne Kameraleute von außen gearbeitet. Tina und Alex Draszczyk haben bei Organisation, Dreharbeiten und Interviews geholfen. Für die Filme haben sie übersetzt und die Texte geschrieben. In Indien haben wir anfangs Kameras und Licht gemietet. Als 1996 die ersten handlichen professionellen Digitalkameras auf den Markt kamen, sind wir auf diese Technologie umgestiegen und haben begonnen mit eigenen Kameras zu drehen.

Mittlerweile haben wir vier Filme über Gyalwa Karmapa publiziert:
1994: Die Wiederkehr des Karmapa (deutsch, englisch)
1995: Karmapa - Ein Tag in seinem Leben (deutsch, englisch)
1997: Karmapa - Jugendjahre (deutsch, englisch, französisch, spanisch, englisch mit chinesischen Untertiteln)
2006: The 17th Karmapa - Activities in India, 2005

Machst du die ganzen Aufnahmen allein oder seid ihr ein Team von Fotografen und Kameraleuten?
Das hängt ganz davon ab. Je nach Anlass und Möglichkeiten wird mit größeren Teams gearbeitet, oft aber arbeite ich auch allein. Bei den Berichten gibt es seit kurzem Unterstützung von Derek Hanger, der in Kalimpong lebt.

Stimmt es, dass du nicht nur in Europa mit Karmapa reist, sondern weltweit?
Ja, ich war die letzten 13 Jahre fast bei allen wichtigen Ereignissen in Karmapas Leben dabei.

Wie schaffst du das persönlich? Mit Familie und Beruf ist das sicher nicht leicht mit den vielen Reisen.
Natürlich muss man da Abstriche machen, da ich wirklich oft auch für längere Zeit weg bin. Aber meine Frau Gunhild unterstützt das Projekt aktiv und gibt mir in der Familie den Freiraum um für Karmapa tätig zu sein. Und wenn ich zu Hause bin, arbeite ich in Österreich recht erfolgreich als selbstständiger Berufsfotograf und verdiene so mein Geld für den Lebensunterhalt.

Es ist bestimmt sehr schön, so viel Zeit nah bei Karmapa verbringen zu können und ihn in so vielen unterschiedlichen Situationen und in ganz verschiedenen Sanghas in Ost und West zu erleben. Magst du etwas darüber erzählen?
Das ist wirklich sehr spannend und es ist Teil meiner Arbeit, genau das zu dokumentieren. Es ist wirklich großartig, was Karmapa seit frühester Kindheit leistet. Er ist Karmapa von innen heraus, das hat ihm niemand aufgesetzt. Das kann ich bezeugen. Und ich kann sehen, dass es kein leichter Job ist, Karmapa zu sein. Die Verantwortung ist gewaltig und es ist immer wieder verblüffend für mich zu sehen, wie liebevoll, wie würdevoll und mit wie viel Weisheit und Weitsicht er agiert.


Thule G. Jug, 1958 geboren in Graz, Fotograf, 1979 erster Kontakt mit dem Buddhismus und Lama Ole Nydahl, Erste Fotodokumentation im Bereich der Karma Kagyü-Schule auf Wunsch der Rumtek-Verantwortlichen bei der Verbrennung des 16. Karmapa in Rumtek/Sikkim 1981, Ab 1982 Aufbau und Organisation von Karma Kagyu Zentren in Österreich, seit 1994 Arbeit am Karmapa Dokumentationsprojekt.