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BUDDHISMUS HEUTE
Aus: Buddhismus Heute Nr. 41, (Sommer 2006)

Eine "Kapelle in Form eines Stupa"

Der Stupa in Karma Berchen Ling, Griechenland

1987 marschierte eine Gruppe von Buddhisten des Athener Zentrums mit Lama Ole Nydahl auf einer vom Regen zerstörten Straße in den Bergen von Korinth. Wir waren auf der Suche nach einer Stelle, die als Zentrum für kurze Meditationszurückziehungen geeignet wäre. Als wir an unserem Ziel ankamen, gab die Inspiration von Lama Ole den Ausschlag für den Kauf der Stelle: Ole hatte eine Vision des Schützers Mahakala, Schwarzer Mantel. Gemeinsam sangen wir die Anrufung des Schützers und legten das Versprechen ab, dass wir hier in "Karma Berchen Ling"1 unsere Aktivitäten zum Wohle aller Wesen entfalten würden. Nachdem unsere Linie in Griechenland bereits 15 Jahre bestand, war es ein großer Schritt nun eine Meditationsstelle und einen Stupa bauen zu wollen.

Bis zu diesem Zeitpunkt bestand unsere Beschäftigung mit Buddhismus nur aus unserem Vertrauen in die Lehren und unserer regelmäßigen Teilnahme am wöchentlichen Programm des Zentrums in Athen. Unsere größte Errungenschaft, bei der wir bereits unsere Fähigkeit zu bauen testen konnten, war die Renovierung eines Gebäudes in der Sonieroustraße 15a, von September 1984 bis Mai 1985. Das Gebäude war uns von der Familie Manganari kostenlos zur Verfügung gestellt worden.

Die Haltung der einheimischen Bevölkerung und der Kirche gegenüber unseren Plänen war etwas gespalten. In der Folgezeit wurde dann deutlich, dass unsere Probleme darin bestanden, uns an die soziale Umgebung anzupassen und nicht an einem Mangel an unseren Fähigkeiten. Der Begriff "Buddhismus" war den meisten Einheimischen entweder überhaupt nicht geläufig, oder wurde eher mit unzuverlässigen oder gefährlichen Sekten gleichgesetzt als mit anerkannten Philosophien oder Religionen. In Griechenland, wie auch in den anderen europäischen Ländern, kam Buddhismus an, weil es Bedarf nach einer erprobten Philosophie und Psychologie für den Umgang mit den täglichen und existentiellen Problemen moderner Menschen gab. Konservative Gruppen in Griechenland konnten jedoch die Notwendigkeit des Buddhismus in einem Land mit einer ausgesprochen philosophischen und religiösen Tradition nicht nachvollziehen. Es kam zu Rechtsstreitigkeiten zwischen der Gruppe von Karma Berchen Ling und der orthodoxen Diözese von Korinth, was uns aber half, unsere Positionen zu verdeutlichen und das Verhältnis beider Seiten zu klären.

Ein Jahr nachdem das Land gekauft worden war, begannen in KBL die Bauarbeiten mit einer manuell betriebenen Maschine zum Herstellen von Backsteinen. Lama Ole hatte sie 1989 aus Kolumbien mitgebracht. Der ursprüngliche Plan war, nach dem Bau der Meditations- Stelle und den für den Zentrumsbetrieb erforderlichen Einrichtungen, das Wachstum der Stelle in den Bau eines Stupa gipfeln zu lassen - die Krönung unserer Aktivität in Griechenland. Lama Ole hatte wiederholt den Bau eines Stupa in der südöstlichen Ecke Europas angeregt, um die Freiheit Europas zu schützen. Zudem hatten sich die Worte Tsechu Rinpoches tief in unser Gedächtnis geprägt: "Der Bau eines Stupa führt zu immer mehr Frieden in der ganzen Gegend. Er schützt die Freiheiten und die Gleichstellung der Menschen. Um einen Stupa zu bauen, braucht es positive innere und äußere Bedingungen; sowohl bei den Praktizierenden als auch in der Gesellschaft."

Die politischen Ereignisse innerhalb unserer Linie im Jahre 1992 boten allerdings keine guten Bedingungen für den Bau eines Stupa. Yannis, Dora und Yorgos mussten sogar prozessieren, um sicherzustellen, dass die Gruppe das Zentrum wieder nutzen konnte, nachdem Anhänger des anderen Karmapa-Kandidaten uns den Zutritt verbieten wollten. 1994 fand dort schließlich wieder ein Sommerkurs mit Lama Ole Nydahl statt. Das Gericht stellte Karma Berchen Ling 1995 eindeutig unter die Verantwortung unserer von Lama Ole geleiteten Gruppe. Im Januar 1996 wurden unsere unbewachten Einrichtungen in den Schnee bedeckten Bergen niedergebrannt, was uns auf den Boden der Tatsachen brachte. Durch dieses Ereignis wurde dem für KBL verantwortlichem internationalen Team - mit Patricia und Alex als Koordinatoren - bewusst, was zu der Zeit in unserem Land die vorherrschenden Umstände waren. Tsechu Rinpoche sagte, dass es zehn Jahre dauern würde, den Betrieb und das Wachstum von KBL wieder in Gang zu setzen. Im darauf folgenden Sommer entschieden wir zusammen mit Lama Ole über unsere nächsten Schritte.

In den folgenden Jahren bauten wir neue Einrichtungen und entwickelten im Laufe der Zeit besseren Austausch mit den Leuten in der Gegend, so dass ein Umfeld von Vertrauen und Sicherheit entstand. Als wir dann vom Ministerium für Erziehung und Religion die Erlaubnis zur Gründung und zum Betrieb unseres Zentrums in Athen bekamen, und darauf hin eingeladen wurden, bei den Olympischen Spielen in Athen mitzuwirken, gab uns das eine starke Basis von Anerkennung und Zustimmung in der Gesellschaft.

Seit 2003 bemühten wir uns die Genehmigung zum Bau eines Stupa zu erhalten. Aufgrund unserer früheren Erfahrungen mit Konflikten mit der Kirche folgten wir ganz strikt dem Rechtsweg. Da es aber keinen Präzedenzfall in Griechenland gab und die Gesetze das Wachstum anderer Religionen nicht unterstützten, wurde dies sehr schwierig. Es wurde eine ganze Reihe von Dokumenten zwischen verschiedenen Verwaltungsbehörden und unserer Gruppe hin und her geschickt bei dem Versuch, einen angemessenen Weg zu finden, die Genehmigung zu erteilen. Erschwerend war die Tatsache, dass es den Begriff "religiöses Bauwerk" in der Rechtsterminologie des Ministeriums für Erziehung und Religion nicht gab. Sie akzeptierten nur die Begriffe "Tempel" oder "Kapelle".

Unsere Präsenz im Olympischen Dorf ermöglichte dann, dass wir vom Ministerium die richtigen Informationen bekamen. Der von uns ausgeübte "taktvolle Druck" begann hier zu wirken, denn die Behörden sahen das Risiko, dass das Thema "Religionsfreiheit" in einem für Griechenland delikaten Moment an die Öffentlichkeit kommen würde. Eine kurz zuvor ergangene Verfügung des obersten Gerichtes gab uns die rechtliche Möglichkeit zu erreichen was wir wollten.

Im Sommer 2005 besuchte der 17. Karmapa Trinle Thaye Dorje zum ersten Mal Karma Berchen Ling, ein Höhepunkt für die Arbeit vieler Menschen über viele Jahre. Er segnete den Platz, vollführte die Mahakala-Anrufung, und erwähnte in einer Rede, dass wir durch die Hindernisse, denen wir begegnen, die Chance zu Wachstum hätten. Wir waren besonders begeistert, als er sagte, dass er an dieser Stelle in der Zukunft Retreat machen wolle.

Während des Kurses von Lama Ole einige Zeit später, unterschrieben viele Freunde unterhalb des Hügels, auf dem wir den Stupa gerne bauen würden, den Antrag auf Bau und Betrieb einer "Kapelle in Form eines Stupa".

Die bürokratischen Hindernisse wurden schnell überwunden und die Anträge von Lama Ole und den Mitgliedern wurden beim Ministerium für Erziehung und Religion eingereicht. Es folgten zwei Monate regelmäßiger Kommunikation mit der zuständigen Behörde, bei der wir unsere Aktivitäten darlegen konnten und die Möglichkeit für informelle persönliche Gespräche hatten. Am Mittwoch, den 30. November 2005 entschied das Ministerium uns die Erlaubnis zum Bau des ersten Stupa in Griechenland zu erteilen, ein großer Schritt für unsere Aktivität und allgemein für den Buddhismus am südöstlichen Ende Europas.

Es ist tatsächlich erstaunlich: Genau zehn Jahre, nachdem unsere Einrichtungen niedergebrannt wurden, bewahrheitete sich die Vorhersage von Lopön Tsechu Rinpoche, der gesagt hatte, "Es wird zehn Jahre dauern, bis der Betrieb und das Wachstum von Karma Berchen Ling fortgeführt werden kann."

Fortsetzung folgt ...


1Die "Stelle des Schützers Schwarzer Mantel", diesen Namen hatte Lama Ole dem Platz gegeben

Aus dem Englischen: Detlev Göbel und Claudia Knoll

Yorgos Diakofotakis
Wurde 1963 in Athen geboren, und nahm 1982 bei Lama Ole Nydahl
Zuflucht. Er ist Gründungsmitglied von Karma Berchen Ling und seit 1991
Repräsentant des Diamantweges gegenüber den griechischen Behörden.
Yorgos lebt in Voula-Athen, ist verheiratet und hat zwei Töchter. Er arbeitet
im Rathaus in der Abteilung für die Organisation kultureller Ereignisse.

 

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