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BUDDHISMUS HEUTE
Aus: Buddhismus Heute Nr. 39, ( 2005)

Run, Kagyü, Run

Von Claudia Handwerker

Kuchen verkaufen für einen guten Zweck. Das ist eine bekannte Methode und funktioniert auch, wenn man Geld furs Europazentrum sammelt. Wenn allerdings auf jedem Dharmakurs köstliche Kuchen und Leckereien angeboten werden, besteht schnell die Gefahr, dass wir Buddhisten bequem und rund werden. Da konnte ein Fitnessprogramm helfen, z.B. LAUFEN fürs Europazentrum ... Das waren unsere Gedanken als wir ‑ fünf Freunde aus Tübingen und Stuttgart ‑ bei einem Dharmakurs in Karlsruhe im Januar 2003 auf einem Spaziergang einige "Europazentrums‑Kuchenstücke" zu verdauen hatten.

Die Idee wurde weiter ausgebaut:
Ein Lauf fürs Europazentrum, bei dem jeder gelaufene Kilometer einen Spenden‑Euro bedeutet. Laufen kann jeder und überall, man muss nicht zu einem speziellen Kurs‑Ort fahren, der Lauf kann an vielen verschiedenen Orten gleichzeitig stattfinden. Das Laufen symbolisiert unsere vereinte Aktivität und Kraft für unser gemeinsames Ziel: ein Europazentrum. Läufer und Sponsoren werden über eine Datenbank per Zufallssystem miteinander verknüpft. So können neue Freundschaften und Verbindungen weltweit entstehen, die als Grundlage für ein Europazentrumsprojekt so wichtig sind.
Ein Euro pro Kilometer schien uns ein gutes Spendenmaß ‑ auch Leute mit verhältnismäßig wenig Geld können sich als Läufer beteiligen und sponsern lassen.

Wir waren begeistert von dieser Idee und gaben ihr auch gleich einen Namen: Kagyü Run. Voller Inspiration verbreiteten wir die Idee und alle Freunde waren begeistert. Auch Caty und Lama Ole fanden das Konzept gut. "Das ist toll, wir bleiben fit und sogar die Sofahocker können mitmachen und was Gutes tun. Wir laufen auch mit", sagte Ole, als er das erste Mal vom Kagyü Run hörte.

Das war ein guter Anfang, doch sollte es noch eine Weile dauern, bis Kagyü Run reif zum Loslaufen war. Wir mussten erst eine Infrastruktur aufbauen um Anmeldungen entgegennehmen und die Verknüpfungen zwischen Läufern und Sponsoren herstellen zu können. Wir benötigten eine Website und eine Datenbank.

Wir mussten Regeln aufstellen und die Idee so klar in Worte fassen, dass sie weltweit verständlich war und sich alle dafür begeistern.
Ein erster Text wurde verfasst und als Email‑News verschickt. In Berlin auf dem Osterkurs 2003 stellten wir das Projekt erstmals öffentlich vor. Doch es war noch zu früh: 2003 fand noch kein Lauf statt.
Beim Kassel‑Kurs 2003 gelang es uns dank zweier Läufer aus Berlin und Budapest und sehr inspirierender Unterstützung von Freunden vom Zentrum Schwäbische Alb einen Film mit Laufszenen zu drehen, mit dem wir unser Projekt darstellen konnten. Bis zum Silvesterkurs 2003 in Hamburg war das Gedrehte präsentationsreif, auf CD gebrannt und wir hatten einen Infostand.

2004 starteten wir durch: unser Team war auf zwölf Freunde angewachsen und wir verteilten die Aufgaben. jeder betreute bestimmte Regionen und Länder als Ansprechpartner. Beim Osterkurs 2004 in Stuttgart war die Website fertig und wir hatten Infomaterial, Flyer und Film‑CDs für alle Zentren. Zusätzlich stand der Termin fest: der 12. September 2004.
Nach unserer Präsentation meldeten sich viele Läufer aus Deutschland und der Schweiz an und in einigen Zentren bildeten sich Gruppen zum gemeinsamen Lauftraining. Auch fanden sich Leute, die den Lauf an verschiedenen Orten organisieren wollten: unsere Eventmanager. Der Osten Europas war nicht so schnell zu begeistern und auch aus Süd‑ und Nordeuropa kam erst wenig Resonanz. Doch wir verbreiteten die Idee weiterhin auf allen Kursen und über das "Diamondway Buddhist Network" (DWBN) und bald meldeten sich sogar Läufer aus Australien und Mexiko an.
Damit hatten wir nicht gerechnet ‑ da der Lauf zeitgleich an allen Orten stattfinden sollte, war es für außereuropäische Länder und sogar schon Russland wegen der Zeitverschiebung schwierig, gleichzeitig mit uns zur westeuropäischen Zeit zwischen 10.00 und 18.00 Uhr zu laufen. So liefen die Australier einen Tag früher, in Mexiko lief man zur Ortszeit und auch in Russland hatte man trotz Zeitdifferenz viel Spaß am Laufen.Mit dem Verkauf von T‑Shirts konnte zusätzlicher Gewinn fürs Europazentrum erzielt werden.

Nachdem unsere kreativen Köpfe im Team aktiv geworden waren, konnten wir heim Kasselkurs 2004 sportliche Shirts zum Verkauf anbieten und dort nochmals Kagyü Run vorstellen. Es hatten sich inzwischen 500 Läufer und Sponsoren angemeldet und für uns begann die heiße Phase. Alle Anmeldungen mussten verarbeitet werden, es musste geklärt werden, wie und wo das Geld eingesammelt und eingezahlt werden könnte. Viele Anfragen mussten bearbeitet und T‑Shirts verschickt werden.

Kurz vor dem Lauf erreichte uns alle eine Email von Lama Ole: Nicht nur eine, sondern sogar zwei neue große Stellen schienen gefunden: eine Stelle für das Europazentrum in Bayern und ein großes Gelände in Berlin! Vielleicht war es diese freudige Nachricht, die alle zum Mitmachen motivierte: direkt vor dem Lauf im September explodierten die Anmeldungen: aus Russland, Polen, Tschechien erreichten uns einige hundert Anmeldungen und es wurden innerhalb kurzer Zeit über tausend Teilnehmer. Jetzt mussten noch die Verknüpfungen zwischen Läufern und Sponsoren hergestellt werden.

Am 12.09.2004 war es soweit: Es war Kagyü Run-Tag. Von 10.00 bis 18.00 Uhr wurde an 166 verschiedenen Stellen gelaufen: in Parks und im Wald (zum Beispiel in Poznan, Hamburg, Stuttgart und Australien), mitten in der Stadt (Berlin, Cheliabinsk), mit Picknicken und bei Partys, bei Bushwalks und Alpenwanderungen wurde "gewalkt" und Marathons gelaufen.
Schon kurz nach dem Lauf informierten uns viele Eventmanager darüber, wie viele Kilometer in ihrer Region gelaufen wurden, so dass am selben Abend die ersten Ergebnisse auf der Website veröffentlicht werden konnten. Alle hatten ihr Bestes gegeben: 1500 Läufer aus 27 Ländern und 166 Orten liefen 15300 Kilometer, das bedeutete 15300 Euro fürs Europazentrum.

Ein Höhepunkt und toller Abschluss von Kagyü Run war die gemeinsame von Lama Ole angeleitete Meditation, an der über den Livestream alle überall teilnehmen konnten. Sogar in lrkutsk am Baikalsee wurden die Wecker auf 4.00 Uhr Ortszeit gestellt, damit man auch dort live mit dabei sein konnte. Nach dem Lauf galt es die Spendengelder einzusammeln und einzuzahlen. Wir waren begeistert, als wir feststellten, dass die Einnahmen die tatsächlich gelaufene Kilometerzahl überstiegen: nicht nur die Läufer hatten ihr Bestes gegeben, auch die Sponsoren waren sehr großzügig. Durch den Kagyü Run 2004 wurden mehr als 25.000 Euro für das Europazentrum eingenommen.

Kagyü Run war ein voller Erfolg. Alle hatten Spaß und das Ziel, gemeinsam für das Europazentrum auf freudvolle und sportliche Art aktiv zu werden, wurde erreicht. Deshalb wird auch 2005 wieder ein Kagyü Run stattfinden, um Kraft und Überschuß für ein gemeinsames Europazentrum auf unserem eigenen Gelände zu erlaufen.


Claudia Handwerker, Zuflucht bei Lama Ole Nydahl 1996, im Tübinger Zentrum aktiv seit der Gründung 1999, arbeitet als MTA in der Forschung und als Yogalehrerin