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BUDDHISMUS HEUTE
Aus: Buddhismus Heute Nr. 38, ( 2004)

"Wir dachten von Anfang an in großen Dimensionen"

Interview mit Peter Gomez zum Zentrum Karma Gön bei Málaga in Spanien

Buddhismus Heute: Kannst du uns bitte einen kurzen Überblick über die Geschichte von Karma Gön geben, wie sich alles entwickelt hat?

Peter Gomez: Karma Gön wurde 1981 gekauft, meine Eltern Pedro und Dorrit wollten es als Alterswohnsitz nutzen. Ein Haus wurde saniert und nach und nach wurden immer mehr Ruinen und Land gekauft. Alle 50 qm gab es einen anderen Eigentümer!

1984 wurden wir Buddhisten und meine Eltern wurden 1987 von Lama Ole und seiner Frau Hannah eingeladen, sie auf einer Reise mit dem Auto nach Portugal zu begleiten. Eine kleine Gruppe Deutscher wollte dort ein Zentrum gründen. Auf dem Weg dorthin hatten sie vor, in Spanien zu übernachten, eben in Karma Gön. Am nächsten Morgen sagte Ole, dass er niemals so viele Briefe in so kurzer Zeit geschrieben habe und dass der Platz sehr gut zum Arbeiten geeignet sei. Es gab mehrere günstige Zeichen, die darauf hinwiesen, dass es ein sehr guter Ort für Meditationspraxis sein würde. Zu diesem Zeitpunkt entschlossen sich meine Eltern, die Stelle für ein buddhistisches Zentrum anzubieten. Von da an hatten wir viele Ideen, wie wir den Platz zu einer richtigen Karma Kagyü Stelle machen könnten. Wir begannen, die Häuser zu restaurieren, den Zugang zu Wasser und Elektrizität zu schaffen und immer mehr zu kaufen. Von Anfang an hatten wir in großen Dimensionen gedacht, weil wir sehen konnten, dass es für die Zukunft nötig sein würde. Nun können wir alle ja wirklich beobachten, wie schnell sich der Dharma im Westen entwickelt.

Ihr habt viele neue Projekte wie zum Beispiel die Bücherei in Karma Gön - wie hat das alles angefangen?

1986 schon begann Pedro, Bücher zu kaufen. Ein Kanjur (die Worte Buddhas) und ein Tenjur (die Kommentare der indischen Meister) waren die ersten. Dann bekam er von Lama Tsultrim Namgyal einen Katalog mit tibetischen Karma Kagyü-Texten, die in die Hände der Kommunistischen Partei Chinas gefallen waren. Schon damals gab es die Idee, eine große Bibliothek aufzubauen. Zur selben Zeit kamen Ole und Hannah auf die Idee, Höhlen für Zurückziehungen und eine Gompa zu schaffen. Einen Stupa zu errichten kam Pedro in den Sinn, als er mit Ole und Hannah auf einer Reise in Tibet unterwegs war. Dort hörte er die Erklärung des Kalachakra-Symbols und dachte sofort, dass Karma Gön der perfekte Ort für eines Kalachakra-Stupa sei.

Karma Gön wurde dem 17. Karmapa geschenkt - was bedeutet das genau? Wie werden Besitz und Finanzen verwaltet?

Von Anfang an seit 1987, als Ole, Hannah, Dorrit und Pedro beschlossen, aus Karma Gön ein buddhistisches Zentrum zu machen, war damit die Idee verbunden, einen Ort für den 17. Karmapa zu schaffen: Ein gut funktionierendes Diamantwegszentrum, das Karmapa und seine Aktivität unterstützen und ihm eine Heimat bieten sollte.

Wir hatten und haben immer noch ein Restaurant in Kopenhagen, das sehr erfolgreich läuft und dessen Gewinn die Grundlage für den Aufbau von Karma Gön ist. Pedro hat auch angefangen mit Wein Geschäfte zu machen, was auch sehr viel Geld abwarf. Das alles wurde dazu genutzt, Karma Gön zu kaufen und mit Hilfe von vielen von Oles Schülern wiederherzustellen und auszubauen. Rechtlich ist Karma Gön ein Verein, zu einem späteren Zeitpunkt wird eine Stiftung daraus hervorgehen. Vor kurzem haben wir zusammen mit Ole und Hannah ein Dokument aufgesetzt, das sicherstellt, dass alles in diesem Sinne weiterlaufen wird.

Gerade wurde die riesige Gompa gebaut, eine Großküche ist geplant - es scheint, als hättet ihr große Pläne für die Zukunft? Was für ein Programm wird in Zukunft in Karma Gön stattfinden?

Wenn die Übersetzungs- und Studienkurse anlaufen, werden sich bestimmt viele Leute dafür interessieren. Die Gompa wird dann viel für Belehrungen, Übertragungen und Praxis genutzt werden. Die Bibliothek und die Studienkurse entwickeln sich insofern sehr positiv, dass wir Beziehungen zur Universität von Canterbury unterhalten. Dies könnte dazu führen, dass die Studenten in Karma Gön Leistungsnachweise für die Universität erhalten werden.

So eine große Stelle braucht viele, die sie unterstützen - wer macht die ganze Arbeit?

Karma Gön ist schon immer mit der Hilfe von all unseren Freunden aus der ganzen Welt aufgebaut worden. Anfangs, bevor Karma Gön gegründet wurde, war es vor allem Miguel, der uns mit dem Bauen geholfen und sich um den Platz gekümmert hat, wenn wir nicht da waren. Aber jetzt wird Karma Gön - wie viele andere Zentren - von den Leuten unterhalten, die dort leben. Bei großen Bauprojekten wie dem Stupa 1994 oder der neuen Gompa haben wir für die Arbeiten natürlich Bauunternehmen beauftragt.

Hat der Sommerkurs 2004 mit so vielen Menschen das Image von Karma Gön in der Region beeinflusst? Was für ein Feedback habt ihr bekommen?

Wir haben schon immer versucht gute Beziehungen zur lokalen Gemeinde zu pflegen. Seit 1994 der Stupa gebaut worden war, an dessen Einweihung auch Lokalpolitiker teilgenommen hatten, interessieren sich die Anwohner mehr und mehr für unsere Aktivität. Die Leute reden sehr gut über „die Buddhisten". In den letzten fünf bis sechs Jahren besuchten die Schulen der Region Karma Gön im Rahmen ihres Religionsunterrichtes. Das Feedback nach dem Sommerkurs und der Gompa-Einweihung war bei Presse und Medien, den Lokalpolitikern und den Nachbarn sehr gut. Wahrscheinlich gibt es bald eine Meditationsgruppe in Velez-Malaga oder Torre del Mar.

Stimmt es, dass Karmapas Eltern ihren ständigen Wohnsitz nach Karma Gön verlegen wollen?

Ja, das stimmt. Ende Juli haben wir die spanische Aufenthaltsgenehmigung für Karmapas Eltern und seinen Onkel bekommen. Ab sofort können sie sich also in Spanien aufhalten und durch Europa reisen.

Die Statuen in der Thaye Dorje Gompa sind sehr beeindruckend. Kannst du uns bitte etwas über sie erzählen? Woher stammen sie und wer hat sie angefertigt?

Bis jetzt gibt es vier große Statuen in der Gompa. Der drei Meter hohe Diamanthalter ist aus Metall und wurde in Frankreich von einem französischen Künstler namens Sherac gegossen. Er ist mit Gold überzogen und es werden 50.000 Mantrarollen benötigt um ihn traditionell zu füllen. Zum nächsten Sommerkurs wird dieser Künstler eine gleich große Statue des Buddha Shakyamuni, auch aus Metall, fertig stellen.

Die Guru Rinpoche-Statue, die links von der zentralen Diamanthalter-Form steht, ist zwei Meter hoch und ebenfalls aus Metall. Sie wurde in Kathmandu hergestellt und dann per Schiff nach Spanien transportiert. Auch sie ist mit Blattgold überzogen und mit Halbedelsteinen verziert. Dieser Aspekt steht in der Gompa aufgrund seiner starken und grundlegenden Aktivität für den Tibetischen Buddhismus und wegen seiner engen Verbindung zu Lopön Tsechu Rinpoche.

Die rechts von Diamanthalter aufgestellte Statue des 16. Karmapa ist genau wie die Mahakala-Statue aus Gips und wurde von einem argentinischen Künstler in Malaga geschaffen und von nepalesischen Künstlern bemalt. Die zwei Meter hohe Karmapa-Statue enthält Reliquien von verschiedenen Karmapas, darunter natürlich auch des 16. Karmapa. Der Mahakala ist drei Meter groß und im geschlossenen Mahakala-Raum unter der Gompa aufgestellt. Er ist von 1000 kleinen 20 Zentimeter hohen Mahakala-Statuen umgeben, die alle Reliquien des 16. Karmapas enthalten.

Als Karmapa in Karma Gön war, fand eine besondere Zeremonie statt, in der Reliquien in die Gompa gebracht wurden. Was für Reliquien sind das und woher stammen sie?

Die Reliquien sind von Buddha Shakyamuni: ein kleiner Knochen von Buddhas Körper und kostbare Kügelchen in sieben verschiedenen Farben, die sich spontan manifestiert haben - ein Beweis dafür, dass die Reliquien echt sind.

Es gibt nicht viele Stellen in der Welt, die diese vollständigen Buddhareliquien haben. Sie gehen auf die Zeit des Königs Ashokas zurück, in der sie auch nach Sri Lanka gebracht wurden. Soweit wir wissen, wurden Reliquien von Buddhas Körper in acht buddhistische Königreiche geschickt, wo für sie acht verschiedene Stupas gebaut wurden, entsprechend den Lehren Buddhas. Ein Stupa wurde an der Stelle errichtet, an der Ashoka später König wurde. Er sandte dann einen Mönch mit einer Reliquie nach Sri Lanka, wo diese sich vervielfachte. Viele große Meister und Regierungsleute haben um eine Reliquie gebeten, was ihnen aber verwehrt wurde. Auch Pedro fragte an und erzählte von Karma Gön und den Projekten dort. Sie überprüften seine Geschichte und die Reliquien wurden Karma Gön durch eine Dame aus Singapur und ihren Bruder überreicht. Viele Leute haben schon gefragt, wie viel Pedro dafür gezahlt habe. Doch die Reliquien wurden als ein Geschenk für die Entwicklung des Dharmas im Westen gegeben.

Zurzeit sind die Reliquien in einem kleinen goldenen Stupa aufbewahrt, den Pedro in Singapur gekauft hat. Er steht bis zum vollständigen Abschluss der Arbeiten an der Gompa im Mahakala-Raum. Danach wird er an einem sicheren Platz in der Gompa zum Nutzen von allen Wesen aufgestellt.

Karma Gön versteht sich auch als Retreatzentrum - gibt es Pläne, die Möglichkeiten für Zurückziehungen zu erweitern?

Ja, die Idee war immer, in Karma Gön die Möglichkeit für Zurückziehungen zu bieten. Viele Leute haben dort schon jahrelange offene Retreats gemacht oder sind dabei sie zu machen. Da eine wachsende Zahl von Leuten immer mehr Meditationserfahrung haben, gibt es natürlich auch immer mehr Leute, die auch geschlossene Retreats machen werden. Es gibt die Idee noch mehr Höhlen in die Berge von Karma Gön zu bauen. Wir haben so viel Land und es gibt viele gute Stellen für diese Höhlen. Die zwei Höhlen an dem Stupa wurden schon für eine Reihe kürzerer Retreats genutzt.

Wir danken dir für das Interview!


Fragen und Übersetzung aus dem Englischen von: Evelyn Gottschlich, Claudia Knoll und Detlev Göbel

 

Peter Gomez ist 29 Jahre alt und wurde in Kopenhagen geboren. Er nahm 1988 Zuflucht bei Lama Ole Nydahl. Mai 1999 schloss er an der Universität Kopenhagen sein Studium der Wirtschaftswissenschaft ab.
Seit 2000 lebt er in Zentrum Karma Gön in der Nähe von Malaga, Spanien.