GLAUBENSBEKENNTNIS FÜR EINE VERNUNFTS- UND ERFAHRUNGSRELIGION

1985 wird aus der DBU heraus die „Buddhistische Religionsgemeinschaft in Deutschland“ (BRG) gegründet. Der Zweck dieses Zusammenschlusses verschiedener Gruppen: Die staatliche Anerkennung als Körperschaft öffentlichen Rechts. Laut Grundgesetz (das hierzu Regelungen der „Weimarer Verfassung“ von 1919 übernommen hat) können Religionsgesellschaften diesen Status erlangen, „wenn sie durch ihre Verfassung und die Zahl ihrer Mitglieder die Gewähr der Dauer bieten.“ Auf dieser Basis sind seit 1949 z. B. viele christliche Freikirchen, der Zentralrat der Juden in Deutschland, die Mormonen oder die anthroposophisch geprägte Christengemeinschaft staatlich anerkannt worden.

Den allermeisten Buddhisten hierzulande ist zwar an einer strikten Trennung zwischen Religion und Staat sehr gelegen, doch erhoffen sich einige durch den Status einer religiösen Körperschaft mehr Prestige für Buddhas Lehre. Einige damit verbundene Rechte, wie etwa das der eigenen Erhebung von Kirchensteuern, wollen die deutschen Buddhisten aber nicht in Anspruch nehmen. Andere Privilegien, wie etwa die Möglichkeit zur Gefängnis- und Militär-seelsorge, Zugriff auf Fernseh- und Rundfunkberichterstattung, können ggf. auch auf anderer rechtlicher Grundlage erfolgen. Zahlreiche buddhistische Vereinigungen sind in den 1980er Jahren bereits als gemeinnützig anerkannt – die Frage nach der staatlichen Anerkennung wird vertagt.
Die DBU vereint sich mit der BRG und übernimmt von ihr das „Buddhistische Bekenntnis“, das Ende 1985 dem deutschen Staatskirchenrecht zuliebe verfasst worden war. Der Text ist ein mühsamer Kompromiss zwischen verschiedenen buddhistischen Richtungen und vermeidet das Wort „Glaube“, welches auch gar nicht zur Vernunfts- und Erfahrungsreligion des Buddha passt. Er lautet:

„Ich bekenne mich zum Buddha als meinen unübertroffenen Lehrer, denn er hat die Vollkommenheiten verwirklicht und ist aus eigener Kraft den Weg zur Befreiung und Erleuchtung gegangen. Aus dieser Erfahrung hat er die Lehre dargelegt, damit auch wir die endgültige Leidfreiheit erlangen können.

Ich bekenne mich zur Lehre des Buddha, denn sie ist klar, zeitlos und lädt jeden ein, sie zu prüfen, sie im Leben anzuwenden und zu verwirklichen.

Ich bekenne mich zur Gemeinschaft der Jünger des Buddha, die sich ernsthaft um die Verwirklichung seiner Lehre bemühen, um die verschiedenen Stufen der inneren Erfahrung und des Erwachens zu verwirk-lichen. Sie dienen mir als Vorbild.

Ich habe festes Vertrauen zu den vier Edlen Wahrheiten. Sie besagen:

  • Das Leben im Daseinskreislauf ist letztlich leidvoll. Dies ist zu durchschauen.
  • Ursachen des Leidens sind Gier, Hass und Verblendung. Sie sind zu überwinden.
  • Erlöschen die Ursachen, erlischt das Leiden. Dies ist zu verwirklichen.
  • Zum Erlöschen des Leidens führt ein Weg, der Edle Achtfache Pfad. Er ist zu gehen.

Ich bekenne mich zur Einheit aller Buddhisten, denn wir folgen unserem gemeinsamen Lehrer und sind bestrebt, seine Lehre zu verwirklichen: Ethisches Verhalten, Sammlung und Weisheit wollen wir entwickeln, um Befreiung zu erlangen. In diesem Bewusstsein begegne ich allen Mitgliedern dieser Gemeinschaft mit Achtung und Offenheit.

Ich will mich bemühen,
keine Lebewesen zu töten oder zu verletzen,
Nichtgegebenes nicht zu nehmen,
keine unheilsamen sexuellen Beziehungen zu pflegen,
nicht zu lügen oder unheilsam zu reden,
mir nicht durch berauschende Mittel das Bewusstsein zu trüben.

Zu allen Wesen will ich unbegrenzte Liebe, Mitgefühl, Mitfreude und Gleichmut entfalten, im Wissen um das Streben aller Lebewesen nach Glück.“


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