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BUDDHISMUS HEUTE
Aus: Buddhismus Heute Nr. 9, ( 1992)

Ansprache von Künzig Shamar Rinpoche

Kloster Rumtek, 9. Juni 1992

Anm. d. Übers: Da diese Übersetzung direkt aus dem Englischen von einer qualitativ schlechten Tonbandaufnahme gemacht wurde, erhebt der Text keinen Anspruch auf absolute Genauigkeit und Vollständigkeit. Auslassungen von in der Aufnahme unverständlichen Stellen sind durch (...) angezeigt.

Bitte verzeiht meine Verspätung! Zuerst einmal möchte ich sagen, dass ich froh bin, Euch alle hier zu sehen. Und vielen Dank, dass Ihr alle gekommen seid, um an den Zeremonien hier teilzunehmen. Ich möchte Euch allen etwas darüber sagen, was derzeit rund um die Inkarnation von Seiner Heiligkeit Karmapa passiert. Ich werde Euch nicht alles sagen, was ich den Tibetern gestern gesagt habe, weil es nicht nötig ist, dass Ihr alles hört. Was Ihr hören sollt ist, wie es derzeit läuft, die Vorgangsweise, um nach dem Gyalwa Karmapa in Übereinstimmung mit den von ihm hinterlassenen Informationen zu suchen.

Wie aus der Geschichte bekannt ist, haben alle Karmapas eine Nachricht hinterlassen: Als der erste Karmapa starb, hinterließ er seinem Schüler eine Nachricht, und der zweite Karmapa wurde in Übereinstimmung damit gefunden. Manchmal hinterlassen sie einen Brief, manchmal hinterlassen sie bloß eine Nachricht bei sehr vertrauenswürdigen Schülern. Es ist in diesem Zusammenhang nicht unbedingt nötig, dass die Nachricht jemandem hinterlassen wird, der einen hohen Titel trägt, wie Rinpoche oder was auch immer; es kann manchmal ein sehr guter Schüler, eine für Karmapa sehr vertrauenswürdige, aber nicht hochrangige Person sein.

Der 15. Gyalwa Karmapa gab die Nachricht zum Beispiel einem Schüler, einem der Dorje Lopöns im Kloster. Als der 16. Gyalwa Karmapa gefunden wurde, hatte er (Anm. d. Übers.: der Schüler) ihn (Anm. d. Übers.: den Brief) beinahe acht Jahre lang aufbewahrt und keinem der Linienhalter davon erzählt gehabt. Auch nicht Situ Pema Wangtschug, der zu jener Zeit allen Rinpoches der Karma-Kagyü vorstand.

Nach dem offiziellen tibetischen System brauchte man zu dieser Zeit die Bestätigung der tibetischen Regierung - von Seiner Heiligkeit dem Dalai Lama. Dieser ließ seine Minister eine sehr genaue Untersuchung durchführen.

Damals ereignete sich auch eine üble Geschichte: Einer der sehr mächtigen Minister wollte, daß sein Sohn Karmapa wird. Da er seine Macht ins Spiel brachte, mussten die Menschen in Tsurphu dies akzeptieren. Dem Minister gelang es, von Seiner Heiligkeit dem 13. Dalai Lama die Bestätigung zu bekommen, und so mussten sie den Sohn dieses Ministers holen. Dann jedoch - aus diesem Grunde oder aus anderen - fiel der Junge, als er mit seinem Drachen spielte, vom Dach des Hauses und starb.

Einige Jahre später zeigte der Dorje Lopön - ich glaube, er war gar nicht Dorje Lopön, er war ein sehr, sehr enger Schüler von Seiner Heiligkeit dem 15. Karmapa; er hieß Jampal Tsultrim - (Anm. d. Übers.: die Nachricht). Jahrelang hatte er sie hier getragen (Anm. d. Übers.: Rinpoche deutet auf seinen Hals). Alle Karma-Kagyü-Lamas hatten besorgt nach Informationen gesucht - und sie nicht bekommen. Er hatte nichts gesagt und sie hier aufbewahrt. Schließlich zeigte er sie: Es war die persönliche Handschrift des 15. Karmapa. Ein sehr schönes Gedicht war auch dabei. Und die Informationen wie der Geburtsort, der Name der Familie, alles in verschlüsselter Sprache geschrieben, in einer Zahlen-Sprache. Wir haben diese Handschrift des 15. Karmapa noch hier. Der frühere Beru Khyentse Rinpoche übersetzte den verschlüsselten Text in gewöhnliche Sprache. Und der Geburtsort war da, wo ich geboren wurde, die Familie war die, in der ich geboren wurde (Rinpoche lacht), alles ist meine Familie.

Tatsächlich hatte es fast zehn Jahre gedauert, bis der 16. Gyalwa Karmapa ins Kloster eingeladen werden konnte. Er war schon etwa neun Jahre alt.

Diesmal hat es, wie ihr alle wisst, sehr lange gedauert. Es sind jetzt schon fast elf Jahre vergangen.

Als der 16. Gyalwa Karmapa 13 Jahre alt war, machte er in Tibet Prophezeiungen. Darin ist erwähnt, daß das Vogel-Jahr ein gutes Jahr sein würde, daß er all seine Schüler wieder sehen würde. Da Karmapa ja damals da war, dachte niemand daran, die genaue Bedeutung davon zu erfahren. In dieser Prophezeiung sagte er voraus, was in Tibet passieren würde. Und er sagte: »Wir werden am Ende alle nach Indien gehen müssen. «, was lange Zeit später, nämlich 1959, als er 27 war, schließlich auch passierte. Diese Prophezeihung machte er mit 13, also lange vorher. Alles, was Karmapa in dieser Prophezeiung sagte, trat ein, bis auf den einen Satz. Und viele anständige Leute glauben, dies beziehe sich auf nächstes Jahr. Das ist nur unsere Hoffnung. Ich kann noch immer nicht sagen, daß dies tatsächlich das besagte Jahr sei.

Wie wir oftmals verkündet haben, gibt es einen sehr schwer verständlichen Brief in dem Segens-Kästchen. Zumindest war er, soweit ich weiß, bis vor kurzem da, als der Sakya Kunga Rinpoche hierher kam. Ob er jetzt noch da ist, weiß ich nicht. Damals öffneten sie ihn.

Vor kurzem jedoch tauchte ein Brief auf, aus dem der Name des Vaters, der Name der Mutter des Kindes und der Ort, alles sehr klar hervorgeht. Dies ist nun ziemlich problematisch. Aber wir checken ihn, wir untersuchen ihn sehr, sehr genau. Ursprünglich wollten wir dies insgeheim machen, unter uns, ohne es öffentlichen bekannt zu geben.

Bevor Rinpoche (Anm. d. Übers.: Jamgön Kongtrul Rinpoche) verstarb, beschlossen wir alle, alles gemeinsam zu machen. Aber es wurde jetzt in meiner Abwesenheit in ganz Tibet bekannt. Über Nepal bekomme ich andauernd Informationen aus Tibet: Der Name des Vaters sei dies, der Name der Mutter, das Alter des Jungen, die chinesische Regierung leiste ebenfalls Hilfe; Leute aus Tsurphu, Vertreter von Situ Rinpoche, Vertreter von Gyaltsab Rinpoche seien dort und leiteten die Gruppe aus Tsurphu; sie seien schon nach Ost-Tibet abgereist, nach Derge. Auch das Datum der Rückkehr nach Tsurphu wurde verkündet. So klare Informationen bekommt man jetzt! Es ist für mich ziemlich überraschend, weil dies nicht der von uns allen gemeinsam getroffenen Entscheidung entspricht.

Nach dem ursprünglichen Plan sollte S.E. Jamgön Rinpoche nach Tibet reisen, um sich einmal alles anzusehen. Nach seiner Rückkehr wollten wir dann wieder ein Treffen abhalten und in ca. 7 oder 9 Monaten eine Erklärung abgeben. Das haben wir den Leuten hier in Sikkim gesagt.

In diesem Zusammenhang: wir machen jetzt die Opfer-Pujas für den verstorbenen Jamgön Rinpoche und in dieser Zeit gibt es keine Eile, so viele Dinge zu tun; es ist nichts geschehen, weswegen man so schnell hätte handeln müssen, daß keine Zeit gewesen wäre, auf mich zu warten oder so... Es ist nichts passiert. Es ist nichts geschehen, weswegen man sich nicht mit den Verwaltern hier hätte beraten können. Und alles wurde so schnell, so schnell entschieden, und es sind so viele Dinge geschehen - es ist ein ziemlicher Schock für mich.

Soweit ich weiß, ist der Brief, der S.H. Sakya Trizin Rinpoche gezeigt wurde, nicht der ursprüngliche Brief, den wir bis dahin in dem Kästchen aufbewahrt hatten. Und ich weiß überhaupt nicht, ob der Brief noch dort ist oder nicht, weil ich nicht dabei war, als sie das Kästchen öffneten.

Außerdem ist es gerade jetzt für mich sehr schwer, ihn zu sehen, da er auf mein Ersuchen hin sehr gut bewacht wird. Vor meiner Abreise bat ich die sikkimesische Regierung um Hilfe und sie stellte Polizei zur Verfügung. Daher kann ich jetzt selbst nicht hingehen, (Anm. d. Übers.: das Kästchen) öffnen und nachsehen, ob er (Anm.d. Übers.: der Brief) dort ist oder nicht. Wir werden das checken, wenn wir alle hier sind.

Nichtsdestoweniger: Euch allen liegt sehr viel am Dharma, an Seiner Heiligkeit Gyalwa Karmapa, dem großen spirituellen Führer. Ja, das sollt Ihr auch. Aber in einer anderen Art und Weise. Die Tibeter folgen gewissermaßen dem, was der Eigenart ihrer Gesellschaft entspricht. Ich meine: wenn sie über dieses Thema sprechen, wenn sie diesbezüglich irgendetwas machen - was immer sie auch tun, sie werden immer ihrer gesellschaftlichen Situation, ihrem Gesellschaftssystem folgen. Man könnte sagen: »Vielleicht haben wir das Land verloren, aber alle Lamas und Tibeter halten sehr genau an ihrer Tradition fest. Obwohl wir in ein anderes Land ausgewandert sind, denken wir, wir seien in unserem eigenen und folgen nach wie vor unseren Rangordnungssystemen (Rinpoche lacht)...allem! « Dies war mehr oder weniger in der politischen Situation in Tibet begründet, aber es wird noch immer befolgt. Daher solltet Ihr, als Außenstehende - also als Nicht-Tibeter - die Probleme der Tibeter wirklich nicht lernen. Ihr solltet sie nicht lernen, nicht nachahmen. Ihr solltet den Gerüchten nicht folgen. Wem Ihr alle folgen solltet, ist der Dharma, auch wenn der Dharma in Tibet rein überliefert wurde.

In Tibet haben so viele Politiker den Dharma zu ihrem Vorteil verwendet und beschmutzt, wenn ihr Euch die Geschichte anseht. Ihr könnt das sogar in englischer Sprache finden. Aber daneben haben so viele große Heilige diese Lehre erhalten, wie Milarepa, Gampopa, alle 16 Karmapas, die nie in schmutzige Politik verwickelt waren. Oder viele, viele spirituelle Führer der Gelugpa, Sakyapa, Nyingmapa... Der Dharma ist also da, und Ihr solltet daher alle dem Dharma in einer reinen Art folgen, ohne Verbindung mit tibetischen Problemen. Darum möchte ich euch alle bitten. Gebt hier acht!

Ich bin sehr traurig, daß die Tibeter, sowohl drinnen (Anm. d. Übers.: in Tibet) als auch draußen - jetzt von ihren eigenen Leuten sehr verwirrt werden. Na ja, vielleicht passiert das überall, aber mir ist eben das vertraut...Es gibt soviel Tratsch, so viele gegenseitige Vorwürfe, überall lose Rede und Verleumdungen zwischen all den geistigen und politischen Führern. Es geschieht so viel - aber das Problem liegt bei den Leuten, nicht beim Dharma. Seid also vorsichtig, OK?

Wenn es um Dharma geht: ja! Wenn es um den Guru geht - wie jetzt, wo wir hier verschiedene Pujas machen, um sie dem verstorbenen Rinpoche zu opfern, und Ihr nehmt alle daran Teil - das ist hervorragend, Ihr werdet viel Verdienst ansammeln.

Was z.B. mich betrifft: Ich habe am Anfang an den Pujas teilgenommen; es war als Opferung für Rinpoche, der ein großer Bodhisattva ist. Weil ich ihn respektiere. Und Ihr nehmt alle dauernd an den Zeremonien teil, weil viele von Euch seine persönlichen Schüler sind und er Euer so genannter Wurzellama ist. Das ist hervorragend, es ist eine sehr gute Verhaltensweise.

Gleichzeitig passieren so viele Dinge. Und viele von Euch sind einfach im Dharma - das ist sehr gut. Ihr solltet Euch nicht am Geschwätz der Leute oder sonstigem beteiligen.

Solltet Ihr mehr darüber wissen wollen, was in Bezug auf den nächsten Karmapa geschehen wird: Ihr werdet es später erfahren, macht Euch keine Sorgen. Fragt nicht überall herum »Was ist los, was ist los? «; sonst bekommt Ihr von jedem eine andere Antwort, die dann weitererzählt und unter Euch weitergegeben wird, was zu immer mehr Verwirrung führt. Deshalb sage ich: Wartet, behaltet die Situation im Auge. Wartet, wartet, und Ihr werdet eine sehr deutliche Erklärung bekommen.

Und, obwohl soviel passiert, am Ende wird das Ergebnis gut sein, davon bin ich völlig überzeugt. Wir

 

brauchen uns daher deshalb keine Sorgen zu machen. Die Tatsache, daß in dieser Zeit soviel geschieht, entspricht eigentlich der menschlichen Natur, oder - in Übereinstimmung mit den Vier Edlen Wahrheiten: Das Problem ist immer da, nämlich die Wahrheit vom Leid. Das ist die Natur der Lebewesen! Vergänglich! Sogar große spirituelle Führer sterben wie ganz gewöhnliche Menschen. Da sie in einer gewöhnlichen Form kommen, geschieht es auch mit ihnen. Das nennen wir vergänglich, das gibt es.

Folgt daher dem Dharma in einer reinen Art und Weise. OK? Ihr tut es, und ich bin sehr glücklich darüber. Und: bitte macht weiter und gebt Acht, OK?

Danke, das ist alles, was ich zu sagen habe. Falls Ihr irgendwelche Zweifel oder irgendwelche Fragen habt, würde ich mich freuen, sie Euch in den nächsten zehn oder fünf Minuten zu beantworten.

Seine Eminenz Shamar Rinpoche beantwortet Fragen:

Anm. d. Übers.: Die Fragen nach der kurzen Ansprache dauerten ca. 1 Stunde. Es sind hier nur jene Fragen und Antworten enthalten, die sich unmittelbar auf die Schwierigkeiten rund um die Anerkennung des Gyalwa Karmapa beziehen. (F=Frage, R=Rinpoche)

F.: (Die Frage wurde auf Tibetisch gestellt)

R.: Die Frage war, daß ich alles sagen sollte, was ich den Leuten (Anm. d. Übers.: den Tibetern) gesagt habe. Da ich es ja bereits gesagt habe, werdet Ihr es erfahren und dann verwirrter sein. Ja, das stimmt, das stimmt. Zu Beginn bildeten wir eine Gruppe um die Reinkarnation Seiner Heiligkeit Karmapa aufzufinden, eine sehr starke Gruppe. Und wir fanden einen kurzen Brief im Tengam, also in der »Schatztruhe«. Es war für uns sehr schwer, die Bedeutung dieses von Seiner Heiligkeit selbst geschriebenen Briefes perfekt zu beurteilen. Gyaltsab Rinpoche gab einige Erklärungen. Der Inhalt war jedoch sehr tantrisch. Im Vajrayana kommen immer Dinge vor wie Manifestation aus einer Keimsilbe, Manifestation in der Form der großen Gottheiten und so. Da (Anm. d. Übers.: in dem Brief) stand Ähnliches. Wir beschlossen, den Brief dort zu lassen. Und die Hinweise waren, dass die Reinkarnation von selbst erscheinen würde und, dass sich der Brief und die Reinkarnation gegenseitig bestätigen würden. Soweit haben wir es beurteilt.

Ich erinnere mich jetzt nicht genau - ich müsste in den Akten nachsehen - aber wir trafen uns oft. Ende 1986 wurde Situ Rinpoche darüber sehr beunruhigt, weil er unter sehr starkem Druck der Menschen in Tibet stand, die ihn fragten: »Wo ist er? Er muss jetzt gefunden werden! Wie kann es sein, dass überall so viele Rinpoche gefunden werden, und nur bei Karmapa ist es so? « Sie setzten ihn so unter Druck! Ich weiß das. Und Situ Rinpoche wurde immer mehr beunruhigt. Aber Jamgön Rinpoche und ich selbst stimmten in letzter Zeit immer mehr darin überein, bei einem Prinzip zu bleiben: nämlich, dass Karmapas Essenz, seine Persönlichkeit, die einzigartige Weise, in der seine Reinkarnation anerkannt wird, beibehalten werden muss. Es gibt ja in Tibet sehr hohe Lamas wie den Dalai Lama, Sakya Kunga Rinpoche...so viele heilige und hohe Lamas. Die Art, in der Seine Heiligkeit Karmapa anerkannt wird, ist sehr unkonventionell: Er bestätigt sich selbst. Jamgön Rinpoche und ich betonten die Beibehaltung dieses Prinzips sehr. Diese Tradition soll nicht verschwinden. Wenn wir selbst irgendein Kind anerkennen oder den Dalai Lama darum bitten - es wäre nicht richtig. Daher haben Jamgön Rinpoche und ich gemeinsam beschlossen, dies so zu handhaben. Und Situ Rinpoche fragte immer wieder: »Was machen wir, wenn wir die genaue Bedeutung des kurzen Briefes nicht herausfinden können? Sollen wir für immer so bleiben? « Darauf erwiderten wir - vor allem Jamgön Rinpoche: »Nein, Karmapa wird einer nach dem anderen - 29 mal kommen, er kann nicht einfach verschwinden. Karmapa wird kommen, daher können wir darauf warten. «

Ich wurde auch von S.H. Dalai Lama ermutigt. Ich traf ihn einmal in Delhi, und er sagte mir: »Jetzt werden Euch die Leute drängen. Wenn Ihr dem einfach nachgebt und einfach in aller Eile hier und da Entscheidungen trefft, wird dies für die Suche nach dem echten Karmapa sehr schlecht sein. Daher müsst Ihr entspannt und geduldig sein«. Diesen Rat gab mir der Dalai Lama 1984 in Delhi. Er ermutigte mich sehr, und ich bin noch immer fest bei meiner Überzeugung.

Im Jahre 1988, glaube ich, schickte Situ Rinpoche einen Brief hierher, in dem er wieder ein Treffen von uns vier vorschlug und erwähnte, dass es jetzt sehr klare Informationen gäbe. Diese Nachricht brachte so viel Aufregung unter die Leute. Wir wussten alle, dass wir den Satz nicht erklären könnten, da seit dem letzten Treffen nicht viel Zeit vergangen war. Daher beschlossen wir, das Treffen nicht im Rumtek-Kloster abzuhalten, wo all die Leute aus Sikkim und alle kommen würden, sondern im Kloster in Delhi. Schließlich entschieden wir uns dafür, uns in Situ Rinpoches Hotelzimmer - er wohnte im Oberoi Hotel - zu treffen, was auch geschah. Das war im Eisen-Pferde-Jahr. Das Ergebnis war dasselbe: Wir konnten die Bedeutung nicht genau erklären. Unsere Verlautbarung über dieses Treffen haben wir - auf tibetisch - überall hingeschickt.

Kurz vor Jamgön Rinpoches Tod trafen wir uns hier. Zuvor hatte ein tibetisches Komitee aus Nepal sehr wild geschriebene Briefe überall hingeschickt. Darin forderten sie, dass S.H. Karmapa von Situ Rinpoche anerkannt werden muss, weil dies mit der früheren Tradition übereinstimme. Wir haben keine solche Tradition! Unsere Tradition ist, dass der Karmapa sich selbst anerkennt. Aber so stand es dort. Und von so vielen Leuten unterzeichnet! Ein Teil dieses Familienverbandes ist in Assam, und auch hier wurde ein wilder Brief geschrieben und überall hin verschickt. Und dies führte dazu, dass alle verwirrt wurden und so viele schlechte Gerüchte und Geschichten entstanden: »Der Shamar Rinpoche wird einen bhutanesischen Prinzen als Karmapa anerkennen, da ihm der König dafür eine große Summe Geld versprochen hat! « Diese Geschichte wurde konstruiert und kam nach Tibet. Die Leute dort glauben sie noch immer. Sie leben in einer sehr abgeschiedenen Gegend und sind sehr gutgläubige Menschen. Sie glauben es. Dieser Untergrundplan drang dann auch sehr gut in die sikkimesische Gesellschaft ein. Beim letzten Mal (Anm. d. Übers.: beim letzten Treffen) kamen dann sehr viele Leute hierher, angeführt von Herrn Künzang Sherab, dem früheren Unterrichtsminister, viele der Khampas aus Nepal und Akong Rinpoche, der sich als ihr Anführer verhielt. Sie übten sehr viel Druck aus: »Die Entscheidung muss jetzt fallen ... Wo ist er? « Sie waren alle draußen, während wir drinnen unser Treffen abhielten. Dann fragte uns Situ Rinpoche vorsichtig: »OK, nun, habt Ihr die Anweisungen oder nicht? « Ich verneinte, ebenso wie Jamgön Rinpoche. Auch Gyaltsab Rinpoche sagte, dass wir die Anweisungen darüber, wie dieser Brief zu verwenden sei, nicht hätten. Da stand Situ Rinpoche auf, verbeugte sich drei Mal vor dem Sitz Seiner Heiligkeit und opferte einen Schal. Dann setzte er sich und holte einen kleinen Beutel hervor. Er hatte einen Brief! Ein Brief war da! Situ Rinpoche sagte, S.H. Karmapa hätte ihm diesen Brief persönlich in Kalkutta gegeben. Ich weiß nicht genau, wann er den Brief erhalten hat, nur dass es in Kalkutta war und - natürlich - vor Karmapas Tod. Ich fragte ihn, warum er den Brief so lange behalten habe. Er antwortete, er hatte nicht gedacht, dass es ein Brief sei, sondern ein Schützer. Und der Brief - die Hälfte davon ist verwischt, vor allem die Unterschrift ist verwischt, die Unterschrift ist sehr undeutlich. Ich fragte ihn, wie das passiert sei, und er antwortete, er habe es lange als Schützer getragen und durch das Schwitzen sei er (Anm. d. Übers.: der Brief) verwischt worden. Ich konnte den Brief nicht akzeptieren, auch Jamgön Rinpoche akzeptierte ihn nicht. Gyaltsab Rinpoche akzeptierte sofort. Wir waren entsetzt. Gyaltsab Rinpoche hat den Brief nicht genau gelesen: »Ah, das ist er. Die perfekte Handschrift von S.H. Gyalwa Karmapa!«. Dann sagte ich: »Ich kann das nicht akzeptieren. Ich kann nicht sagen, es sei echt, ich kann aber auch nicht sagen, es sei falsch. Wir müssen ihn (Anm. d. Übers: den Brief) untersuchen lassen. Wir haben die persönliche Handschrift von Seiner Heiligkeit, wir haben die persönliche Handschrift von Situ Rinpoche. Dieser Brief muss einem Test unterzogen werden«. Dieser Streit dauert derzeit an.

S.E. Jamgön Rinpoche wollte immer Frieden stiften, und daher sagte er: »Wir müssen dieses Problem unter uns lösen, es sollte nicht hinausgehen. « Und, um die Situation zu beruhigen, schlug er freiwillig vor, nach Tibet zu reisen und dann zurückzukehren. Dann gingen Jamgön Rinpoche und ich an das andere Ende des Zimmers, um unsere Vorgangsweise zu besprechen - ähnlich wie im Parlament, wo sich Leute aus den verschiedenen Parteien und Gruppen in verschiedenen Ecken treffen, um zu besprechen (Rinpoche lacht). Jamgön Rinpoche und ich konnten den Brief nicht akzeptieren, wir konnten nicht sagen, es sei der richtige und konnten nicht sagen, es sei der falsche: die Schrift war jener S.H. Karmapa nicht sehr ähnlich, die Unterschrift war verwischt, undeutlich. Der Brief war sehr klar; folgt man ihm, ist das Baby leicht zu finden, weil alles klar dort steht, der Name des Vaters, das Alter... Wäre dies der persönliche Brief (Anm. d. Übers.: von Karmapa) könntet Ihr uns natürlich vorwerfen, warum wir diesem Brief bisher nicht gefolgt seien (Rinpoche lacht). Dann hätten wir drei, oder wir vier einen großen Fehler gemacht, da wir angesichts dieser Klarheit bisher nichts getan hätten. Er (Anm. d. Übers.: Situ Rinpoche) gab uns den Brief und ich sagte: »Ich kann nicht«. Dann sagte Jamgön Rinpoche: »OK, wir haben eine Möglichkeit, dieses Problem zu lösen. « Es stimmt: wäre Jamgön Rinpoche noch da, könnte das Problem unter uns gelöst werden. Weil wir - die Verwaltung von Rumtek und ich - ihn achten und ihm vertrauen. Und selbst wenn die beiden Rinpoches ihm wegen seines Festhaltens an diesem Prinzip nicht trauten, so hätten sie ihn doch respektieren müssen. Er hätte daher die Probleme lösen können. Aber unglücklicherweise passierte das (Anm. d. Übers.: der Unfall) nur wenige Tage nach diesem Treffen. Jetzt habe ich keinen Zeugen. Ich bin der einzige. Die beiden Rinpoches sagen noch immer, es sei der Originalbrief von Karmapa. Das wurde auch S.H. Sakya Rinpoche gesagt. Es gab keinen Grund, ihn einzuladen und von ihm eine Bestätigung zu bekommen. Wir haben keine solche Tradition, wir haben keinen Grund, den Brief von Sakya Rinpoche bestätigen zu lassen. Und in meiner Abwesenheit brachten sie plötzlich Sakya Rinpoche hierher, öffneten den Brief, machten soviel Werbung, alles mögliche! Sie schickten Leute nach Kathmandu und machten dort eine Verlautbarung, sie gingen nach Lhasa und machen jetzt... alles so schnell, so schnell! Und nur einen Tag vor meiner Rückkehr gingen sie schon nach Dharamsala. Ich weiß nicht, wo sie gerade jetzt sind. Da die Situation so weit gekommen war, mussten wir an die Öffentlichkeit, weil der Brief ja bereits in der Öffentlichkeit bekannt war.

Ich bin derjenige, der sagt: »Ich kann diesen Brief solange nicht als persönlichen Brief von S.H. Karmapa akzeptieren, solange er nicht durch eine gerichtliche Untersuchung bestätigt ist. « Deshalb muss ich das jetzt öffentlich sagen. Die Situation hat sich so ergeben. Wir hatten vor, es geheim zu halten... (Aufnahme unterbrochen.)

...Es gibt noch einen weiteren guten Grund: S.E. Jamgön Rinpoche und ich wussten von einer sehr vertrauenswürdigen Person, der S.H. Karmapa die Erläuterung zur Verwendung des Briefes oder vielleicht mehr, nämlich die vollständigen Anweisungen gegeben hat. Ich weiß es nicht. S.H. Karmapa muss ihr gesagt haben, sie solle zweien von uns einen Hinweis darauf geben, dass sie diejenige sei, die sie (Anm. d. Übers.: die Anweisung) hat. Daher gab sie S.E. Jamgön Rinpoche und mir den Hinweis. Wir wissen beide, dass diese Person mit ziemlicher Sicherheit die vollständigen Instruktionen hat. Aber wenn wir miteinander sprachen, redeten wir nicht soviel darüber. Jamgön Rinpoche sagte: »Besser, wir reden nicht, es könnte ein Hindernis entstehen. « Sogar wenn wir beide ganz allein waren, meinte er, wir sollten über dieses Thema nicht sprechen. In letzter Zeit musste ich - mit seiner Erlaubnis - so wie jetzt sagen, dass es jemanden gibt. Er (Anm. d. Übers.: Jamgön Rinpoche) hatte mir erlaubt, dies zu sagen und nicht mehr. Aber wenn Ihr mich fragen solltet, wer es ist, ob er Mönch ist oder nicht, ob er Rinpoche ist oder nicht, ich werde nichts sagen.

Er folgt genau den Anweisungen, die S.H. Karmapa ihm gegeben hat. Gestern sagte ich, dass ich, wenn diese Person die falsche ist, zurücktreten werde, weil ich ihr bisher gefolgt bin und daher einen Fehler gemacht hätte. Wenn diese Person auftaucht und falsch ist, dann OK, an diesem Tag werde ich zurücktreten. Ich habe das Vertrauen, diese Person ist da. Daher brauchen wir uns in dieser Sache nicht so beeilen.

Dies war der Hauptgrund. Der zweite Grund ist, dass dieser Brief nicht nach einem von S.H. Karmapa aussieht. Drittens: dieser Brief war nicht in dem Kästchen, und Situ Rinpoche bestand darauf, dass wir sagen, es sei jener persönliche Brief S.H. Karmapa, der in dem Schatzkästchen aufbewahrt worden sei. Aufgrund des Drucks mussten wir den Brief damals hineintun. Aber es wird sich herausstellen, ob der Brief ein eigenhändig geschriebener Brief ist oder nicht, es wird sich herausstellen. Damals legten wir ihn vorübergehend in das Kästchen. Dann änderte sich die Situation wegen des Todes von Jamgön Rinpoche.

Daher sage ich, dass am Ende das Ergebnis gut sein wird. Derzeit gibt es so viele, von schlechten Menschen hervorgebrachte politische Probleme. Ich kann den beiden Rinpoches nicht soviel vorwerfen, da sie, meiner Meinung nach, von schlechten Menschen, wirklich schlechten Menschen, in die Irre geführt worden sind. Wieso die beiden Rinpoches überzeugt werden konnten, weiß ich nicht. Na ja, vielleicht liege ich falsch. Das muss durch den Brief geklärt werden, ob es der richtige Brief ist oder nicht. OK? Das ist, was ich den Leuten gestern gesagt habe.

F.: (...) Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein hoher Rinpoche lügen soll.

R.: Vielleicht hatte er einen Grund, wegen des großen Drucks. Es gibt Druck. Ich kann Situ Rinpoche nicht so viel vorwerfen, weil er immer nach Tibet geht. Ich gehe nicht hin und, was die Leute in Tibet auch sagen mögen, ich höre es nur, das ist alles. Er geht dauernd hin. Er steht so sehr unter dem Druck der Öffentlichkeit.

F.: (größtenteils unverständlich)

R.: Na ja, ich kann nicht sagen, das Kind sei richtig oder falsch. Ich kann das jetzt nicht sagen, weil das Kind aufgrund des Briefes empfohlen wird. Daher muss zuerst die Echtheit des Briefes bewiesen werden.

F.: (unverständlich)

R.: Lasst mich das erklären: die Situation ist soweit gekommen, dass ich an die Öffentlichkeit gehen musste. Warum? Weil andere Dinge bereits öffentlich bekannt waren. Und die chinesische Regierung gibt dem Kind ihre volle Unterstützung. Und wenn der Junge nicht der richtige ist, aber bereits inthronisiert wurde usw. und drei Millionen Menschen in Tibet ihm folgen, und wenn Akong Rinpoche - Ihr wisst, es gibt die Erklärung in Europa - ob sie nun inoffiziell oder öffentlich gemacht wurde - dass er das Kind inthronisieren und es dann in alle Zentren weltweit bringen wird... Die Ausreise aus China wird einfach sein, da die chinesische Regierung ihnen Pässe und Visa geben wird, womit sie um die ganze Welt reisen können.

Und wenn das Kind nicht das richtige ist, hätte man, da es so viele Zweifel gibt, nicht an die Öffentlichkeit gehen sollen, aber da es bereits als Wahrheit verkündet wurde, wenn es so bekannt wird, dann werden wir das eines Tages nicht mehr klären können. Die Mehrheit der Leute hat es schon akzeptiert. Vielleicht nur ich mit... wie soll ich zu jedem von Euch laufen: »Das ist nicht wahr, das ist nicht wahr? « Daher musste ich jetzt Lärm schlagen (Rinpoche lacht), bevor irgendetwas passiert. Hilflos! Ich habe sehr genau nachgedacht und mir eine Vorgangsweise überlegt.

Ich hätte nie gedacht, dass so etwas passieren würde. Ich habe nur gehört, dass der Sakya Trichen Rinpoche hierher eingeladen worden und das Kästchen geöffnet worden sei, aber ich habe ebenfalls gehört, dass der Chief Minister von Sikkim Leute geschickt habe, um zuzuschauen. Das habe ich gehört. Aber dann hörte ich, dass Akong Rinpoche und Gyaltsab Rinpoches Sekretär mit einem Brief nach Tibet gekommen seien. Das alles hatte ich gehört. Als ich jedoch nach Deutschland kam, schickte das Reisebüro in Lhasa ein Fax, in dem alles erwähnt war: der Name des Vaters, das Alter des Kindes. Es war schon bekannt geworden.

F.: (unterbricht Rinpoche) : Wie...

R.: OK. Ich weiß nicht wie. Dann kam ich nach Delhi. Die Leute dort wussten noch nicht so viel. Die Leute dieser Seite wussten in Delhi noch nicht so viel. Nur Pasang ist natürlich dort, er wusste nicht. Ich kam hierher und dachte, die beiden Rinpoches seien da. Ich hatte vor, mit ihnen zu sprechen. Das hatte ich vor. Und wenn die beiden Rinpoches weiterhin sehr dickköpfig gewesen wären (Rinpoche lacht), hätte ich alle Karma Kagyü Rinpoches - die erfahrenen Rinpoches, nicht die jungen - zusammengerufen, ein Treffen mit ihnen abgehalten und dabei gesagt, was da ist. Das war meine Vorstellung.

Ich fragte den Fahrer, ob Topga Rinpoche hier sei. Er antwortete, Topga Rinpoche sei nicht hier. Ich war entsetzt und fragte, wieso er nicht da sei. Dann fragte ich meinen Fahrer, ob die beiden Rinpoches da seien. Er bejahte. Ich kam zu meinem Haus und wollte sofort hierher (Anm. d. Übers.: ins Kloster) gehen. Ich sagte zu Tsultrim, meinem anderen Diener: »Ich gehe jetzt zu den beiden Rinpoches. « Er sagte: »Die beiden Rinpoches sind weg. « »Wohin?« »Delhi.« »Wann?« »Vorgestern.« Ich war überrascht, wieso sie nach Delhi gefahren waren. Und kurz darauf erwähnte jemand, sie seien zu S.H. Dalai Lama gefahren. Also wurde gerade alles bestätigt, was ich nicht akzeptieren kann, nämlich der Brief. Nummer eins: S.H. Sakya Trizin Rinpoche, obwohl eine Bestätigung durch ihn nicht nötig ist: Bestätigt! Vielleicht kennt er die Handschrift S.H. Karmapas nicht und glaubt, es stimmt. Nummer zwei: Die chinesische Regierung gibt ihre volle Unterstützung. Drittens: Das Baby wurde bereits bekannt gemacht. Viertens: Die beiden Rinpoches sind zu S.H. dem Dalai Lama gegangen. Daher musste ich jetzt Lärm machen. Sonst ist es vielleicht zu spät. Ich sprach mit Herrn Jigdral Densapa, und er sagte mir: »Ich bin Laie, Ihr Rinpoches solltet sehr sorgfältig nachdenken. « Und weiter: »Wenn Du irgendetwas beschließt, musst Du den Generalsekretär konsultieren, weil dies nicht Deine Verwaltung ist, Du bist hier nur vorübergehend an der Spitze, später kommt S.H. Karmapa. Daher ist all die Verantwortung nicht Deine Privatsache. Du kannst allein keine Entscheidungen treffen. « Dies sagte er, und es stimmt. Und er sagte weiter: »Der Generalsekretär und Du, Ihr beide, solltet besprechen und dann die anderen zu Rate ziehen. Ihr beide könnt keine Entscheidungen treffen. « Das sagte er. Sehr richtig. Ich versuchte, Topga Rinpoche anzurufen: Unmöglich, ich konnte ihn nicht erreichen. Dann war plötzlich mein Telefon außer Betrieb! (Rinpoche lacht) OK. Ich dachte und dachte: »Wenn ich es jetzt nicht bekannt gebe, wird es zu spät sein. Nur auf Topga Rinpoche und auf Yab Jigdral La warten und wieder aufpassen; dabei hatten wir wochen- und monatelang sehr, sehr aufgepasst, und dann geht alles hinaus. Jetzt ist es zu spät. « Und ich beschloss, es den Leuten zu sagen.

F.: War der Druck auf Situ Rinpoche so stark, dass er eine falsche Aussage gemacht hätte?

R.: Nein, nein. Vielleicht hatte Rinpoche - das ist meine Vorstellung, meine Art, dies zu beurteilen, meine Annahme - eine Vision, einen Traum oder Ähnliches, dass das Kind ein besonderer Junge sei, oder so. Um ehrlich zu sein, wir hatten die beiden Rinpoches nicht informiert, dass es da noch jemand anderen gab. Daher haben sich die beiden gedacht, sie müssten etwas tun, da es nun keine weiteren Anweisungen gäbe. Und Leute wie ich, wie Jamgön Rinpoche, denen es immer schwer fällt, etwas zu akzeptieren, ohne dass es einen Brief oder sonst etwas gibt, der nachweislich von Seiner Heiligkeit stammt ... vielleicht musste er (Anm. d. Übers.: Situ Rinpoche) also einen Brief machen und uns überzeugen. Da das Kind nicht falsch ist, kein schlechter Junge, ein guter Junge, eine sehr besonderer Junge, vielleicht hat er (Anm. d. Übers.: Situ Rinpoche) sich daher auf diesen Entschluss gestürzt. Das habe ich mir gedacht. Jetzt habe ich keinen Zeugen, Rinpoche (Anm. d. Übers.: Jamgön Kongtrul Rinpoche) ist nicht mehr... Ich sagte zu Rinpoche (Anm. d. Übers.: Situ Rinpoche): »Wenn Du in Deinem Supergeist eine Information hast, dass das Kind da ist, und gedacht hast, dass wir es nicht akzeptieren werden, und Du deshalb diesen falschen Brief gemacht hast, sag es bitte jetzt. In diesem Fall werde ich es einsehen. «, schwor ich vor dem Herzstupa. Ich sagte an jenem Tag zu Situ Rinpoche, dass wir dann nachdenken können... Und Situ Rinpoche sagte nach wie vor Nein, es sei der persönliche, handgeschriebene Brief, den ihm Karmapa in Kalkutta gegeben habe. Er sagte dies immer wieder.

F.: (weitgehend unverständlich) (Anm. d. Übers.: Die Frage dreht sich darum, dass es einerseits die Person gibt, von der Shamar Rinpoche spricht und andererseits den von Situ Rinpoche vorgelegten Brief gibt.)

R.: Vielleicht kommt es zusammen, ja? Der Brief, den Situ Rinpoche jetzt gemacht hat, und diese Person, dann wären dies hervorragend, ja? Das kann auch passieren. Ich hoffe, dass es passiert, dies ist mein, ja, größter Wunsch. Wenn dies zusammenkommt, dann werde ich es voll akzeptieren. Ich werde akzeptieren.

F.:(Anm. d. Übers.: Die Frage dreht sich darum, dass Shamar Rinpoche, aber vor allem Topga Rinpoche abwesend waren. Der Fragesteller möchte vor allem wissen, was für den Generalsekretär in dieser Zeit wichtiger sein konnte.)

R.: Dass ich abwesend war, das werdet ihr später erfahren... Es gibt einen Grund dafür. Dieser Grund war im voraus geplant. Ein Grund ist die Konferenz (Anm. d. Über.: in den USA). Es gibt einen zweiten Grund.

Wir haben dem Generalsekretär gesagt, er solle hier sein. Er war nicht hier! Ich war darüber äußerst beunruhigt. Ich habe dann gerüchteweise gehört, er hätte furchtbare geschäftliche Schwierigkeiten. Seine Fabrik sei von der Regierung konfisziert worden oder so, weil sie nicht richtig gearbeitet hätten. In seiner Abwesenheit hätte der Sekretär / Sekretärin viele juristische Fehler gemacht. So ähnliche Gerüchte habe ich gehört. Er sei sehr damit beschäftigt, all diese privaten Probleme zu lösen, dies habe ich gestern von Herrn Jigdral Densapa erfahren. Nein, es war nicht Herr Jigdral Densapa, sondern jemand anderer. Auf jeden Fall habe ich das gehört. Wie auch immer, er (Anm.: Der Generalsekretär) sollte häufig hier sein, dann könnte nicht so viel passieren, er könnte davor schützen. Es ist jetzt - ganz ehrlich gesagt - für die Leute auch schwierig, Verantwortung zu übernehmen. Die Leute in Los Angeles haben mir gesagt - und dies sind nicht nur Gerüchte, sondern große Wellen, die sich in Taiwan und in Amerika ausbreiten - dass Jamgön Rinpoche vom Generalsekretär ermordet worden sei! Dass ist dort eine große Welle! Ihr werdet bald davon hören. Und noch weitere Geschichten: Sie sagen, eine Bombe sei explodiert. Ich sagte: »Wie können Leute das glauben, weil früher oder später werden sie erfahren, was passiert. « Lin Susan und viele Leute, Karma Kagyü Leute in Los Angeles, haben mir gesagt: »Die Welt ist in gewisser Weise klein, in gewisser Weise groß. « Wenn Leute einmal durch viele Geschichten überzeugt sind, ist es sehr schwierig, dies zu klären. Und dann kam ich nach Deutschland, und dort hatten viele die Information, der Generalsekretär hätte mit Hilfe der bhutanesischen Regierung, dem Geheimdienst oder so, Leute geschickt, um die Bremsen zu lockern. So viele Geschichten, wirklich! Und sie beziehen sich auf die Prophezeiung des fünften Karmapa, dass ein Böser kommen würde. Er (Anm. d. Über.: der Generalsekretär) sei dieser Böse, weil er Jamgön Rinpoche getötet hätte. Diese Gerüchte gibt es.

F.: Kann ich Ihnen eine letzte Frage stellen, weil Sie davon sprechen, dass die verschiedenen (...) Rinpoches von anderen Leuten beeinflusst worden seien, wodurch gewissermaßen Verwirrung in ihrem Geist entstanden sei, und dass ihre Aktivität je nach Beeinflussung (...). Ich habe auch von S.E. Jamgön Rinpoche selbst persönlich oft gehört, dass, was S.E. Shamar Rinpoche betrifft, dass es keinen Zweifel daran gibt, dass er (...) der von S.H. Karmapa anerkannte Halter der Roten Krone sei, dass er jedoch schrecklich beeinflusst sei von Leuten, die ihn (...). Und dies gäbe ihm so verzerrte, wissen Sie?, Ansichten darüber, wie die Dinge sein sollten. Und Seine Eminenz sagte auch bei mehreren Anlässen (...) und dass S. E. Jamgön Kongtrul Rinpoche (...) sehr schockiert war zu höre, der Generalsekretär habe mit dem Finger auf Euch drei Rinpoches gezeigt: »Seid vorsichtig. Ich bin kein ... Ich bin ein Mann, der keine Wertschätzung für Tugendhaftes und Untugendhaftes hat.« Können Sie etwas dazu sagen?

R.: Ja, das war vor sieben Jahren...1983. Wir hatten eine schwere Krise, die zur Gänze von wirklich vielen schlechten Leuten geschaffen worden war. Am Anfang hatten wir viele Missverständnisse. Daher (...) Herr Jigdral Densapa hat uns immer geraten: »Was die Reinkarnation betrifft, bist Du mit Jamgön Kongtrul Rinpoche sehr verbunden, aber mit Situ Rinpoche nicht sehr.« Wie ich schon sagte, hatten wir früher alle viele Missverständnisse. Alle arabischen Länder wissen, dass es wichtig ist, vereint zu sein, aber sie finden keine Möglichkeit, sich mit Saddam Hussein zu verbinden. Warum? Weil er völlig verschiedene Ziele hat. Hat man dasselbe Ziel, dann kann man manchmal von Leuten verursachte Missverständnisse haben, aber solange man das gleiche Ziel hat, kann man zusammenkommen und alles klären. Und schließlich war zwischen Jamgön Rinpoche und mir alles geklärt. Zu Beginn, ja, ja. Jetzt bin ich zu der Erkenntnis gelangt, dass diese Leute, die für die Reinkarnation von S.H. Karmapa so viele Schwierigkeiten machen wollen - die beiden Rinpoches sind nicht beteiligt: Situ Rinpoche und Gyaltsab Rinpoche sind daran nicht beteiligt - schlechte Menschen, die im Untergrund da sind, die das so genau geplant haben; mir ist jetzt klar, dass sie diesen Plan genau zu jener Zeit geschmiedet haben, als S.H. Karmapa sehr, sehr krank und sein Tod sicher war. Sie machten bereits diesen Plan zu ihrem eigenen Nutzen. Und sie wussten, dass der Weg zum Erfolg ihrer so zahlreichen schlechten Dinge durch drei oder zwei Leute blockiert war. Es ist eindeutig: Jamgön Rinpoche und ich, und der Generalsekretär. Der Generalsekretär nicht, weil er ein heiliger Rinpoche oder so jemand ist...naja, er ist Rinpoche, aber nicht das. Aber, solange er Generalsekretär ist, hat er eine Verantwortung, daher ist er ein weiterer Mächtiger in dieser Gegend, für Karmapas Reinkarnation. Weil die Verwaltung betroffen ist, ist er ein weiterer Mächtiger. Daher wollten sie den Weg freimachen. (...)

Anm. d. Übers.: Der nun folgende Teil ist die Übersetzung aus einer der zahlreichen in letzter Zeit verschickten Abschriften.

Der Weg war also durch uns drei blockiert. Daher trieben sie einen Keil zwischen uns, zwischen Jamgön Rinpoche, mich und den Generalsekretär. Ich meine, dass das Problem vor allem aufgrund von Unreife und Unerfahrenheit entstanden ist. Rinpoche (Anm. d. Übers.: Jamgön Rinpoche) war damals 29 oder 30 Jahre alt. Menschen wir Ihr aus Deutschland, Amerika, der westlichen Welt oder geschäftigen Gesellschaften wie in Hong Kong können sehr schnell reifen. Ich kenne Geschäftsleute, die sagen, dass die Leute in Singapur mit jenen aus Hong Kong nicht mithalten können, weil deren Gesellschaft schneller ist. Die Leute können schneller denken. Wir sind im Kloster erzogen worden und waren nie in solche Politik involviert. Wir waren nicht soweit gereift, dass wir so schnell an solche Tricks hätten denken können. Wie ich schon sagte: Wir sind noch keine Buddhas! Wir können Fehler haben! Ja, die Leute waren überzeugt, ich und Topga Rinpoche würden etwas tun, um den Besitz von Karmapa zu übernehmen. Sie haben Jamgön Rinpoche dauernd informiert. Als Jamgön Rinpoche es dann auch geglaubt hat, haben sie ihn benützt. Am Ende hatte er den schlechten Namen, während die eigentlichen Unruhestifter im Hintergrund standen. Na ja, wir wussten, dass Jamgön Rinpoches Motivation vollkommen rein war. Da mir die Motivation wichtiger ist, wusste ich, dass seine Motivation rein war, obwohl er als mein hauptsächlicher Widersacher im Vordergrund stand. Seine eigenen Begleiter sind hier, vielleicht wissen sie mehr oder weniger Bescheid und können das bezeugen. Obwohl er vor mir stand und die schlechten Leute nur im Hintergrund, war ich auf sie zorniger als auf ihn. Meine Herausforderungen galten gewissermaßen der Verteidigung. Gleichzeitig respektierte ich aber seine Motivation. Er tut alles für Karmapa.

In den Jahren 1988, 89, und 90 wurde alles geklärt. Wir sprachen viel miteinander und informierten uns gegenseitig, wie alles geschehen war. Jamgön Rinpoche informierte mich auch darüber, dass Leute um ihn herum ihn irregeführt hätten. Die entsprechenden Unterlagen befinden sich in unseren Akten. Er erzählte mir, dass ihm diese oder jene Person dieses oder jenes gesagt hätte. Ich war auch noch nicht ganz gereift in politischen Sachen, wusste nicht, wie ich damit umgehen sollte. Jetzt verstehe ich, dass ich die Zusammenhänge nicht durchschaute. Hätte ich damals die Zusammenhänge nachvollziehen können, wären die alten Missverständnisse zwischen Jamgön Rinpoche und mir schon lange geklärt worden. Jamgön Rinpoche dachte, dass Topga Rinpoche mich überzeugt hätte und alle Geschäfte in Rumtek übernehmen wollte. Jamgön Rinpoche glaubte das, weil er dementsprechend informiert worden war.

Ich glaube nicht, dass Ihr all diese Schwierigkeiten kennen müsst. Wozu auch? Wenn Ihr darüber wirklich Bescheid wissen wollt, könnt Ihr alles von Kopf bis Fuß herausfinden, was passiert ist. Aber es ist zu spät, um herauszufinden, wie es zu den Missverständnissen gekommen ist, weil Jamgön Rinpoche weg ist. Wie Du, wenn Du Dich darüber hättest informieren wollen, hättest Du schon vor langer Zeit fragen sollen, und nicht nur eine Seite, sondern beide. Es gibt Leute, die bezeugen können, ob wir Rumtek übernehmen wollten oder nicht. All diese Unruhestifter mussten später Rumtek verlassen, weil sie ihr Ziel nicht erreicht hatten und es daher immer klarer werden würde, dass sie die Wurzel seien. Sie mussten daher weglaufen, wir haben sie nicht hinausgeworfen - sie sind weggelaufen. Sie sind an verschiedene Orte ausgewandert. Es gibt diese Leute noch, sie sind nicht tot. Sie sind das Problem.

F.: (unverständlich)

R.: Ja, am Ende wird sich alles beruhigen.

F.: (unverständlich)

R.: Es wird sich klären. Das ist wirklich wahr. Ich glaube, wir sollten jetzt Schluss machen.

Der folgende Brief wurde von Shamar Rinpoche in Englisch am 11. Juni 1992, dem Tag vor der Rückkehr von Situ Rinpoche und Gyaltsab Rinpoche nach Rumtek, veröffentlicht:

Dear Karma Kagyu Members,

From reliable sources I was informed that Tai Situ Rinpoche and Goshir Gyaltsab Rinpoche, in my absence, sent representatives such as Akong Rinpoche and others to recognise and bring the 17th Gyalwang Karmapa to Tsurphu in Tibet.

If this is the case, the recognition must be based on the letter brought by Tai Situ Rinpoche, supposed to be a letter written by His Holiness Karmapa. Unfortunately the authenticity of this letter is doubtful, and until appropriate tests have been done and confirmed, it is not advisable for anybody to rush into any kind of action.

I have full confidence, however, that at the end all information concerning the 17th incarnation of His Holiness Karmapa will come out clearly and without any doubts, when time is ripe, in accordance with the original instructions given by H.H. the 16'th Gyalwang Karmapa.

Shamar Rinpoche


Künzig Shamar Rinpoches Verzicht auf Untersuchung des Briefes…



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