Aus: Buddhismus Heute Nr. 7, (Winter/Frühjahr 1991)

Tsechu Rinpoche in Petersburg

Ein Kursbericht von Gabi Kremer

Wie die ganzen Ereignisse während des Kurses einzuschätzen waren, erklärte uns später Ven. Lopön Tsechu Rinpoche. Zuerst zeigte er uns die Bedeutung des ungebrochenen Bandes zwischen dem Schüler und seinem ersten Dharmalehrer anhand eines Beispiels: Ein Mann, dessen erster Dharma-Kontakt eine Nonne war, verlor die Achtung vor ihr, nachdem sie ihre Gelübde gebrochen, geheiratet und Kinder bekommen hatte. Da traf er seinen Wurzellama und die Verbindung zwischen beiden war perfekt; Lehrer und Schüler waren, wie sie sein sollten. Vertrauen und Hingabe waren makellos. Nachdem einige Zeit vergangen war und der Schüler sich trotz bester Bedingungen nicht weiterentwickelte, fragte ihn der Lehrer nach seinem ersten Kontakt mit dem Dharma. Die ganze Geschichte wurde erzählt und der Lehrer bestand dann darauf, daß der Schüler diese Verbindung bereinigen und wiederherstellen sollte, da dies sonst weiterhin seine Entwicklung blockieren würde. Der Schüler befolgte diesen Rat und entwickelte sich daraufhin schnell und ungehindert.

Die wesentliche Aussage der Geschichte war, daß keine geistige Entwicklung mehr möglich ist, wenn die erste Verbindung mit dem Dharma unterbrochen ist, ganz gleich wie erleuchtet der nächste Lehrer auch sein mag

Wir alle waren sehr beeindruckt von Rinpoches Erklärungen und er fuhr fort, indem er nun von Qle und Hannah, und ihrem ersten Kontakt mit dem Dharma sprach. Dies war eine ganz besondere Situation, denn schließlich war Rinpoche selbst Oles und Hannahs erster Lehrer. Er erzählte, wie sie als Hippies zu ihm kamen, wie sie Tag für Tag seine Nähe suchten und ihr Geist sich dem Dharma öffnete. Wie sie schließlich Zuflucht nahmen und voller Hingabe und bedingungslosem Vertrauen sehr schnell lernten und nun, 20 Jahre später, selbst große Lehrer geworden seien. Er erzählte auch, wie er Ole und Hannah bei S.H. Gyalwa Karmapa eingeführt hatte: Nach einer Kronzeremonie hatte er sie mitgenommen und dem Karmapa vorgestellt. Sie bekamen Segen und nachdem sie wieder gegangen waren, fragte Seine Heiligkeit ihn, wer sie seien. Rinpoche antwortete: "Das sind meine Schüler." "Jetzt sind es meine," sagte Karmapa, "bitte gib sie mir, denn sie werden in Zukunft sehr viel Arbeit für mich tun."

Auf diese Weise wurden Ole und Hannah S.H. Karmapas Schüler. Rinpoche erklärte auch, daß man an Oles Arbeit sehen könne, daß er eine Aktivitäts-Aus-strahlung Karmapas sei und daß es so deutlich zu sehen sei, daß Ole keinen Titel brauche. Die starken, schnellen Resultate beim Phowa seien nicht nur ein Ergebnis der guten Verbindung zwischen Lehrer und Schüler, sondern ein Zeichen von Oles großer Kraft und der Reinheit der Übertragung, die möglich ist durch die bedingungslose Hingabe zu Karmapa.

So half uns Rinpoche, die Geschehnisse im richtigen Licht zu sehen, und nachdem Ole seine Arbeit getan hatte, erfüllte Rinpoche uns mit Segen. Er gab uns so viele Einweihungen, daß wir kaum wußten, in wessen Reinem Land wir uns gerade befanden.

* Eigentlich "St. Petersburg". Für dieses Heft wird "Sankt" Peter jedoch säkularisiert, da er sich den Titel selber gab und sein Verhalten eher unheilig war.


von Gabi Kremer