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BUDDHISMUS HEUTE
Aus: Buddhismus Heute Nr. 6, (Sommer 1991)

Drogen

Von Trogawa Rinpoche

Im Mai 1988 hielt der Lama und Arzt für tibetische Medizin Dr. Trogawa Rinpoche in der Nähe von München ein Seminar über tibetische Medizin ab. Freundlicherweise gab er KAGYÜ LIFE die Genehmigung, seine Erklärungen zu dem Thema "Drogen" zu veröffentlichen.

Was sagt die tibetische Medizin über Drogen?
Drogen, wie beispielsweise Opiate, haben sowohl aufputschende als auch beruhigende Wirkungen. Allerdings können sie sehr stark und giftig sein. Ein weiterer Effekt ist die Bildung von Gewohnheiten. Die Drogen wirken nicht nur, wenn sie eingenommen werden, sondern auch, wenn sie abwesend sind. Opiate zerstören allmählich die feinstofflichen Kanäle und Winde im Körper, die die Intelligenz kontrollieren. Für einen Meditierenden wird durch Opiate jede Möglichkeit der Weiterentwicklung blockiert. Die Meinung, daß jede Art von Rauschmitteln eine spirituelle Weiterentwicklung verhindert, wird allerdings nicht von allen geteilt. In einigen hinduistischen Traditionen wird Marihuana zu spirituellen Zwecken genommen.

Auch wenn man die Wirkung von Drogen interessant findet, sollte man sich einen bestimmten Effekt der gewohnheitsmäßigen Anwendung von Drogen vor Augen führen: da eine spirituelle Praxis darauf angelegt ist, über die Grenzen des Lebens hinauszugehen, sollte man sich klar darüber sein, was beim Sterben passiert, wenn man an Drogen gewöhnt ist. Selbst wenn man beim Sterben noch eine ausreichende Dosis im Körper hat, nimmt die Wirkung langsam ab, und die Droge ist im "Bardo" nicht verfügbar. In diesem Zustand zwischen Tod und Wiedergeburt, wo sich alle Eindrücke verstärken, wird man von einer starken Gier nach diesem Stoff und von großem Leiden erfüllt sein. In dieser Welt hat man als Süchtiger nur das Problem, die Sucht zu finanzieren. Aber man sollte bedenken, daß im Bardo keine festen Zusammenhänge bestehen. Da kann man keine Geschäfte mehr machen.Suchterzeugende Drogen gelten praktisch überall auf der Welt als äußerst problematisch. Neben den psychischen Schäden durch die Sucht verursachen die meisten Drogen auch schwerwiegende körperliche Komplikationen.

Sie haben gesagt, daß durch Opiate die Kanäle, in denen die Intelligenz "fließt", weniger durchlässig werden und dann zusammenbrechen. Ist das ein irreversibler Schaden im feinstofflichen Körper?
Das hängt, denke ich, vom individuellen Fall ab, von der Dauer und der Schwere der Sucht. War die Sucht sehr schwer, ist es möglich, daß der Schaden nicht wieder gutzumachen ist. Hat die Sucht nicht so lange bestanden, können bestimmte aufbauende Therapien eine Besserung bewirken.

Wie ist die Wirkung auf das weitere Leben, wenn der Süchtige zwar aufhört, aber die inneren Kanäle zerstört sind?
Auch das hängt wieder vom Einzelfall ab. Ich persönlich kenne einige Menschen, die süchtig waren und nach ihrem Entzug eine spirituelle Praxis aufgenommen haben. Allmählich hat diese spirituelle Praxis die Spätschäden aus den Tagen ihrer Sucht wieder rückgängig gemacht. Einige dieser Menschen schienen durch ihre lange Sucht sehr schwer geschädigt. Sie hatten aber noch eine gewisse Fähigkeit zum logischen Denken und konnten ein bestimmtes Verständnis des Dharma entwickeln. Die spirituelle Praxis weckte dann Kräfte in ihnen, die die schädlichen Auswirkungen ihrer Sucht bei weitem übertrafen. In solchen Fällen ist zum Beispiel die "Diamantgeist"-Praxis (Dorje Sempa) immer angezeigt.