Aus: Buddhismus Heute Nr. 48, (Frühjahr 2010)

Freundschaft - Die Grundlage all unseres Glücks

17. Gyalwa Karmapa Thaye Dorje und Lama Ole Nydahl am Ende eines Dharma-Kurses

Lama Ole zu den Kursteilnehmern:
Es scheint, dass Karmapa bereits so bekannt und beliebt und vielen Menschen so nah ist, dass sie von überall hierher kommen. Wir waren heute sehr viele hier, vielleicht 4000. So war es den ganzen Sommer über auf Karmapas Tour, überall viele Menschen und überall viele neue Gesichter. Das ist groß und bedeutet, dass wir wirklich eine Bewegung sind. Wir haben die kritische Masse erreicht, so dass alles nur noch wachsen kann und wachsen wird.

Das gibt uns allen eine gewisse Verantwortung. Es werden mehr Menschen zu euch kommen, wenn die Basis jetzt stärker und breiter wird. Sie werden euch Fragen stellen und das bedeutet, dass ihr unsere Bücher lesen müsst, damit ihr unsere Geschichte kennt, den Streamings folgt und euch auch bewusst darüber sein solltet, was in den verschiedenen Weltteilen geschieht. Besonders die Streamings sind sehr wichtig, ohne sie könnten wir auseinanderfallen.
Ihr müsst die Welt und die Geschichte beobachten, schauen was überall geschieht. Die Menschen werden erwarten, dass wir etwas wissen, Reife haben und echte Auskünfte und Rat geben können. Unsere Verantwortung wird wachsen. Wenn wir nur ein paar Hundert Leute wären, dürften wir verwirrt sein. Aber wir sind bereits viele Tausende, und deswegen können wir das nicht, denn wir haben Verantwortung. Die Menschen müssen fähig sein zu uns zu kommen. Es war eine Freude, dass Karmapa jetzt kam und der Schmerz ist selbstverständlich, dass er auch wieder geht. Aber ich denke, dass wir einen guten Eindruck gemacht haben und dass es ihm nichts ausmachen wird wieder zu kommen. Wir müssen nicht zu einer Höhle im Himalaya gehen und ihn herauslocken mit einem "Im Westen gibt es was zu erleben" und ihn dann mitnehmen (Lama Ole lacht). Ich denke, Karmapa wird gerne wieder kommen.
Karmapas Offenheit für uns ist auch ein großer Sprung. Durch unsere demokratischen und offenen Kulturen wurde hier eine große Brücke zwischen Ost und West gebaut. Heute hat sie sogar zum ersten Mal Korea erreicht: Die Hälfte der TV-Leute, die heute hier waren, kamen aus Korea, waren sehr interessiert und stellten viele Fragen. Wiederum etwas, das unsere Verantwortung verstärkt. Wieder etwas, das bedeutet: Wir dürfen nicht nur mehr werden, sondern müssen auch besser werden.

Lama Ole zu 17. Karmapa:
Karmapa, ich möchte dir zutiefst dafür danken, dass du zu uns kamst. Natürlich kann man die Spitze eines höheren Berges nicht von einem kleineren Berg aus sehen - und hier sind viele kleine Berge. Aber dennoch denke ich, dass wir alle darin übereinstimmen, dass wir unglaubliches Vertrauen zu dir haben. Wir sind wirklich offen für dich und denken mit unserer begrenzten Sicht: Du wächst die ganze Zeit über enorm, vertraust immer sehr der Welt, vertraust dir selbst, vertraust deiner Rolle in allem was du tust - und vertraust auch uns, mehr als je zuvor. Das ist das größte Geschenk, das du uns machen kannst. Wir werden dich in Zukunft noch tiefer im Herzen haben, und immer wenn etwas Gutes geschieht, werden wir es dir widmen können und fühlen, dass dein Segen zurückkommt. Du stehst jetzt wirklich an der Spitze unserer Pyramide, bist wirklich der Linienhalter und derjenige der den Segen gibt. Ich denke, dass ich das hier im Namen von allen sagen kann, und wir alle danken dir. (langer begeisterter Applaus)

Als jemand, der älter aber weniger weise ist als du, antworte ich den Leuten, die mich fragen, wie alles weitergehen wird, manchmal: "Niemand kann Karmapa stoppen, denn er ist nicht stolz". Wirklich! Stolz ist die eine Sache, die jeden stoppt und du hast das überhaupt nicht. Diese Eigenschaft scheint dir völlig zu fehlen - in deinem Ausdruck sowieso - und das ist wundervoll. Das garantiert unseren Erfolg, hält uns wirklich zusammen und macht alles rund und wunderbar.
Danke, Karmapa - von einem alten Mann, der dich wirklich sehr mag.

Gyalwa Karmapa:
Wir hatten eine wunderbare Reise seit Anfang Juni. Es war wirklich eine Freude, mit euch allen zu reisen, so viele von euch an verschiedenen Stellen der Welt zu treffen und so viel Entwicklung der Praktizierenden in der Zentrumsaktivität zu sehen, in die ihr unendlich viel Anstrengung gegeben habt. Ich habe das vollkommen genossen und von euch allen zeitlose Inspiration bekommen. Dafür möchte ich euch zu erst einmal danken.
Während all der Kurse in diesem Sommer haben viele von euch lange Reisen unternommen. Nicht nur zu ein oder zwei Veranstaltungen, sondern immer wieder über die zweieinhalb Monate hin. Ich bin mir sicher, dass das nicht leicht für euch war und habe tiefe Wertschätzung für eure Begeisterung und eure Hingabe zum Dharma. Ich möchte euch auffordern, damit immer weiter zu machen, und euch auch dafür meine Dankbarkeit aussprechen.
Ich habe eure Gesellschaft sehr genossen und möchte euch sagen, dass ich wirklich beeindruckt und berührt bin von euren Bänden, eurer Freundschaft, eurer Ehrlichkeit und eurer Grundlage euch gegenseitig als besondere Freunde zu verstehen. Darüber hinaus ist das Band zwischen euch und das zu eurem Lehrer sehr sehr wichtig. Darauf beruht die Aktivität, die über die letzten 35 Jahre hin diese wundervolle Entwicklung und dieses Wachstum möglich gemacht hat. Ich bin sicher, dass ihr das nie vergessen werdet. Aber ich möchte euch trotzdem auffordern, es niemals zu vernachlässigen. Haltet das immer ganz nah in eurem Herzen und versteht, dass es im Wesen des Buddhismus um Freundschaft geht. Es dreht sich alles um Vertrauen, um das Band in der Sangha. Auch in weltlicher Hinsicht ist Freundschaft die Grundlage all unseres Glücks. Das ist etwas, worum ich euch alle bitten möchte: fahrt mit dieser Einstellung fort und verstärkt sie.
Ihr könnt all die wunderbaren Lehren unserer Linie benutzen, um diese Entwicklung immer vertrauter, tiefer und reiner werden zu lassen. Wendet sie alle nach euren Fähigkeiten und eurem Wohlbefinden an. Aber am wichtigsten ist, dass ihr niemals eure Energie oder Zeit verschwendet, sondern euch stattdessen auf diese ganz einfache Sache konzentriert: Freundschaft. Solange wir alle das schaffen, werden wir ein strahlendes Wachstum und eine strahlende Zukunft vor uns haben. Die Zukunft wird immer sonnig sein und immer voller Freude. Diese Aktivität wird nicht nur für ein oder zwei Jahre weitergehen, auch nicht nur für 30 oder 40, sondern für Jahrhunderte und Jahrtausende. Sie wird für alle eine Quelle von Inspiration sein. Ich möchte euch alle bitten, mit eurem wundervollen Vertrauen in das Dharma fortzufahren und euch selbst zu vertrauen. Und natürlich werdet ihr immer mein Vertrauen haben. Ich danke euch vielmals.


Übersetzung aus dem Englischen:
Lama Oles Worte durch ihn selbst.
Gyalwa Karmapas Ansprache von Detlev Göbel und Claudia Knoll.