Aus: Buddhismus Heute Nr. 48, (Frühjahr 2010)

Diamantweg-Buddhismus in 21 mal 108 Wörtern

Von Wolfgang Poier

Die folgenden Assoziationen zu unserer Praxis sind von den 21 Zeichen des Wortes "Diamantweg-Buddhismus" abgeleitet. "Diamantweg" ist eine Übersetzung des Sanskrit-Begriffs "Vajrayana" und auch gleichbedeutend mit "buddhistischem Tantra". Jeweils 108 Wörter werfen ein Blitzlicht auf einzelne Aspekte dieses weiten Feldes.

Dorje - Der Geist ist unzerstörbar und strahlend wie ein Diamant
Unsere Welt misst Diamanten einen großen Wert bei, denn sie scheinen aus sich heraus zu leuchten und sind das Härteste, das es in der Welt gibt. Im Diamantweg-Buddhismus dienen sie als Metapher für den Geist: Dieser ist tatsächlich unzerstörbar, jenseits von Kommen und Gehen, jenseits von Geburt und Tod. Zugleich strahlt das klare Licht des Geistes heller als alles, was wir kennen - jenseits von Vorstellungen. Der Geist ist die Grundlage aller unserer Erfahrungen. Ihn voll zu erkennen, bedeutet Erleuchtung. Erleuchtung ist immer schon vorhanden; sie erscheint nach der Reinigung der oberflächlichen Schleier, die die Natur des Geistes bedecken.

Identifikation - Von Buddhas und Bodhisattvas lernen
Sich mit jemandem zu identifizieren, ist die kraftvollste Art zu lernen. Für Kinder sind es die Eltern, für Jugendliche Helden aus Filmen oder Büchern bzw. Pop-Idole, an denen sie sich orientieren. Ist man in jemanden verliebt, übernimmt man ganze Charaktereigenschaften oder Verhaltensweisen. Im Diamantweg spielt Identifikation im "Weg der Eins-Werdung" als Methode eine besondere Rolle: Man orientiert sich an den Qualitäten des Lama, die man durch Meditation und die eigene Reife mehr und mehr als sinnvoll, ja großartig erkennt. Man möchte ebenso große Fähigkeiten entwickeln, den Wesen zu nutzen. So verhält man sich wie ein Buddha, bis man ein solcher geworden ist.

Aufbau von guten Eindrücken und Weisheit - Voraussetzung für Meditation
Damit der Geist Freude bekommt, in sich zu ruhen, muss er durch positives Handeln mit guten Eindrücken sowie Weisheit aufgefüllt werden. Positives Handeln bedeutet schlicht und einfach, anderen mit seinen Gedanken, Worten und Taten zu nützen. Weisheit wird aufgebaut, indem dies frei von Trennung zwischen Subjekt, Objekt und Tat geschieht. Je mehr unser Geist bei allem in seiner Natur verweilt, desto mehr fühlen wir uns mit allem und allen verbunden, desto natürlicher wird positives Handeln. Als Bodhisattvas trainieren wir im Alltag die sechs befreienden Handlungen1, bei den Grundübungen geschieht der Aufbau von Verdienst und Weisheit insbesondere bei den "Mandala-Gaben".

Meditation - Der Geist wird klar und offen
Bei buddhistischer Meditation unterscheidet man zwischen Geistesruhe und Einsicht. Geistesruhe meint die Fähigkeit, Gedanken und Gefühle vorbeiziehen zu lassen wie Wellen im Meer. Unser Geist kommt dadurch zur Ruhe und wird sich seiner Strahlkraft bewusst. In der Einsichtsmeditation wird offenbar, was Gedanken und Gefühle ihrer Essenz nach eigentlich sind: Manifestationen des Geistes und von diesem nicht getrennt. Im Diamantweg-Buddhismus üben wir Geistesruhe, indem wir Buddhas als Formen von Licht und Energie vergegenwärtigen; Einsicht vor allem in der Vollendungsphase, wenn der Buddha sich in die Leerheit auflöst wie ein Regenbogen am Himmel und wir dann in der strahlenden Raumnatur des Geistes verweilen.

Ausstrahlungskörper - Den Wesen auf vielfältige Weise helfen
Durch den Aufbau von positiven Eindrücken und Weisheit sowie durch die geschickten Mittel der Diamantweg-Meditation erfüllen wir einen zweifachen Nutzen: Wir können den Wahrheitszustand verwirklichen, die Raumnatur des Geistes, und werden dadurch zu einem Buddha, zu einem aus dem Schlaf der Unwissenheit Erwachten. Wir nützen den Wesen auf unbegrenzte Weise, indem wir zugleich die Körper verwirklichen, die zum Nutzen von anderen sind und in die Welt der Erscheinungen hineinwirken: den Freudenzustand (Licht-Energie-Körper Buddhas) und den Ausstrahlungskörper (beispielsweise als Lama). Wir stehen am Anfang, aber je weiter wir auf dem Weg zur Erleuchtung voranschreiten, desto mehr Wesen können wir als Bodhisattvas berühren.

Ngöndro - die optimale Basis
Unsere Grundübungen2 heißen auf Tibetisch Chagchen-Ngöndro, Mahamudra-Vorbereitungen. Die 111.111 Wiederholungen ihrer vier Praxis-Teile lassen Quantität zu Qualität werden und schaffen die beste Grundlage, den Geist ungekünstelt in seiner Natur ruhen zu lassen: Die Verbeugungen bringen Orientierung und Motivation - das Ausrichten auf höchste Erleuchtung im Zuflucht-Nehmen sowie den Erleuchtungsgeist, den Wunsch, zum Nutzen aller Wesen Buddhaschaft zu erlangen. Der Körper wird kraftvoll und seine Energiekanäle werden gereinigt. Diamantgeist reinigt den Geist von karmischen Eindrücken und emotionalen Verdunkelungen, insbesondere Zorn, Mandala-Gaben bauen positive Eindrücke und Weisheit auf und Guru Yoga lässt uns den Segen der Übertragungslinie empfangen. Dieser 4. Teil vermittelt die Mahamudra-Sicht auf höchster Ebene.

Tilopa - Der große Verwirklichte in seiner Alltagspraxis
Tilopa ist der Name jenes indischen Verwirklichers, der am Anfang unserer Übertragungslinie des "Weges der Mittel", der tantrisch-buddhistischen Methoden, steht. "Til" bedeutet auf Sanskrit "Sesamsame" und ist ein Hinweis auf seine "Alltagspraxis". Er verdiente seinen Lebensunterhalt unter anderem mit dem Stampfen von Sesam. Dies ist eine einfache Tätigkeit mit großer Bedeutung - wie manches, was wir in unserem Leben tun: Der Mörser steht für Weisheit, der Stampfer für Methode, das Sesamkorn für unser gewöhnliches Bewusstsein. Erleuchtung ist darin vorhanden wie das Öl im Sesam, aber erst durch Arbeit und Fleiß im Anwenden von Methode und Weisheit kann Erleuchtung in unserem Bewusstsein aufscheinen.

Wurzeln - Aspekte der Diamantweg-Zuflucht
Zuflucht zu nehmen bedeutet, sich auf höchste Erleuchtung auszurichten und ist die Antwort auf die Frage "Wohin?" und "Wie?". Alle Buddhisten nehmen Zuflucht zu Buddha als dem Ziel, zur Lehre als dem Weg und zur verwirklichten Sangha, den Freunden und Helfern auf dem Weg. Diamantweg-Buddhisten nehmen zusätzlich Zuflucht zu den drei Wurzeln: Lama, Yidam und Schützer. Der Lama ist die Essenz dieser drei Juwelen und Wurzeln; er vereint in sich Segen, Mittel und Schutz. Die Meditation auf die Yidams hilft bei der Verwirklichung der grundlegenden Natur und der Qualitäten des erleuchteten Geistes. Die Dharma-Schützer mit dem Weisheitsauge sind die Quelle von Schutz und Aktivität.

Entstehungsphase - Einübung in die richtige Sicht der Wirklichkeit
Diamantweg-Meditationen bestehen aus der Entstehungs- und der Vollendungsphase. In der Entstehungsphase vergegenwärtigen wir den Lama oder einen Buddha als Form von Licht und Energie. In der Vollendungsphase löst er sich in den Raum auf. Jede unserer Meditationen wirkt daher wie eine Einweihung in die Natur des Geistes: Entstehen die Buddhas, wird uns klar, dass der Geist nicht ein Nichts ist, sondern dass alles untrennbar von seiner Raumnatur in Erscheinung tritt. Lösen sie sich wieder in den Raum auf, zeigt uns dies, dass die Erscheinungen letzten Endes nicht wirklich sind, sondern dass sie Geist sind, der seinerseits jenseits von Merkmalen ist.

Guru Yoga - Die höchste Praxis
Guru Yoga ist eine besondere Übung, weil wir hier auf den Buddha in der Form des Lama3 meditieren. Der Lama ist unser direktes Tor zur Erleuchtung. Wir begegnen ihm von Mensch zu Mensch und er hilft uns praktisch im Leben weiter. Gelingt es uns, ein menschliches Wesen wie ihn als Buddha zu erleben, ist es leichter, uns selbst und alle anderen Wesen auf erleuchteter Ebene zu sehen. Marpas Verständnis des Lama als "höchstes Prinzip" vertiefte sich, als Naropa die Licht-Energie-Form des Buddha "Oh Diamant" (skt. Hevajra) ausstrahlte, vibrierend und unglaublich kraftvoll, diese dann in Licht auflöste und wieder in sein Herz verschmelzen ließ.

Yidam - Band zum Geist
Yidams wie "Höchste Freude" (tib. Khorlo Demchog) oder "Rote Weisheit" (tib. Dorje Pamo) sind unser Band zum erleuchteten Geist. Sie sind Formen aus Licht und Energie. Die Meditation auf diese Buddhas und ihre Kraftfelder hilft uns, unsere Anhaftung an den Körper und unsere Lebenswelt zu lockern, indem wir uns in einem vollkommenen Körper inmitten eines Buddha-Palastes, eines reinen Landes, vergegenwärtigen, frei von Vergänglichkeit und Anhaftung an die Ich-Illusion. Wir trainieren dabei Erscheinung und Raum als untrennbar zu erfahren. Während wir ihre Mantras rezitieren, erleben wir ihre erleuchteten Eigenschaften als Verbindung von Laut und Leerheit. Ihr Geist ist die Einheit von Freude und Raum.

Buddha - Wir alle haben die Buddha-Natur
Der Unterschied zwischen uns und einem Buddha ist klein und riesig zugleich. Eigentlich sind wir alle schon Buddhas, haben es aber noch nicht erkannt. Während wir aufgrund unserer Konzepte und Emotionen an der Oberfläche der Erscheinungen haften, erfährt der Buddha Erlebnisse und Erleber als untrennbar, frei von Unwissenheit, frei von Festhalten und Wegschieben - alle Erscheinungen sind Raum, wie die Wellen eines grenzenlosen Ozeans, wie die Spiegelung des Mondes in einer glatten Wasserfläche. Buddhas wirken freudvoll in der Welt; aufgrund ihrer durchdringenden Weisheit sind sie frei von der Verwirrung und dem Leid der bedingten Existenz, aufgrund ihres grenzenlosen Mitgefühls für alle Wesen liebevoll-aktiv.

Ursache und Wirkung - Karma als Freiraum
Ursache und Wirkung sind der Schlüssel zum Erfolg unserer westlichen Gesellschaft. Sie bedeuten, klar die Zusammenhänge zwischen den Dingen zu erfassen und auf diese einwirken zu können, zum Beispiel in der Technik. Nicht jeder wendet jedoch Ursache und Wirkung auch auf das eigene Leben an. Im Aufzeigen dieses Zusammenhangs ist der Buddha unglaublich konsequent: Jede unserer Erfahrungen erklärt er als das Resultat früherer Handlungen von Körper, Rede und Geist. Fokussieren wir uns darauf, was wir in Zukunft erleben wollen - Erleuchtung zum Nutzen aller Lebewesen - haben wir einen wesentlichen Schritt getan, das Beste aus jeder Situation zu machen und uns kraftvoll zu entwickeln.

Diamantgeist - Reinigungsnektar der Erleuchtung
Buddha Diamantgeist ist die geballte Reinigungskraft der Erleuchtung. Wir sind anders als ein Stück Kohle, das man ewig mit Seife schrubben könnte und das nicht sauber werden würde. Wir sind wie ein Diamant, in unserer Natur vollkommen, strahlend und unzerstörbar, aber von Emotionen, Konzepten und den Eindrücken negativer Handlungen oberflächlich verunreinigt. Die reinigende Nektar-Dusche des Buddhas oberhalb unseres Kopfes befreit uns von diesen Schleiern und Erleuchtung kann mehr und mehr erfahren werden. Wenn der weiße, duftende Nektar durch und über uns strömt, werden wir von karmischen Eindrücken aus zahllosen Lebenszeiten befreit. Vier Kräfte4 helfen uns dann, fortan unsere Energien in positives Handeln zu investieren.

Diamanthalter - Buddha in der Form von Licht und Energie

In der Form von Diamanthalter (tib. Dorje Chang, skt. Vajradhara) gab Buddha Shakyamuni die Übertragung des Großen Siegels. Diamanthalter ist blau wie der weite Himmel und geschmückt mit den Gewändern und Schmuckstücken der Buddhas im Freudenzustand - Zeichen für die unbegrenzte Raumnatur des Geistes und für dessen kreative Kraft, die Welt in jedem Augenblick entstehen zu lassen. "Leerheit und Klarheit untrennbar", wie dies im Buddhismus traditionell ausgedrückt wird. Seine Natur, wie die von allen anderen Buddhas auch, ist furchtlose Weisheit, unermessliche Freude und grenzenlose Liebe. Aufgrund seiner meditativen Fähigkeiten empfing der indische Mahasiddha Tilopa direkte Übertragungen von Diamanthalter, Buddhas Geist.

Himmelstänzerin - Inspiration durch weibliche Weisheit
Alles in der Welt ist Erscheinung und Leerheit, Methode und Weisheit, Freude und Raum untrennbar. Diese Grundprinzipien des Geistes entsprechen der Vereinigung der männlichen und weiblichen Energien des Universums. Himmelstänzerinnen, Dakinis, weibliche Buddhas, sind Weisheitsfrauen, die die Kraft haben, durch ihre Inspiration alle Störgefühle in Weisheiten zu transformieren, die Welt als ein Reines Land erscheinen zu lassen und mit den Dakas, den männlichen Buddhas, die große Freude des Geistes hervorzurufen. Die vereinigten Buddhas verkörpern diese Einheit von Freude und Raum, Karmapa drückt ihre Verwirklichung unter anderem dadurch aus, dass er Glocke (für Weisheit) und Dorje (für Methode) vor seiner Brust überkreuzt am Herzen hält.

Ich-Illusion - Es lohnt sich, sie zu überwinden

Die grundlegende Unwissenheit ist jener an der Oberfläche liegende Schleier, der die Erleuchtungsnatur des Geistes bedeckt und uns daran hindert, uns unserer Buddha-Natur bewusst zu sein. Sie bewirkt ein Missverständnis, das alle Wesen in der Weite der bedingten, mitunter als sehr leidhaft erlebten Welt umherirren lässt: Der Eigenausdruck des Geistes, seine leuchtende Klarheit, wird als abgetrennte äußere Welt missinterpretiert, die Eigenbewusstheit, die alles wissen und erleben kann, als ein mehr oder weniger offenes und glückliches Ich. Lösen wir dieses dualistische Konzept durch die Praxis des Großen Siegels in der Weite des Geistes auf wie eine Zeichnung im Wasser, sind wir befreit.

Sangha - Hilfe und Unterstützung am Weg

"Sangha" ist der Sanskrit-Begriff für die Gemeinschaft der Praktizierenden (zum Beispiel in den Diamantweg-Zentren), als Zuflucht insbesondere der verwirklichten Bodhisattvas. Bodhisattvas sind Wesen, die den Erleuchtungsgeist üben bzw. vervollkommnen, die Einheit von Mitgefühl und Weisheit, und sie arbeiten kraftvoll zum Nutzen der Wesen: Am bekanntesten unter ihnen sind die acht männlichen und weiblichen Bodhisattvas, Schüler Buddhas, die meist in ihren Licht- und Energie-Formen dargestellt werden. Für unsere Praxis am wichtigsten sind drei von ihnen: "Liebevolle Augen", die grenzenlose Liebe der Erleuchtung, "Weisheits-Buddha", Ausdruck durchdringenden klaren Wissens und grenzenloser Weisheit, sowie "Diamant in der Hand", der Bodhisattva der Kraft und zugleich Halter aller Tantras.

Mahamudra - Raum und Freude grenzenlos
Mahamudra ist das Große Siegel der Leerheit, das allen Erscheinungen aufgeprägt ist. Es ist unsere Kernpraxis, Ziel aller unserer Meditationen. Wir üben dabei, den Geist ungekünstelt in seinem natürlichen Zustand ruhen zu lassen, frei von Festhalten und Wegschieben, und verweilen im strahlenden Bewusstsein, dass Erscheinung und Raum untrennbar voneinander sind. "Blickt man auf die Dinge, sind keine Dinge da, man sieht auf den Geist; blickt man auf den Geist, ist kein Geist da: er ist seinem Wesen nach leer; durch das Betrachten beider löst sich das Festhalten an Zweiheit in sich selbst auf. Mögen wir die Natur des Geistes, das klare Licht, erkennen!"5

Unermessliche Liebe - und drei weitere Eigenschaften, die den Raum durchdringen
Die "vier Unermesslichen" als Übungsfeld sowie als Qualitäten des erleuchteten Geistes finden auf der Diamantweg-Ebene ihren Ausdruck in den vier Armen von "Liebevolle Augen". Sie meinen den Wunsch, dass alle Wesen glücklich sind und die Ursachen zum Glück haben, vom Leid und dessen Ursachen frei sind, nicht vom höchsten Glück der Erleuchtung getrennt sind und in großem Gleichmut, frei von Anhaftung und Abneigung, verweilen. Liebe und Mitgefühl bilden zusammen mit Weisheit die zwei Schwingen eines Vogels, die uns zur Erleuchtung tragen. Im erleuchteten Geist erscheinen sie dann ungehindert und grenzenlos und als Buddha-Aktivitäten durchstrahlen sie den ganzen Raum.

Schützer - Quelle von Tatkraft und Schutz
Schwarzer Mantel (skt. Mahakala) ist der Hauptschützer der Karma Kagyü-Linie. Mit seiner Gefährtin "Strahlende Göttin" achtet er darauf, dass das Dharma, Buddhas Lehre, in reiner Form erhalten bleibt und für viele ein Mittel darstellt, Erleuchtung zu erlangen. Schwarzer Mantel schützt die Praktizierenden vor inneren und äußeren Hindernissen, den Auswirkungen ihres Karmas. Seine Erscheinung ist kraftvoll-schützend und sein senkrechtes drittes Auge in der Stirn zeigt an, dass er ein Weisheitsschützer ist, ein Ausdruck der grenzenlosen Liebe und Weisheit der Erleuchtung. Das Kraftfeld der Schützer machte es auch möglich, dass die Diamantweg- Übertragung mit unseren Lamas, insbesondere dem Karmapa, in die moderne Welt gelangte.

1 Diese sechs befreienden Handlungen (Paramitas) sind Großzügigkeit, sinnvolles Handeln, Geduld, freudvolle Energie, Meditation und Weisheit.
2 Lama Ole Nydahl: Die Vier Grundübungen. Ngöndro - Die ersten Schritte im Diamantweg-Buddhismus. Sulzberg: Joy 1998.
3 Wir tun dies vor allem in der "16. Karmapa-Meditation", in der "Meditation auf den Lama" der Grundübungen und nach deren Praxis in der "8. Karmapa-Meditation".
4 Diese vier Kräfte - allesamt enthalten im "Wunsch, sich von allem schädlichen Karma zu reinigen" - sind die "Einsicht, dass wir aufgrund früherer Negativität heute nicht erleuchtet sind, der Wunsch nach Reinigung und die Praxis von Meditation und Mantra, der Entschluss, Schädliches nicht zu wiederholen und das Bestreben, die gegenteiligen nützlichen Handlungen auszuführen." - Lama Ole Nydahl: Die Vier Grundübungen, S. 39.
5 So drückte es der 3. Karmapa Rangjung Dorje in seinen Mahamudra-Wünschen aus. - Lama Ole Nydahl: Das Große Siegel. Die Mahamudra-Sichtweise des Diamantweg-Buddhismus. München: Knaur 2006, S. 166.


Wolfgang Poier , Buddhistischer Reiselehrer, lebt seit 1986 im Buddhistischen Zentrum Graz; arbeitet als Lehrer am Gymnasium und als Lehrbeauftragter an der Universität.