Aus: Buddhismus Heute Nr. 46, (Winter 2009)

Willkommen daheim, Gyalwa Karmapa!

Lama Ole Nydahls Ansprache im August 2008 im Europazentrum, zur Begrüßung des 17. Gyalwa Karmapa Thaye Dorje

Es geschieht nicht so oft, dass ich gerührt werde, aber heute ist das so! Mit unserer Begegnung hier im Europazentrum, dessen Einweihung und den ganzen Übungen, die hier stattfinden, kommen Bedingungen zusammen, für die wir viele Leben Wünsche gemacht haben. Weil wir uns geöffnet haben für dich, Gyalwa Karmapa, für den Segenstrom deiner unterschiedlichen Wiedergeburten, erreichen jetzt die unübertrefflichen Mittel der Kagyüs die klarsten Geister freier Länder. Ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht, uns alle - Lehrer wie Schüler - halten uralte Bände zusammen. Deswegen stimmt einfach das Gefühl. Schauen wir 3500, die hier teilnehmen, mal auf die Ursachen dazu:

Unser großartiger Lama Karmapa, der uns hier besucht, ist der erste bewusst wiedergeborene Lama Tibets. Seit dem Jahr 1110 hat er die höchsten Lehren zum Wesen des Geistes gehalten und ist in allen Linien geschätzt, auch weil er ihre Weisheit gehalten und ergänzt hat, wie wir es im Buch zum "Großen Siegel" sehen.

Während unserer anfangslosen Wiedergeburten hatten wir das Glück, dich, Karmapa, treffen zu können. Auch heute den Segensstrom der Karma Kagyü an unsere Freunde, in unsere Familien und überall hin zu bringen, ist die größte Erfüllung, die man sicher erleben kann.

Der erste hohe Lama, den du im letzten Leben zu uns schicktest, war der Verwirklicher Kalu Rinpoche. Hannah und ich fuhren ihn schon 1973 im alten, rostigen VW-Bus durch Europa, zu den paar dutzend Gruppen, die wir damals gestartet hatten. Bei der ersten Begegnung sagte er fast überall: "Leuten kann man Geld geben und ihnen damit für einige Zeit helfen. Man kann ihnen eine Ausbildung geben und das nutzt eine Lebenszeit. Aber wenn man ihnen die Möglichkeit gibt, ihren eigenen Geist zu erkennen, wenn man ihnen das Dharma gibt, hilft man ihnen für dieses Leben, durch den Tod, für die Zeit danach und für alle zukünftigen Leben." Genau das tust du für uns in einer der Zeit und den Umständen entsprechenden Weise.

Hannah und ich hatten die Ehre, deiner letzten Wiedergeburt zwölf Jahre lang sehr nah zu sein. Sein Segen war so kraftvoll wie ein Pferdetritt, sagten wir immer. Wenn er einen berührte, fühlte man danach noch für lange Zeit seine Hand und so viele Dinge geschahen ... Er zog laufend Wunder aus dem Ärmel und tat Sachen, die man kaum glauben konnte, selbst wenn man sie geschehen sah. Ich erzähle meinen Freunden davon, feiere seine Kraft in Büchern und viele die ihm begegneten, wollten am liebsten später ihr Schulgeld zurückfordern.

Die Geschichte zeigt uns: Jeder Karmapa ist wie Wasser. Er füllt auf, was immer es an karmischer Offenheit bei den Menschen zu einer Zeit und Kultur gibt. Er segnet, wer auch immer das annehmen kann. Wir schauen auf dich, den jetzt 17. Karmapa, mit Bewunderung und voller Dankbarkeit und wollen daran teilnehmen, wie Du deinen Weg finden wirst und wie wir alle im Kraftkreis deiner riesigen Übertragung und deines Segens die Arbeit überall breiter wachsen lassen können. Das ist etwas, worüber wir oft reden, und sehr praktisch. Für diese eine Sache machen wir tiefe Wünsche und bitten dich:

Wo auch immer du das angehen wirst, wirst du uns Westler unsere Fähigkeiten einbringen finden.. Wie auch immer du beim Erwecken der Menschen unsere Hilfe wünschst, wir werden da sein und in jeder uns möglichen Weise helfen. Dies ist ein Versprechen im Namen von uns allen im Diamantweg und geht zum Kern. Die liebe Caty hat gerade viel Praktisches dazu gesagt, wie sich die Bedingungen hier mit dem Europazentrum entwickelt haben. Ich war noch mit Hannah zusammen, als alles begann und ihre Kraft und Wünsche sind voll dahinter. Sie hatte währenddessen einen erstaunlichen Tod, kam in meinen Armen sitzend 15 Mal in ihren Körper zurück, obwohl sie klinisch tot war. Zwei buddhistische Ärzte waren im Raum, als ich ihr beim 16. Mal sagte: "Jetzt musst du in die Reinen Länder gehen." Dann ging sie. Eine gute Frau. Es war richtig so und sie ging.

Wir verfolgten, was hier geschah, aber erst wenn man hier herkommt und sieht, was für Netzwerke entstanden sind, was für idealistische menschliche Verbindungen schon stehen und jetzt obendrauf durch deinen Segen befestigt werden, versteht man, dass hier eine Stelle für alle Diamantweg Kagyüs weltweit steht. Das ist etwas völlig Berührendes und Wundervolles und ich möchte dir und allen dafür danken.

Wir haben eine großartige und allumfassende Übertragung und ein großes Glück mit den letztendlichen Belehrungen Buddhas arbeiten zu können. Er gab sie nur seinen engsten Schülern und unter den Umständen, in denen sie am offensten und fähigsten waren. Damit können wir reifen, Kraft entwickeln und jede Erfahrung in unserem Leben nutzen. Den Idealismus, der uns antreibt nutzen, die Bewusstheit die uns verstehen lässt erkennen, und uns vor allem mit etwas Vollkommenen, Bedeutungsvollen und Reinem identifizieren. Das ist das große Geschenk der Linie an uns. Wenn wir die Namthars, die Lebensgeschichten dieser Übertragung anschauen, so sehen wir vielseitige, aber immer strahlende Beispiele für die Welt und uns alle. Wir möchten dich bitten, oft hierher zu kommen und den letztendlichen Sinn mit uns zu teilen.

Ich weiß, dass das keine geringe Bitte ist. Als ich vor Jahren einen Fallschirm-Unfall hatte, fast klinisch tot war und noch dazu einen Freund zum Überbringen ins Reine Land hatte, erlebte ich vielleicht für Stunden die Wonne dieser Bereiche. Ich war dort. In den zehn Tagen danach, wenn ich den Zustand beschrieb, war mein Gesicht immer wieder nass vor Freude. Diese Wonne ist uferlos und unbeschreiblich. Aus einem solchen Zustand der Wonne kommst du hierher, zum Besten der Wesen. Um uns deinen Segen zu geben, hast du diesen Zustand verlassen und einen Körper angenommen. Das ist das größte Geschenk, das jemand machen kann.

Tibeter nennen die höchsten Lehrer "Rinpoche" und das bedeutet so etwas wie "Juwel", etwas außerordentlich Kostbares und Seltenes. Wer den Bereich solcher Wonne verlässt und einen Körper annimmt, muss viel in dem Körper üben bis etwas Ähnliches wieder erfahren wird. Viele Jahre lang weiß man, dass es da ist, man fühlt es, aber der Körper begrenzt die volle Erfahrung davon. Dann bringt die Meditation sie allmählich wieder hervor, bis Raum gleich Freude, jede Erfahrung bedeutungsvoll und alles was geschieht freudvoll und reich wird. Aber in den Jahren bis dahin gibt es viel Arbeit, normale Gefühle und alle möglichen menschlichen Erfahrungen, in die du dich hineinbegabst, indem du zum Wohle anderer die Ebenen der Reinen Länder verlassen hast. Dafür wollen wir dir vor allem danken, Karmapa. Es ist ein riesiges Geschenk. Bitte bleibe unser großartiges Vorbild, das auf uns strahlt und gib allen Wesen deinen Segen, bitte!


(Redetext gekürzt, sprachlich verbessert und aus dem Englischen übersetzt von Lama Ole Nydahl)