Aus: Buddhismus Heute Nr. 44, (Winter 2007)

Von Immenhausen nach Immenstadt

Von Gerhard Waldner und Roland Gillmayr

15 Jahre sind eine lange und bedeutende Zeit, die nicht nur dem Sommerkurs Kassel, sondern unserer weltweiten Arbeit auf vielen Ebenen riesiges Wachstum und Entwicklung gebracht hat.

Der erste Sommerkurs in Kassel begann am 23. Juli 1993, mit unseren Lehrern Lama Ole Nydahl, Lopön Tsechu Rinpoche und Shamar Rinpoche.
Lama Ole hatte schon einige Male zuvor den Wunsch geäußert, in Deutschland einen Kurs über das "Bewusste Sterben" zu geben. Bis dahin fuhren die deutschen Schüler zu Phowa-Kursen nach Österreich, Spanien, Dänemark oder Polen. Damals gab es ca. 45 deutsche, meist nicht sehr große Zentren - jeder kannte jeden. Um zu verdeutlichen, wie groß wir damals waren: Zum ersten Kurs über das "Bewusste Sterben" 1987 in Graz kamen 100 Freunde zusammen und der größte Kurs vor 1993 fand mit 500 Teilnehmern in Kuchary statt.

1992/93 war eine Zeit großer Umwälzung für unsere Karma-Kagyü-Linie. Situ Rinpoche stellte den chinesischen Karmapa-Kandidaten vor und viele bekannte tibetische Lamas, die uns seit Jahren besucht hatten, wechselten auf die Seite des chinesischen Kandidaten. Viele von uns, die wir so lange auf Karmapa gewartet hatten, verunsicherte das. Unter diesen Vorzeichen wurde der erste Kurs für uns eine besondere Herausforderung.

Durch Rolands alte Jugendverbindungen zu den Pfadfindern besuchten Roland, Karola und Gerhard im Sommer 1992 den Platz in Immenhausen. Er war riesig, bestens für unser Vorhaben geeignet, also konnte es losgehen. Zum Frühlingsanfang im März 1993 trafen sich in Frankfurt ca. 25 Freunde aus verschiedenen Zentren von Kiel bis Schwarzenberg und auch zwei Freunde aus Wien.
Mit viel Mut und Enthusiasmus entwarfen wir eine neue Organisationsform, mit der wir überregional zusammenarbeiten wollten. Unsere Teamstruktur sollte auf keinen Fall hierarchisch organisiert sein, sondern alle Freunde aus den verschiedensten Zentren, die mitmachen wollten, sollten eigenverantwortlich in den Teambereichen arbeiten. Alle arbeiteten ehrenamtlich, genau so wie in all unseren Zentren überall auf der Welt. Wir unterschrieben einen Vertrag, in welchem wir gemeinsam für jedes finanzielle Risiko hafteten - denn wir wussten nicht, ob genügend Teilnehmer kommen würden, damit am Ende alle Kosten bezahlt werden konnten.
Alles war nach bestem Wissen vorbereitet, die Wünsche von Lama Ole und Hannah umzusetzen, in Deutschland einen ersten Kurs zum "Bewussten Sterben" zu veranstalten.

Hannah Nydahl hatte Künzig Shamar Rinpoche eingeladen und es wurde ein neuntägiger Kurs zum "Bewussten Sterben " mit Lama Ole und Ermächtigungen mit Künzig Shamar Rinpoche vorbereitet. Am Freitag, den 23. Juli 1993, erwarteten wir in großer Aufregung die Ankunft unserer Lamas. 750 Teilnehmer waren angereist - für damalige Verhältnisse sehr viel und niemand hatte damit gerechnet.

Als am Nachmittag Hannah und Ole und kurz darauf Lopön Tsechu Rinpoche ankamen, waren alle Anstrengungen der vergangenen Tage vergessen. Rinpoche wollte vor seiner Rückkehr nach Nepal noch einmal Hannah und Ole sehen, den Kursort kennenlernen und die Teilnehmer segnen. Einen schöneren Beginn hätten wir uns nicht wünschen können. Der Kurs wurde ein großer Erfolg, trotz permanenten Regens, und einige sprachen jetzt nicht mehr von Kassel, sondern von "Nassel". (Siehe Kagyü life/Nr.13/Nov.1993 "Mit Gummistiefeln ins Reine Land")

Seit 1993 sind durch den Segen von S.H. Gyalwa Karmapa und Lama Ole Nydahl viele neue Zentren in Europa und anderen Kontinenten entstanden. 1993 gab es weltweit 130 Zentren und heute, 2007, sind es schon 520 Zentren, die alle durch die unermüdliche Aktivität von Lama Ole gegründet wurden.

Aber nicht nur die Quantität, sondern auch die Qualität unserer weltweiten Zusammenarbeit ist seither riesig gewachsen. Die Sommerkurse in Immenhausen versuchten von Anfang an, diese weltweite Zusammenarbeit zu fördern. Schon 1993 fand während des Kurses ein erstes europäisches Zentrentreffen statt, zu dem Jigme Rinpoche und Künzig Shamar Rinpoche eingeladen waren und Zentrenvertreter verschiedener europäischer Länder teilnahmen. Zu dem Treffen hatte Sys Leube, die damals unter anderem Oles Reiseplan erstellte, eingeladen.

Durch Caty Hartungs Inspiration entstand mehr und mehr die Idee, dass die Kurse in Kassel zum Brennpunkt unserer internationalen Vernetzung werden sollte. Dazu gehörte, viele Freunde einzuladen, in deren Ländern das Dharma noch neu war. Sie sollten sehen, was möglich ist und das in ihre Länder - zum Beispiel Russland, Ungarn, Jugoslawien, Bulgarien usw. - tragen. Unser Motto war: "Wir laden die ganze Welt ein und alle sind Gyalwa Karmapas und Lama Oles Gäste".

2003, nach Lopön Tsechu Rinpoches Tod, schrieb Lama Ole einen Brief an alle seine Schüler: "Einmal im Jahr treffen wir uns aus möglichst vielen Ländern beim Sommerkurs in Kassel und später im Europazentrum. Die jährlichen Ermächtigungen haben wir ja immer für Begegnungen, Lehrer- und Zentrentreffen genutzt. Unsere Visionen und Verbindungen konnten sich so natürlich vertiefen."

Um dies erfüllen zu können, entstanden zwei neue Teambereiche: "Meet&Connect" und "Ausstellungen".
Sie sollten ...

  • Ansprechpartner für "Projektaktivisten" aus aller Welt sein und sie bei Projektpräsentationen unterstützen
  • eine Plattform geben für überregionale, nationale und internationale Arbeitsgruppen, die sich präsentieren wollten
  • Ausstellungen zu unseren Lehrern, der Karma-Kagyü-Linie und zu unserer Geschichte organisieren
  • Wissen über Arbeitsweise und Struktur unserer Zentren vermitteln
  • sich um Weitergabe von Infos rund um den Kurs (Wo ist wann was los?) kümmern.

Da der Kurs jedes Jahr an derselben Stelle stattfand und damit Kontinuität gewährleistet war, konnten wir jedes Jahr auf unseren Erfahrungen aufbauen und neue Ideen entwickeln.
Waren die Ausstellungen noch bis 1998 mit zwei bis drei Stellwänden mehr improvisiert, entstand im Laufe der Jahre ein immer besseres Gesamtkonzept, wie wir uns gestalterisch und inhaltlich der Öffentlichkeit zeigen wollten.
Wir waren so viele geworden. Die weltweite Sangha und die Öffentlichkeit schauten auf uns. Zu Recht konnte man sagen: Wir sind in der "Mitte der Gesellschaft" angekommen.
Ab 2000 fanden jedes Jahr themenbezogene Schwerpunkte der Ausstellungen statt, zum Beispiel die Ausstellung über den "Buddhistischen Dachverband Deutschland" (BDD), Ausstellungen zu unseren Lehrern Gyalwa Karmapa, Lama Ole Nydahl, oder Lopön Tsechu Rinpoche, zu Retreatzentren oder Einzelprojekten wie unserem Europazentrum und dem Buddhapark in Berlin.
Außerdem erhielt die Bühne im Meditationszelt ein ganz neues Gesicht und auch die Gestaltung des Essenszeltes wurde kreativer. Unser internationaler Meditationskurs wollte und sollte mit neuen Ideen Intialzündung sein. Unser Beispiel wurde oft sehr schnell in den anderen Ländern umgesetzt.

2006 hatten wir die Idee, "Diamantweg in Südamerika" zum Themenschwerpunkt der Präsentationen zu machen. Nicht viele von uns haben die Möglichkeit, nach Lateinamerika zu fahren, darum luden wir einige Freunde aus den Zentren Lateinamerikas nach Kassel ein, um die Entwicklung des Dharma in ihren Ländern zu zeigen. Wir entwarfen eine umfangreiche Sonderausstellung über die Zentrenaktivitäten in Südamerika.
2007 wählten wir als unseren Themenschwerpunkt "Nordamerika" und 30 Freunde aus den USA reisten zu uns.
Welche Themenauswahl der Sonderausstellungen und Präsentationen gerade in dem entsprechenden Jahr wichtig waren, entwickelten wir mit Caty zusammen.
Der Kasselkurs war aber nicht nur Zentralisationspunkt für die internationale Arbeit. Hier trafen sich unendlich viele Gruppen aus Deutschland, um ihre Arbeit zu organisieren. Man hatte die Möglichkeit, mit Caty, Hannah oder Ole offene Fragen zu klären. Der Guide entstand hier, die Reiselehrer konnten sich mit TCHO treffen, der Reiseplan von Lama Ole für die Welt wurde entworfen, die Pressearbeit, das Schulprojekt, die Sterbebegleitung und viele andere Gruppen trafen sich. Allein für Meetingmöglichkeiten standen zwei 100 m2 Zelte auf dem Platz. Caty hatte einen sehr ausgefüllten Zeitplan, da sie bei vielen Gruppen mit dabei sein sollte.

Ins Goldene Buch dieses Jahres schrieb Caty folgende Widmung:
"Kassel will remain a milestone in our work. Such a great and powerful example for the whole world. Let us take the spirit to our new Europe-Center and plant the seeds for even more development in an atmosphere of friendship and trust."

Unendlich viele Freundschaften sind im Laufe der Jahre geschlossen worden und wir erlebten riesige Freude und Inspiration durch gemeinsames voneinander Lernen.
Aber auch Geld brauchte man für viele Projekte. Mit der anwachsenden Teilnehmerzahl des Kurses entstanden jedes Jahr finanzielle Überschüsse, die zu 100 % an die Stiftung Diamantweg oder den BDD gingen. Damit konnte die weltweite Arbeit an vielen Stellen unterstützt werden. Lamas konnten in ärmere Länder reisen, Zentren oder Land konnten gekauft werden und die ersten Dollars für das Europazentrum wurden angelegt.
Dieses Jahr konnten wir durch die beeindruckende Großzügigkeit von euch allen unsere Stelle in Immenstadt kaufen. Nach acht Jahren Suche wird es nun möglich, den "Internationalen Sommerkurs 2008" endlich auf unserem eigenen Platz zu feiern.

So viel Segen durch die Kraft unserer Lehrer:
Jedes Jahr war es für uns alle ein besonderes Erlebnis, neun Tage oder länger mit Lama Ole, seiner Frau Hannah, Caty und Tomek so nah zu verbringen und nach dem Phowa in die strahlenden Gesichter der Teilnehmer zu schauen, wenn diese ihre Zeichen hatten, oder abends bei den spannenden Fragen und Antworten dabei zu sein. Es ist ein großes Geschenk, einen kleinen Teil dazu beitragen zu können, dass so viele Menschen durch den Kurs mit befreienden Mitteln des Diamantweges in Verbindung kommen.

In all den 15 Jahren gab Lama Ole in Kassel ca. 20.000 Menschen das Phowa und 7.200 Leute machten in Kassel ihr erstes Phowa. Über die Jahre kamen 31.900 Teilnehmer zu den Kursen, davon 10 % Kinder und Jugendliche. Sehr viele nahmen Zuflucht. 49 Ermächtigungen wurden gegeben, die meisten von Lopön Tsechu Rinpoche in den Jahren 1994 bis 2002. Künzig Shamar Rinpoche besuchte den Kurs 1993, 2003 und 2006 und Gyalwa Karmapa kam in den Jahren 2000, 2004, 2005 und zuletzt 2007. Das sind beeindruckende Zahlen, die sehr deutlich die Segenskraft unserer Lehrer zeigen.
Von Lopön Tsechu Rinpoche erhielten wir jedes Jahr kostbare Ermächtigungen, zuletzt 2002 den ersten Teil der Ermächtigungsreihe "Chik she kun drol", auf deutsch: "Eines erkannt - alles verwirklicht".
Leider starb der von uns allen sehr geliebte Rinpoche im Mai 2003 und konnte so den zweiten Teil der Ermächtigungen nicht mehr geben. Lama Ole und Rinpoche waren für uns eins gewesen, wie Vater und Sohn.

Etwas ganz Neues führten wir 2003 ein. Auf Wunsch von Lama Ole wurde die erste gemeinsame 72-Stunden-Meditation zu Ehren von Lopön Tsechu Rinpoche ins Programm genommen. Wir meditierten auf den "Buddha des Grenzenlosen Lichtes" (tib.: Öpame), waren per Streaming mit all unseren Zentren in der Welt vernetzt und zählten gemeinsam über 130 Millionen Mantras. Ein riesiges Kraftfeld über den Globus! Daraus entwickelte sich eine Tradition, in der wir 2005 und 2006 weltweit auf "Liebevolle Augen" meditierten. Mit so vielen Freunden zu meditieren und gleichzeitig zu wissen, dass überall in der Welt die Freunde das Gleiche tun, ist ein unbeschreibliches Gefühl einer feinen Art der Verbundenheit.

Das Jahr 2003 brachte leider noch mehr Überraschungen.
Lopön Tsechu Rinpoche war nicht mehr da.
Unser Freund Michael wurde unglücklicherweise beim Abbau des Kurses so schwer verletzt, dass er starb. Es war ein Schock; und Lama Ole verletzte sich schwer, als er in Kassel-Calden im Genießen des freien Falls die Leine zum Öffnen des Fallschirms zu spät zog. Der Lama lag in Kassel im Krankenhaus, keiner wusste so recht, wie ernst seine Verletzungen wirklich waren. Wir sahen viele besorgte Gesichter und das zu Recht, wie sich erst Monate später herausstellen sollte. Heute ist alles wieder in Ordnung und Lama Ole ist 2006 und 2007 wieder mit Freude Fallschirm gesprungen.
Das Besondere war, und es erscheint noch heute wie ein Wunder, dass alle 1.500 Freunde zum Kurs gut gelaunt auf dem Platz blieben. Unsere Reiselehrer übernahmen das Programm, indem immer vier Lehrer aus verschiedenen Ländern zusammen auf der Bühne saßen und die Fragen beantworteten. Im Laufe dieses Sommers sollte dies auch bei anderen Kursen in der Welt genau so erfolgreich laufen, wie es das bei uns getan hatte.

Der letzte Akt - "International Sommercourse 2007"

Voller Spannung erwarteten wir 2007 den Kurs in Immenhausen. Unser Europazentrum war gekauft und wir wussten, dass - wenn nicht noch administrative Hindernisse auftauchen würden - dies der letzte Kurs in Immenhausen sein würde.
Wir waren ja mittlerweile im Laufe der Jahre zu einem Profiteam mit einer gut funktionierenden Struktur herangewachsen. Morgens trafen wir uns zur gemeinsamen Meditation auf den 16. Karmapa, danach fand eine Informationsrunde aller Sprecher aus den Teams statt. Auf diese Weise waren alle immer gut darüber informiert, was wann wo während des Tages geschehen würde.

Unser gesamtes Team war auf 160 Leute angewachsen, davon ca. 50 Freunde aus anderen Ländern. Internationalität zu leben bedeutete für uns, Freunde von überall in der Welt zur Mitarbeit einzuladen, und jedes Jahr kamen neue Freunde hinzu. Im Gompa-Team zum Beispiel arbeiteten Olga aus Russland, Joshua aus London und Dilia aus Venezuela mit Gerhard zusammen. Die Triangle-Gruppe verkaufte nachts leckere Steaks an der Feuerstelle und unsere Gäste aus den USA waren in verschiedenen Teams mit Freude dabei.

Uns war immer bewusst, dass wir nur auf der Basis von Vertrauen und Freundschaft eine schlagkräftige Truppe sein können. Die gemeinsame morgendliche Meditation war uns deswegen sehr wichtig und sie half uns, auch im bewegten Eifer des eigenen Aktivitätsbereiches den Blick für das größere Ganze zu halten.

Nach sechs Tagen Phowa-Kurs, bei dem alle 550 neuen Teilnehmer das Zeichen bekommen hatten, begann die zweite Woche mit der 72-Stunden-Meditation. In diesem Jahr war die Meditation unserer lieben Hannah Nydahl gewidmet, die zu unser aller Bestürzung am 1. April in Kopenhagen gestorben war. Lama Ole Nydahl schrieb damals: "Hannah hat uns am 1. April um 0.43 Uhr MEZ im feinsten Stil verlassen." Zu Ehren von Hannah meditierten wir auf die "Weiße Befreierin" (tib.: Dolkar). Es war das Beste, was wir tun konnten, und am Ende der drei Tage sahen wir gemeinsam im großen Zelt viele berührende Fotos aus Hannahs Leben.

Am Mittwochabend, noch während der 72-Stunden-Meditation, reiste Gyalwa Karmapa an.
Er kam zum vierten Mal nach Kassel und gab die Ermächtigungen auf "Allmächtiger Ozean" (tib.: Gyalwa Gyamtso) und "Weiße Befreierin". Die zweitägige Ermächtigung auf "Allmächtiger Ozean" wird sehr selten gegeben und für sie wird ein vollständiges Mandala dieses Buddha-Aspektes auf der Bühne aufgebaut. Gyalwa Karmapa schickte zwei seiner Mönche schon einige Tage früher, um dabei zu helfen. Es dauerte dann drei Tage, bis alles genau so vorbereitet war, wie es sein sollte.

Der Kurs 2007 sollte der größte aller Kurse in Immenhausen werden. Wir wussten nicht genau, was das bedeutete, aber uns war klar: Es würden viele kommen! Das Meditationszelt war auf 30 Meter Breite und 65 Meter Länge erweitert worden; ein riesiger Saal, der 4.000 Menschen fassen konnte. Am Morgen der Ermächtigung war das Zelt bis auf den letzten Platz besetzt, und es knisterte vor Anspannung, als Gyalwa Karmapa mit Lama Ole und Caty hereinkamen. Alle genossen die Kraft und den großen Segen von Karmapa, der während der ganzen Ermächtigung sehr spürbar war, und am Abend des zweiten Tages waren alle glücklich. Gyalwa Karmapa hatte sechs Stunden lang alle Teilnehmer einzeln gesegnet.

Nach einem mitreißenden Tag mit Erklärungen von Gyalwa Karmapa zur Übertragungslinie und zur 8. Karmapa-Meditation konnte man beim großen internationalen Zentrentreffen im Meditationszelt alle Neuigkeiten unserer Entwicklung erfahren. Hier saßen Lama Ole und Caty gemeinsam vor einem riesigen Auditorium von über 3.000 Menschen auf der Bühne.
Am Sonntagmorgen um 10 Uhr begann die Ermächtigung in die "Weiße Befreierin". Es war genau so ergreifend wie drei Tage vorher, als Gyalwa Karmapa mit Lama Ole ins Meditationszelt kam. Karmapa war so strahlend und voller Witz, wie wir ihn schon in den vergangen Jahren kennen gelernt haben. Die nahe Verbindung zu Lama Ole war in besonderer Weise spürbar, als Lama Ole am Ende des Kurses Gyalwa Karmapa für alles zutiefst dankte. Wir alle hatten Großes erlebt und waren dankbar. Gyalwa Karmapas Widmung an uns lautete: "I would like to thank Lama Ole and all practicioners for your tireless activity from the bottom of my heart."

An unserem letzten Abend reisten viele Gäste aus der näheren Umgebung an, denn wir hatten alle lokalen Helfer und Unterstützer zur "Dankesparty" eingeladen. Über lange Zeit hinweg hatten sie so viel zum guten Gelingen des Kurses beigetragen, und würdig Abschied zu nehmen war eine Frage des guten Stils - dies sollte die "Dankesparty" ausdrücken. Es waren alle Kursteilnehmer und alle, die jemals im Kasselteam mitgearbeitet hatten, eingeladen. Dazu auch die Nachbarn und die Geschäftsleute aus der Gegend, die Stadt Immenhausen und natürlich Michael Weiland, der das Pfadfinderzentrum leitet und so viel für uns getan hatte. Ohne diese vorbildliche Unterstützung wäre vieles nicht möglich gewesen.

Der Bürgermeister der Stadt Immenhausen hatte uns schon vor Jahren ein Grundstück für unser Europazentrum angeboten, um uns in Immenhausen zu halten. Es waren sehr gute Beziehungen entstanden, und es war unser Wunsch, all die langjährigen, tatkräftigen Unterstützer und Geschäftspartner zu ehren. Gutes Essen, eine Marilyn-Monroe-Aufführung und gute Musik bis vier Uhr morgens waren Grund für viele der 2.000 Gäste, bis zum Ende dazubleiben.

Während am nächsten Tag das internationale Reiselehrertreffen mit Lama Ole und Caty stattfand, begann der kräftezehrende Abbau bei bekanntem "Nassel-Wetter", und im Laufe der Woche machten sich fünf LKW mit allen Kursutensilien auf den Weg nach Immenstadt, zu unserem wunderschönen neuen Europazentrum. Nur noch ein paar ausgetretene Pfade und Truckspuren erinnerten daran, dass hier zum letzten Mal etwas ganz Großes stattgefunden hatte. Nun kann eine neue Ära in unserem "World Center" beginnen.

Danksagen
möchten wir unserem wunderbaren Team, in dessen Namen wir hier schreiben, sowie unseren kostbaren Lehrern für all den Segen und die Übertragungen der vergangenen Jahre.

Ganz besonderen Dank an Lama Ole, an Hannah, an Caty und Tomek, für ihre Inspiration und ständige Unterstützung vor, während und nach den Kursen.


Gerhard Waldner, 1984 Zuflucht bei Lama Ole. Lebt im Zentrum Schwarzenberg. Seit 1993 im Kasselteam.

Roland Gillmayr, 1989 Zuflucht bei Lama Ole. Lebt in Bad Homburg bei FFM. Seit 1993 im Kasselteam.