Aus: Buddhismus Heute Nr. 43, (Sommer 2007)

Die Meditation auf den 16. Karmapa

Ein Interview mit Lama Ole Nydahl

Die Meditation auf den 16. Karmapa ist die Hauptmeditation in allen unseren Zentren. Jeder Neue meditiert als erstes auf den 16. Karmapa. Warum ist das so? Was ist das Besondere an dieser Meditation?

Diese Meditation wurde Hannah und mir seit 1970 während unserer ersten drei Jahre im Himalaya und auch danach immer wieder von Karmapa selbst geschenkt. In den zwölf Jahren, die wir bei ihm waren, hat er uns bei fast jedem Abschied zwei Stück dunkles, grobes und sehr reißfestes bhutanesisches Reispapier in die Hände gegeben, darauf war diese Meditation fett gedruckt.

Dabei sagte er meistens, dass diese Übung für unsere Freunde sehr gut sei und ich solle sie über die Jahre so vermitteln, dass sie immer für Westler verständlich und nützlich ist. Er sagte öfters, dass die Meditation auf den Lehrer der schnellste Weg überhaupt sei.

Ich habe seit 1972 nichts anderes als Diamantweg-Laienzentren gemacht (Ole lacht). Es ist deswegen Hannahs und meine unerschütterliche Überzeugung, dass, wo diese Übung verwendet wird, die Schwingung passt. Dort bleiben die Leute zusammen. Alles ist frisch und man fühlt ein Vertrauen und einen Segensstrom, der schnell große Reife bringt.

Es gibt mehrere tibetische Klöster im Westen. Dort meditiert man vor allem auf Licht-Energie-Buddha-Formen und singt ihre Anrufungen auf Tibetisch. Es ist höchste geistige Wissenschaft zum Einfluss von Formen, Farben und Schwingungen auf Körper, Rede und Geist, aber erfahrungsgemäß fallen dort die Sachen leichter auseinander, es wird mehr diskutiert oder es gibt weniger Gemeinschaftsgefühl. Der 16. Karmapa hat durch das Geschenk seines freudvollen Kraftkreises bewusst Bewusstseinsströme in den Raum gelegt. Und einfach weil er so groß war und solche unfassbaren Fähigkeiten besaß, sind sie höchst wirksam. Schaut man richtig hin, so ist diese Guru-Yoga Übung eigentlich ihrem Aufbau nach eher eine augenblickliche Einweihung in als eine Meditation auf den Lama und deswegen etwas sehr Nahes.

Wann und wie ist die Meditation auf den 16. Karmapa entstanden?
Sie entstand nach der Flucht vor den Chinesen im Jahr 1959. Ein Lama aus Bir im westlichen Himalaya hat den 16. Karmapa mehrmals gebeten, etwas für das Leben in der neuen Welt zu geben, was zugleich sinnvoll, wirksam und kurz gefasst sei. Es gelang! Keine tibetisch buddhistische Meditation wird im Westen mehr genutzt als diese.

Kann man alleine mit dieser Meditation Erleuchtung erlangen?
Wenn Männliches und Weibliches auf allen Ebenen bei einem Lama verschmilzt, ist die Meditation auf ihn Mahaanuttarayoga-Tantra, also die höchste Einweihungs-Stufe überhaupt. Die Übung auf den Lehrer trägt deswegen in dem Fall an sich die höchste Ebene der Verwirklichung. Da nicht alle Karmapas Mönche waren, ist in seiner Übertragung Raum und Freude voll vorhanden. Der Zustand heißt de-tong auf tibetisch, ist das Kernstück unseres Diamantwegs und meine eigene tägliche Übung. Nach der Zuflucht morgens ist die Verschmelzung mit dem Lehrer bestens geeignet für den Aufbau der Kräfte und die Augenblicke der Einsicht während des Tages.

Warum braucht man dann noch die anderen Meditationen, wie zum Beispiel das Ngöndro?
Ngöndro kann einem, richtig verwendet, den ganzen Weg bringen. Am wirksamsten arbeiten die Mittel aber ihrer Beschreibung nach als "Vorbereitung". Auf ihrer Grundlage kann man auch am besten mit dem Lama verschmelzen und dessen Eigenschaften aufnehmen.

Guru Yoga ist das Wichtigste bei uns. Das ist schon seit Marpas zweitem Besuch bei Naropa vor 950 Jahren bekannt. Damals verdichtete sich neben Naropa Marpas besondere Buddhaform "Kye Dorje", oder "Oh Diamant" mit seiner Partnerin Nicht-Ich (tib.: Dagmema), riesig und strahlend. Marpa hielt in dem Augenblick diese Licht-Energieform für wichtiger als den Lama, worauf Naropa lachte, die Gestalt als Regenbogenlicht ins eigene Herz zusammenzog und sagte: "Bei uns ist alles der Lama". So ist das halt. Wer es schafft, eine menschliche Form als rein zu sehen, ist viel näher an der Fähigkeit, alles auf dieser Ebene zu erleben als jemand, der das mit Licht-Energieformen schafft. Das Lebensnahe, Tägliche und Dauerhafte ist, was zählt.

Wo siehst du den Hauptunterschied dieser Übung zu anderen Guru-Yogas, zum Beispiel der Meditation auf den 8. Karmapa?
In der Anwendung. Der Segen der Linie und die Erfahrung vom Wesen des Geistes sind überall dieselben. Diese Übung ist einfach, handlich, schnell und wirksam. Hannah und ich tragen die Energie des 16. Karmapa. Aber er hat ja zugleich selbst die 8. Karmapa-Meditation an uns als Fortsetzung des Ngöndro gegeben, als unseren allgemeinen Yidam, auch für nachfolgende Schüler, weil die Meditation so vielseitige und ungewöhnliche Knöpfe in unserem Speicherbewusstsein drückt. Alle Lama-Anrufungen sind gut und zeigen uns den Geist, haben aber unterschiedliche Ausrichtungen. Der 2. Karmapa erweckt zum Beispiel ein riesiges schützendes Kraftfeld, der 3. öffnet uns durch Wünsche und Einsicht, der 15. bringt wonnevolle Vereinigungsmeditationen, aber der 16. ist gerade jetzt für uns so gut, weil er so nah ist und weil es seine übermäßige Kraft und sein Gefühl für Weite und befreienden Spaß ist, die wir und unseren Gruppen jetzt weiterführen. Weil er die geregelte Enge heutiger Gesellschaften in die Luft jagt, ist er der Boss.

Macht es Sinn, nach dem Ngöndro neben der 8. Karmapa Meditation auch die Meditation auf den 16. Karmapa regelmäßig zu machen?
Man schafft es ja nicht, immer eine riesige Mahlzeit zu essen. Man nimmt auch mal eine Curry-Wurst. So ist das Wechseln zwischen den Übungen zu verstehen. Auch wenn man als große Mahlzeit den 8. nimmt, für die Zeit dazwischen ist der 16. sehr gut.

Wie oft sollte man die Meditation auf den 16. Karmapa machen?
Da gibt es bei uns keine Gesetze, nur Ratschläge. Wenigstens so oft, dass man sich immer im guten Wind fühlt. Dass man immer die Sachen als schön erlebt und das Leben als frisch und sinnvoll. Die Übung ist jedes Mal eine Vitaminspritze.

Sollte man sie täglich neben dem Ngöndro machen?
Man kann nicht immer Ngöndro machen. Es gehören dazu gewisse - auch äußere - Bedingungen, sowie genügend Zeit. Auf den 16. Karmapa als untrennbar von seinem eigenen Lama zu meditieren, ist aber schnell und leicht. Ist man etwas launisch oder müde und nimmt dann die Lichter, löst sich das Meiste wieder auf. Man braucht ja auch nicht jedes Mal die Zuflucht usw. zu nehmen. Wer morgens einmal Zuflucht genommen hat und den Wesen das Beste wünscht, kann den Lama laufend entstehen lassen und Lichter wie Mantras nach Wunsch verwenden.

Du sagst manchmal, man kann sie bei der Arbeit in einer Pause machen. Kannst du kurz erklären, wie man das dann macht? Nimmt man Zuflucht vorher, macht man die Auflösung?
Die Verschmelzungsphase, bei der man den Lama in Licht auflöst und mit sich selbst eins werden lässt, wonach es nur den Raum des Gewahrseins gibt, würde ich jedes Mal machen. Sie ist wirklich wichtig. Zuflucht muss man aber wie erwähnt nur einmal am Tag so richtig nehmen. Setzt man sich hin, um länger zu meditieren, ist die Zufluchtnahme in jedem Text eingebaut und es hat Vorteil, sie zu nehmen.

Kann man bei der Meditation auf den 16. Karmapa etwas falsch machen?
Ich wüsste nicht was. Die Meditation ist so ein rundes Ding und man gleitet selbsttätig von einem Segen in den nächsten. Wer keinen ernsten Wackelkontakt hat und lesen kann, würde ich sagen, kann kaum etwas falsch machen.

Gibt es Leute, denen du von der Meditation auf den 16. Karmapa abraten würdest?
Wenn sie das Gefühl davon einfach nicht mögen. Es gibt Leute, oft Eifersuchtstypen, denen ist das Band zum Lehrer viel zu nahe. Ihnen taugt die Wärme einfach nicht. Dann rät man stattdessen: "Bitte nicht den 16. Karmapa, sondern Shine/Lhaktong (Shamatha-Vipashyana) machen". Wenn die Leute kein Vertrauen in die Verwirklichung eines lebenden Menschen entwickeln können oder keine Freude daran haben, sollen sie andere Meditationen nutzen.

Was genau stellt man sich vor, während man das Mantra sagt? Strahlen da noch Lichter in uns hinein?
Bei einigen schon, und dann ist das fein. Der Grund, dass ich im neulich gedruckten Text vor dem Mantra eine leere Zeile eingeschoben habe, ist, dass die Leute sehr oft das Mantra anfingen, bevor sie sich voll auf die drei Lichter gemeinsam eingestellt haben. Ist auch mir passiert, deswegen wurde ich darauf aufmerksam. Die drei Lichter zusammen sind ja die uferlose Übertragung des Großen Siegels. Also haben wir eine leere Zeile eingeschoben und "Pause" geschrieben. Dadurch überspringt man hoffentlich weniger leicht nach dem blauen Licht die Einstellung auf die drei Lichter zusammen und gleitet erst danach in die Mantraphase. Der Abstand auf dem Papier soll die drei Lichter gleichzeitig mehr hervorheben und die meisten erleben das wohl so.

Bei der Verschmelzungsphase löst sich alles auf. Wenn man die Augen offen hat, ist ja aber immer noch eine Welt da. Wie passt das zusammen?
Das stört überhaupt nicht. Störend ist nicht der gewohnte Strom der Sinneserfahrungen, sondern die Bewertung der Sachen, nur sie steht der Vertiefung im Wege und sie löst sich mit dieser Einsicht wenigstens etwas auf. Man spürt ja sicher auch Bewegungen im Körper, seinen Sitz, vielleicht die Atmung und mehrere andere Reize. Sie dürfen da sein, aber nicht ablenken, sollen in der Meditation kein Gewicht haben. Ich sage oft, die Lage ist so wie CNN oder BBC schauen. Man erlebt das Hauptbild, das ist, was läuft, und unten fährt die Newsbar durch. Dieser Streifen mit unterschiedlichsten Auskünften darf da sein und kann sogar nützlich werden. Ich sage dies vor allem den Frauen, weil sie am meisten von Gedanken geplagt werden. Hier habe ich für sie ein hoffentlich unvergessliches Beispiel: Man meditiert, als hätte man den ganzen Tag erfüllend gearbeitet, sitzt entspannt da, hört entfernt die Kinder spielen und springt erst auf, wenn man entdeckt, dass sie die kleine Schwester in die Salami-Maschine stecken wollen.

Wenn die drei Lichter zusammen strahlen "erfahren wir das Große Siegel und verweilen in Karmapas Zustand". In der Verschmelzungsphase "gibt es nur noch Bewusstheit, jenseits von Mitte und Grenze" - wo ist da der Unterschied? Sind nicht beide Phasen das Große Siegel?
Ja, das sind sie. Aber das Große Siegel besteht aus Grundlage, Weg und Ziel. Ein "strebendes" Mahamudra mit Form und ein "verwirklichtes" jenseits davon. Das Große Siegel ist in seinem Wesen jenseits aller Begrenzung. Seine Grundlage ist der Raum, die Buddhanatur eines jeden Wesens, die Klarheit und die Unbegrenztheit des Geistes. Sein Weg ist die Nutzung von Hingabe, Bewusstheit und Kraft in Körper, Rede, Geist. Ziel ist das zeitlose Raum-Gewahrsein, an sich furchtlos, freudvoll und mitfühlend. Hier sind Erleber, Erlebtes und Erleben eins und was geschieht oder nicht geschieht ist das freie Spiel des Geistes. Die Lichter zusammen zu nehmen, öffnet uns für den letztendlichen Zustand von Nicht-Zweiheit.

Bitte erkläre die einzelnen Phasen der Meditation.
Einstieg und Ablauf sind bei allen buddhistischen Meditationen dieselben. Man beobachtet den Atem und erinnert sich an die vier Grundgedanken bis verstanden wurde, dass die auch mit einem selbst zu tun haben. Bevor die Vorstellungen kopflastig werden, nimmt man dankbar Zuflucht, entwickelt den Erleuchtungsgeist zum Besten aller und geht weiter in die aufbauende Phase. Dies bedeutet, man stellt sich auf das ein, was man verwirklichen will. Dann lässt man in dieser Meditation seinen Lehrer als ungetrennt von Karmapa entstehen, so „tibetisch" wie man wünscht, das heißt mit mehr oder weniger Kulturellem um ihn herum. Aber immer mit der schwarzen Krone, die das Unterbewusste freilegt und schnelle Charakterveränderungen erlaubt. Das ist die Einstellung.

Die Ermächtigung auf Körper, Rede und Geist des Lamas erfolgt durch die drei Lichter einzeln sowie die höchste Ermächtigung vom Großen Siegel durch die drei Lichter gemeinsam, alles verstärkt durch die Schwingungsbrücke der Silben und Mantras. Danach löst man die Gestalt vor einem in Licht auf, verschmilzt das in den eigenen erlebten Körper und lässt nach Fähigkeit alles Äußere wie Innere in den Raum zurückkehren. Es gibt jetzt nichts mehr als die leuchtende Weite des Geistes. Aus diesem Zustand des Raum-Gewahrseins wird die Nicht-Getrenntheit von Raum und Erscheinungen erkannt und der Geist wird uferlos.

Bevor der Erleber wieder unklar wird oder Gewohnheiten ihn wieder einfangen, lässt man eine reine Welt entstehen. Sie ist frisch, neu und spannend, einfach weil der unzerstörbare Raum durch jede Erscheinung seinen Reichtum zeigt. Alle Wesen haben die Buddha-Natur und obwohl alles auf letztendlicher Ebene wahr ist - einfach weil es geschieht oder nicht geschieht - kann man zugleich auf bedingter Ebene die Umstände so schaffen, wie man will. Diese Freiheit entfaltet die innewohnende Buddha-Natur des Meditierenden, und das Zeichen, dass alles auf der letztendlichen Ebene des Diamantweges abläuft, bleibt immer dasselbe: Man verlässt nicht das Reine Land, sondern festigt nach Fähigkeit die Reinheit seiner Erfahrung im Leben, bis man sie bei der nächsten Vertiefung nochmals stärken kann.

Die Offenheit der Übenden für den Text hat sich während der letzten 35 Jahre übrigens immer weiter nach hinten verlagert. Zuerst war all das „Tibetische" bedeutend; das Gold auf der Krone und die ganzen Einzelheiten drum herum. Dann wurden die drei einzelnen Lichter wichtig, die übrigens in der ursprünglichen Meditation nur gemeinsam aufgenommen wurden. Danach war es der Sinn der Mantras, und so ging es weiter, bis heutzutage nach dem nackten Gewahrsein der Verschmelzungsphase die Möglichkeit der erleuchteten Tat die Menschen begeistert. Das Weiterführen der reinen Sicht im Leben ist eine unendlich erfüllende Aufgabe. Hier macht es Sinn, mit den Leuten zu arbeiten. Sie sind ja alle Buddhas, die es noch nicht erkannt haben und alles geschieht im sinnvollsten möglichen erfahrbaren Rahmen. Ich denke, mit viel Kraft in die Welt zurückzukehren und sie zu gestalten, begeistert zurzeit die meisten.

Es ist aber auch möglich, dass - wenn der 17. Karmapa Thaye Dorje irgendwann mal seine Krone zurück bekommt und sie in Ordnung ist, was wir sehr hoffen - die anfänglichen Stufen der Meditation wieder an Bedeutung gewinnen werden. Seit 1980 hat Karmapa die Krone ja kaum gezeigt und ein Jahr danach ist er gestorben.

Was bedeutet "im Mantra zu ruhen"?
Im Mantra ruhen heißt, im Geräusch selbst, also in der Erfahrung von Laut und Leerheit, Schwingung und Raum zu verweilen, jenseits von Erwartung und Befürchtung. Man verliert sich drin. Die Schwingung hat dann weder Mitte noch Grenze, ist uferlos. Hier ist vor allem das OM MANI PEME HUNG sehr bekannt, dessen sechs Silben die sechs Störgefühle entfernt, und die 100 Silben von Diamantgeist, die 100 reinigende Buddha-Familien herbeirufen. Wiederholen viele Leute ein Mantra, schwingt und summt alles und der heutige Mensch, der innerlich stille Zeit sucht, findet diese hier, während zugleich unterbewusst viele überpersönlichen Knöpfe gedrückt werden.

Siehst du uns in 50 Jahren auch noch die 16. Karmapa Meditation machen oder meditieren wir dann etwas anderes?
Unbedingt, aber vielleicht mit anderen schnell wirkenden Meditationen zusammen. Ich weiß nicht, was der 17. Karmapa hier vorhat. Ich habe ihn ja gefragt und erwähnte ein paar Mal, dass es Leute gibt, die gerne eine Meditation auf ihn hätten. Da hat er mich so ein bisschen verdutzt angeschaut, als wäre das noch nicht nötig und gefragt: "Muss das jetzt sein?" Und ich antwortete: "Nein, du hast bestimmt Zeit." Da schien er ganz beruhigt. Denn einerseits sind alle Karmapas derselbe Bewussheitsstrom und andererseits verlieren einige Lehrer Kraft, wenn man einfach auf sie meditiert. Außer der 16. Karmapa-Meditation gibt es auch die Verschmelzungen mit anderen seiner Wiedergeburten, die alle ähnliche Erlebnisse bringen.

Möchtest du noch etwas zu dem Thema sagen?
Ich will gerne wiederholen, dass es eine mächtige und kostbare Sache ist, durch den Segen einer ungebrochenen Übertragung eine so unmittelbare Verbindung zu der eigenen Buddha-Natur zu besitzen. Und ich möchte auch den Leuten, die vielleicht den Karmapa selbst nur flüchtig kennen, versichern, dass "Karmapa" zwar unser Titel für die erste Inkarnationsreihe Tibets ist, dass der Kraftstrom der Linie aber einen jeden umfasst, der Zuflucht hat und seine Arbeit tut, also den Segen der Buddhas in die Welt bringt. Wer den 16. Karmapa nicht kannte oder wen das Fremde an der tibetischen Kultur stört, ist durch seinen Wunsch, andere zur Erleuchtung zu bringen, voll mit drin.

Hättest du einen Ratschlag in Kürze für ein buddhistisches Leben im Diamantweg?
Haltet vor allem die reine Sicht und seht wenn möglich alles auf der höchst möglichen Ebene. Meditiert wann immer möglich, auch für wenige Minuten, verwendet oft Mantras und entwickelt und genießt im Anschluss bewusst die Offenheit für die besonderen Eigenschaften der Leute. Versteht alles Angenehme als Segen und etwas Gutes, was mit anderen zu teilen ist und seht alles Schwierige als Lebenserfahrung und Reinigung, was später anderen nützen kann.

Bewertet eure Meditation nicht und habt Freude an dem bewussten Raum hinter und zwischen den Erlebnissen.

Bei Wiederholungen von Verbeugungen und Mantras darf der Geist etwas abwandern, aber niemals während der Einswerdung mit den Buddhas oder der Stufe der Einsicht. Erinnerungen, Gedanken und Gefühle dürfen zwar da sein, aber den Geist nicht einfangen. Lasst in diesem Falle die Diebe in ein leeres Haus kommen. Bleibt bewusst und lasst sie nichts finden.

Alles Beste an euch alle und genießt eure Fähigkeiten.


Interview: Stefan Watzlawek und Melanie Zaremba, 24. Mai 2006 in Houston / USA

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