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BUDDHISMUS HEUTE
Aus: Buddhismus Heute Nr. 42, (Winter 2006)

Frauen

Ein Interview mit Lama Ole Nydahl

 

Ist es eine Frage von Karma, ob man als Mann oder Frau geboren wird?
Ja selbstverständlich - und in je höherem Maße es karmisch ist, desto größer sind die Unterschiede im Zugang zu Freiheit und Glück. Die Körper, Umstände (ob man in der Schweiz oder im Kongo auf die Welt kommt) und Neigungen der Wesen sind ganz klar eine Frage von Ursache und Wirkung. Ich denke zum Beispiel, dass die Männer, die jetzt Frauen unterdrücken, im nächsten Leben selbst als unterdrückte Frauen in den gleichen Gesellschaften wiedergeboren werden. Solche geschlossenen, karmischen Kreisläufe kann man über die Jahrhunderte deutlich beobachten. Mögen sie dem Westen, wo wir dieses Verhalten überwunden haben, fernbleiben!

In den zivilisierten Ländern der gemäßigten Zonen der "gelben" und "weißen" Welt, wo die Menschen meistens frei sind, haben Männer und Frauen ähnliche Möglichkeiten. Die Frauen sind sogar von etlichen schlechten Männerrollen befreit, wie zum Beispiel denen eines Soldaten. Hier ist das Geschlecht eine Frage der entwickelten Charakterzüge. Wurde vor allem die Eingebung entfaltet, wird man eher als Frau geboren und dachte man einsgerichtet und abstrakt vorausschauend, eher als ein Mann. Aber auch Wünsche und wie man sich selbst gewohnheitsmäßig erfahren hat, kommen hier zum Tragen.

Können Frauen gut zusammenarbeiten und sich gegenseitig inspirieren?
Wenn es nicht um Männer oder um den Wettbewerb zum Besten des Nachwuchses geht, können Frauen einander vielseitig begeistern. Besonders in Gruppen drücken sie ein weites Feld von Weisheiten aus. Deswegen sollte man solche Lagen ermöglichen, die den Raum für freien weiblichen Austausch sichern. Werden sie nicht unter Druck gesetzt oder ihre Herzen oder ihr Vertrauen gebrochen, sondern einfach genossen, dann werden sie - allein durch die Offenheit, die ihnen entgegen gebracht wird - Ebenen ihrer Einsicht mit einem teilen. Sie vermitteln und lernen einfach gern. Wichtig ist immer, dass ihnen die Möglichkeit gegeben wird, einfach nur zu sein - ohne den Druck, dieses oder jenes beweisen oder entschuldigen zu müssen. Dann entfalten sich ihre inneren Weisheiten.

Warum haben Frauen oft vor so vielen Dingen Angst?
Erstens haben sie für Gefahren mehr Gefühl und zweitens sind sie schwächer und einfach verwundbarer. Viele ihrer Ängste zielen aber im Kern auf den Nutzen anderer, denn sie wollen zum Beispiel ihren Nachwuchs oder die Leute unter ihrer Obhut schützen können. Ohne solche Verantwortungen sind Frauen gar nicht so ängstlich, viele sind oft ausgesprochen tapfer und im Augenblick der Tat sehr überzeugend. Einige meiner Schüler in Russland sind bei Spetsnaz, Omon oder anderen Spezialeinheiten ihres Heeres. Sie sagen zum Beispiel, dass Frauen die besten Heckenschützen sind. Sie lauern, bis sie eine klare Sicht haben und erwischen dann den Gegner. Männer andererseits ballern links und rechts, langweilen sich und gehen wieder nach Hause.
Ein Schüler von mir nahe Tijuana in Nord-Mexiko ist ein sehr bekannter Stierkämpfer. Nach einem Phowa-Kurs auf seinem Land sagte er mal: "Ich würde jeden Stier stoppen, aber niemals eine Kuh." Mir ging das Herz auf und ich umarmte ihn. Ich sagte: "Du bist ein Gentleman". Er lief etwas rot an und erwiderte: "Das ist nicht der einzige Grund. Der Bulle schließt während des letzten Meters seines Angriffs die Augen. Also kann man ihm noch ausweichen. Die Kuh jedoch hält ihre Augen offen."

Wie kann man mit der Tendenz, zu tratschen und schlecht über andere zu reden, arbeiten?
Üble Rede ist vor allem ein Zeichen schlechter Erziehung. Man sollte sie in jeder Lage vermeiden - die grobe Sprache zwischen Männern, die scharfe zwischen Frauen. Sie zeigt einfach untere Klasse und schlechten Stil.
Was aber Tratsch-ähnliche Auskünfte oder Gerüchte betrifft, so gibt es zwei Arten davon, je nach Einstellung des Redenden. Einige sind erzieherisch schützend gemeint und andere verleumdend. Die erste soll überpersönlich lehren, wie andere, oft berühmte Leute, leben und handeln. Etwas über ihren Hintergrund ihre Möglichkeiten und Schwächen zu lernen, kann hilfreich sein. Es nutzt dem Zuhörer, die Welt besser zu verstehen.
Eine andere Art dieses Austausches beruht jedoch auf Eifersucht und ist für keinen gut. Das sind schlechte, persönliche Gerüchte über bekannte Leute oder solche, die man kennt. Sie sind meist böswillig und erzeugen schlechte Eindrücke im Geist. Es ist sinnvoll, den eigenen Geist wie einen schönen Garten zu sehen, und wer würde dort bewusst Abfall ablegen? Wer an das Schlechte denkt, das die Leute tun, nimmt daran teil. Freuen wir uns hingegen über ihre guten Taten, speichern wir diese. Was wäre hier ratsam? Das geschickte oder das ungeschickte Verhalten der Leute in unser Leben zu bringen?
Was Gerede an sich angeht, scheint es Unterschiede in der Schaltung der männlichen und weiblichen Hirne zu geben. Die Amygdala, ein gefühlsreiches und mit Angst verbundenes Gebiet in der Hirn-Mitte, ist bei Frauen direkt mit dem Rede-Zentrum verbunden, bei Männern aber mit den Bewegungen des Körpers. Deswegen wollen Frauen gehört und geschützt werden, wenn sie in Gefahr kommen, während Männer unter solchen Umständen gerne geräuschlos angreifen. Sicherlich hatte es in früheren Zeiten auch bei uns lebenserhaltenden Wert, dass Frauen die Männer rufen konnten, um sie und die Familie zu schützen. Die Welt der Frau ist eigentlich der Rede sehr angemessen, denn sie erzieht oft und erfährt dazu eine breite und überschaubare Welt, wie ein Fest um ein Lagerfeuer herum. Der Mann beherrscht eher durch seinen Tunnelblick die Umgebung: er sieht nur den Tiger, dessen Pelz er abends tragen will. Seit wir Sprache und Werkzeuge entwickelten, hörte man die Stimmen der Frauen: "Kind, schau dir dieses an, schau dir jenes an" während der Mann seinen Speer verbesserte. So ergänzen sich die Geschlechter in ihrem Umgang mit der Welt.
Ich empfehle den Männern, deren Frauen viel reden, ihre Worte als Mantras zu hören und sie als Zeichen zu verstehen, dass es ihnen gut geht. Die Frauen, deren Männer sich in einer hoffentlich politisch unkorrekten Zeitung verlieren, sollen auch nicht gestört sein, denn: Er tut es um Bescheid zu wissen und die Welt auch zu ihrem Besten zu beherrschen. Dafür braucht er eine weitreichende und abstrakte Sicht der Ereignisse.

Warum sind Frauen oft eifersüchtig?
Die Ursache für Eifersucht ist ein Gefühl von grundlegender Armut und wo Frauen sich in einer gesicherten Lage befinden, tritt diese Neigung viel seltener auf. Ob die häufige Gleichgültigkeit des Mannes eine bessere Eigenschaft sei, wäre zu überlegen. Weniger schmerzhaft ist sie aber schon. Eifersucht entsteht aus der Fehlvorstellung, man könne etwas verlieren, was letztendlich nicht geschehen kann. Es gibt ein Sprichwort im Dänischen: "Wenn du jemanden liebst, dann lass ihn frei. Wenn er zurückkommt, gehört er dir. Und wenn nicht, ist es besser so." Man sollte aber nie mit den Gefühlen des Gegenübers spielen. Das wäre unmenschlich und schlechter Stil. Ein Leben ist so kurz und man hat Verantwortung für das Glück des Partners. Man sollte seine Nahen nicht verunsichern oder unnötig ihre Herzen brechen, weder bei reifen Frauen, die vor allem den Geist des Mannes bei sich wissen wollen, noch bei Männern, die vor allem auf die Körper der Frauen achten. Sind Kinder da, steigt die Bedeutung des Verhaltens riesig.

Warum kümmern wir Frauen uns so viel um die äußere Form, den Körper?
Ein Körper ist nützlich und soll Freude bringen. Ist er gut gepflegt, lebt er länger und hat mehr Sinn. Körper sollen aber gute Diener sein, keine schwierigen Herren. Auch ihr Aussehen ist als Werkzeug zu verstehen, denn ein anziehendes Äußeres kann viele Leute beeinflussen. Schöne Menschen können mehr für andere tun, weil viele an ihrem Kraftfeld teilhaben wollen. Es lautet vielleicht komisch, aber selbst die zölibatären Mönche und Nonnen der "tugendhaften" oder "Gelugpa"-Schule, machen gezielte Wünsche und Gebete, um im nächsten Leben schön zu sein.

Warum sehen Frauen und Männer die gleichen Dinge oft so unterschiedlich?
Weil in den vier Millionen Jahren, die wir unsere Vorfahren zurückverfolgen können, das Männliche immer der Jäger war und das Weibliche sich um die Höhle und den Nachwuchs kümmerte. Die Männer haben dadurch die bereits erwähnte Tunnel-artige Sicht auf die Beute entwickelt, wohingegen die Frauen alles in der nahen Umgebung im Blick hatten. Das sieht man auch heute: der Mann wühlt vergeblich in einem Schrank herum, und die Frau hat das Gesuchte mit einem Griff in der Hand. In der Dämmerung jedoch, wenn die Dinge unklar werden, sollte der Mann Auto fahren, denn er schaut gerne weit vor sich her und folgt auch bei hoher Geschwindigkeit der weißen Linie. So sind viele Besonderheiten bis heute erhalten geblieben.
Früher blieben von zehn Kindern zwei oder drei lange genug am Leben um eigenen Nachwuchs hervorzubringen, und die Eigenschaften der Rassen entwickelten sich aus den Anforderungen des Überlebens. Das Leben im Flachland bevorzugte lange Beine, um sich schnell bewegen zu können. Die Leute in den Bergen entwickelten aber kürzere Beine, weil sie damit leichter Lasten bergauf tragen konnten. In kalten Gegenden mussten die Menschen voraus denken, um den nächsten Winter zu überleben. Frauen passten sich anders an als Männer, einfach um unter unterschiedlichen Bedingungen am Leben zu bleiben. In den friedvollen, freien und technisch fortgeschrittenen Ländern des Westens heutzutage fallen Frauen weniger auf als die rauen Männer.

Was kann eine Frau von den Männern lernen?
Ich würde vorschlagen: vor allem einen schützenden, jovialen Sinn für Humor - eine so genannte dicke Haut - um die Dinge weniger ernst zu nehmen. Nicht auf jeden Trip und jedes Gefühl einsteigen zu müssen - das ist echte Freiheit. Allgemein würde ich raten, sowohl im Leben als auch beim Meditieren nicht zu empfindlich zu sein.
Frauen werden offensichtlich auch in ihrer Vertiefung mehr von ihren Erfahrungen gefangen als die Männer. Schon vor ca. 900 Jahren klagten sie vor dem großen Verwirklicher Milarepa über zu viele Gedanken. Er antwortete dann: "Wenn du die Größe des Berges siehst, wie können dich ein paar Büsche darauf stören? Wenn du die Tiefe des Meeres erlebst, wie kannst du von ein paar vorübergehenden Wellen gestört werden?"

Warum sind Frauen nicht ehrlich mit sich?
Allgemein sind Frauen ehrlich mit sich selbst, aber lügen eher andere an. Männer hingegen können nicht überzeugend andere belügen aber bestens sich selbst. Das kann zu einigem Durcheinander führen. Für viele Leute ist Ehrlichkeit eine große und unüberschaubare Sache. Deswegen fällt es ihnen leichter, das zu sagen, was die Leute allgemein erwarten und gewohnt sind. Ich selbst sage aber immer die Wahrheit, weil ich sofort jede Lüge vergessen würde. Entweder sage ich also nichts oder was ich denke. Das ist meine einzige Möglichkeit und bis vor kurzem habe ich damit zu einigen grauen Haaren auf den Köpfen meiner Freunde beigetragen. Das hat sich aber inzwischen geändert. Meine Sichtweise schaut tatsächlich meistens dreißig Jahre in die Zukunft.

Was denkst du über die heutige Frauen-Bewegung?
Kraftvolle Frauen sind spannend - Tag wie Nacht - aber es ist schade, wenn ihre Bewegung all die schlechten - die langweiligen und steifen - Eigenschaften der männlichen Hackordnung übernimmt, die sie bekämpfen. Was mich am meisten stört ist, dass wenige dieser Damen ein Herz für ihre unterdrückten Schwestern zu haben scheinen; dass sie es einfach nicht wagen, ihnen das Wenige zu helfen, was unser Grundgesetz vorschreibt. Es tut weh, dass sie - nachdem sie so viel für die eigene Gleichberechtigung gemacht haben - sich einfach zurückziehen und unbedeutend werden, anstatt etwas für weltweit 700 Millionen unterdrückte moslemische Frauen zu tun. Hier fehlt offensichtlich der Mut, um wenigstens die bei uns wohnenden aus dem Mittelalter herauszuholen. Würden die Frauenrechtler darauf bestehen, dass im Westen Unterstützung nur für die landesübliche Kinderzahl bezahlt wird, dass sie die Sprache der Wirtsländer sprechen müssen und auch diejenigen heiraten dürfen, die sie wollen, würden diese Frauen sich ausbilden und kein Fremdkörper in der Gesellschaft bleiben.

Warum haben Frauen oft Selbstzweifel, dass sie nicht gut genug seien? Ist das typisch für freie Länder?
Eigentlich ist das überholt, durch Erziehung und die modernen Küchenmaschinen. Eine Bereitschaft zum "Dienen" findet man heute vor allem noch in den slawischen Ländern, aber dadurch bekommen slawische Frauen vielleicht auch mehr Aufmerksamkeit und Liebe als in vielen anderen Kulturen. Männer spüren, dass sie bereitwillig die weibliche Rolle des Unterstützens annehmen und das zieht sie an. In germanischen Ländern sind viele Frauen heute so unabhängig, dass Männer sie gar nicht mehr als sexuelles Gegenüber oder als mögliche Partner sehen. Sie verbringen vielleicht hoffnungsvolle Stunden vor dem Spiegel, aber geben bei aller Gepflegtheit nicht dem Mann das Gefühl, dass sie ihn bräuchten. Stattdessen werden sie als Wettbewerb erlebt und dadurch geht viel Zugkraft und Nachtleben verloren. Viele Frauen spüren inzwischen diese Falle und bemühen sich deswegen weniger um äußere Gleichheit. Sie fühlen, dass es letztendlich zu mehr Liebe führt, wenn man den Männern nicht zu ähnlich auftritt. Wenn sie im Ausdruck zu klar werden, verschwinden oft die spannenden Unterschiede zwischen Mann und Frau. Die Begegnungen haben dann oft einen leichten Austausch, aber bleiben unverbindlich.

Sollten weniger feminine Frauen sich ändern und femininer werden?
Jeder sollte in seiner Mitte ruhen, das ist ein Menschenrecht. Seid einfach natürlich. Jede von euch ist einmalig und wird gebraucht. Unterdrückt nicht das Weibliche und macht keinen unnötigen Wettbewerb mit den Männern. Bewahrt euren Bereich und arbeitet mit ihnen als Freunde zusammen. Etwas zwanghaft beweisen zu wollen, ist nicht anziehend und nicht nützlich. Es macht auch einsam.

Wie sollen wir entscheiden, wann die Zeit gekommen ist, eine Beziehung zu beenden? Und wie können wir sicherstellen, dass wir in der nächsten nicht die gleichen Tendenzen fortführen?
Wenn ihr in der Beziehung lange Zeit unfroh wart und keine Kinder habt, könnt ihr ja sehen ob jemand anderes euch die Zuneigung gibt, die ihr braucht. Somerset Maugham riet: wenn ihr die Zahnbürste des Partners nicht mehr würdet verwenden wollen.
Andererseits ist alles, was Nicht-Meditierende erleben von wechselnden Geisteszuständen gefärbt. Wenn man mehrere Partner hatte und dazwischen wenig raumgebendes Wachstum - wie Zeit für Meditation - findet man oft die gleichen Fehler bei den meisten. Das liegt dann nicht daran, dass sie häufiger diese Fehler haben als andere Leute, sondern bedeutet, dass man solche Schwächen erwartet und auf sie aufspringt. Wenn man also mit jemandem ein ansonsten angenehmes Umfeld teilen kann, könnte man auch genauso gut in der Beziehung bleiben, erst das Problem mit ihm oder ihr durcharbeiten und dann sehen, wie die langfristigen Wünsche hinterher sind.
Die Probleme, die einen stören, sind die eigenen. Wenn jemand sich seltsam benimmt und man keine gefühlsmäßigen Haken hat, die sich darin verfangen können, denkt man einfach "komisch" oder "arme Eltern". Man fühlt sich aber nicht gestört. Wird aber an empfindlichen Punkten gekratzt, fühlt man sich schnell angegriffen. Der Grund dieser Verletzlichkeit ist innere Schwäche, und ähnliche Bedingungen werden sich immer wieder finden, bis der innere Knoten durchtrennt ist. Deswegen sollte man die Welt als seinen Spiegel nehmen und gezielt alle Hindernisse und Empfindsamkeiten möglichst schnell angehen.

Wie soll man damit umgehen, wenn einem geholfen wird, man aber spürt, dass dafür etwas erwartet wird?
So klar wie möglich durchscheinen lassen, dass man nicht kaufbar ist, dass Unterstützer sowie Empfänger beide gutes Karma aufbauen. Wenn man Dharma lebt, ist das sowieso nicht so schwierig. Man ist einfach dankbar und wünscht, dass der Helfer bald Nutzen haben wird von dem, was geschieht. Es ist unnötig, Angst zu haben vor Geschenken, die einem die Übung ermöglicht, denn alle haben Vorteil und werden Teilhaber an menschlichem Wachstum. Wenn dabei ein Gefühl von Erwartung oder Gegenleistung bleibt, ist es aber besser, nichts anzunehmen. Wollen stolze Leute einem öffentlich etwas geben, sollte man es in vielen Fällen sofort für einen anderen guten Zweck weitergeben und den Geber dabei groß preisen. Ist die Beziehung aber gut und beide wollen das Gleiche, werden die Geber später echte Unterstützer und Freunde, vielleicht für eine Zurückziehungsstelle oder ein Zentrum.

Warum schämen sich Frauen?
Das Komische ist, dass das Erröten an sich ursprünglich Liebhaber auf die angebotenen Reize aufmerksam machen sollte. Bleiben wir aber beim Sinn der Frage: Jeder tut das in gewissem Maße, denke ich. Es kommt wohl daher, dass die Geschlechtsteile verletzlich sind. Ein Mann, der keine Hosen trägt, kann seine edlen Teile in allem Möglichen verfangen. Und Frauen bekommen ohne Kleidung leicht Entzündungen. Vielleicht entstand das Gefühl, weil diese Körperteile geschützt werden müssen. Danach erschienen Religionen, die ihren Vorteil darin sahen, Triebe unterdrücken und steuern zu können und sie brachten dann Schwierigkeiten, wie Scham und Schuld ins Spiel. Ein Soldat, der gerade geliebt hat, tötet nicht gern, wohingegen, wer lange Zeit nichts in den Armen hielt, scharf ist. Der Zulu-König Charka hielt seine Truppen enthaltsam vom "18. zum 36." Lebensjahr und eroberte große Teile von Südafrika, bis seine 10.000 Krieger auf 300 sehr entschlossene Holländer stießen. Nach seiner Niederlage am Blood River zerfiel dann sein Reich.

Warum sagen Frauen oft Nein, wenn sie eigentlich Ja meinen?
Es kommt auf das Maß der Anziehung an. Eigentlich will ja jeder ein erfülltes Leben, aber zugleich gibt es ständig Druck von unterschiedlichen Gesellschaften, Religionen, der herrschenden Moral und solchen Sachen. In moslemischen Ländern gibt es zum Beispiel bei Untreue für Frauen die Todesstrafe durch Steinigung, während die Männer ausgepeitscht werden. Da Frauen im Allgemeinen auch in zivilisierten Gesellschaften härter als Männer beurteilt werden, müssen sie oft vorgeben Nein zu sagen, auch wenn sie gerne Ja gesagt hätten.
Aber eine Frau wird das vielleicht sogar in einer völlig freien Lage tun, denn dann muss der Mann um sie werben und eine Art von Verantwortung übernehmen. Ich denke, dass die meisten Frauen - wenn sie nicht gerade übermäßig verliebt sind - sich der möglichen Zukunft einer Beziehung sehr bewusst sind und sich deswegen zaghafter verhalten, als sie tatsächlich fühlen. Das zu beobachten, ist übrigens bezaubernd. Wenn man Frauen aber beim Nein nimmt, mögen sie das oft gar nicht. Ein kluger Jäger sollte also seine Begeisterung aufrecht erhalten und weiter seine Hingabe zur Sache zeigen.

Wonach sollte eine buddhistische Frau heutzutage bei einem Mann Ausschau halten?
Vor allem: er muss Humor haben, witzig sein können, über den Sachen stehen. Findet einen Mann, der euren Weg unterstützt oder selbst Buddhist ist. Meditiert zusammen, wenn möglich, dann hat alles was ihr tut den gleichen Geschmack von Befreiung. Wenn ihr Familien aufbaut, nutzt es allen und wenn ihr meditiert ist es genauso. Lasst eure Arbeit mit dem Geist bitte nicht zwischen den Haushaltsaufgaben verschwinden. Jeder mit etwas Vernunft sollte täglich etwas Zeit zum Meditieren finden. Selbst eine halbe Stunde oder 20 Minuten, die zum Verschmelzen mit dem Lama führen, sind wirklich bedeutungsvoll, kurz-, wie langfristig.

Was bedeutet praktische Weisheit und die Umwandlung von Erfahrungen?
Frauen lernen besser aus Erfahrungen als Männer. Ein Mann zwingt bei einer festen Vorstellung auch gerne etwas durch. Er will auch wissen, warum etwas nicht wirkt. Frauen scheinen diese abstrakte Ebene nicht zu brauchen. Wenn sie merken, dass etwas zu nichts führt, ändern sie schnell ihre Richtung. Deswegen machen Männer die Erfindungen und Frauen sorgen dafür, dass die Familien gedeihen.

Soll man Reinigungs-Praxis machen, wenn man schwanger ist?
Ja, die Embryos lieben Mantras, besonders das Hundertsilbige.

Wie kann man Familie und tägliche Praxis verbinden?
Wer sehr gebraucht wird, muss unter Umständen üben, während andere schlafen. Noch besser: Sagt ihnen, zu welcher Zeit ihr täglich meditiert. So können ihre Bedürfnisse und euer Wunsch nach Entwicklung in Einklang gebracht werden. Ihr werdet auch sehen, dass Hunde, Katzen und Kinder versuchen werden, bei euch zu sein. Sie lieben die Hirnwellen, die in der Vertiefung entstehen.

Hat das Geschlecht eines Lehrers eine Bedeutung?
Die Vortragsweise und vielleicht das gewählte Thema werden etwas verschieden sein, aber nicht die Botschaft. Frauen sprechen eher allgemein, in einer umkreisenden Weise und auf Erfahrung eingestellt, wohingegen Männer den Stoff gezielter angehen und Abstraktionen und spannende Einzelheiten gerne vorbringen. Die Lehren werden aber die gleichen sein, sie sind alle von Buddha. Je männlicher man ist, umso mehr Begeisterung wird man bei der weiblichen Sichtweise erfahren. Es liegt so viel Rundes in dem, was sie sagen, so viel Wärme und Gefühl, wohingegen Männer gerne mit Ideen spielen und sehen wollen, wo und ob es Grenzen gibt.

Warum haben wir nicht mehr weibliche Reiselehrer?
Eigentlich haben wir ziemlich viele, denke ich, insbesondere aus Ländern mit protestantischem Hintergrund. Ich leite diese Frage aber meistens an Hannah weiter. Sie sagt dann, dass Frauen diese Stellung nicht so sehr anstreben und dass ihnen die biologischen Möglichkeiten wichtiger sind. Wenn Frauen einen Mann und Kinder bekommen und ein Nest bauen können, ist das für sie meist wichtiger als für einen Mann. Mehrere unserer Frauen haben das inzwischen geschafft und sind danach weitergegangen. Sie haben Familien gegründet und lehren später mit all der Reife vorzüglich aus dieser Erfahrung heraus. Ihren Körpern wohnen nach den Geburten großartige Weisheiten inne und wir leben alle durch ihre Verantwortung, Leben in die Welt zu bringen.

Wie kann ich meine Freunde im Sangha zu mehr Praxis motivieren?
Erzählt den Frauen, dass Verbeugungen den Bauch flach machen und den Busen heben. Den Männern sagt man, dass sie die Bier-Muskeln auf die Schultern bringen.(Witz!) Erinnert beide daran, dass Diamantweg-Meditationen einen jeden spannend, tief und unerschütterlich werden lassen.

Wie können wir die Selbstdisziplin für Meditation entwickeln?
Denkt oft an die vier Grundüberlegungen, die den Geist auf zeitlose Werte ausrichten. Sie sind sehr wichtig. Wenn ihr wenig Zeit habt, entscheidet einfach, dass dieses Leben eine einzigartige Gelegenheit bietet. Dass ihr gerade jetzt die Möglichkeit habt Mittel zu verwenden, die Buddha seinen nächsten Schülern in ihren hellsten Augenblicken vermittelte. Denkt dann: Jetzt kann ich wieder eine halbe Stunde meditieren - wie schön, was für ein Glück! Geht es so an.

Warum haben wir Probleme mit den Verbeugungen?
Weil sie hart sind, sie sind einfach harte Arbeit. Darüber hinaus führt es zu schweren Reinigungen des Speicherbewusstseins, wenn man die inneren Energien durch den Körper auf und nieder schleudert. Eine PS ist die Leistung, 75 kg in einer Sekunde einen Meter hochzuheben. Stellt euch vor, wieviel Arbeit vor allem bei großen, schweren Menschen die Verbeugungen bedeuten. Deswegen rate ich oft den weniger Sportlichen: "Macht jeden Morgen 111, dann habt ihr sie in drei Jahren." Wenn die Leute danach weitermachen wollen, auch für andauernde Kraft und Geschmeidigkeit, aber ohne zu zählen, dann entsprechen 15 Minuten der Rutscher ungefähr dieser Zahl.

Können wir die Meditation auf die Grüne Tara machen?
Im Moment gibt es nur eine verfügbare Version für Kinder.

Die Grüne Befreierin wurde in Tibet kaum als Meditation verwendet, aber überall als Anrufung. Wenn die Frauen morgens aufstanden, haben sie die 21 Lobpreisungen der Befreierin singend wiederholt, während sie die Kühe molken, den Stall ausfegten und das Essen zubereiteten. In den indischen Flüchtlingslagern, wo Hannah und ich wohnten, haben sie das immer noch so gemacht und der Eindruck ist sehr schön. Diese Anrufungen vor allem der grünen Form sind keine Übung zum Sitzen, während andere der 21 Formen von Befreierin, wie die weiße, hier spannende Meditationen bieten. Hannah und ich haben eben eine Woche im Kraftfeld ihrer weißen Gestalt verbracht. Sie steht für Willenskraft und langes Leben, heißt Dölkar, sitzt in voller Lotusstellung und hat sieben Augen, vier davon in den Handflächen und Fußsohlen. Sie ist unglaublich schön und jenseits aller Beschreibung, mit einem Raum-Rad im Herzen und schenkt fantastische Ebenen von Erfahrung und Reichtum.

Was ist die Rolle der weiblichen Schützer wie zum Beispiel Mahakali?
Die weiblichen Buddhas, ob befriedend, bereichernd, begeisternd oder kraftvoll schützend machen die Feinarbeit, sie kümmern sich um Inneres und Geheimes. Sie erhalten die Reinheit der Verbindungen zu den Buddhas, der hohen Sicht, den Mantras sowie zwischen den Übenden. Dies ist ihr vorrangiger Tatbereich. Die männlichen Formen sind zuständig für das "Gröbere". Sie schützen Körper, Rede und Geist der Wesen. So wie auch im Leben, nimmt sich das Weibliche der persönlichen und psychologischen Gebiete an.

Was ist die Aktivität der Dakinis? Ist sie eher kreativ oder zerstörend?
Ihr Tatbereich ist die Zerstörung des Egos, immer in sinnvoller und sehr wirksamer Weise. Wer von ihnen mich auch über die Jahre segnete, schenkte mir jedes Mal so viel Freude, dass man alles andere vergisst. Ich denke, die weibliche Eigenschaft ist grundsätzlich Liebe - eine Güte, die alles zusammenhält und jede Lage zum Besten der Wesen gedeihen lässt. Ist etwas Weibliches nicht gütig, fühlt sich das sehr unnatürlich an, es passt einfach nicht. Um Bismarck, der vor 150 Jahren Deutschland einte, zu zitieren: "Geh zum Mann um Krieg zu lernen, und zur Frau für die Liebe. Davon wissen sie etwas." Man sieht das auch in den buddhistischen Tantras: die Vater-Tantras sind gut für zornige Menschen und die Mutter-Tantras für diejenigen mit vorherrschender Begierde. Buddha hat insbesondere Frauen vor Zorn gewarnt. Das Gefühl ist nicht anziehend, macht einsam und lässt einen hässlich erscheinen im nächsten Leben.

Wie erreicht man inneren Frieden?
Meditiert auf euren Lama oder gewählten Buddha, wie er oder sie sich vor oder über euch in Licht auflöst. Lasst dieses in euch hineinschmelzen, alles Äußere wie Innere sich auflösen und seid dann bewusster Raum, völlig bewusst, aber ohne Mitte oder Grenze. Wenn die Klarheit nachlässt und bevor eine "weiße Wand"-Wirkung entsteht, lasst ihr die Welt wieder als Reines Land und alle Wesen als mögliche Buddhas entstehen. Erlebt als Fortsetzung zwischen den Sitzungen so gut wie möglich alle Gedanken als Weisheit und hört alle Klänge als Mantras. Am Ende teilt die guten Eindrücke mit allen Wesen.

Es heißt irgendwo, dass es für Frauen schwieriger sei, die Erleuchtung zu erreichen, selbst wenn sie mehr Erfahrung als Männer hätten, weil sie mehr am Leben oder Form als solcher anhaften?
Frauen haben mehr Anhaftung und fühlen sich biologisch mehr für die Welt verantwortlich als Männer. Aber zu Beginn des Weges haben Frauen eine günstigere Ausgangslage, die besten Rollen für das Spiel. Da die meisten Lehrer Männer sind, können sie sich dem Lehrer sehr öffnen, ihre Antennen der Eingebung ausfahren, sich begeistern und dadurch alles sehr schnell aufnehmen. Männer vergleichen sich oft zuerst, um zu sehen, was der andere "Kerl" taugt. Deswegen dauert es oft länger, bis sie Vertrauen entwickeln. Da Frauen erfahrungsgemäß mit natürlicher Hingabe und Liebe als Grundlage anfangen, gibt das der Entwicklung einen zusätzlichen Schub.
Am Ende des Weges haben es aber die Männer leichter, denn Frauen entwickeln fast unvermeidlich einige feine Anhaftungen wohingegen die Männer immer im Kern den kleinen Jungen bewahren. In letzter Minute wirft er einfach alles in die Luft und ist frei! Deswegen ist es so wichtig, dass die Geschlechter sich ergänzen können und zusammenhalten: am Anfang hält die Frau den Mann durch ihre Regelmäßigkeit und Ausdauer und schützt die nötige Hingabe und Dankbarkeit zum Lehrer. Am Ende ist es das Spielerische am Mann, das beide befreit. Aus diesem Grunde sind die Buddhas auf der höchsten "Unübertroffenen" Ebene - des Anuttara-Yoga-Tantra - immer vereinigt und deswegen entwickeln sich auch unsere feinen buddhistischen Paare so gut. Sie bringen diese beiden Bedingungen bewusst zusammen und vereinen sie.


 

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