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BUDDHISMUS HEUTE
Aus: Buddhismus Heute Nr. 42, (Winter 2006)

Praktisches zu Buddhastatuen

Von Werner Braun

Schlendert man heute durch die öffentlichen Verkaufsstraßen der Städte, entdeckt man immer häufiger Buddhastatuen in den Schaufenstern. Sie dienen als Blickfang oder sind zum Verkauf ausgestellt. Es ist schick geworden, diese Objekte als Dekoration aufzustellen. Dabei ist kaum bekannt, wie tiefgründig ihr Nutzen bei sorgfältigem Umgang sein kann.

Die Statuen repräsentieren die Anwesenheit des Buddha und des Lama. Buddha arbeitet immer und überall zum Nutzen aller Wesen und zeigt auf die uns allen innewohnenden grenzenlosen Qualitäten. Die äußere Form erinnert uns intellektuell daran und unbewusst werden Eindrücke in unser Unterbewusstsein gesetzt, die uns immer wieder zu Buddhas Lehre führen und energetisch die Arbeit mit dem Geist erleichtern.

So werden buddhistische Statuen verwendet, um die Meditationsstellen zu stabilisieren und anderen durch den Kontakt mit dem Objekt den Zugang zu Buddhas Lehre zu erleichtern.

Anschaffung
Die nach überlieferten Regeln möglichst perfekt gearbeitete äußere Form repräsentiert Buddhas erleuchteten Körper. Denken wir daran, können wir Sinn darin erkennen, beim Besorgen von Statuen auf Qualität zu achten. Um den vollen Nutzen durch Buddhastatuen zu erhalten reicht auch schon ein Exemplar. Wir brauchen also nicht alles anzuschaffen, was uns auf unserem Weg so auffällt oder einfällt.

Entscheidend ist, was in unserem Geist geschieht. Sicher können wir auch ohne Buddhadarstellungen Befreiung und Erleuchtung erlangen. Milarepa hatte wohl keine Statuen in seiner Höhle stehen. Letztlich lässt sich in jeder beliebigen Erscheinung die zeitlose unbegrenzte Freiheit des Geistes erkennen. Die von Buddha und den Lamas beschriebenen Erscheinungen der verschiedenen Buddhas, Bodhisattvas, Schützer und Lamas haben aber besondere Kraft, auf unseren gewöhnlicher Weise auf Alltag ausgerichteten Geist zu wirken.

Je genauer die Darstellungen den tatsächlichen Erscheinungen des Buddhaaspektes oder Lamas entsprechen, um so stärker können die Statuen wirken. Dazu sind wir auf die Aussagen Buddhas und verwirklichter Lamas angewiesen, denn nur sie können wissen, wie die Formen und die Attribute eigentlich sind. In Zeiten, in denen die Künstler - selbst Buddhisten - sich genau an die Lamavorgaben hielten, konnte man zuverlässig mit korrekten Statuen rechnen. Jedoch ist die Statuenherstellung in Nepal und Indien primär ein Geschäftszweig geworden, weshalb wir die "Ware" auf alle Fälle beim Erwerb prüfen sollten.

So sollten wir uns im Klaren sein, wie der Buddha-Aspekt, den wir anschaffen wollen, richtig dargestellt wird.

Im Ausstrahlungszustand erscheinen Buddhas meist in Roben, wie der historische Buddha Shakyamuni. Andere repräsentieren den Freudenzustand, der sich durch den Schmuck der Bodhisattvas ausdrückt: wie die fünfteilige Krone, die Halskette usw. Ein bekanntes Beispiel dafür ist "Liebevolle Augen". Seltener finden wir Aspekte ganz ohne Kleidung und Schmuck. Diese drücken den Wahrheitszustand aus.

Buddhas, Bodhisattvas und Schützer sitzen oder stehen auf Lotusblüten. Lamas werden entweder auf Lotusblüte oder Thron dargestellt. Seltene Formen, meist Schutzaspekte, sitzen oder stehen auf bestimmten Tieren.

Jeder Aspekt weist besondere Merkmale auf, zum Beispiel, ob er sitzt, steht oder gar springt. Die Anzahl und Proportionen von Armen, Beinen, Köpfen und Augen sind genau beschrieben. Ganz klar ist erklärt, welche Haltung jeweils eingenommen wird und welche Attribute wie gehalten werden.

Eine nützliche Informationsquelle ist der Bildband "Raum und Freude / Space and Bliss", erschienen beim Buddhistischen Verlag, Wuppertal. Sicher ist es auch hilfreich, erfahrene Buddhisten zu befragen und beim Kauf zu Rate zu ziehen.

Manche Buddhas treten in unterschiedlichen Formen auf, wodurch es auch mehrere richtige Darstellungen geben kann. Jedes der Details hat tiefe Bedeutung und sollte bestmöglichst korrekt dargestellt sein.

Neben der Korrektheit der Form ist auch die handwerkliche Qualität der Darstellung von Bedeutung. Die meisten Statuen, besonders in der tibetischen und nepalesischen Tradition, sind hohle Güsse aus Messing oder Kupfer. Klare Linien und glatte Oberflächen sind da Qualitätsmerkmale. Viele zusätzliche Verzierungen hingegen täuschen oft über mangelnde Verarbeitung und Fehler hinweg. Besonders hochwertig verarbeitete Statuen haben schon bei den Herstellern einen stolzen Preis, da sehr viel Zeit und Können investiert wurden. Es ist tatsächlich nicht damit zu rechnen, eine "1 A Statue" zu einem Schnäppchenpreis zu erstehen. So ist der Erwerb von Statuen in bester handwerklicher Qualität nicht nur eine Frage des Geschmacks, sondern vor allem auch des Geldbeutels. Besondere Vorsicht ist beim Kauf von so genannten antiken Statuen geboten: 99 Prozent sind gefälscht und das eine authentische Exemplar ist mit höchster Wahrscheinlichkeit Diebesgut.

Bei tibetischen und nepalesischen Statuen sind die Köpfe oft schon bemalt. Traditionell wurde diese Bemalung als letzter Schritt nach der Füllung durchgeführt. Das Malen der Augen, auch das Öffnen der Augen" genannt, gilt als Höhepunkt.

Bei bemalten Gesichtern sind die Pigmentfarben mit natürlichen Bindemitteln aufgetragen und deswegen nicht wasser- und abriebfest. Es ist deshalb unbedingt zu vermeiden, das Gesicht mit den Fingern zu berühren oder feucht werden zu lassen. So hat eine Freundin versäumt, ihre Putzfrau einzuweisen, die offenbar mit einem feuchten Lappen über das Gesicht der schönen Tara-Statue fuhr. Da die Pigmentfarben nicht genau rekonstruierbar sind, ist es in solchen Fällen nötig, die gesamte alte Bemalung abzuwaschen und komplett fachmännisch zu erneuern. Dies haben wir machen lassen. Alle, die diese Statue vorher kannten, sind jetzt der Meinung, dass sie durch die neue Bemalung an Lebendigkeit gewonnen hat. In diesem Fall war der Schaden dann letztlich doch ein deutlicher Gewinn.

Im Moment können wir froh sein, dass die meisten Statuen bemalt importiert werden. Aber das Wissen über die Bemalung und die Fertigkeit sie auszuführen sind schon im Westen angekommen. Einige Freunde lernen das Bemalen der Statuen, so dass wir im Westen diesen Arbeitsschritt in Zukunft öfter ausführen lassen können.

Wer geschickt mit einem feinen Pinsel umzugehen weiß, langfristig und verantwortlich in diesem Bereich lernen und arbeiten möchte und dabei auf künstlerische Kreativität verzichten kann, ist herzlich eingeladen, diese Arbeit zu lernen. Ansprechpartner ist Silke Keller vom Buddhistischen Zentrum in Köln. Ebenso kann man sich beim Buddhistischen Zentrum Schwarzenberg erkundigen. Leider findet der Innenraum der Statue beim Import und Kauf wenig Beachtung. So kommt es, dass viele Objekte stark mit Ruß und Schamotte verdreckt sind. Wer die Möglichkeit dazu hat, sollte auf Sauberkeit der Innenwände drängen.

Weiteres über die Herstellung und Qualität buddhistischer Statuen kann man in "Kagyü Life" Nr. 23 lesen.

Füllung und Segnung
Verwenden wir dann die Statue als Ausdruck Buddhas, so ist sehr empfohlen, diese vom Lama segnen zu lassen und vorerst segenstragende Objekte wie Schützerknoten, gesegneten Reis oder Gegenstände von heiligen Stellen in oder an der Statue zu befestigen.

Geben wir die Statue bei Kursen an Lama Ole Nydahl zur Segnung, werden ein gesegneter Schützerknoten und ein kleines Briefchen mit einer Sammlung von Reliquien an der Statue befestigt.

Die Möglichkeit der endgültigen, ausführlichen traditionellen Füllung kann man in den Diamantwegs-Zentren erfragen.

Sorgfältige Reinigung der Innenwände geht der Füllung voraus.

Ein wesentlicher Bestandteil der Füllungen sind segenstragende buddhistische Kostbarkeiten von verwirklichten Meistern oder von bestimmten kraftvollen Stellen.

Die zentrale Energieachse einer Statue bildet der Lebensbaum. Dieser wird aus dem Holz eines ausgewählten Baumes, dessen Wachstumsrichtung sorgfältig gekennzeichnet wurde, maßgefertigt. Die entstehende Form des schlanken Obelisken verjüngt sich entsprechend nach oben. Die einst nach Osten weisende Seite des Baumes wird zur Vorderseite der Statue ausgerichtet. Der Lebensbaum wird rot bemalt und golden mit tibetischen Silben beschriftet. Um diesen Lebensbaum herum werden Mantrarollen eingebracht. Das sind Rollen, die aus bestimmten safrangefärbten Mantra-Drucken gefertigt sind.

Der Sockel einer Statue, der meist eine Lotusblüte oder einen Thron darstellt, gilt als Schatzkammer. Hier werden auch weltliche Kostbarkeiten, wie Edelsteine, Halbedelsteine, Edelmetalle, Blüten und Gewürze eingefüllt. Dies bildet eine Verbindung von der relativen Wirklichkeit zur höchsten Einsicht eines Buddha.

Durch Verwendung von pulverisiertem Räucherwerk und Blüten wird vermieden, dass Hohlräume bleiben. In Asien sollte damit verhindert werden, dass Störenergien die hohlen Stellen aufsuchen könnten.

Alle Arbeiten werden mit besonderer Reinlichkeit, Sorgfalt und Achtsamkeit ausgeführt.

Ist die Statue fertig gefüllt, wird sie dauerhaft verschlossen. Sie repräsentiert ein vollkommenes Buddhakraftfeld und darf nicht mehr geöffnet werden. Es versteht sich von selbst, dass sie auch nicht mehr als Handelsobjekt verwendet werden kann. Verschenken kann man die Statue dann schon noch. Wir sollten aber überlegen, ob der Beschenkte dies auch zu schätzen weiß und wirklich die Verantwortung für die Statue übernehmen will.

Die Füllung des Innenraumes, deren Mantrarollen den Aspekt von Buddhas Rede ausdrücken und schließlich die Segnung durch einen buddhistischen Meister, die für den Geist Buddhas steht, bringen schließlich die volle Wirkung.

Die genutzte Statue ist jetzt als perfekt zu betrachten, selbst wenn kleine Makel erkennbar sind. Kritisch mit dem Objekt sollten wir eben vor der Anschaffung sein. Haben wir bereits ein Exemplar, das nun schon deutliche nicht korrigierbare äußere Mängel aufweist, haben wir noch die Möglichkeit dieses so zu platzieren, dass der Fehler nicht so gut zu sehen ist.

Nutzung
Nützlich für unser Umfeld ist es, wenn die Statue dort aufgestellt ist, wo viele sie sehen, denn jeder auch unbewusste Kontakt mit einer dieser Formen schafft eine hilfreiche Verbindung. Ein günstiger Ort wäre zum Beispiel eine besondere Stelle im Eingangs- oder Wohnbereich.

Am häufigsten werden Buddhastatuen an der Meditationsstelle verwendet. Nicht nur dieser Platz, auch wir werden energetisch stabilisiert und wir werden so an die Meditation erinnert. Dabei wird empfohlen, die Statue von unserer Meditationsstellung aus betrachtet oberhalb der Augenhöhe an einem eigens vorgesehenen Platz aufzustellen. Die Orientierung nach oben gilt als hilfreich.

Es gibt eine klassische Anordnung von Statue, Text und Stupa am Altar, wobei die Statue Buddhas Körper, der Text Buddhas Rede und der Stupa Buddhas Geist ausdrückt. Haben wir mehrere Statuen oder Rollbilder, so können wir - Lama Oles Empfehlung folgend - diese in der Anordnung des Zufluchtsbaumes platzieren. Dabei steht der Stupa auch für Sangha.

Am Altar sollten neben den Zufluchtsobjekten wie Statuen, Buddhabildern, Stupas und Buddhistischen Texten nichts Weltliches platziert sein außer den unten beschriebenen Schenkungen, vor allem keine Bilder von unbefreiten Wesen.

Erlauben es die Räumlichkeiten, steht der Buddhaschrein im Idealfall im Westen, so dass die Statue Richtung Osten schaut. Schlafen wir in Räumen mit Altar, ist es vorteilhaft, mit dem Kopf Richtung Zufluchtsobjekt zu liegen.

Es erleichtert uns den Zugang zu unseren eigenen innewohnenden Qualitäten und schafft reiche Eindrücke im Geist, den Buddhas Schenkungen zu machen. Diese können getrost symbolisch sein. So gibt es ein ausführliches, traditionelles System mit sieben Schalen, deren Inhalt täglich zu erneuern ist. Im westlichen Alltag hat sich dies jedoch nicht so bewährt, da viele die tägliche Pflege nicht schaffen. Das Wasser und die Nahrungsmittel sind dann nicht immer frisch, und damit auch nicht der Eindruck im Geist. Und an öffentlichen Altären wirkt diese traditionelle Form oft etwas exotisch.

Es gibt die Möglichkeit der einfachen Form der Schenkung. Eine Kerze oder eine Schale Wasser kann stellvertretend für alles Schöne verwendet werden. Überhaupt ist das entscheidend, was wir uns dabei vorstellen. Die größte Art der Großzügigkeit ist, den Dharma zu verbreiten. So können wir besonders unsere Arbeit in den Zentren beim Schenkungsritual dem Buddha widmen.

Die nützliche Begrüßung der Zufluchtssymbole durch Verbeugungen wurde in der Öffentlichkeit abgeschafft, damit wir durch diese äußere Handlung nicht mit Moslems in Verbindung gebracht werden. Das hindert uns nicht uns geistig zu verneigen oder die Verbeugungen zu Hause zu machen.

Häufig wird die Formulierung verwendet: "Auf diese Statue wird meditiert". Das heißt allerdings in der Regel nur, dass sie sinnvoll bei der Meditation verwendet wird. Im Diamantwegs-Buddhismus bleibt es weiter die übliche Praxis, auf den Buddhaaspekt oder Lama als Lichtenergieform zu praktizieren, genau so, wie unser Lama das lehrt.

Die häufig diskutierte Frage, ob man eine Statue bewegen und transportieren darf, erübrigt sich, wenn man deren tiefgründige Bedeutung verinnerlicht. Denn dann wird man ganz natürlich das Objekt respektvoll nur dann anfassen und bewegen, wenn es einen Grund dazu gibt.

In der Regel reicht es, die Statue gelegentlich trocken von Staub zu befreien. Haftet jedoch schon klebriger Schmutz an der Statue, kann man die Metallflächen mit feuchtem Tuch und bei Bedarf mit Alkohol bearbeiten. Das bemalte Gesicht kann natürlich nur trocken eventuell mit einem sauberen weichen Pinsel entstaubt werden.

Als Ausdruck von Buddhas Aktivität wirkt eine Statue auf alle Wesen, wobei die Bronze weit mehr als ein Menschenleben überdauert. Dies wissend macht es umso mehr Freude, bei der Anschaffung auf Qualität zu achten, sorgfältig mit der Statue umzugehen und sich schließlich darum zu kümmern, dass das Objekt auch nach diesem Leben in vertrauensvolle Hände gelangt.


Werner Braun
Physiotherapeut, BZ Würzburg, 1964 geboren, Zuflucht 1993 bei Lama Ole Nydahl, arbeitet seit 1999 mit Buddhastatuen

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