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BUDDHISMUS HEUTE
Aus: Buddhismus Heute Nr. 41, (Sommer 2006)

Der erste Stupa in Mittelamerika

Der 17. Karmapa segnet den Stupa in Mexiko

Mitte März 2006 segnete der 17. Gyalwa Karmapa Thaye Dorje den ersten Stupa in Mittelamerika, in Mexiko. Der Bau dieses Stupas geht auf die Inspiration von Lopön Tsechu Rinpoche zurück.

Der Lhabab-Stupa in Mexiko und seine Glück verheißende Einweihung sind das Ergebnis ungebrochener Bände zwischen einem Lehrer und seinen Schülern. Alles begann vor ein paar Jahren, als eine Gruppe von Freunden aus dem Casa Tibet Mexiko auf eine Pilgerreise zu den heiligen buddhistischen Kraftstellen im Himalaya ging. Durch das Gesehene inspiriert, und aufgrund des Segens von Karmapa in Kalimpong und Lopön Tsechu Rinpoche in Kathmandu beschlossen sie, ihren ersten eigenen Kraftplatz zu bauen: einen Stupa (skt., "Tschörten" in Tibetisch). Es sollte der erste Stupa in Mittelamerika sein. Sie erzählten Lopön Tsechu Rinpoche - einem erfahrenen Meister im Stupa-Bau, der erfolgreich den Bau der ersten Stupas in Europa vollbracht hatte - von ihrem Wunsch und baten ihn, die spirituelle Führung des Projektes zu übernehmen. Aus den acht verschiedenen Arten von tibetischen Stupas wählte Rinpoche für Mexiko den Lhabab Tschörten aus. Dies ist derjenige, der an den Tag erinnert, als Buddha Shakyamuni aus dem Tushita-Bereich herabstieg. Dieser besondere Tag ist auch der Geburtstag von Rinpoche.

Die Mitglieder des Casa Tibet mobilisierten im Nu all ihre Kräfte und Ressourcen für diesen Zweck. Ein wohlhabender Freund spendete 64 Hektar Land in einer schönen Gegend namens Valle de Bravo, ungefähr 150 Kilometer westlich von Mexiko City und verschiedene Gönner gaben Geldspenden. Wojtek Kossowski, der Mann der hinterall den von Rinpoche im Westen gebauten Stupas steht, erstellte die architektonischen Pläne für den 15 Meter hohen Lhabab Tschörten. Dieses mit viel Enthusiasmus gestartete Projekt kam jedoch erst einmal für ein paar Jahre zum Stillstand, weil auf die offizielle Baugenehmigung durch die lokalen Behörden gewartet werden musste. Als die Genehmigung im August 2004 endlich kam, war Rinpoche nicht mehr am Leben.

Nichtsdestotrotz blieben Marco Antonio Karam, der Gründer und Direktor von Casa Tibet Mexiko und die Gruppe der Hauptorganisatoren des Projektes - Bibi, Alain, Ana und Carlos - den Wünschen, Überzeugungen und Idealen Rinpoches treu. Sie nahmen die Arbeit wieder auf, mit genau den gleichen Koordinatoren, einschließlich uns, und luden zwei Lamas von Karmapa Thaye Dorje ein, die Bauarbeiten spirituell zu leiten. Jedes Mitglied von Casa Tibet beteiligte sich an der faszinierenden Arbeit die innere Füllung des Stupas herzustellen, während eine professionelle Firma sich auf die äußere Konstruktion konzentrierte.

Innerhalb eines Jahres war der Stupa fertig und Gyalwa Karmapa wurde von Casa Tibet für die Eröffnung und Einweihung am 16. März 2006 eingeladen.

Zusätzlich zu den Einweihungs-Feierlichkeiten bereiteten Marco Antonio Karam und sein Team ein hervorragendes zweitägiges Programm in Mexiko City vor, einschließlich zweier von Karmapa gegebener Einweihungen und Dharma-Belehrungen von Shangpa Rinpoche und Lama Ole.

Karmapa traf am 13. März in Mexiko ein, den ganzen Weg von Kalimpong begleitet von Lama Ole und Hannah Nydahl, Nendo Rinpoche und drei weiteren seiner Lamas. Hunderte von Menschen aus Mexiko und aus dem Ausland warteten ungeduldig darauf, ihn zum ersten Mal in Lateinamerika zu begrüßen. Schon Wochen vor seiner Ankunft hatte Marco Antonio die Person und Rolle Karmapas in den großen Radio- und Fernseh-Stationen und den Zeitungen den Mexikanern vorgestellt. Bei seiner Ankunft wurde Karmapa am Flughafen vom "General Director for Religious Associates of the Secretary of the Government" begrüßt. Sein Programm war von Anfang bis Ende intensiv und brillant organisiert.

Am 14. und 15. März gab er die Ermächtigungen auf "Liebevolle Augen" (tib.: Tschenresig), "Buddhas des langen Lebens" (tib.: Tsepame) und Belehrungen an 2000 Menschen im Metropolitan Theater in Mexiko City. Er wurde von einem Staatssekretär der mexikanischen Regierung offiziell empfangen und gab ein Interview auf dem wichtigsten Fernsehkanal Lateinamerikas, das nicht nur in Lateinamerika, sondern auch in den USA und Europa gesendet wurde.

Am 16. März verließ früh morgens eine lange Karawane von Autos und Bussen mit cirka 2000 Menschen Mexiko City in Richtung Valle de Bravo um am wichtigsten Ereignis des Programms teilzunehmen: der Eröffnung und Einweihung des ersten Stupa in Mexiko. Alles lief hervorragend. Am Tag nach der Einweihung gab Karmapa direkt am Stupa an 1700 Menschen das Bodhisattva-Versprechen. Alle freuten sich, als sich während der Zeremonie ein klarer Regenbogen rund um die Sonne zeigte.

Das offizielle Programm war nun beendet und Karmapa besuchte und segnete am kommenden Tag das neu eröffnete und von Eduardo Herrera betriebene Diamantweg-Zentrum in Mexiko City. Eine große Gruppe von Schülern aus allen Teilen der Welt empfing hier das Bodhisattva-Versprechen.

Gyalwa Karmapa verließ am 19. März, nachdem er auch Casa Tibet gesegnet hatte, Mexiko wieder. Jeder, der in diesen paar Tagen an den Dharma-Ereignissen mit Karmapa teilgenommen hatte, erfuhr das gleiche Gefühl großer Freude und den Wunsch, sich zusammen zu entwickeln.

So viel Nutzen entstand aus der Inspiration zum Bau eines Stupas, die Lopön Tsechu Rinpoche viele Jahre zuvor in Mexiko gegeben hatte!


Maggy Lehnert-Kossowski,geboren in Polen, aufgewachsen in Südamerika, seit 18 Jahren deutsche Staatsbürgerschaft; wurde vor 24 Jahren Buddhistin, nach einer Begegnung mit Lama Ole Nydahl. Traf Tsechu Rinpoche zuerst 1987; seit 1991 reiste sie sehr viel mit ihm und half ihm in seiner Arbeit auf der ganzen Welt.
Maggy: "Unsere Beziehung entwickelte sich über die Jahre zu einer sehr engen Lehrer-Schüler-Beziehung."