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BUDDHISMUS HEUTE
Aus: Buddhismus Heute Nr. 40, (Winter 2005)

Hindernisse auf dem Weg

Von Michaela Fritzges

In den Lebensgeschichten der großen Meditationsmeister heißt es häufig, sie hatten zwölf große und zwölf kleine Hindernisse zu überwinden, um ihren Lehrer zu treffen oder Realisation zu erlangen. Guru Rinpoche sagt sogar, dass die Leute, die nach der Wahrheit suchen, so zahlreich sind, wie die Sterne am Himmel, diejenigen jedoch, die frei von Hindernissen sind, seien weniger als Sonne und Mond. Wir brauchen Hindernisse also nicht so persönlich zu nehmen. Es gibt keinen Weg ohne Hindernisse.

Wenn wir sie richtig betrachten, können wir jedoch erkennen, dass sie Schritte auf dem Weg und ein Zeichen für Entwicklung sind. Nur unbewusste subtile Hindernisse können eine Sackgasse sein, in der wir Zeit und Energie verlieren. Sobald wir sie erkennen, können wir uns entspannen. Übernehmen wir die Verantwortung für unsere Situation statt sie auf andere zu projizieren, können wir Gegenmittel anwenden, eine Aufgabe lösen oder den Störungen einfach zusehen, wie sie uns verlassen und uns über unsere Entwicklung freuen. Glück und Trauer, Freude und Leiden haben in sich selbst keine wirkliche Existenz. Sie können eine Hilfe oder auch ein Hindernis auf dem Weg sein. Wie wir mit diesen Erfahrungen umgehen, ist das Entscheidende. Kaum haben wir ein Hindernis überwunden, schon sind wir um Erfahrungen reicher, aus denen heraus wir anderen dann wirklich weiterhelfen können. Salopp ausgedrückt: So bildet der Buddha seine Spezialisten aus.

Nach einem buddhistischen Vortrag sind wir meist frisch inspiriert und baden in der Offenheit, die im Kraftfeld des Lehrers entstanden ist. Doch nach ein paar Tagen ebbt das gute Gefühl ab und möglicherweise verlieren wir das Vertrauen in unsere Fähigkeiten. Dann ist es wichtig, wieder Belehrungen über die Buddhanatur zu hören von einem Lehrer, der den Geist kennt und der direkt auf die Natur des Geistes zeigt. Wenn er nicht in der Nähe ist, kann auch eine CD vom letzten Vortrag inspirierend sein. Was hören wir dann in den Belehrungen? "Der Lehrer zeigt uns nur das eigene Gesicht. Alle Qualitäten des Geistes sind schon in uns vorhanden. Der Wahrheitszustand des Geistes ist alles durchdringend. Der Unterschied zwischen uns und dem Buddha ist nur, dass er mehr meditiert hat. Es gibt Methoden, mit dem Geist zu arbeiten und sich zu entwickeln ...etc." Jetzt ist es an uns, diese Qualitäten durch eigene Praxis freizulegen. Das ist der Moment, in dem wir vom Konsumenten zum Produzenten werden. Der Entschluss ist gefasst.

Wie kommt es dann nur, dass unser Verstand uns ständig mit Ausreden überlistet, warum wir gerade jetzt nicht meditieren können?

Was ist die Ursache für unsere Faulheit? Wir nehmen immer noch Zuflucht zu äußeren Dingen und suchen unser Glück in der Welt, statt im eigenen Geist. Aus Unwissenheit erkennen wir die Natur unseres Geistes nicht, denken wir sind unsere Körper und von anderen getrennt. Aus dieser Trennung heraus wollen wir alles Angenehme für uns und versuchen das Unangenehme zu vermeiden, was uns nur unzureichend gelingt. Aus dieser grundsätzlichen Spannung zwischen Haben-wollen und Vermeiden entsteht ein Reichtum an Störgefühlen aufgrund derer wir handeln. Und schon sind wir ständig unterwegs auf der Suche nach Glück in der Partnerschaft, im Beruf, im Kino, auf der Party.... Schließlich gibt es so viel Wichtiges und Spannendes zu tun. Wie soll man da noch Zeit zum Meditieren finden?
Wir verschieben die Erleuchtung auf später und denken: "Wenn ich pensioniert bin, werde ich meditieren." Oder wenn wir Kinder haben, sagen wir: "Momentan werde ich mich ihnen widmen, aber wenn sie dann zur Schule gehen, werde ich meditieren."
Wir kommen von der Arbeit und sagen: "Ja, man sollte meditieren, aber schau dir mal die Küche an. Also werde ich zuerst die Küche aufräumen und nachher werde ich meditieren." Und dann erhalten wir einen Anruf, ein verlockendes Angebot, ein guter Freund will uns zum Essen einladen in ein neues Restaurant. "Na ja, dann kann ich ja anschließend noch meditieren." Zum Essen gibt es guten Wein und wieder zuhause angekommen, fällt uns ein: "Es ist schon sehr spät, außerdem ist es sicher nicht gut nach dem Wein zu meditieren. Also, morgen früh... jetzt gehe ich besser schlafen." Wir stellen den Wecker eine halbe Stunde früher, er klingelt, aber Aufstehen ist so schwer, dass wir denken: "Wie soll ich meditieren, wenn ich kaum die Augen offen halten kann?"
Und so verrinnt die Zeit. Bis wir dann im Moment des Todes denken: "Was habe ich mit meinem Leben gemacht? Ich wollte die ganze Zeit meditieren, ich wollte mit meinem Geist arbeiten, ich wollte mich entwickeln, aber ich habe die Gelegenheiten und meine Zeit vergeudet. Nun ist es zu spät."

Was können wir tun, wenn wir das vermeiden wollen?

"Zuerst müssen wir den Verstand auf unsere Seite kriegen"

Wir erwecken unsere Motivation durch ...

... die 4 grundlegenden Gedanken:

  • Welch einmalige Chance, Bedingungen zu haben, mit dem Geist arbeiten zu können, sich zu entwickeln und anderen zu helfen.
  • Alles Äußere, was uns jetzt so wichtig erscheint, ist vergänglich. Der Tod kann uns jederzeit begegnen. Das Einzige, was nie vergeht, ist die offene klare Unbegrenztheit unseres Geistes. Nur dort ist dauerhaftes Glück zu finden.
  • Wir sind weder von einem äußeren Gott abhängig, noch ein Spielball des Zufalls. Wir tragen die Verantwortung für unsere gegenwärtige Situation und gestalten unsere Zukunft.
  • Soviel Spaß wir auch in der Welt haben können - Erleuchtung ist zeitlose höchste Freude, jenseits von allem was wir uns überhaupt vorstellen können - und nicht vergänglich.

... und die erleuchtete Geisteseinstellung:

  • Wir können anderen nur helfen, wenn wir uns entwickeln und unsere Kraft nicht an die eigenen Schwierigkeiten gebunden ist.

Wir öffnen uns der Zuflucht ...

  • Und verstehen, dass zeitlose, unbedingte Freude nur im eigenen Geist zu finden ist, die wir mit Hilfe der Methoden, der Freunde auf dem Weg und des Lehrers erfahren können.

Wir schaffen uns unterstützende Strukturen:

  • Einen festen Platz, an dem wir ungestört meditieren können.
  • Eine bestimmte Zeit. Wir können uns auch mit Freunden zur Praxis verabreden.

... oder wir finden heraus, wie wir uns sonst motivieren können. Alles, was uns auf's Kissen bringt, ist hilfreich.

Doch kaum haben wir uns hingesetzt, taucht etwas Neues auf:

Hindernisse in der Meditation

Aufgrund unserer Gewohnheiten setzen wir in der Meditation oft fort, was wir sonst in der äußeren Welt getan haben: Wir wollen Angenehmes erfahren und Unangenehmes vermeiden. Je mehr wir aber das Angenehme halten wollen, desto schneller löst es sich auf. Je mehr wir das Unangenehme vermeiden wollen, desto mehr Energie stecken wir hinein und machen es größer als es ist. Doch das ist nicht das Ziel buddhistischer Meditation. Was wir kennen lernen wollen, ist der Geist selbst. Den Erleber, hinter den Erlebnissen. Deshalb ist das Klügste, mit so wenig Erwartungen und Befürchtungen wie möglich in die Meditation zu gehen und sie einfach zu machen, ohne sie zu bewerten.
Da wir durch die Meditation Licht in die dunklen Ecken unseres Speicherbewusstseins bringen, können manchmal Dinge auftauchen, die wir vielleicht lieber nicht wissen wollten. Dann ist es wichtig, die Sicht zu halten und zu wissen, dass wir die Störungen sehen, wie sie uns verlassen. Sie werden nicht durch die Meditation verursacht. Wir werden sie los und können froh darüber sein. Unsere Buddhanatur wird von den Störungen gereinigt und kann sich mehr und mehr zeigen.
Sind Gedanken oder Gefühle da, so sind sie der spielerische Ausdruck des Geistes. Sind keine da, zeigt sich die offene Raumnatur des Geistes. Es hat keinen Sinn, gegen die Gedanken oder Gefühle anzukämpfen und zu denken: "Ich will jetzt nicht denken, sondern meditieren." Das ist nämlich schon wieder der nächste Gedanke. Zuerst gilt es daher, den Geist zu entspannen, alle Erscheinungen vorbeiziehen zu lassen und keine weitere Energie in sie zu investieren. Sie sind wie Wellen auf dem Ozean, oder wie Milarepa sagte: "Wenn wir die Größe des Berges sehen, was stören da ein paar dornige Büsche darauf?" Auf der anderen Seite geht es natürlich auch nicht darum, Gedankenketten zu bilden und den nächsten Tag zu planen oder was man sonst denken kann. Bemerken wir einen Gedanken, lassen wir ihn vorbeiziehen und führen den Geist liebevoll zurück zum Objekt der Konzentration.
Empfinden wir Dumpfheit oder Müdigkeit, können wir uns zuerst mit dem Gedanken trösten, dass wir Dummheit reinigen und diese uns jetzt verlässt. Darüber hinaus gilt es den Geist anzuregen, uns zu ermutigen und praktisch zu sein: Fenster auf und frische Luft reinlassen, die Raumtemperatur eher niedrig halten, nicht so schwere Nahrung und zu viel Zucker zu sich nehmen und auf eine gerade Sitzhaltung achten. Sitzen wir nach vorne geneigt, sind wir bereits auf bestem Wege einzuschlafen und nach vorne umzukippen.
Meditieren können wir mit dem Stimmen einer Gitarre vergleichen. Ist die Saite zu stark gespannt, klingt sie schrill und kann sogar reißen. Ist sie zu schwach gespannt, klingt sie dumpf. Ein ungeübter Gitarrenspieler braucht eben länger als ein Profi um den richtigen Ton zu treffen. Wie viel wir üben, hängt von unseren Möglichkeiten ab. Dabei gilt es, Extreme zu vermeiden. Mit bester Motivation wollen wir wie Milarepa sein oder zumindest wie Hannah und Lama Ole Nydahl mit 600 Verbeugungen beginnen, um sie bald auf 4000 täglich steigern zu können. Von 0 auf 100 in drei Sekunden sozusagen. Wem das gelingt - prima! Wenn nicht, beschweren sich Stolz und Ego und mancher wird zum Meister in einer neuen Grundübung, nämlich dem Finden der 111.111 Gründe, warum wir nicht praktizieren können. Stattdessen macht es natürlich mehr Sinn sein eigenes Maß herauszufinden, dann stetig zu steigern und vor allem regelmäßig zu praktizieren. Viele Leute funktionieren nach einer Zeit der Praxis oder nach einem Phowa-Kurs besser. Ihre Situation hat sich dadurch verändert und vielleicht haben sie einen neuen Partner oder Job. Statt den neuen Überschuss nur für eigene weltliche Belange zu nutzen, ist es viel verdienstvoller, weiter zu praktizieren um dann andere mit der eigenen Erfahrung zu unterstützen. Macht man lange Pausen in der Praxis wird man bemerken, dass ständig Samen im Speicherbewusstsein reif werden und es noch viel zu tun gibt.

Falsch verstandenes Mitgefühl ...

... kann konzepthaft und unnatürlich zu Mitleid ohne Weisheit werden, wenn wir die Schwierigkeiten der Wesen für real halten. Dann erschöpfen wir uns in unseren Anstrengungen, anderen zu helfen. Ihr Leid als wirklich zu erleben, macht uns schwer und uneffektiv. Oft meinen wir, anderen helfen zu müssen und nutzen dies als Ausrede um nicht zu meditieren. Sinnvoller ist es stattdessen, zu meditieren und Mitgefühl sich entwickeln zu lassen, statt es als Konzept vor sich herzutragen. Dann können wir anderen spontan und mühelos in dem Moment helfen, wo es gebraucht wird. Ergänzend kann man studieren, um ein Verständnis von der Offenheit des Raumes zu entwickeln.

Falsch verstandene Offenheit

Wenn wir dann meinen, verstanden zu haben, dass der Geist kein Ding ist und nichts wirklich existiert, lauert ein neues Hindernis auf uns. Wir denken, es sei gleichgültig was wir tun und verlieren Liebe und Mitgefühl. Wenn dann eine Frau auf uns zukommt und leidet, weil ihr Mann sie gerade verlassen hat, beglücken wir sie mit unserer neu gewonnen Weisheit und sagen ihr, dass ja alles nur eine Illusion sei. Wir verlieren uns in nihilistischem Leerheitsgerede, können anderen nicht wirklich helfen und denken, nichts sei wichtig, weil alles leer sei. Dazu sagt Saraha: "Solche, die an Existenz glauben, gleichen Hornochsen, aber an Nichtexistenz zu glauben, ist noch dümmer." Dann gilt es wieder, den relativen Aspekt des Geistes hervorzuheben. Alles entsteht in gegenseitiger Abhängigkeit voneinander nach dem Gesetz von Ursache und Wirkung. Solange die Wesen der Ich-Illusion unterliegen, leiden sie und erleben die Dinge als wirklich. Verbinden wir uns mit den Wesen, entsteht wieder mehr Mitgefühl. Das können wir unterstützen, in dem wir das Mantra von Liebevolle Augen OM MANI PEME HUNG rezitieren. Letztendlich sind die Offenheit des Raumes, der freudvolle Klarheitsaspekt und der ungehinderte liebevolle Ausdruck des Geistes untrennbar voneinander.

Familie, Partner oder Freunde

... wollen uns manchmal "auf den Boden der Tatsachen zurückholen" und uns von dieser Erleuchtungsgeschichte abbringen, da "unser neues Hobby" sie verunsichert oder in Frage stellt. Wenn wir die Leute froh machen können, ist das sicher gut. Natürlich gilt es, Verantwortung zu tragen in Familie und Beruf, aber nicht um jeden Preis. Wir sind die Autoren unseres Lebens und müssen unsere Entscheidungen selbst treffen. Es ist besser, eine Position zu erlangen, in der wir ihnen wirklich helfen können und so lange gute Wünsche machen. Wir brauchen uns nicht zu rechtfertigen, sondern zeigen, dass wir uns entwickeln. Inhaltlich können wir anfangs auf ein Buch verweisen. Wenn wir mehr verstehen und auch schon mal einen kurzen Vortrag im Zentrum gehalten haben, können wir ihnen sicher mehr erklären.

Zweifel

"Nun glaubt mir nicht, nur weil ein Buddha es gesagt hat, sondern prüft alles selbst." Dazu hat uns der Buddha selbst aufgefordert. Schließlich geht es im Buddhismus nicht um blinden Glauben, sondern um überzeugtes Vertrauen. Statt immer wieder dieselben Dinge zu bezweifeln, ist es jedoch sinnvoller einen geklärten Zweifel an den anderen zu reihen. Dabei sollen wir im Diamantweg nicht nur die Belehrungen, sondern vor allem den Lehrer checken. Will man werden wie er? Kennt er die Qualitäten des Geistes und zeigt sie im Alltag? Ist er fröhlich und furchtlos? Tut und sagt er dasselbe? Arbeitet er hart für andere als Ausdruck seiner Liebe und seines Mitgefühls? Lebt er öffentlich, spricht er Sachen an? Oder will er beliebt sein, Geld verdienen, im Mittelpunkt stehen? Wie entwickeln sich die Leute um ihn herum? Wenn wir etwas nicht verstehen, ist es wichtig ihn zu fragen. Ich erinnere mich gut daran, als ich meinen Lehrer Lama Ole Nydahl vor vielen Jahren fragte: "Muss man mit seinem Lehrer eigentlich immer einer Meinung sein?" Sein anfängliches "Ja!" erschreckte mich geradezu. Dann fügte er lachend hinzu: "... in Bezug auf EINE Sache: Dass der Geist klares Licht ist." Der Lehrer ist ein Spiegel für unsere Qualitäten. Je mehr Vertrauen und Hingabe wir ihm gegenüber haben, um so offener sind wir für seinen Segen, für die Übermittlung von direkter Erfahrung, die uns befähigt, alles als einen Schritt auf dem Weg zu sehen. Sehen wir uns dem Lehrer gegenüber als überlegen, können wir nichts von ihm lernen und schneiden uns vom Segensstrom ab. Zur Inspiration seien Milarepas Lebensgeschichte und seine Vajra-Gesänge empfohlen. Sie sind ein Mittel, um Vertrauen und Hingabe zu entwickeln und wirken somit gegen äußere und innere Hindernisse.

Stolz

Kann sich in zahlreichen Facetten zeigen:

  • Eitelkeit

Euch passiert das sicher nicht! Aber stellt euch vor, man könne Lob persönlich nehmen. "Das hast du aber toll erklärt. Zum ersten Mal habe ich das richtig begriffen." Das kann schon schmeicheln. Dann ist allen klar, wie schlau wir sind. Natürlich können wir dann nicht mehr fragen, da wir ja schon alles wissen. Glücklicherweise haben wir viele Freunde und Helfer auf dem Weg, die uns von unserem Höhenflug befreien. Die Gruppenprozesse in unseren Zentren sind da ein heilsames Gegenmittel. Wer zu eingebildet ist, dem hört einfach keiner mehr zu und er wird nicht mehr eingeladen.

  • Besser sein wollen als andere

Natürlich hält man den eigenen Weg für den besten, sonst hätte man ihn nicht gewählt. Es ist aber wichtig zu akzeptieren, dass es für verschiedene Leute verschiedene Wege gibt. Für andere ist oft ein anderer Weg der bessere. Recht haben wollen und andere herabzusetzen hilft niemandem und hält einen nur von der eigenen Erfahrung ab. Durch den Wunsch, besser als andere sein zu wollen und die Angst schlechter zu sein, verfangen wir uns mehr und mehr im dualistischen Denken.

  • Überheblichkeit unter dem Motto:
    "Das kenne ich schon."

"Einführungsvortrag über Buddhas Lehre? Ach, das habe ich schon mal gehört." "Mag sein, aber hast du es auch verstanden?" Solange wir nur die Theorie kennen und keine Verwirklichung erlangt haben, ist es hilfreich die grundlegenden Themen immer wieder von allen Seiten zu betrachten, bis man ihre wahre Bedeutung erkannt hat. An einer Stelle tief zu graben, bringt uns ans Ziel und nicht die Jagd nach immer neuen, ganz besonderen und geheimen Belehrungen. Die Natur des Geistes zu erkennen, ist das einzige Ziel und wir sind jetzt in der glücklichen Lage, diese Belehrungen und Methoden zu erhalten. Deswegen ist es an uns, diese Chance zu nutzen, zu studieren, darüber nachzudenken, sie als Kurzvorträge an andere weiter zu vermitteln, unser Verständnis zu vertiefen und sie zu leben. Die vielen Lehrer, die ähnliche Themen von ihrem jeweiligen Erfahrungshintergrund beschreiben, sind dabei ein großer Reichtum und Inspiration.

Studieren allein genügt nicht

Wer glaubt, durch theoretisches Wissen auch den wirklichen Sinn zu verstehen, irrt. Die Ursache von Erkenntnis der wahren Natur des Geistes kann nur die Praxis sein. Ohne Kenntnis der Lehren hingegen, können durch Fehler in der Praxis Hindernisse in der Meditation auftreten. Es gilt also, ohne Überschätzung der eigenen Meinung die Qualitäten des Geistes in der Meditation zu erfahren. In diesem Sinne sagte der 17. Karmapa Thaye Dorje im Sommer 2004 zu den Reiselehrern: "Die Grundübungen sind das Wertvollste, was ihr den Menschen geben könnt, denn diese ändern sie wirklich." Das heißt, dadurch beseitigen wir die Hindernisse.

Bis zur Erleuchtung werden Hindernisse auftauchen. Mit der richtigen Sichtweise sind sie jedoch spannende Aufgaben, Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten. Mit den Worten Marpas ausgedrückt: "Je tiefgründiger der Dharma, umso stärker die Hindernisse." Durch Widerstand werden wir stark und werden viel Schweres los. Rufen wir jeden Abend das Kraftfeld der Schützer herbei, halten das Band zum Lehrer und den Freunden, sind alle Hindernisse Schritte auf dem Weg zur Erkenntnis der Natur unseres Geistes. Das Guru-Yoga ist dabei die Hauptmethode für Fortschritt in unserer Praxis und zum Vertreiben von Hindernissen. Es ist "das Eine, das alles verwirklicht."


Michaela Fritzges
Ergotherapeutin in eigener Praxis. 1984 Zuflucht bei Lama Ole Nydahl. Seit 1994 lebt sie im buddhistischen Zentrum Kiel und ist in Europa und Amerika als Reiselehrerin aktiv.