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BUDDHISMUS HEUTE
Aus: Buddhismus Heute Nr. 40, (Winter 2005)

Der Weg des Vertrauens

Ein Interview mit Lama Ole Nydahl, von Kasia Biala, Polen

 

Woher wissen wir welcher Lama unser Wurzellama ist?

Schaut auf eure Träume, sie deuten auf eine nahe Verbindung. Ein wichtiger Punkt ist das Vertrauen bei erlebter Gefahr: Wen hätte man bei Schwierigkeiten am liebsten an seiner Seite? Derjenige, auf den man dann zählen würde, wird sicher auch derjenige sein, von dem man am tiefsten lernen kann, eben der Wurzellama. Ich würde auf die Übertragung und Festigkeit eines solchen Lehrers schauen - wer ihn segnete und ob seine Worte und Taten übereinstimmen. Bekommt man, was man sieht, und sind Peinlichkeiten deswegen ausgeschlossen, ist man auf einem sehr schnellen Weg. Vor allem, wenn die Lehrer-Schüler-Verbindung während früheren Leben entstand, erlebt man natürlicherweise die Erfahrungen und das selbstentstandene Vertrauen als riesiges Geschenk. Das wichtigste bei allem ist, dass er in der Lage ist, dem Schüler die Natur seines Geistes zu zeigen.

Wie hält man eine persönliche Verbindung zum Lama aufrecht?

Zum Besten aller zusammenzuarbeiten, gibt der Verbindung Kraft und Sinn, aber was sie absichert, ist die  Ehrlichkeit ihm gegenüber. Auch wenn der Lehrer fähig ist, hinter die Worte zu schauen, ist er kein Polizist und  muss wenigstens auf der Grundlage einsteigen, auf der der Schüler sich öffnen möchte oder kann. Ist alles zu weit hergeholt oder will sich jemand nur bedeutend machen, entsteht nach der ersten Öffnung keine nahe Verbindung.
Die Zeit des Lehrers nicht zu vergeuden, schafft also eine Brücke; aber am wichtigsten bleibt, dass der Schüler wirklich etwas lernen will, sei es von den Eigenschaften oder den Tatbereichen des Lehrers. Er findet Zeit, wenn seine Arbeit offensichtlich gefällt und er diese in die Welt bringen will.

Übernehmen wir nur überpersönliche Qualitäten des Lamas oder auch persönliche Qualitäten?

Es gibt hierbei keinen Filter und je näher man sich als Menschentyp ist, desto breiter ist die Begegnung und Übernahme von Eigenschaften, übrigens in beide Richtungen. Es ist eine Frage von Lebenserfahrung. Die menschliche Reife entscheidet in diesem Fall, wer am meisten beiträgt. Dauerhaft bleibt jedoch das, was auf den Geist zeigt. Was durch eine umfassende Sichtweise gebündelt ist, wird sich klarer vernetzen können und deswegen mehr Einfluss haben. Am wichtigsten sind dabei Hingabe und Offenheit, sie beflügeln jede Art der Entwicklung und ermöglichen riesige Entwicklungssprünge. Das geschieht nur, wenn man ehrlich ist, also das vertritt, was man  tatsächlich lebt.

Wie schafft man es, wenn man dem Lehrer nicht oft begegnen kann?

Das war schon immer so, außer man wohnte vielleicht früher im selben Dorf. Heute ist die Möglichkeit zum Lernen besser denn je. Viele Belehrungen werden mittlerweile übers Internet übertragen oder aufgenommen. Bücher werden wieder wichtiger, die Gruppen reifer und ausgebildeter und man hat tatsächlich, wenn man tatkräftig für die Wesen arbeitet, Zugang zu einer runden Betreuung. Sie ist viel genauer, als man es aus den Lebensgeschichten früherer  Verwirklicher kennt, deren Begegnungen mit ihren Lehrern mitunter zwischen Tür und Angel stattfanden. Das  richtige Lernen geschieht sowieso, wenn das in der „warmen“ Zone um den Lama angeeignete in der „kühlen“ Außenwelt unter kritischer Beobachtung geschliffen und eingesetzt wird. Dafür nützliche Ratschläge einzuholen, ist heute leichter denn je.

Was bedeutet Einswerdung mit dem Lama?

Sie hat als Grundlage die Einsicht, dass man Vervollkommnung und Erleuchtung nur erreichen kann, weil einem diese Eigenschaften schon innewohnen…, dass die Verwirklichung, die der Lehrer zeigt, auch von einem selbst erreicht werden kann. Deshalb möchte man mit dem Geist des Lehrers einswerden. Danach folgt die tägliche Meditation und Bestrebung, so entspannt und mühelos zu werden, dass diese Fähigkeiten auch bei einem selbst erscheinen können.

Kann man hier Fehler machen?

Sie sind fast unvermeidbar, können aber geschickt zu Stufen auf dem Weg verarbeitet werden. Bei starker Hingabe, verbunden mit fehlender Erfahrung, versucht der Schüler oft, eine Kopie des Lehrers zu werden, und dies ist selbstverständlich ein Fehler. Jeder zeichnet sich durch persönliche Merkmale aus und entwickelt sich nach den jeweilig vorhandenen Bedingungen. Die beste Weise, die überpersönlichen Eigenschaften des Lehrers zu erwerben, ist, die Ebene hinter und zwischen den Gedanken öffnen. Dieses Vertrauen lässt alle befreienden Eigenschaften erscheinen, auch zum Besten des Umfeldes.

Und wie wirkt ein solches Zusammenkommen nach außen? Was sieht man?

Das Teilen vom spielenden Raum der geistigen Möglichkeiten führt zum gesunden Austausch. Man ergänzt sich und tut einfach, was anliegt, ist ungekünstelt und froh. Der 16. Karmapa und die großen alten Lamas, die uns ausbildeten, fanden an allem etwas Sinnvolles, lachten über das meiste und hatten dabei immer wieder großen Spaß. Niemand musste etwas beweisen oder erklären. Je weiter man sich entwickelt, desto selbstverständlicher und entspannter wird jede Begegnung.

Was würde das Band zum Lehrer schwächen oder brechen?

Ich wurde zu einigen nicht-buddhistischen Gurus eingeladen, mehrmals in den USA, die mich recht verwunderten. Öffentlich und fröhlich lobten sie sich selbst durch Aussagen wie: „Meine Lehrer konnten mir nichts beibringen.“ Wenn ich selbst als Lehrer so etwas höre, denke ich jedes Mal: „Welche Leute sind es eigentlich, denen ich selbst nichts beibringen würde?“ Eben die Besserwisser, die die Aussagen sowieso in ihrem Sinne verdrehen würden. Solche Fälle stellen sich selbst ein Bein. Wer lernen will, muss wirklich mit seinem Stolz aufpassen. Wenige geistige Lehrer nehmen sich die Zeit, die fehlende Erziehung von Elternhaus oder Schule nachzubessern. Es gibt  selbstverständlich auch den „einschließenden“ Stolz auf die Fähigkeiten aller. Also Freude an der Übertragung, der man angehört und der wichtigen Arbeit, die alle tun. Aber der übliche „Ich-bin-besser-als-ihr-Stolz“ ist ein riesiges Hindernis. Er macht einen steif und am Ende steht man alleine da wie ein Dinosaurier.
Das Band zum Lama bricht man völlig, indem man ihm oder seiner Arbeit schadet oder schaden will. Für den Lehrer, der diese Entwicklung kommen sieht, gibt es aber immer die Möglichkeit, vorher eine Verbindung von der Diamantweg-Ebene auf die Bereiche der Einstellung und sogar auf die Belehrungen von Ursache und Wirkung herunterzustufen. Damit werden sowohl Gefühle als auch Wachstum sehr gedämpft. Solche Brüche geschehen oft bei gutmenschlich Erzogenen, die die tatsächliche Welt verneinen, aber vom Lehrer auf die vorhandenen Verhältnisse aufmerksam gemacht werden. Vor allem bei vielen Nachkriegsdeutschen ist der Bereich der moralisch-politischen Korrektheit sehr empfindlich. Ist sechzig Jahre nach dem Krieg und in einer heute vorbildlichen Demokratie die Hemmung noch vorhanden, zu sehen was ist, kann man so jemanden eine „Große Weg“-Beziehung anbieten. Sie besteht aus der Einstellung, dass man gute Taten geteilt und gemeinsam kluge Gedanken gedacht hat. Geht das aber auch nicht, weil das Sünde-Buße-Weltbild der Kindheit so sehr erschüttert wurde, dass seine  Gefährdung Störungen herbeirufen würde, ist es zwar schwierig, aber doch noch möglich, auf der Ebene des Kleinen Weges des Vermeidens und nicht Störens zu arbeiten. Man schaut dann einfach nicht hin, was an Langeweile oder  Untugenden beim anderen abläuft, und wünscht ihnen ihre Art von Glück.
Alles in allem, bei schweren Unverträglichkeiten sollte der Lehrer die Schüler schnellstmöglich an einen für sie geeigneten Ort weiterschicken. Wird er dabei nicht beim Schmunzeln erwischt, bleibt das Gute, was man bis dahin miteinander geteilt hat, dabei weitgehend geschützt und kann in einem späteren Leben nützlich werden.

Kann man so eine gebrochene Beziehung wieder aufbauen?

Es sollte möglich sein, hängt aber von der Schwere der Verletzung sowie vom Grundvertrauen ab, aber auch von der Stärke des Egos der Schüler sowie von den gegebenen Reizen: Hat man sich zum Beispiel eingeredet, dass es den Leuten schadet, was der Lehrer sagt, oder findet der Lehrer die Schüler ungeeignet für die Gruppe, weil sie nicht werden mithalten können, sollte man sich trennen. Zeigt sich aber hinterher den Schülern, dass der Segen  offensichtlich beim früheren Lehrer geblieben ist, dass er weiterhin erfolgreich immer mehr Leuten nutzt, kann man auch als Trittbrettfahrer am Vorteil teilhaben, indem man den früheren Mitschülern jede Art von Glück wünscht.
Am Anfang des lebenden Buddhismus im Westen waren Schwierigkeiten sicherlich unvermeidbar. Als Hannah und ich 1972 in Zentraleuropa mit der Arbeit anfingen, waren wir die einzigen, die normalen Leuten einen Zugang boten. Fast alle anderen Buddhisten in den Gruppen machten exotische Sachen in kleinen Zirkeln und hatten wenig  Berührung mit dem Leben. Zu der Zeit versuchten wir deswegen, den ganzen Buddhismus zu vertreten; auch „brave“ Seiten, die uns überhaupt nicht lagen. Dabei zogen wir mehrmals Menschen an, die wirklich nicht zu uns passten. Wenn ihnen klar wurde, wie unmoralisch viel Freiheit der Diamantweg bietet und dass wir sie als Erwachsene  behandelten, mochten uns viele anschließend nicht mehr.
Das war einfach ein Fehler. Wenn ich diese Leute wieder treffen würde, würde ich ihnen sagen, dass es mir Leid tut. Wir hätten sie warnen oder schützen sollen, wenn unerwartet um sie herum wilde Feste entstanden und sie sich ausgeschlossen fühlten.

Können wir im Traum oder einer Vision vom Lehrer einen echten Rat oder Hinweis bekommen?

Ja, wenn es nicht gegen das Gesetz verstößt oder dick macht! Ist man schon übergewichtig und sagt einem der Lehrer nachts im Traum, man solle unbedingt aufstehen und den Kühlschrank leer essen, war er das vielleicht nicht. Zeigt die Botschaft aber auf nützliches Verhalten oder schützt der Lama einen sogar gegen Gefahr, ist es gut möglich, dass sein Kraftfeld spürbar wurde und Schützer oder Weisheitsgeber für den Träumenden arbeiteten, dass er den Segen seiner Zuflucht spürte.

Gibt es unterschiedliche Methoden für den Lehrer, um verschiedene Arten von Qualitäten im Geist des Schülers zu erwecken?

Die Entfaltung der innewohnenden Buddhanatur gelingt am besten, wenn man die Schüler dazu bringt, entspannt zu meditieren. Damit reifen alle besonderen Eigenschaften fließend heran. Zuerst begeistert man sie, indem man ihnen den Spiegel ihrer Möglichkeiten hochhält. Dadurch spüren sie, was zu erreichen ist und begeistern sich hoffentlich dauerhaft. Gewohnheit wird hier wie so oft zum verlässlichsten Freund, und wenn man die Leute dazu bewegen kann, täglich eine halbe Stunde eine sinnvolle Meditation wie die auf den 16. Karmapa zu üben, schenkt man ihnen einen Schlüssel zu ihrem innewohnenden Reichtum - etwas unendlich Kostbares.
Danach hat der Lehrer oder das ihn vertretende Zentrum Verantwortung. Sie müssen den aufkommenden  Erfahrungen der Schüler - Segnungen wie Reinigungen - Sinn und Richtung geben können. Sie müssen erklären,  dass die Mittel so wirken, dass die Praktizierenden die unterbewussten Schwierigkeiten loswerden, das sie eben durcharbeiten. Dass sie die Hintern und nicht die Fratzen der komischen Tiere sehen, dass diese sie verlassen.
Für den Alltag würde ich wie erwähnt täglich eine halbe Stunde Karmapa-Meditation einlegen und wenn immer möglich - auch kurz - Mantras nutzen und im Nu mit dem Lama verschmelzen. Das menschliche Wachstum meiner Schüler bestätigt das bestens und weltweit.

Welche Bedeutung hat Sex zwischen Schüler und Lehrer im Weg des Vertrauens?

Das beruht völlig auf der Einstellung und der karmischen Verbindung der beiden. Wollen sie sich beide etwas Schönes geben oder lernen und bestehen keine weiteren Erwartungen oder Abhängigkeiten, ist jede Liebe zwischen Ebenbürtigen eine Bereicherung. Treten aber andere Bedingungen auf und verwenden die Lehrer ihren Einfluss, um die Schüler zu beherrschen oder die Schüler ihre Erotik, um dem Lehrer den Kopf zu verdrehen - was wohl ungefähr gleich oft vorkommt - hat man den Stoff für einen Skandal. Ziehen die Schüler durch ihre Liebe die Lehrer von der  Arbeit weg, ist das auch eine Schwächung, die bemerkt wird. Ihre Kraft gehört halt allen. Deswegen sollten beide hier zusammenarbeiten, was einen Gewinn für alle bedeutet. Die übliche Diamantweg-Körpersprache, in der viel Berührung stattfindet, halte ich für höchst gesund. Die Leute kommen dadurch aus ihren Festungen heraus, und da  mein Stil bei den Vorträgen die verdrehten oder schwierigen Fälle sowieso herausfiltert, haben wir keine größeren Dramen oder ungesunde Vorfälle. Ich würde sagen, wir sind sehr reif und jedes eigene Liebesglück bereichert auch  andere.

Warum wird der Weg des Vertrauens als der schnellste Weg angesehen?

Weil die Austauschebene und die Lebensnähe so hoch ist. Er wirkt ganzheitlich und drückt dadurch mehr Knöpfe in Körper, Rede und Geist als jedes andere Mittel. Denkt man ein Buddha zu sein, wird man sich allmählich auch so verhalten und letztendlich zu einem Buddha werden. Man handelt dann weitblickend und furchtlos zum Besten aller.

Wie sieht das auf bedingter Ebene aus?

Man verhält sich wie ein Staatsmann, trifft Entscheidungen, die für die nächsten 100 Jahre von Bedeutung sind und denkt nicht nur an die Familie, den eigenen Gewinn oder die nächste Wahl. Man handelt überpersönlich und zum Besten aller.
Diese Weitsicht ist bei Buddhisten selbstverständlich. Durch die Arbeit mit dem Geist ist man sich sowohl der Möglichkeiten des Augenblicks als auch der zukünftigen Auswirkungen bewusst. Dadurch kann man in jeder Lage mitfühlend und weitsichtig handeln.

Schwächt es die Beziehung, wenn ein Schüler nicht den ratschlägen des Lehrers folgt?

Wenn man um Rat oder Segen bittet und dem dann nicht folgt, ist das so wie gegen den Strom zu schwimmen. Denn schon beim Sprechen gibt der Lama der Sache Richtung und Kraft. In dem Augenblick, in dem er denkt, etwas sei für den Schüler gut, werden neue Kraftfelder wach. Deswegen, wer immer fragt, jedoch nicht folgt, macht die  Verbindung zunehmend oberflächlicher.
Auch der Lehrer soll aufpassen, die Beziehung nicht zu belasten. Besonders wichtig ist, dass er auch bei dringendsten Aufgaben nicht direkt um Geld bittet. Das ist der schnellste Weg, das Vertrauen vieler Schüler zu verlieren. Hier sind die Leute besonders empfindsam. Der Schüler sollte selbst entscheiden, großzügig zu sein. Es ist auch Teil des Vertrags, dass der Lama nie sein Gesicht verliert. Die Bedeutung dessen mag in unterschiedlichen Kulturen verschieden sein, aber z.B. wir Dänen nehmen das sehr ernst. Wie haben mal eine ganze Flotte nach Marokko  geschickt und die Hafenstädte dort beschossen, weil ein marokkanischer König sich erlaubt hatte, einen dänischen  Botschafter zu beleidigen.
Der Lehrer vertritt für den Schüler den eigenen Geist und sollte deswegen nie schwach aussehen, nie freudlos sein oder ich-bezogen auftreten.
Nie schwach wirken ist wichtig. Hat der Lehrer Angst, kann man ihm nicht vertrauen. Er erfährt seinen Geist nicht als unzerstörbaren Raum, hat also sein Wesen nicht erkannt.
Freudlos aufzutreten ist auch schlecht. Es bezeugt Unfähigkeit beim Lehrer, das freie Spiel der Möglichkeiten als  ständige Freude zu erleben. Schließlich bedeutet Ich-Bezogenheit eine fehlende Wahrnehmung zu erkennen, wie viele die anderen sind, während man selbst nur einer ist; wie sehr alle das Glück suchen.
Fällt der Lehrer die Treppe hinunter, sollte er als erster über sich lachen und nicht steif sein. Es gibt immer Unannehmlichkeiten, wenn man einen menschlichen Körper hat. Der Körper braucht vieles. Er wird müde und tut mitunter etwas Dummes. Deswegen muss man darüberstehen und alles, was man tut, sollte im bestmöglichen Stil stattfinden. Werden ihre Erwartungen enttäuscht, lässt man seine Schüler und alle anderen hängen. Wer Schüler hat,  ist immer Beispiel.

Gibt es irgendwelche Zeichen der Verwirklichung auf dem Weg der Einswerdung?

Es ist eigentlich etwas sehr Fließendes, eine ganzheitliche Sache - nicht Kopf-Sutra sondern Körper, Rede, Geist zusammen - also Tantra. Erstaunt entdeckt man, dass eine Schwierigkeit weggefallen ist, dass man keine Angst mehr hat oder etwas Neues beherrscht.
Der Lehrer bemerkt früh die wachsende Strahlkraft, aber für den Übenden gibt es oft kein klar erkennbares Fortschreiten. Begeisterung wird schon erlebt, aber erst nach Monaten wird im Allgemeinen festgestellt, dass Störgefühle seltener erscheinen, während nützliche Gefühle wachsen. Der Grund ist, dass die Erfahrung vom zeitlosen Erleber - also vom Geist selbst - fehlt, sowohl von seinem zeitlosen Wesen als auch von seinen Stufen der Befreiung und Erleuchtung. Also sieht man nur die Aufs und Nieders. Das erste, was ein guter Lehrer zu tun hat, ist  deswegen, ihr schädliches Verhalten zu stoppen. Dadurch wird es einem unterschwellig immer besser gehen, auch  wenn man kaum bemerkt, dass viele Tiefpunkte nicht mehr erlebt werden. Es fehlt bei nur kurz Meditierenden  einfach die Grundlage, um vergangene und jetzige innere Zustände zu vergleichen. Noch dazu verstehen wenige, dass Unangenehmes reinigt - dass man dadurch schwierige gespeicherte Eindrücke los wird, während  Glückszustände mit anderen geteilt werden sollten, um zu wachsen. Sie verbrauchen sich durch bloßes Genießen. Sicher beurteilen die Leute im Umfeld oft besser, wie die eigene Entwicklung läuft, wie viel Überschuss für andere übrig bleibt.

Dankt euch für die Fragen. Sie haben Spaß gemacht.

Euer Lama Ole