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BUDDHISMUS HEUTE
Aus: Buddhismus Heute Nr. 40, (Winter 2005)

Mit Lama Ole unterwegs im Baltikum

Von Eva Missenbäck-Preschern

> 29.08. - 31.08.2005 STUPKALNIS, LITAUEN

> 01.09.2005 RIGA, LETTLAND

> 02.09.2005 TALLINN, ESTLAND

> 03.09.2005 HELSINKI, FINNLAND

Es ist wunderbar aufregend, mit Lama Ole unterwegs zu sein. Wir reisen durch Länder, die wir nie zuvor gesehen haben und lernen viele neue spannende Leute kennen. Das Besondere ist jedoch, hautnah zu erleben, wie Lama Ole unermüdlich für seine Schüler da ist. Mit wenig Schlaf hält er spannende Vorträge, geht geduldig auf Fragen ein, die ihm tags davor in einer anderen Stadt in ziemlich ähnlicher Form gestellt wurden. Sobald ihm Zeit bleibt, beantwortet er stets gut gelaunt die persönlichen Fragen seiner Schüler. Nach einer langen Nacht gibt er fröhlich vor dem Frühstück schnell ein Fernsehinterview, während wir uns am liebsten müde in der Gompa zusammenrollen würden und nur ans Schlafen denken. Man spürt, dass Lama Ole rund um die Uhr für alle Wesen arbeitet und keine Sekunde an sich und seine eigenen Bedürfnisse denkt.

Die Baltictour beginnt mit einem dreitägigen Kurs in LITAUEN, dann geht es mit dem Bus quer durch LETTLAND und ESTLAND, mit dem Schiff fahren wir dann nach Finnland, wo die spannende Tour in HELSINKI zu Ende geht.

Schon der Anflug nach VILNIUS, der Hauptstadt von Litauen, ist sehr faszinierend. Am Flughafen gelandet, holen uns Ania und Bernd, die die Tour organisieren, mit einem Doppelstockbus ab. Unsere bunt gemischte Reisetruppe besteht aus ca. 30 fröhlichen Leuten aus Australien, Dänemark, Deutschland, England, Finnland, Österreich, Polen, Schweiz und Ungarn. Unser aller Liebling ist BabyBjörn, der seine Eltern aus dem Züricher Zentrum begleitet und von Ole öfters wegen seiner kräftigen Lungen gelobt wird. Unterwegs gesellen sich Freunde aus den baltischen Ländern dazu und begleiten uns ein Stück.

Unser erstes Ziel ist STUPKALNIS, ein schönes, weites Gelände im Norden des Landes, wo der dreitägige Grosse Siegel-Kurs stattfinden wird. Nach stundenlanger Fahrt halten wir zunächst in SIAULIAI, wo Lama Ole ein neues Zentrum einweiht. Wir drängen uns alle in die kleine gemütliche Gompa und Ole bewundert die nette Wohnung mit der auffallenden Holzvertäfelung. Er lobt den Pioniergeist der jungen Truppe und erinnert sich an seine Anfänge im Kopenhagener Zentrum. Während einer kurzen Einweihung setzt Lama Ole die vier Hauptbuddhas in die vier Himmelsrichtungen der Gompa. Er verspricht, dass die Buddhas von nun an immer hier sein werden, alles zum Wachstum bringen und die Meditation günstig beeinflussen werden. Nach nettem Austausch mit den einheimischen Buddhis, steigen wir wieder in unseren Bus und es geht weiter Richtung Stupkalnis. Endlose Wiesen, Felder und menschenleere Landschaften ziehen an uns vorbei. Ab und zu sehen wir ein Haus mit einer einsamen Kuh davor, hin und wieder eine Ziege. Unweigerlich macht sich Ruhe in uns breit und wir lassen die gewohnte Hektik des Alltags langsam hinter uns. Stupkalnis bedeutet "Stupa-Hügel" und die litauischen Freunde planen hier in einigen Jahren eine Stupa zu bauen. Ole bestimmt in den nächsten Tagen die genaue Stelle, wo die Stupa stehen soll, auf einem keinen Hügel, nahe dem kristallklaren See.

Der Kurs findet in einer zur Gompa umfunktionierten Scheune statt, dünne Bauplanen schützen uns mehr oder weniger vor dem starken Wind. In gewohnter Frische und mit ansteckender Fröhlichkeit erklärt uns Lama Ole in den nächsten drei Tagen einen Text des 3. Karmapa Rangjung Dorje, aufgelockert durch begabte Fragen der Schüler und kluge Antworten des Lamas. Am letzten Abend gibt es die gewohnt kraftvolle Kagyü-Party, wir tanzen gemeinsam mit Ole auf der Wiese, sitzen ums große Lagerfeuer und feiern bis in die Morgenstunden. Raum und Freunde grenzenlos...

Am 4. Tag geht die aufregende Reise weiter nach RIGA, der Hauptstadt Lettlands. Nachdem Lama Ole mit geschultertem Seesack und einem freundlichen "Hi Fans!" auf den Lippen in den Reisebus eingestiegen ist, fahren wir los. Ole und Tomek sitzen im Doppelstockbus direkt unter uns und arbeiten, während wir abwechselnd schlafen, meditieren und Spaß haben. Der Bus schaukelt über Feldwege und schmale Straßen bis zur Staatsgrenze. Noch ca. 50 km und wir sind in Riga. Die lettische Hauptstadt empfängt uns mit Sonnenschein und strahlend blauem Himmel. Nach dem Einchecken in die Jugendherberge haben wir noch etwas Zeit und Ania führt uns durch die schöne Altstadt. Riga ist eine Stadt mit großer Vergangenheit. Sie war einst einflussreiche Hansestadt und erst Ende des 19. Jahrhunderts dehnte sich die Stadt stark aus und ganze Jugendstil-Ensembles russischer und lettischer Architekten entstanden. Wir schauen uns die Augen wund und machen viele Fotos wie typische japanische Touristen.

Am Abend spricht Lama Ole über Buddha und die Liebe, was uns sehr fasziniert. Buddhismus praktisch umsetzbar, Jahrtausende alte Belehrungen die man hier und heute direkt anwenden kann. Was will man mehr? Tiefe Dankbarkeit für Lama Ole, der dies alles möglich macht, entsteht spontan. Nach dem Vortrag wird zusammengesessen und geplaudert, wieder bis spät in die Nacht.

Am nächsten Morgen treffen wir uns vor der Abreise im buddhistischen Zentrum von RIGA, in einem ca. 150 Jahre alten Holzhaus, das umgeben ist von einem schönen Garten. Noch vor dem Frühstück wird Ole von einem regionalen Filmteam interviewt und wir alle scharen uns natürlich um ihn, um zu hören was er sagt. Die nette Dame, die ihn interviewt, fragt ihn etwas irritiert, wer wir denn alle seien und Ole antwortet fröhlich mit einem breiten Lächeln im Gesicht: "These are all my students" Man spürt, wir sind alle eine Familie!

Bald brechen wir auf nach Estland. Nach langer, langer Fahrt sind wir immer noch nicht in der Hauptstadt TALLINN angelangt, wo der Vortrag statt finden wird. Damit Lama Ole noch halbwegs rechtzeitig den Vortrag beginnen kann, wird er von Freunden abgeholt und mit einem flotten Auto rasch nach Tallinn gefahren. Unsere Reisetruppe tuckert langsam nach und muss zuerst mal einchecken. Die Jugendherberge ist wieder sehr sauber und gemütlich, doch trotzdem machen sich bei einigen von uns bereits erste Reinigungen bemerkbar. Auch findet der Vortrag woanders statt als geplant und niemand weiß, wo wir nun überhaupt hin sollen. Als wir endlich an der Uni ankommen, ist der Vortrag bereits vorbei und Ole beantwortet gerade die letzten Fragen. Eine Frau aus dem Publikum stellt eine Frage, die eigentlich alle mal mehr mal weniger betrifft: "Immer wenn ich zu buddhistischen Kursen fahre, werden ich und meine Kinder krank und ich verliere etwas. Was kann ich tun, damit das aufhört?" Ole antwortet mit einem verschmitzten Lächeln: "Kalu Rinpoche sagte dazu: Bei einer Pilgerreise ist es am Besten zu sterben, zweitens krank zu werden und drittens etwas zu verlieren." Somit ist dieser Punkt geklärt.

Nach dem Vortrag treffen wir uns in einem gemütlichen schottischen Pub, trinken Guinness und essen eine Kleinigkeit. Wir tanzen zur Musik einer live Rockband und Ole schwingt in kleiner Runde das Tanzbein mit seinen Schülerinnen. Anschließend lassen es sich einige von uns nicht nehmen, noch zur späten Stunde (es war ca. 2 Uhr früh) die wunderschöne mittelalterliche Altstadt zu besichtigen.

Am nächsten Morgen verlassen wir die schöne Stadt Tallinn bereits wieder, nicht ohne den Wunsch wieder mal herzukommen. Wir steigen in ein flottes Schnellboot und sausen über die Ostsee nach HELSINKI. Endlich werden wir wieder mit Euro bezahlen können! Nach der Passkontrolle erleben wir, wie herzlich Ole von seinen Schülern begrüßt wird.

Unsere Reisegruppe wird von einem netten jungen Mann quer durch Helsinki zu einem großen Sportstadion geführt, wo wir unser Quartier beziehen. Lustig ist, dass unser junger Guide felsenfest behauptet, kein Buddhist zu sein, das buddhistische Zentrum hat er noch nie gesehen und Lama Ole kennt er nicht. Wir alle grinsen uns an, er ist so fröhlich und frisch, der typische Ole-Schüler eben. Er weiß es nur noch nicht.

Helsinki ist nach all den kleinen, romantischen Städten und der Ruhe in Stupkalnis zuerst etwas gewöhnungsbedürftig. Doch unser Guide führt uns kundig durch die moderne und wirtschaftlich aufstrebende Stadt und bald fühlen sich alle wohl. Der Vortrag am Abend ist sehr spannend und von Attila, einem Ungarn, der schon lange in Helsinki lebt, und seinen finnischen Freunden gut organisiert. Es geht um Wissenschaft und Buddhismus und viele kluge Leute stellen ihre Fragen. Hannah ist nun auch dabei und nach dem Vortrag gibt es im buddhistischen Zentrum ein leckeres Buffet. Ole und Hannah bekommen Geschenke überreicht und bei den meisten von uns kommt Abschiedsstimmung auf, denn die Baltictour ist heute zu Ende. Ole fliegt morgen zu einem Kurs nach Varna in Bulgarien, einige von uns begleiten ihn sogar noch bis Griechenland. Meine Freundin und ich bleiben noch einen Tag in Helsinki und lassen die faszinierende Reise mit Museumsbesuchen, Shopping und Schlemmen am Fischmarkt ausklingen. Eine vielseitigere und spannendere Urlaubsreise kann es gar nicht geben!


EVA MISSENBÄCK-PRESCHERN,
Kunsthistorikerin und Restauratorin, lebt und arbeitet in Graz