HOME 0 ARCHIV 0 BUDDHISMUS ABO NACHBESTELLUNG IMPRESSUM KONTAKT
BUDDHISMUS HEUTE
Aus: Buddhismus Heute Nr. 40, (Winter 2005)

In Zukunft wollen wir die Statuen in Europa herstellen

Interview mit dem Tangka-Maler Norbu, von Astrid Schmidhuber

Norbu ist ein Thangka- und Statuenmaler aus dem Norden Indiens und lebte viele Jahre mit dem 16. Karmapa in Tibet und Sikkim. Seit nun mehr 20 Jahren kommt er regelmäßig nach Europa, um hier den westlichen Buddhisten die Kunst der traditionellen tibetischen Malerei zu lehren. Dieses Interview entstand am 8. Juli 2005 im Mahakalaraum in Rödby, dessen Wände diesen Sommer mit Schützermotiven bemalt wurden.

Norbu, kannst du uns etwas über dein Leben erzählen, wo du geboren wurdest, wie und wo du den 16. Karmapa getroffen hast und Thangkamaler wurdest?
Ich wurde in Darjeeling geboren. Alle in meiner Familie waren seit jeher hingebungsvolle Schüler der Karmapas. Vor allem meine Großmutter war eine treue Schülerin. Als der 16. Karmapa z.B. 1950 im Alter von 25 Jahren nach Indien kam, hat sie mich ihm als Mönch und Schüler angeboten. Karmapa aber sagte: „Vielleicht – eines Tages“. Drei Jahre später hat er Leute geschickt, um mich nach Tsurphu in Tibet zu holen.

Wie alt warst du da?
Ich war 13 oder 14 Jahre alt. Dort bin ich dann vier Jahre geblieben und habe Malerei studiert. Nicht nur Malerei, sondern auch Religion, ich war Mönch zu dieser Zeit. Aber 1958 kam ich zurück nach Sikkim. Wir sind aus Tibet geflohen – wir, das waren zwölf Lamas, eigentlich eher Jungs. Nach der Flucht aus Tibet bin ich zu meinem Onkel gegangen, um weiter Malerei studieren zu können (Anmerkung: sein Onkel war ein berühmter Thangkamaler in Sikkim). Die ersten Jahre habe ich dort auch gelebt und bin in Darjeeling zur Schule gegangen. 1964 hat mich Karmapa dann zu sich nach Rumtek gerufen und dort habe ich dann begonnen, bei Lhadrip Tragya (einem sehr bekannten und berühmten tibetischen Maler) Kunst zu studieren. Und zu dieser Zeit hat Karmapa dann zu mir gesagt: „Eines Tages wirst du mein Lehrer sein!“ Ich habe das überhaupt nicht geglaubt.

Damals hatte ich eigentlich keine Lust, immer ruhig zu sitzen und zu malen (Norbu lacht). Aber Karmapa hat betont: „Eines Tages wirst du mein Malmeister der Linie sein.“ Ich habe also weiter gelernt und bin bis zu Karmapas Operation in Hongkong bzw. bis zu seinem Tod in Rumtek geblieben.

Wann bist du das erste Mal nach Europa gekommen?
Hannah und Ole haben mich 1984 eingeladen, nach Kopenhagen zu kommen und zu malen. Mein Onkel hatte dort begonnen, den Eingangsbereich und die Gompa des Zentrums mit dem Kagyü Sertreng (der Kagyü-Linie) zu bemalen, starb aber leider während der Arbeit am roten vierarmigen „Liebevolle Augen“. So kam ich nach Kopenhagen, um diese Arbeit zu beenden (den Buddha mit den 16 Arhats und Karma Pakshi).

Was machst du gerade hier in Rödby?
Hauptsächlich dreht sich meine Arbeit hier um Mahakala. Das ist sehr ungewöhnlich und speziell. Monika Kruse und ich haben uns über das Projekt hier unterhalten und beschlossen, die gesamte Mahakalafamilie hier an die Wände zu malen. Das ist ein längeres Projekt, aber seit dieser Woche ist Mahakali (weibl. Form von Mahakala, seiner Gefährtin) hier. Nächstes Jahr werden wir ihr dann Tseringma und ihre vier Schwestern zur Seite stellen. Eine große Familie! Außerdem werden wir noch nach Kopenhagen fahren, bevor ich nach Paris zurückfliege. Der Eingangsbereich des Zentrums muss renoviert werden. Wir hatten dort ein Problem mit dem Schornstein. Wasser ist eingetreten und hat die Farbe zerstört. Also schauen wir uns das mal an.

Du malst aber nicht nur auf Stein. Auch das Anmalen und Füllen von Statuen gehört zu deiner Arbeit. Kannst du uns darüber etwas erzählen?
Das Füllen der Statuen bedarf einer sehr hoch qualifizierten Ausbildung. Dafür bin ich eigentlich nicht zuständig, aber ich mag es, sie zu bemalen.

Aber es gibt doch ein Projekt, was die Qualität der Statuen betrifft, die wir kaufen, oder?
Ja, wir fangen gerade damit an. Im Moment versuchen wir erst einmal, an die Leute zu kommen, die sich dafür interessieren. Wir wollen dann eine Art Konferenz abhalten. Künzig Shamar Rinpoche hat Wünsche für Europa gemacht. Auf Grund all der Dinge, die mit Rumtek passiert sind, brauchen wir einen sicheren Platz, um unsere Kultur bewahren zu können. Es geht hier nicht nur um die Malerei, sondern auch um Arbeiten mit Holz und Metall, das Erstellen von Statuen usw. Deshalb habe ich diesen Workshop in Frankreich errichtet (Anmerkung: seit sieben Jahren gibt es jedes Jahr im Sommer die Möglichkeit, in Le Bost einen Workshop zu besuchen, um klassische Thangkamalerei, Holz und Metallarbeiten zu lernen, und ab nächstem Jahr werden wir solche Kurse auch in den Diamantwegzentren anbieten). Wer Interesse hat, ist er hier jederzeit willkommen. Aber in der Zukunft möchte ich gerne, dass die Statuen in Europa hergestellt werden. Die Qualität der Arbeiten aus Nepal oder Indien hat in den letzten Jahren stark nachgelassen. Man findet an den Statuen alle möglichen merkwürdigen Dinge, die nicht notwendig sind, die Statuen aber teuer machen. Früher war es so, dass ein Thangka- oder Statuenmaler etwas galt. Nur einige wenige hielten die Übertragung und kannten die speziellen Techniken. Aber heute, durch die Kommerzialisierung des Marktes, kann jeder Statuen herstellen und Thangkas malen. Es ist so schade. Versuchen wir also wieder zurück zur Qualität statt nur Quantität zu kommen.

Welche Vision hast du bezüglich der buddhistischen Malerein in Europa und der tibetischen Kunst hier?
Europa ist wirklich gut. Europa hat eine gute Zukunft. Asien ist leider verloren. Alles wird dort vermengt, es gibt nichts Authentisches, Seltenes oder Besonderes mehr. Aber in Europa haben wir viele Möglichkeiten: vor allem durch die guten Sanghas. Was macht den Unterschied aus? Wenn in Asien gearbeitet wird, dann nur für Geld. Aber in Europa arbeiten die Leute für den Dharma. Das Leben in Asien ist nun mal sehr hart, hier ist es viel angenehmer und leichter. Der Buddhismus wird hier wachsen. Seit der Zeit, als ich das erste Mal nach Europa kam bis jetzt – das ist ein Riesenunterschied, ein Riesenwachstum! Wir haben jetzt auch mehr Wissen hier im Westen: Wenn unsere Kinder in der Zukunft in unsere Zentren kommen, dann werden sie dort Verbeugungen machen und meditieren. Ich hoffe wirklich, dass mehr und mehr Menschen kommen werden. Das ist die Kraft des Buddhismus: Die ist nicht für die Zurückziehung oder Bücher, die kommt daher, dass er funktioniert und Wirkung zeigt.

Wer kann denn kommen und mit dir malen? Gibt es Auswahlkriterien?
Grundsätzlich können alle, die Interesse haben, kommen und mit mir malen. Setzt euch mit Silke Keller aus Köln in Verbindung. Über sie können wir alle Interessenten sammeln.

Diese Adresse gilt auch für die Zentren, die einmal einen Statuenmalkurs abhalten wollen. Sammelt einfach alle Anfragen aus einer Region: Statuenart, Größe usw.. Ich bin immer im Sommer in Europa und komme dann an die Stellen, an denen ich gebraucht werde. Silke kennt meine Reisedaten und organisiert das dann. Es gibt aber auch Stellen, da bin ich auf jeden Fall, wie Köln oder Rödby.

Und wenn wir uns dann treffen, dann können wir herausfinden, wo in Zukunft der beste Platz sein wird um zu arbeiten, das heißt, wo die Bedingungen am günstigsten sind. Das Wichtigste ist, ein gutes Team aufzubauen. Am 1. April 2006 komme ich zurück nach Europa, wir können uns dann treffen, um zu arbeiten und uns kennen zu lernen.


Astrid Schmidhuber, Jahrgang 1970, Sozialwissenschaftlerin, freie Beraterin, Zuflucht bei Lama Ole 1999.