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BUDDHISMUS HEUTE
Aus: Buddhismus Heute Nr. 40, (Winter 2005)

Mitgefühl und Weisheit sind unsere wahre Natur

Ein Interview mit dem 17. Karmapa

Welche Verbindung besteht zwischen "anderen Wesen helfen" und den buddhistischen Ratschlägen zu einer sinnvollen und guten Lebensführung?

Im Buddhismus hat die Idee "für andere von Nutzen zu sein" sowohl mit der Motivation als auch der Fähigkeit zu tun. Wir können im Wesentlichen umso mehr für andere tun, je mehr wir unser eigenes Potenzial entwickelt haben. Die Übung auf dem Bodhisattva-Weg beruht darauf, nicht selbstsüchtig zu sein. Das ist es, wofür wir alle trainieren.
Der historische Buddha ist selbst ein Beispiel für solch eine Entwicklung. Über zahllose Weltzeitalter hin, in vielen Lebenszeiten, erforschte er alle Dinge und praktizierte, bis er Erleuchtung erlangte. Seine Lehren sind die Methoden, die er danach anderen Wesen gab, um ihnen den Weg zu zeigen, den er gegangen war, so dass auch sie Erleuchtung erlangen können.
Buddha gab Empfehlungen zur sinnvollen positiven Lebensführung als das beste Mittel, sich selbst zu entwickeln.
Sie werden als Ratschläge gegeben und nicht als Anordnung, der wir zu gehorchen haben, um nicht bestraft zu werden.

Die buddhistische Auffassung ist, dass wir dafür arbeiten, anderen zu helfen, anstatt nur zu unserem eigenen Nutzen. Wie aber können wir wissen, was wirklich gut ist für andere?

Als Buddhisten wissen wir im Allgemeinen, was Glück und was Leid bringt. Buddha lehrte über Ursache und Wirkung, und wenn wir anderen helfen wollen, dann müssen wir verstehen, dass die Ursachen aller Probleme in dieser Welt Karma und die negativen Emotionen wie Unwissenheit, Hass und Anhaftung sind. Je besser wir die individuellen Bedürfnisse, Charaktere und Tendenzen der Wesen verstehen, umso effektiver können wir ihnen helfen, ihre Hindernisse zu überwinden und können sie in der richtigen Weise anleiten. Mitgefühl in Verbindung mit der Fähigkeit zu sehen, was Wesen brauchen, bringt die besten Ergebnisse. Jeder muss allmählich einen Weg zur Erkenntnis der Natur des eigenen Geistes finden und sich durch diesen Prozess von Hindernissen befreien.

Kann die Übertragung der Karma-Kagyü-Linie im Westen leben? Ist sie schon vollständig hier oder dauert das noch? Wie können wir dazu beitragen?

Die Übertragung kam von Indien nach Tibet, warum also nicht auch hierher in den Westen? Genau aus diesem Grunde versuchen wir alle, unsere Aktivität hier auszuweiten. Die Leute haben im Laufe der letzten 30 Jahre viele Einweihungen und Belehrungen bekommen, und es gibt hier bereits eine gute Dharma-Basis. Inwieweit die Übertragungen am Leben bleiben werden oder nicht, hängt davon ab, wie ihr alle die Methoden anwendet. Einige werden nur einen Segen empfangen, ohne ihn für weitere Praxis zu verwenden. Andere werden die Mittel benutzen, um in ihrer Praxis in die Tiefe zu gehen, was der Kern der Übertragung ist.
Übertragung kann vieles bedeuten, zum Beispiel kann man von einer Übertragung der Zuflucht sprechen. In den Belehrungen Buddhas, die "Weg des Geheimen Mantra" oder auch "Diamant-Weg" genannt werden, ist die Übertragung sehr wichtig. Sie ist es, die die Lehren lebendig und zugänglich hält. Man muss zwischen der eigentlichen Übertragungslinie und den Praktizierenden, die die übertragenen Mittel verwenden, unterscheiden.
Die Übertragung wird in der Linie gehalten. Es sind wesentliche Übertragungen von Buddha, die mündlich von Lehrer zu Schüler weitergegeben werden und nicht in der Öffentlichkeit gegeben werden können. Der richtige Schüler muss fähig sein, wirklich die Verantwortung zu tragen, Halter einer bestimmten Übertragung zu sein. Diese Übertragungen müssen ungebrochen sein. In unserer Karma Kagyü Linie waren die Shamarpas und Karmapas - die "Karmapas der roten und der schwarzen Krone" - die wichtigsten Halter der Übertragungen; aus meiner Sicht wird das so bleiben.
Einfach gesagt, gibt es Übertragungen von Erklärungen - der philosophische oder Studien-Teil - und Übertragungen von Meditationen. In der Karma-Kagyü-Linie werden diese Übertragungen intakt gehalten. Die Wichtigste darunter ist die Übertragung des Großen Siegels (skt. Mahamudra) und der Sechs Lehren Naropas, einschließlich der tantrischen Praktiken und Einweihungs-Serien. Solange die Übertragung nicht unterbrochen wird, ist sie authentisch und die Praktizierenden bekommen die authentischen Belehrungen. Sie praktizieren die Methoden und können dann andere lehren, die wiederum entsprechend praktizieren können.

In welcher Weise sollten Buddhisten ihren Beitrag in den Gesellschaften leisten, in denen sie leben? Was ist ihre Rolle in der Gesellschaft? Kann zum Beispiel die Hospiz-Arbeit ein Beitrag sein?

Es kommt darauf an, in was für einer Art von Gesellschaft wir leben. Einige haben Regierungen, die sich um soziale Programme kümmern, so dass es in diesen Ländern keinen Bedarf für eine spezielle buddhistische Aktivität dieser Art gibt.
Buddhismus verbessert unsere Lebensqualität und verbreitet sich in nicht-missionarischer Weise. Er gibt Ratschläge, wie man besser leben und sich besser verhalten kann und so sein Leben verbessert. Ich sehe darin die Grundlage einer perfekten Gesellschaft. Wenn wir uns individuell verbessern, dann führt das automatisch zu einer besseren Gesellschaft.
Hospize sind eine Weise, wie Buddhisten einen Beitrag zu unserer Gesellschaft leisten können, und das geschieht schon in einigen westlichen Ländern. Als Buddhisten lernen wir, unser ganzes Leben hindurch uns der Vergänglichkeit bewusst zu sein. Da wir geboren wurden, werden wir sterben. Das ist die Natur der Dinge, und der Dharma lehrt uns in der richtigen Weise zu sterben.

Anlässlich deines letzten Besuches in Europa erwähntest du, dass wir in verwirrten Zeiten leben und dass es deswegen das Allerwichtigste ist, Bodhicitta zu entwickeln. Können wir diese Verwirrung vermindern? Können wir etwas gegen diesen allgemeinen Niedergang tun?

Wir müssen Bodhicitta, den Erleuchtungsgeist, entwickeln. Wenn wir in Samsara sind, sind wir wegen unserer Emotionen immer verwirrt. Es liegt nicht nur daran, dass wir in einer Zeit des Niedergangs leben, sondern einfach an uns. Wenn wir faul sind, können wir zwar immer der Zeit oder der Situation die Schuld zuschieben, aber es heißt doch einfach nur, dass wir faul werden. In einer normalen weltlichen Umgebung werden wir davongetrieben, auch wenn es nicht unsere Absicht ist, falsche Dinge zu tun. Wir haben keine Kontrolle. Deswegen MÜSSEN wir Bodhicitta entwickeln. Schritt für Schritt üben wir die Handlungen von Großzügigkeit, sinnvoller Lebensführung, Geduld, freudiger Anstrengung und Meditation. Mit der sechsten befreienden Handlung, der Weisheit, werden die anderen Handlungen dann vervollkommnet. So verbinden wir Mitgefühl und Weisheit. Es ist ein Prozess des Übens, in dem wir unsere Qualitäten entwickeln und dadurch nützlicher werden in der Welt.
Das bedeutet nicht, dass wir versuchen, etwas völlig Neues zu erreichen. Mitgefühl und Weisheit sind unsere wahre Natur. Seit anfangsloser Zeit sind wir jedoch unaufhörlich von unseren störenden Gefühlen verwirrt, und so müssen wir die Weisheitsnatur unseres Geistes erkennen und den Kreislauf der Verwirrung durchbrechen. Die Grundlage der Erkenntnis, die Buddha-Natur, war immer schon in uns. Wir sind nur noch nicht auf die richtigen Umstände gestoßen, um sie zu entdecken.

In welchem Ausmaß können unsere Wünsche für andere, zu denen wir keine besondere Verbindung haben, deren Karma verändern? Jeder hat sein eigenes Karma. Gibt es also etwas, was wir tun können, um das Karma der Leute zu ändern?

Es ist nicht möglich, das Karma anderer Leute einfach zu verändern. Wenn das möglich wäre, dann wäre das schon geschehen. Alle Buddhas und Bodhisattvas arbeiten deswegen in der Weise, dass sie Methoden geben, mit denen die Wesen die Ursachen ihres eigenen Karmas verändern können, wenn sie diese nutzen. Sie helfen, die richtigen Umstände zu schaffen, und es liegt dann an den einzelnen Wesen, das zu prüfen und die Mittel anzuwenden. Bodhisattvas machen immer den Wunsch, dass die Wesen die richtigen Bedingungen hinsichtlich Zeit, Stelle, Klima usw. haben, um ihr Karma zu verbessern.
Beim Bodhisattva-Versprechen arbeitet es folgendermaßen: Das Versprechen des Wunsches, allen Wesen zur Erleuchtung zu helfen, ist nicht nur ein Wunsch, sondern auch ein Entschluss, etwas dafür zu tun. Was man tun kann, ist anderen zu zeigen, wie sie Erleuchtung erlangen können, indem man ihnen zum Beispiel die Diamantgeist-Praxis erklärt. Man kann zwar nicht ihr Karma für sie reinigen, aber die Praxis selbst ist ein Weg, den Geisteszustand durch die Meditation zu ändern. Man muss sie üben, sich daran gewöhnen, damit vertraut werden - und dann kommen langsam die Resultate.
Wie viel wir für andere tun können, ist eine Frage unserer Absicht und unserer geistigen Ebene. Offensichtlich werden unsere Wünsche umso effektiver sein, je verwirklichter wir sind. Deswegen sind die Wünsche der Bodhisattvas so wirksam. Wünsche, die aus Liebe und Mitgefühl für die Wesen gemacht werden, tragen immer Segen. Es ist unumgänglich, dass solche positiven Wünsche in Erfüllung gehen, wenn die Bedingungen dafür zusammenkommen. So wie Selbstverpflichtungen, sind auch Wünsche fühlbar - ohne natürlich etwas physisch Substantielles zu sein. Ob dieses "Etwas" funktioniert oder nicht, hängt wiederum auch von dem Empfänger ab. Je offener er ist, desto mehr ist es fühlbar, denn es ist Ursache und Wirkung. Das klassische Beispiel sind Ring und Haken: Die Wünsche und der Segen sind wie der Haken und die Offenheit ist wie ein Ring.

Wie können wir eine gesunde Balance zwischen Bemühung und Zeit, die wir unserer Aktivität in der äußeren Welt und der formalen Praxis widmen, finden? Gibt es eine klare Trennlinie zwischen diesen beiden Aktivitäten?

Alles, worum es im Buddhismus geht, ist, unser eigenes Verhalten zu verbessern. Wir müssen mitfühlender und weniger eigennützig werden. Das ist natürlich schwierig, aber dafür praktizieren wir. Unsere formale Praxis sollte in unseren Handlungen Resultate zeigen. Deswegen, um diese Resultate zu bekommen, brauchen wir etwas Zeit für die formale Praxis.
Normalerweise würden wir unser buddhistisches Leben und unsere Praxis damit beginnen, dass wir Buddhismus studieren, dann über die Lehren nachdenken, ein Verständnis von ihnen bekommen und schließlich meditieren. So ist es, wenn wir die Zeit für das alles haben. Da wir allmählich diese drei Arten von Übung entwickeln und in unserer Meditation stabil werden, werden wir auch stark genug, um anderen das Gleiche zu lehren.
Wir leben gerade in einer Zeit, in der alles sehr schnell geht und wir müssen eine Balance zwischen Handeln und Meditieren finden. Der Buddhismus ist im Westen noch jung, gerade mal 30 oder 40 Jahre alt. Deswegen ist es hier eine wichtige Aktivität, den Leuten die richtige Umgebung und Möglichkeit für Praxis zu geben.
Es ist nicht so einfach, eine günstige Umgebung zu finden, was Zeit und den Ort für die Praxis betrifft, und hat also Vorrang. Beschäftigen wir uns mit einer solchen Aktivität, werden wir ganz sicher viel Verdienst aufbauen, und das schafft bessere Umstände sowohl für dieses als auch für spätere Leben.
Um Erleuchtung zu erlangen, reichen allerdings Verdienst und gutes Karma nicht aus. Es wird uns wundervolle Wiedergeburten bringen, aber wir werden nicht Erleuchtung erlangen. Wenn wir in buddhistischen Aktivitäten eingebunden sind und zusätzlich auch unseren Lebensunterhalt bestreiten müssen, besteht ständig das Risiko, dass unsere Gewohnheiten wiederkehren. Deswegen müssen wir unsere Entwicklung prüfen und auch unsere Weisheit entwickeln. Aus diesem Grunde ist es sehr wichtig, dass wir etwas Zeit für formale Praxis finden, auch wenn es nur kurz ist.

Was bedeutet es, eine Hauptpraxis zu haben?

Die Bedeutung einer Hauptpraxis ist, dass man an einer Stelle in die Tiefe geht. Wir fangen gerne vieles an, aber viele Dinge bleiben auch unvollendet. Wegen der Umstände sind wir nicht in der Lage, sie zu Ende zu bringen. Deswegen ist es gut, eine bestimmte Praxis zu haben; das können die Grundübungen sein oder irgendeine andere Praxis. Wir müssen einfach eine Hauptpraxis haben, wie Yidam oder Guru-Yoga, und unser Leben lang bei ihr bleiben. Es ist zwischendurch möglich, andere
Praktiken zu üben, solange man bei der hauptsächlichen bleibt.
Diese Frage wurde vielleicht gestellt, weil die Leute viele Ermächtigungen bekommen haben und vielleicht verwirrt sind und denken, sie müssten all diese Yidams, auf die sie eingeweiht wurden, auch praktizieren. Das ist aber nicht der Fall. Die Praxis hängt davon ab, ob die Ermächtigung als ein Segen oder mit dem Versprechen gegeben wurde, den Yidam für eine gewisse Zeit zu praktizieren. Deswegen muss man genau wissen, was für eine Art von Ermächtigung man erhält.
Wenn wir unsere Hauptpraxis haben, so wie Guru-Yoga oder einen Yidam, dann sind andere Guru-Yogas oder Yidams in der Hauptpraxis enthalten. Sowohl Guru-Yoga als auch Yidams sind einfach Weisheits-Formen und haben alle die gleiche Essenz von Mitgefühl und Weisheit. Die einfachste Weise, mit verschiedenen Guru-Yogas und Yidams die Verbindung zu halten, wenn nötig, ist, dass man die Mantras der anderen Formen im Anschluss an die Rezitation des Haupt-Mantras macht.

Wie oft sollte man seinen Lehrer treffen? Wer ist die wichtigste Stütze für unsere Entwicklung? Wie wichtig ist es, Kontakt mit seinem Lehrer zu haben?

Der Lehrer ist für unsere Dharma-Praxis wichtig und deswegen gibt es keinerlei Beschränkung darin, wie viel Zeit wir mit ihm in Kontakt sein sollten. Es kommt darauf an, ob wir Fragen haben oder nicht. Der Lehrer hat auch die Verantwortung, Rat zu geben.
Buddhistische Lehrer sind diejenigen, die uns in unserer Praxis anleiten, so dass wir in unserer Entwicklung nicht vom Pfad abkommen. Es gibt verschiedene Arten von Lehrern und Lamas, so wie Linien-Lamas und Wurzel-Lamas.
Wir brauchen immer Anleitung, aber ich kann nicht sagen, so und so viel. Die Lehrer sind da, um die Schüler in ihrer Praxis zu unterstützen.

Du hast die von Lama Ole autorisierten Reiselehrer aufgefordert, vor allem die Grundübungen zu lehren. Warum?

Weil es die grundlegende Praxis ist und die meisten der Reiselehrer die neuen Schüler treffen.

Haben alle Schulen des tibetischen Buddhismus etwas wie die Grundübungen?

Ja. Außer beim Guru-Yoga gibt es nicht viele Unterschiede bei den Grundübungen der Schulen. Der Unterschied liegt in den verschiedenen Übertragungslinien der Lamas.

Neue Leute haben oft sehr hohe Erwartungen an jemanden, der die Grundübungen gemacht hat und fühlen sich eventuell irgendwann enttäuscht. Was kann man von ihnen erwarten?

Viele Leute denken, dass es bei den Grundübungen darum geht, bei jeder Praxis die spezielle Anzahl von 111.111 zu vollenden. Das ist aber nicht der Fall. Der Hauptfokus einer Dharma-Praxis sollte sein, den eigenen Körper, Rede und Geist zu entwickeln und ein besseres menschliches Wesen zu werden. Die Grundübungen geben uns eine wundervolle Gelegenheit, den Dharma zu praktizieren und dienen vor allem dazu, Störgefühle loszuwerden. Das kann natürlich nicht unvermittelt geschehen, aber innerhalb der Zeit, die wir dafür brauchen, können wir einige Resultate erwarten. Durch die Übungen wie die Verbeugungen, Diamantgeist und Mandala-Schenkungen reinigen wir negatives Karma und sammeln viel Verdienst an. Indem wir unsere negativen Gewohnheiten entfernen, verbessern wir unsere Denk- und unsere Handlungsweisen im Leben. Deswegen ist es gut, wenn Lehrer die Schüler ermutigen, viel die Grundübungen zu praktizieren. Wie schnell die Resultate dann kommen, ist vom Einzelnen abhängig.

Stimmt es, dass man allein durch die Praxis der Grundübungen Verwirklichung erlangen kann?

Ngöndro bedeutet in Tibetisch "Vorbereitung" und ist so per Definition eine Grundübung, die uns für tiefere Methoden vorbereitet. Unser Ngöndro heißt auch Mahamudra-Ngöndro. Durch diese Praxis sammeln wir viel Verdienst an und entfernen viele Hindernisse von negativem Karma. Es verbessert unsere Handlungen und Denkweisen. Mit dieser Grundlage sind wir dann bereit für tiefere Übungen, welche in unserer Linie das Große Siegel und die Sechs Übungen von Naropa sind. Für jemanden, der bereits einige Resultate in seiner Praxis bekommen hat, ist es möglich, durch die Praxis der Grundübungen Realisation zu erlangen, was in diesem Falle die Ebene des Mahamudra einschließt.

Sollte man die Grundübungen schnell machen oder sich mehr Zeit nehmen?

Es ist gut, sich mehr Zeit zu nehmen, ganz bestimmt. Wir sollten uns mehr Zeit nehmen.

Stimmt es, dass auch du eine kurze Form der Grundübungen praktiziert hast?

Ja, das habe ich.

Was ist der Grund dafür? Es dürfte ja nicht nötig sein, Reinigung usw. zu machen...

Der Grund dafür, dass ich sie gemacht habe, war eigentlich, dass ich die Übertragung der Sechs Übungen von Naropa erhalten sollte. Eine Bedingung dafür ist, dass man erst die Grundübungen vollendet hat. Ich hatte keine Zeit für ein volles Ngöndro und machte deswegen eine Kurzform. Verbeugungen und Guru-Yoga mache ich weiterhin.

Unterstützt du es, wenn Leute die Grundübungen mehrmals machen?

Ja, sehr. Und gleichzeitig mit anderen Praktiken, die man nach der Vollendung des ersten Ngöndros macht.

Was verstehst du unter "Freiheit"?

Wenn wir im Buddhismus von Freiheit sprechen, meinen wir frei sein von Störgefühlen - das ist Freiheit.

Was bedeutet das Wort "Lama"?

Wir verwenden das Wort "Lama" für jemanden, der viel mehr Erfahrung als ein Anfänger hat, also einen Schritt voraus ist.


Das Interview führte Hannah Nydahl. Die Fragen wurden von verschiedenen
Redaktionen der internationalen Ausgaben der "Buddhismus Heute" gestellt.

Aus dem Englischen von Claudia Knoll und Detlev Göbel