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BUDDHISMUS HEUTE
Aus: Buddhismus Heute Nr. 36, (Herbst 2003)

Lama, Yidam, Dakini & Schützer

Von Professor Sempa Dorje

LAMA

Das tibetische Wort "Lama" hieß in Sankskrit "Guru", und die wörtliche Bedeutung davon ist "schwer". Dies ist nicht im physischen Sinne gemeint, sondern so, dass der Guru insofern "schwer" ist, dass er viele Qualitäten besitzt. Der Guru verkörpert Qualitäten, die er zuvor selbst verwirklicht hat. Deswegen ist er jemand, auf den der Schüler sich stützen und dem er vertrauen kann.

Bei diesen Qualitäten geht es nicht nur um die Menge an Belehrungen, die der Guru kennt, sondern vor allem darum genau zu wissen, was dem Schüler nutzen wird. Der Guru ist fähig, den Schüler in passender Weise zu lehren, zu inspirieren und auf dem Weg anzuleiten. Er lehrt nicht etwas, was den Schüler verwirrt und ihm noch mehr Gedanken und Ideen gibt. Er kann dem Schüler Klarheit und Vertrauen geben, damit sein Weg schnell Früchte trägt.

Das tibetische Wort für den Lehrer ist "Lama". Die wörtliche Bedeutung von "La" ist etwas "Höheres", zu dem man aufschaut. Dies bezieht sich ebenfalls auf die Qualität des Lehrers, dass er nämlich jemand ist, dem der Schüler vertrauen kann.1

In den verschiedenen buddhistischen Fahrzeugen wird die Bedeutung des Lehrers etwas unterschiedlich gesehen. Es gibt ja einerseits das Theravada, das Kleine Fahrzeug, und andererseits das Mahayana, das Große Fahrzeug. Aber die allgemeine Bedeutung in beiden Fahrzeugen ist, dass der Lehrer ein geistiger Freund ist. Chandrakirti, der einer der größten buddhistischen Lehrer war, erklärte, dass der Lama die Qualität haben sollte, die Bedürfnisse des Schülers zu befriedigen. Was auch immer er auf dem Weg lernen muss, der Lama kann ihm das geben.

Zu dieser allgemeinen Qualität eines buddhistischen Lehrers kommen im Mahayana einige spezielle Qualitäten hinzu, die einen Lehrer auszeichnen sollten:

  • Der Lehrer sollte eine friedvolle Natur haben, einen ruhigen Geist. Er sollte nicht grob oder aggressiv sein.
  • Er sollte mehr wissen und mehr Qualitäten als der Schüler haben.
  • Er sollte nicht nur viel wissen, sondern auch Liebe und Mitgefühl haben und aus Mitgefühl heraus lehren.
  • Der Lehrer sollte nicht ermüden in seiner Arbeit; diese kann sehr anstrengend sein, wenn er die ganze Zeit mit den Schülern zu tun hat und sie anleitet. Der Lehrer sollte willens und fähig dazu sein.
  • Der Lehrer sollte selbst Erfahrung in Meditation und Verwirklichung haben.
  • Der Lehrer sollte fähig und bereit sein, eigene Annehmlichkeiten für die Arbeit mit den Schülern aufzugeben.

Im Mahayana gibt es den Sutra- und den Tantra-Weg. Für einen Lehrer des Tantra, des Diamantweges, sind noch mehr Qualitäten nötig:

  • Ein Lehrer der tantrischen Mittel muss selbst Geschick in diesen Methoden haben. Den Nutzen, den ein Schüler von Ermächtigungen haben kann, ist, dass sein Geist dabei reift. Das heißt, der Lehrer sollte jemand sein, der fähig ist, beim Geben von Ermächtigungen die Schüler in der richtigen Weise reifen zu lassen. Der Lehrer, der Ermächtigungen gibt und tantrische Methoden lehrt, muss in diesen Methoden und den Ritualen geschickt sein. Er muss sich mit den Mandalas auskennen, den Mantras, all den Mudras usw. - das Ganze ist eine Wissenschaft für sich.
  • Der Lehrer muss selbst Erfahrung mit den Methoden dieses Weges gemacht haben. Dann ist es für den Schüler tatsächlich möglich, in diesem Leben die Resultate der Praxis zu bekommen.
  • Ein Diamantweg-Lehrer zu sein ist eine große Verantwortung. Die Methoden des Vajrayana sind sehr kraftvoll und die Resultate kommen sehr schnell. Deswegen muss der Lehrer sehr vorsichtig sein, denn wenn er etwas falsch macht, können auch die Resultate ziemlich dramatisch sein.

All diese Qualitäten und Definitionen eines Lehrers sind heutzutage schwer zu erfüllen; das alles ist eher etwas aus früheren Zeiten. Die sehr tiefgründigen Methoden des Diamantweges können heutzutage nicht mehr so leicht praktiziert werden, weil es schwierig ist, die richtige Sorte von Lehrer und Schüler zu finden. Dies ist nicht der Fehler des Lehrers oder der Schüler, sondern hat einfach mit den Zeiten zu tun, in denen wir gerade leben.

Ihr mögt euch jetzt vielleicht sagen: "Okay, dann vergesse ich es besser". Aber so soll man dann wiederum auch nicht denken. Es ist zwar schwierig all diese Qualitäten heutzutage zu finden, aber trotzdem ist es gut für uns die Praxis zu machen. In beiden Wegen innerhalb des Mahayana ist es wirklich wichtig - und dann auch ausreichend, wenn der Schüler sehr starkes und stabiles Vertrauen und Hingabe hat und sein Geist sich nicht ändert. Der Lehrer sollte fähig sein, den Schüler in sehr klarer Weise anzuleiten und keine Fehler zu machen. Er muss auch völlig von Liebe und Mitgefühl motiviert sein. Wenn diese Bedingungen zusammenkommen, dann wird die Praxis gut sein. Das soll aber nicht heißen, dass von dem Schüler blinder Glaube verlangt wird. Er muss schon genau wissen, was er tut. Er muss den Dharma lernen und verstehen und dann Vertrauen in die Lehren fassen. Der Lehrer sollte seinerseits wissen, was er lehrt - es muss auf Wissen, Erfahrung und Praxis beruhen und fehlerfrei sein. Es ist ganz wichtig, dass die Verbindung zwischen Lehrer und Schüler intakt bleibt. Es sollte keine gebrochenen Bände zwischen ihnen geben, das ist eigentlich das Allerwichtigste. Dafür ist es wichtig, dass die Rede des Lehrers rein ist, dass der Geist des Schülers rein ist und dass der Dharma rein ist. Heutzutage ist es aber nicht so einfach, eine reine, korrekte Rede zu finden. Es ist auch nicht leicht, einen Geist ohne Störgefühle und 100% korrekte Belehrungen zu finden. So kommen wir hier also wieder auf den Punkt zurück, wie extrem wichtig Vertrauen von Seiten des Schülers und Mitgefühl von Seiten des Lehrers ist und dass der Lehrer den richtigen Weg kennen muss. Unter diesen Bedingungen ist die Verbindung in Ordnung und das Band wird gehalten.

Um ein Beispiel zu geben: Wenn jemand ein gutes Essen zubereiten möchte, müssen viele Bedingungen zusammenkommen, damit etwas Wohlschmeckendes dabei herauskommt. Aber wenn die richtigen Zutaten da sind, dann kann selbst jemand, der kein Experte ist, ein anständiges Essen machen, das man gut essen kann und das vielleicht auch noch lecker ist.

YIDAM

Was wir in Tibetisch "Yidam" nennen, wird oft als "Gottheit" übersetzt. Es gibt weltliche und nichtweltliche Gottheiten, und in allen Kulturen findet man fünf Kategorien von solchen Wesen, zu denen man aufblickt.

Die erste ist jemand in einer hohen Position in einem Land, zum Beispiel ein König oder Minister. Jeder respektiert so eine Person und betrachtet sie als Autorität. Es gibt viele Länder, in denen die Könige fast wie Götter verehrt werden.

Dann gibt es Traditionen, in denen Lehrer aufgrund ihrer Fähigkeiten wie Götter gesehen und behandelt werden.

Es gibt auch Naturgötter. In manchen Ländern glauben die Leute, dass die Bäume Götter sind oder dass das Wasser ein Gott ist usw. Es gibt viele Stellen auf der Welt, wo die Leute diese Art von Göttern verehren.

Es gibt Götter als eine Existenzform in der bedingten Welt. Man kann als ein Gott wiedergeboren werden, in einem der verschiedenen Paradiese in den Götter-Bereichen.

Es gibt eine fünfte Art von "Gott", das "Vollkommen reine Wesen". Dies betrifft die Buddhas, die erleuchteten Wesen, auch die verschiedenen Buddha-Aspekte wie Liebevolle Augen, Manjushri usw. - eben die Yidams.

Ich will hier nicht andere Religionen kritisieren, aber tatsächlich werden all die verschiedenen Hindu-Götter wie Ishvara, Vishnu usw., auch der christliche Gott oder Allah, nicht als vollkommen rein angesehen. Sie gehören in die Kategorie der weltlichen Götter. Wenn wir im Zusammenhang von "Lama, Yidam, Dakini und Schützer" über Gottheiten sprechen, dann sehen wir die Yidams als "Vollkommen perfekte Gottheiten". Was bedeutet das? Sie haben keine Fehler und alle Qualitäten sind verwirklicht. Im Falle der weltlichen Götter trifft das nicht zu, denn sie haben innere Probleme, kämpfen miteinander usw. Die vollkommen perfekten Gottheiten sind jedoch völlig jenseits davon. Sie haben keinerlei Störungen, keine Fehler und alle Qualitäten sind voll herangereift.

Ein Yidam ist ein Buddha-Aspekt, der den Schüler zur vollen Erleuchtung bringen kann. Das Ziel des Schülers ist das Erreichen dieses Zustandes voller Perfektion, und durch den Buddha-Aspekt kann er das Ziel erreichen. Das Wort "Yidam" (in Sankskrit "Ishta- Deva") selbst beschreibt eigentlich diesen Prozess. "Yi" bedeutet "Geist" und bezieht sich auf den Geisteszustand des Schülers, nämlich dass er den Wunsch hat Erleuchtung zu erlangen. "Dam" ist eine Art Versprechen dafür, und der Buddha-Aspekt hilft ihm zur Erleuchtung. Es besteht also eine Art Verpflichtung zwischen dem Schüler und dem Buddha-Aspekt, wodurch Erleuchtung ermöglicht wird.

Nehmen wir das Beispiel, der Yidam sei Dorje Chang. Der Schüler wünscht dann, den Zustand von Dorje Chang zu erlangen. Dieser Geisteszustand des Schülers ist das "Yi". Das "Dam" ist das Versprechen, das der Schüler gibt, den Zustand von Dorje Chang zu erlangen. Das Objekt seines Geistes ist also Dorje Chang - er verspricht, dessen Ebene zu erlangen.

In den verschiedenen Tantra-Klassen - Kriya-, Charya-, Yoga- und Anuttarayoga-Tantra - gibt es viele verschiedene Yidams, aber sie sind alle Yidams in dem Sinne, wie es gerade erklärt wurde, und alle sind gleich gut zu praktizieren. Es gibt männliche und weibliche Yidams, aber auf der Ebene des Wahrheitszustandes (Dharmakaya) kann man nicht von "männlich" und "weiblich" in der Weise sprechen, wie wir es normalerweise tun. Es hat hier eine andere Bedeutung. Hinsichtlich ihrer Qualitäten sind alle Yidams gleich, unabhängig davon ob sie männlich oder weiblich sind oder zu welcher Sorte von Yidams sie gehören. Die Auswahl des Yidams ist vom Schüler abhängig. Zu einigen Yidams wird man sich besonders hingezogen fühlen, zum Beispiel ziehen es einige vor, auf weibliche Buddhas wie Dorje Phagmo, Drölma usw. zu meditieren, andere bevorzugen männliche Buddhas wie Kalachakra, Manjushri oder Dorje Chang. Es gibt hier überhaupt keinen Unterschied hinsichtlich der Qualitäten der Yidams. Die Schüler wählen jeweils einen Yidam, der zu ihnen passt, und die Verwirklichung ist bei allen Yidams immer dieselbe.

Das Wichtige bei der Praxis auf einen Yidam ist, den richtigen Yidam zu wählen. Das ist nicht etwas, was beiläufig geschieht, wie zum Beispiel, dass man heute den einen Yidam mag und morgen nicht mehr und sich einen anderen wählt. Das geht nicht, denn wenn man so auf die Yidams praktiziert, bekommt man die Resultate nicht. Die Auswahl des Yidams ist etwas sehr Bewusstes, und man macht es zusammen mit dem Lehrer. Es gibt verschiedene Wege herauszubekommen, welcher Yidam für eine Person passt. Wenn es in der richtigen Weise gemacht wird, dann kommen auch die Resultate.

Es ist auch wichtig zu wissen, dass der Yidam nicht nur die Form des Buddhas ist. Tatsächlich beinhaltet er alles Mögliche, wie beispielsweise das Mantra und die Keimsilbe, man kann das nicht voneinander trennen. Das Mantra selbst kann der Yidam sein, ebenso die Keimsilbe. Jeder Yidam hat ein ihm entsprechendes Mantra und eine ihm entsprechende Keimsilbe, die zusammengehören. Wenn das nicht zusammenkommt, gibt es keine Verwirklichung. Wir sollten den Yidam auch nicht als etwas Äußeres ansehen, was uns von außen die Verwirklichung gibt. Der Yidam ist eher etwas, was wir in unserem Geist zum Leben erwecken müssen.

DAKINI UND SCHÜTZER

Der Lama zeigt uns den Weg und der Yidam ist der eigentliche Weg, das, was wir praktizieren und verwirklichen. Die Dakas, Dakinis und Schützer sind diejenigen, die uns auf dem Weg helfen. Wenn zum Beispiel unser Yidam Dorje Chang ist, dann gibt der Lehrer uns die Unterweisungen dazu und wir meditieren dann auf Dorje Chang. Die Dakas und Dakinis helfen uns, Dorje Chang zu verwirklichen, die Meditationsresultate zu bekommen.

Die Dakas sind männlich, die Dakinis weiblich, und es gibt hier jeweils zwei Sorten, nämlich weltliche und nicht-weltliche Dakas und Dakinis. Die weltlichen sind im Allgemeinen so etwas wie männliche und weibliche Dämonen. Sie müssen nicht erschreckend aussehen, aber es sind schädliche und störende Energien. Sie sind weltlich in dem Sinne, dass sie zornig werden können und einem dann schaden. Bis zu einem gewissen Punkt können sie einem helfen, aber nicht vollständig, sie können uns nicht jenseits des Weltlichen führen. Wenn sie unzufrieden sind, können sie sich auch gegen einen wenden.

Die nicht-weltlichen Dakas und Dakinis sind diejenigen, die uns zu einer Ebene von Befreiung und Erleuchtung helfen. Die Dakas helfen vor allem äußere Hindernisse zu beseitigen. Hauptaktivität der Dakinis ist es, die innere Verwirklichung zu entwickeln. Dies sind die jeweiligen Schwerpunkte in der Aktivität der Dakas und Dakinis, aber im Allgemeinen beseitigen beide sowohl äußere als auch innere Hindernisse. Was bedeutet es, dass die Dakinis innere Verwirklichung entwickeln? In der Diamantweg-Praxis ist Verwirklichung der Prozess der Umwandlung von Störgefühlen. Die Essenz der Störgefühle ist Weisheit, und man erlangt diese, indem man die Natur der störenden Emotionen erkennt. Diese Erkenntnis geht einher mit dem Gefühl von Freude.

Die Hilfe, die man hier durch die Aktivität der Dakinis bekommt, ist insbesondere, dass die mit Freude verbundene Erkenntnis der Weisheitsnatur verstärkt wird. Die Dakinis helfen in der Weise, dass sie dem Praktizierenden ermöglichen durch Sinnesobjekte den Zustand von Freude zu erlangen, der der Erkenntnis von Weisheit innewohnt.

Aus diesem Grunde sind es in der Tantra-Praxis immer die Dakinis, die als Göttinnen Geschenke bringen. Sie bringen all die verschiedenen Arten von Sinnesobjekten, die wir in der Praxis schenken. Man wird hier nie Dakas in dieser Funktion sehen, es sind immer Dakinis. Durch das Wahrnehmen der verschiedenen Objekte - durch Sehen, Riechen, Schmecken, Fühlen, Hören - werden uns von den Dakinis die verschiedenen Arten von Sinnes-Genüssen gegeben. Dies ist ihre Methode um uns zur Befreiung zu helfen. In ähnlicher Weise gibt es die Kategorien der männlichen und weiblichen Schützer. Auch hier ist es so, dass die männlichen Schützer vor allem äußere Hindernisse beseitigen und die weiblichen Schützer uns zu den verschiedenen Arten von Verwirklichung helfen. Sowohl Dakas und Dakinis als auch männliche und weibliche Schützer sind wie Freunde auf dem Weg zur Befreiung.

Ganz gleich, ob ein Praktizierender dem Sutra oder dem Tantra folgt, so muss er im Allgemeinen verstehen, wie seine derzeitige Situation ist und was er eigentlich erlangen will. Wir müssen die Unzulänglichkeiten in unserer gewöhnlichen Existenz und die Qualitäten des erleuchteten Zustandes erkennen und dann den Pfad praktizieren, der uns zu diesem perfekten Zustand führt. Die Lehren Buddhas werden uns definitiv dorthin führen.

Es ist wichtig, das wir in der richtigen Weise verstehen, dass es in unserer normalen Existenz Fehler gibt. Hier geht es nicht um etwas Äußeres, sondern darum, dass die Wurzel unserer Probleme in unseren Störgefühlen liegt und gegen die muss man etwas tun. Hier liegt die Ursache für alle Probleme und deswegen müssen wir uns darauf konzentrieren. Es ist nicht buddhistisch immer so zu reden, dass er oder sie schlecht wären, also immer nach außen zu projizieren und andere Leute zu beurteilen. Das ist definitiv nicht die Weise irgendetwas zu ändern, denn die Ursache unserer Probleme sind immer die Störgefühle. Dies ist die grundlegende buddhistische Denkweise.


FRAGEN:

Was ist der Unterschied zwischen Yidams und Schützern?

Es ist wie der König und der Bodyguard des Königs, in diesem Sinne. Die Schützer sind diejenigen, die die schützende Aktivität der Yidams ausführen.

Können Sie ein Beispiel für weltliche Dakas und Dakinis geben?

Es ist das, was wir sonst "Geister" nennen. Sie können sich zwar auch unter Menschen finden, aber meistens reden wir von den nicht-menschlichen. Die Art von Schaden, die sie zufügen können, ist, dass sie Krankheiten und Probleme bringen.

Wie wählt man einen Yidam?

Die Hauptsache ist, wo das stärkste Interesse bei einem liegt. Wenn manche Leute zum Beispiel "Liebevolle Augen" sehen oder von ihm hören, dann spüren sie spontan starkes Vertrauen und Hingabe, aber nicht bei anderen Yidams. Es hängt vom eigenen Verhältnis zu den verschiedenen Yidams ab, wo die stärkste Verbindung ist.

Wenn man einen der Yidams besonders mag und den starken Wunsch spürt ihn zu praktizieren, dann kann dies ein Zeichen für eine eventuelle frühere Verbindung zu diesem Yidam sein. Das bedeutet, dass man gute Fortschritte machen wird, wenn man ihn praktiziert.

Wie ist in diesem Zusammenhang Guru-Yoga-Praxis, in der man auf den Lama als Yidam meditiert, zu sehen? Z.B. die Meditation auf den 8. Karmapa?

In der Diamantweg-Praxis kann man auf den Lama meditieren, wobei Lama und Yidam dann nicht verschieden sind. Wenn man Guru-Yoga praktiziert, dann ist der Lama der Yidam, es gibt keinen Unterschied mehr. Es ist ein sehr schneller Weg, man kann leicht und schnell Resultate bekommen. Wenn man auf den Lama als Yidam meditiert, dann ist der Lama nicht eine Person. Er ist kein menschliches Wesen, das isst und herumläuft. Man sollte den Lama wirklich auf der Ebene des Yidam sehen. Im Allgemeinen sollte der Lama nicht zu sehr als Person gesehen werden, aber insbesondere in der Praxis des Tün Shi Lame Naljor, der Meditation auf den 8. Karmapa, ist das sehr wichtig.

1.) Anm. des Übersetzers: "Ma" heißt Mutter, in dem Sinn, dass er soviel Mitgefühl für alle Wesen hat wie eine Mutter für ihr eigenes Kind.


Aus dem Tibetischen von Hannah Nydahl, aus dem Englischen von Detlev Göbel und Claudia Knoll

Prof. Sempa Dorje
Wurde in der Nähe von Ladakh geboren und studierte als junger Mann in einem Kloster in Tibet. Nach der Invasion durch die Chinesen musste er das Land verlassen, ging nach Indien und lebte lange Zeit in Varanasi. Er lehrte dort Buddhismus und andere Bereiche an der grossen buddhistischen Universität. Nachdem er in den Ruhestand getreten war, zog er mit seinen Söhnen nach Kalimpong, wo er der Hauptlehrer des 17. Gyalwa Karmapa Thaye Dorje wurde. Professor Sempa Dorje gilt als einer der grössten buddhistischen Gelehrten unserer Zeit. Er wird einer der Hauptlehrer der neu erbauten buddhistischen Universität in Kalimpong werden und wurde im März 2003 von Lama Ole Nydahl in die Zentren im Westen eingeladen.