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BUDDHISMUS HEUTE
Aus: Buddhismus Heute Nr. 32, ( 2001)

Expo 2000

Von Sören Hechler

Auf die Frage „Wie war die Expo?", bin ich immer zunächst einmal sprachlos. Nicht etwa, weil ich nichts zu erzählen hätte, sondern weil mich die Flut an Eindrücken, die durch mein Hirn schwappen überwältigt und ich alles erst einmal in eine geordnete Reihenfolge bringen muss, um sie überhaupt erzählen zu können. Manchmal gelingt es mir sogar! Um wirklich alles zu beschreiben, wäre wohl ein Buch von nicht geringer Stärke erforderlich. Ich versuche aber hier auf ein paar Seiten Ereignisse zusammenzupressen, die wohl ein weiterer Meilenstein für das Wachstum der Karma-Kagyü-Linie in Deutschland waren.

 

Mein Name ist Sören, ich bin 28 Jahre alt und wohnhaft in Hannover. Ich selbst sehe mich als Dirigent eines Orchesters von Freunden, die es gemeinsam geschafft haben, durch großen persönlichen Einsatz etwas zu erreichen, wofür man normalerweise Monate der Vorplanung, einen großen Organisationsapparat und jede Menge Helfer gebraucht hätte. Mit der Zusammenarbeit auf der Expo haben wir Kagyüs (wieder einmal) bewiesen, dass wir mit unserer Arbeitsweise von Freundschaft und Vertrauen unschlagbar sind und viel, viel erreichen können.

Die Expo! Jeder wusste, dass sie kommt, aber keiner was sie bringen wird und was man von ihr erwarten konnte. In Hannover gab es innerhalb unserer Sangha schon vor Jahren Planungen, um sich auf der Expo zu präsentieren. Mangels Geld, Informationen, Einfluss und der richtigen Strategie verliefen sie jedoch im Sand. Alles entwickelte sich dann erst, als die Expo schon lief. Initiator war, wie so oft bei uns, Caty Hartung. Sie erhielt in Wuppertal ein Plakat von einer der vielen (nicht von uns organisierten) buddhistischen Veranstaltungen, die die Expo begleiteten und fand, dass wir auch daran teilnehmen sollten.

Durch die Vorbereitungstreffen für den ebenfalls in Hannover stattfindenden DBU-Kongress, an dem wir uns in diesem Jahr unterstützend beteiligt haben, kannte ich den Organisator der Veranstaltung - Frank, ein deutscher Mönch in der vietnamesischen Pagode Vien Giac - und vereinbarte ein Treffen mit ihm. In der Pagode, die etwa 300 Meter vom Expogelände entfernt liegt und in der während der Expo viele Veranstaltungen stattfinden sollten, sprachen wir also über die vielen Möglichkeiten, die uns von Frank angeboten wurden, uns an den Veranstaltungen zu beteiligen. Er erzählte mir von einem Stand auf dem Bhutan-Pavillon und dass der nepalesische Pavillon demnächst Meditationen anbieten wollte und dafür noch westliche buddhistische Gruppen sucht. Ich vereinbarte daraufhin ein Treffen mit dem Pavillon-Manager Herrn Amrit Shakya.

Irgendwie war mir schon klar, dass die Expo insgesamt eine große Sache werden würde, doch so richtig begriffen habe ich das erst, nachdem die Expo immer mehr Möglichkeiten, Wege und erreichbare Ziele aufzeigte. Anfangs bin ich eher zögerlich an Lama Ole, Caty und unsere Rechtsanwälte Andi und Ellen herangetreten. Da sie mir aber immer wieder zu verstehen gegeben haben, dass ich „machen" soll und dass sie mir vertrauen, habe ich mich in die Rolle des Organisators gefügt. Ein größeres Geschenk für meine Entwicklung hätte ich nicht von ihnen bekommen können!

Ein Meditationskurs auf dem Nepal-Pavillon - was braucht man dafür? Ich war schnell bei 1001 Gedanken und musste abwägen zwischen machbar und nicht machbar. Nach einiger Zeit formte sich ein funktionsfähiges Konzept. Ausgehend davon, dass wir umso mehr auf der Expo erreichen können je besser unsere Arbeit ist, und es an uns liegt, die Bedürfnisse unserer Gastgeber so gut wie möglich zu befriedigen, bin ich mit der Zeit unserer buddhistischen Lehrer ziemlich großzügig umgegangen. Ich bestellte sie einfach immer für den gesamten Tag, in der Hoffnung, dass wenn das Programm sie nicht die ganze Zeit fordert, sie schon ihren Spaß auf der Expo haben werden.

Ich fing an zu telefonieren: Zunächst die Marschroute von Lama Ole bestätigen lassen, dann die ersten Lehrer anrufen und fragen, ob sie Zeit haben. Sie hatten alle, als sie hörten worum es ging und dass Ole seinen ganzen Segen auf das Projekt legt. So konnte ich für die Anfangswoche im Juli bereits die ersten Termine mit in die Besprechung nehmen.

Der Pavillon-Manager Herr Shakya und der Pavillon-Direktor Herr Sha waren recht angetan von meinem Vorschlag, dass wir alles für sie organisieren und sie nur die Reisekosten für die Lehrer übernehmen sollten. Sie baten um zwei Tage Bedenkzeit, in denen ich dann auf dem zu dem Zeitpunkt stattfindenden Phowa-Kurs bei Kassel die noch offenen Termine mit Lehrern füllen konnte, die ich reichlich in Kassel vorfand. Beim zweiten Treffen mit Herrn Shakya und Herrn Sha stimmten sie meinem Vorschlag zu, gaben mir aber zu verstehen, dass sie für die Reisekosten kein Geld erübrigen könnten und stattdessen eine Spendenkasse aufstellen würden. Es wurde vereinbart, am 8. Juli 2000 mit dem Programm zu beginnen und es Ende des Monates auslaufen zu lassen. An diesem ersten Termin war der buddhistische Lehrer Didi Rowek am Start.

Am 7. Juli fuhren wir Lopön Tsechu Rinpoche vom Kassel-Kurs nach Hannover auf die Expo. Wir besuchten mit ihm den Nepal-Pavillon, den mongolischen Pavillon und den Bhutan-Pavillon, auf dem sich unter anderem dadurch später unsere zweite große Möglichkeit eröffnete.

Am nächsten Tag war es dann soweit: Nach den Einweihungen von Rinpoche und einem „Blitz-Segen" fuhren Didi und ich vom Kurs in Kassel zur Expo. Was an diesem Tag alles geschah, würde in detaillierter Form wohl allein schon einige Seiten füllen. Es ist auch recht schwierig, die gesamten Umstände zu beschreiben, aber eigentlich reicht ein Wort aus: Chaos! Ständig wechselten die Wünsche unserer asiatischen Gastgeber und ich musste versuchen, sie schnellstens zu erfüllen und gleichzeitig noch unsere Interessen so gut wie möglich zu bewahren.

Und hier nun unser erster Lehrer - Didi! Freudig und geduldig nahm er jede spontane Änderung seines Arbeitsfeldes hin und versuchte sich so gut wie möglich den Umständen anzupassen. Es war vereinbart, jede volle Stunde für 30 Minuten Einführungen in den Buddhismus zu geben mit Informationen über Buddhas Weg, Mittel und Ziel und einer anschliessenden Meditation. Zunächst sollte dies im oberen Teil des Pavillons stattfinden, später dann draußen auf dem Rasen. Durch die Bekanntgabe des Programmes in der Expo-Zeitung und Didis direkte Ansagen an die Leute, wurde der Raum jedesmal mit 25 - 30 Personen gefüllt. Zwischen den Einführungen betätigte sich Didi dann freiwillig als Führer für den Pavillon und wurde sogleich von Herrn Shakya als Guru nach Nepal eingeladen, um dort Touristen zu führen. Niemals werde ich die Szene vergessen, wo Didi draußen auf dem Rasen mit etwa neun Leuten bei strömenden Regen, gegen die laute Musik vom nachbarlichen Bayern-Zelt mit krächzender Stimme ankämpfend, hochkonzentriert eine Karmapa-Meditation abhält.

Wieder zurück in Kassel fing die Planungsmaschinerie wieder an zu arbeiten. Es war klar, dass die wechselnden Umstände auf dem Pavillon auf Dauer nicht tragbar waren. Meditation im Regen ist einfach nicht professionell und entspannend. Auch mussten schleunigst Mikro und Verstärker besorgt werden, denn Didis Stimme war nach dem ersten Tag schon angeschlagen. Ich besprach mit Herrn Shakya unseren Wunsch, einen festen Platz zur Durchführung des Meditationsprogrammes zu bekommen, und wir einigten uns darauf, dass wir im überdachten Mittelteil des Pavillons meditieren können. Erstmals wurden auch feste Anfangszeiten vereinbart mit Meditationen von jeweils 30 Minuten. Wir organisierten Decken und Sitzkissen, einen Verstärker, ein paar Buddha-Statuen und Blumen und schon hatten wir einen annehmbaren Rahmen, zu dem jeweils 50 bis 150 Besucher kamen.

Die Betreuung unseres „Expo-Standes" übernahmen Mitglieder der Hannover Sangha. Ihre Aufgabe war, den Stand auf- und abzubauen, sowie die Lehrer bei ihren Vorträgen zu unterstützen. In den 22 abgehaltenen Meditations-Tagen haben wir wohl etwas mehr als 12 000 Menschen erreicht.

Eines der schönsten Erlebnisse war es auch, all unsere buddhistischen Lehrer hintereinanderweg erleben zu dürfen, jeder mit seinem eigenen Stil den Vortrag zu gestalten und die Leute zu berühren. Gerd Boll und Friedel Kremer möchte ich an dieser Stelle stellvertretend für alle Lehrer erwähnen.

Gerd konnte einfach bei dieser großen Möglichkeit, Menschen zu erreichen nicht einsehen, nur alle zwei Stunden einen Vortag zu halten und gab fleißig den ganzen Tag halbstündige Belehrungen - und verteilte unsere „Buddhismus Heute"-Prospekte, was uns eigentlich untersagt war. Am selben Tag bin ich auch gleich angemahnt worden, dass wir uns an unsere Vereinbarungen zu halten haben. Den Ärger habe ich aber irgendwie gerne auf mich genommen.

Friedel kam mit seinen zwei Kindern zur Expo und hat, obwohl er gleichzeitig noch Vater sein musste und die Expo mit vielerlei Lärmquellen und Ablenkungsmöglichkeiten ausgestattet war, die Menschen mit seiner Ruhe und seinen strukturierten Vorträgen in seinen Bann gezogen, so dass es häufig zu stärkerem Applaus kam.

Währenddessen mussten viele Dinge parallel auf dem Bhutan-Pavillon bearbeitet werden. Durch den Besuch von Rinpoche und unsere Verbindungen zur vietnamesischen Pagode, die bereits einen Stand auf dem Bhutan-Pavillon organisiert hatte, zeigten sich für uns auch dort viele Möglichkeiten auf. Es wurde beschlossen, unsere „Buddhismus Heute"-Broschüre so umzugestalten, dass sie als Information zum Thema Buddhismus für den Bhutan-Pavillon akzeptabel war. Ich versuchte durch mehrfache Besuche und Gespräche mit dem Pavillon-Manager Herrn Künsang, seine Wünsche diesbezüglich in Erfahrung zu bringen und übermittelte sie an Ole und Caty. Maggy Kossowski stand mir mit Rat und Tat zur Seite und unterstützte mich mit Hintergrundinformationen.

Dadurch, dass für einige Staaten Asiens die Karmapa-Kontroverse ein politisches Thema ist, mussten wir zum Beispiel Informationen über den 17. Karmapa Thaye Dorje aus dem Prospekt nehmen, und aus anderen Gründen ein Foto von Ole und Hannah durch eins von Lopön Tsechu Rinpoche ersetzen.

Diese ganzen Umgestaltungsprozesse nahmen soviel Zeit in Anspruch, dass wir erst Mitte des Monates August anfangen konnten, unsere Prospekte auszulegen. Am ersten Tag wurden wir gleich mehrere Tausend los und ich wollte gerne wissen, wie die Broschüren denn bei den Besuchern ankamen. Der einzige Maßstab, der mir zu diesem Zeitpunkt einfiel, ohne den einzelnen Expobesucher mit meinen Fragen zu verschrecken, war, die Mülleimer im näheren Umfeld zu überprüfen: In zehn Mülleimern fand ich nur eine Broschüre! Das erzählte ich Ole und soweit ich gehört habe, hat er ab und an in seinen Vorträgen das „Mülleimermaß" erwähnt. Vielleicht sollte ich diesen Begriff aber lieber nicht etablieren, sondern nur darauf hinweisen, dass wir insgesamt mehr als 500.000 Broschüren auf der Expo verteilt haben!

Damit die Ausgabe unserer Broschüren reibungslos vonstatten ging, brauchte ich wieder Helfer aus unserer Sangha. Es gab dabei zwei Probleme! Vom Bhutan-Pavillon bekam ich nicht, wie von den Nepalis, genügend Expo-Tagesausweise für die Hannover Sangha (jeder hätte somit 69 DM am Tag zahlen müssen, um überhaupt auf das Expo-Gelände zu kommen), sondern nur zwei feste Akkreditierungen für den gesamten Zeitraum der Expo. Das brachte mich zum zweiten Problem.... wer hat soviel Zeit? Ich bat Caty, eine Rundmail an alle Zentren schicken zu dürfen und sie schrieb mir sofort zurück, dass sie bereits jemanden hätte. Konrad Schreyer aus Stuttgart war bereit, mir für fast die gesamte Zeit zu helfen. In einer Woche sollte er bei mir, aus Bulgarien kommend, eintrudeln. Bis dahin musste die Hannover Sangha halt in den sauren Apfel beißen und löhnen, um auf der Expo arbeiten zu können.

Als Konrad bei mir ankam, konnte er mir gleich, noch bevor er seine Sachen auspacken konnte, helfen die Paletten mit unseren Broschüren in den Keller zu tragen, die jeweils immer pünktlich von der Firma Uhl aus dem Allgäu angeliefert wurden. Nachdem Konrad sich auf dem Bhutan-Pavillon eingearbeitet hatte, stellten wir schnell fest, dass diese Arbeit nicht von zwei Leuten zu erledigen war, zumindest nicht, wenn man sich noch ein wenig um sein tägliches Leben und tausend andere Dinge auf der Expo kümmern muss.

Also beschloss ich doch, das besagte Rundmail an die Zentren zu schicken, um noch irgendwo einen Helden aufzutreiben, der uns helfen könnte. Ein paar Tage später meldete sich dann Karl Moser aus Langenhorn. Eigentlich befand er sich in Lern-Zurückziehung, aber er war sofort Feuer und Flamme und nachdem er sich seinen Segen von Ole für seinen Einsatz abgeholt hatte, sollte er unser dritter Mann sein. Ob man es glaubt oder nicht, aber er hat sich jeden Tag, den er auf der Expo war, einmal bei mir dafür bedankt, dass er an dieser Aufgabe mitwirken durfte, mit der größtmöglichen Ernsthaftigkeit!

Und so standen wir abwechselnd tagein, tagaus, von 9 Uhr bis 22 Uhr auf dem Bhutan-Pavillon, legten unsere Broschüren nach, beantworteten Fragen der Besucher zum Buddhismus und betreuten zusätzlich noch den Stand der Pagode. Täglich versuchten wir unsere Arbeit ein wenig besser werden zu lassen. So arbeiteten wir zum Beispiel zusammen mit Frank eine ansprechende Stellwand für die Besucher aus.

Da ich mich mehr auf das Organisatorische beschränkte und einige Arbeiten an kompetentere Leute als mich verteilte, kann ich an dieser Stelle mal ein wenig meinen „Organisations-Stab" vorstellen, der sich im Laufe der Zeit herauskristallisierte. Holm Ay aus Berlin, Ingo Ogertschnig aus Hannover und Ariane Cohrt aus Hamburg.

Ariane hatte einen schweren Stand mit Frank und mir, denn sie sollte innerhalb von kürzester Zeit die Info-Stellwand erstellen, und ständig kamen wir mit Änderungswünschen. Kurz vor ihrem Urlaub schaffte sie es, gerade noch fertig zu werden. Diese Stellwand, auf der die Vier Edlen Wahrheiten und der Achtfache Pfad in den frischen Worten von Holm erklärt und die Verbreitungsgebiete von Theravada-, Mahayana- und Vajrayana-Buddhismus aufgezeigt wurden, haben mehrere tausend Menschen gesehen und gelesen.

Holm stand mir für alles zur Seite was mit Presse zu tun hatte. Schon während der Zeit auf dem Nepal-Pavillon hatte ich herausgefunden, dass es im Pressezentrum der Expo mietbare Pressefächer gab, die es uns ermöglichten, auf der Expo und darüber hinaus etwas populärer zu werden. Holm schrieb fleißig Presserklärungen für all unsere Veranstaltungen und tatsächlich kamen einige Radiointerviews und Zeitungsartikel zustande, unter anderem im NDR-Expo-Radio mit Gerd Boll und in der Bildzeitung mit Gabi Wohlfahrtstätter-Volenko. Aus dem Pressefach wurden etwa 300 BDD-Pressemappen von Journalisten mitgenommen. Auf einem Empfang von den Nepalis sprach ich mit zwei Journalisten und beide kannten den Buddhistischen Dachverband Diamantweg, was ich als Erfolg für unsere Arbeit wertete.

Ingo hat mich mit Arbeiten entlastet, wie zum Beispiel dem Erstellen von Visitenkarten, dem Auffinden der billigsten Vermietungsfirma für Stimmverstärker usw., wofür ich ihm unendlich dankbar war, denn damit hatte ich mehr Zeit, die Dinge auf dem Expogelände am laufen zu halten, meine repräsentativen Aufgaben zu erfüllen und Kontakte aufzubauen.

Auf dem Bhutan-Pavillon gab es einen Raum, der vormals mit Thangkas behängt war, die aber herausgenommen wurden, um sie vor Diebstahl zu schützen, und der jetzt leer stand. Wir fragten den Pavillon-Manager Herrn Künsang, ob wir den Raum nicht für Meditationszwecke nützen könnten, und er stimmte tatsächlich zu. Da wir in Sachen Meditationsprogramm schon einiges an Erfahrungen aufweisen konnten, sagte ich Frank, dass wir das volle Programm abdecken würden und er seine Lehrer dann nur noch in das gemachte Nest setzen müsste. Wir vereinbarten, dass beide Gruppen jeweils die Hälfte der verfügbaren Zeit erhalten sollten und dass wir, sollte ein Lehrer von Frank ausfallen, einspringen würden.
Und wieder schlug ich auf die Buschtrommeln und schnell waren alle Tage mit Lehrern gefüllt. Terminstart sollte der 13. September sein.

Fast gleichzeitig meldete sich Herr Shakya vom Nepal-Pavillon, um mir mitzuteilen, dass er an einem Neubeginn unseres Meditationsprogrammes im September interessiert wäre. Zu diesem Zeitpunkt habe ich wohl das erste mal daran gedacht, mich klonen zu lassen, um alle Aufgaben bewältigen zu können!

Den flurähnlichen Raum unterhalb des Tempels im Bhutan-Pavillon richteten wir mit einem kleinen Podest für den Lehrer ein, hinter dem ein großes Guru-Rinpoche-Thangka hing. Es war etwa für 25-30 Leute Platz, die sich entweder auf die von uns bereitgestellten Meditationskissen oder auf einige, wenige Stühle setzen konnten. Die Meditationen liefen anfangs stündlich jeweils für eine halbe Stunde, später steigerten wir wegen der großen Nachfrage auf jede halbe Stunde. Es war recht interessant, auch die Vorträge der Lehrer aus anderen Gruppen verfolgen zu können. Wir diskutierten viel über die verschiedenen Erklärungs- und Sichtweisen von Theravada-, Mahayana-, und Vajrayanabuddhismus.

Auf dem Nepal-Pavillon richteten wir wieder alles in dem gewohnten Stil ein. Herr Shakya orderte uns zwischen dem 11. und 18. September, da innerhalb dieses Zeitraumes der Nationentag Nepals auf der Expo stattfinden sollte und er wichtige Persönlichkeiten aus Nepal erwartete und zeigen wollte, dass er den Buddhismus in Deutschland durch das vorhergegangene Programm gefördert hatte. Da er diesmal auch die Vielfalt aller buddhistischen Gruppen Deutschlands vorführen wollte, vereinbarte ich mit Frank das gleiche Prinzip wie auf dem Bhutan-Pavillon. Wir organisierten alles und seine Lehrer kamen einfach zu den verabredeten Zeiten.

Während dieser Zeit wäre ich mit meinem Lehrerbedarf stark ins hintertreffen geraten, wäre nicht Karl da gewesen. Höchst freudvoll nahm er die Aufgabe an, gleichfalls auf der Expo Belehrungen zu geben, aber wieder nicht bevor er sich seinen Segen dafür von Ole abgeholt hatte.

Konrad und Karl! Gemeinsam bildeten wir in meiner Wohnung die Organisationszentrale. Wir tauschten die neuesten Informationen aus, machten Vorschläge für Verbesserungen und erzählten uns die letzten witzigen Geschehnisse von der Expo. Es war die helle Freude mit ihnen zusammenzuarbeiten, jeder mit der gleichen Motivation, viel für den Dharma zu tun und eigene persönliche Aufgaben, soweit es möglich war und darüber hinaus, zurückzustecken! Später, als Karl durch sein Studium gezwungen war wieder nach Langenhorn zurückzukehren, kam ein vierter Held hinzu, Ingo Schaff aus Osnabrück. Er fügte sich nahtlos in die Reihe der Aktivisten ein, ersetzte Karl in all seinen Funktionen, und legte dieselbe Motivation an den Tag.

Jedesmal, wenn ich an die gemeinsame Zeit zurückdenke, bin ich unglaublich stolz auf das, was wir vier und all die anderen, die auf der Expo mitgewirkt haben, geleistet haben!

Nachdem das Programm auf dem Nepal-Pavillon ausgelaufen war, konnten wir uns für die restliche Zeit voll auf den Bhutan-Pavillon konzentrieren. Zu unserer Überraschung fanden wir heraus, dass die Mongolen in ihrem Pavillon tatsächlich die „Buddhismus Heute"-Broschüren, die wir ihnen bei dem Besuch von Tsechu Rinpoche vorbeigebracht hatten, aus eigenem Antrieb auslegten. Nach einem kurzen Gespräch mit dem zuständigen Betreuer des Pavillons waren sie bereit, dies regelmäßig zu tun und wir brachten ihnen von da an alle paar Tage einige Kisten vorbei.

Der Oktober verlief dann etwas ruhiger für uns. Ole besuchte die Expo am 7. Oktober, reihte sich durch einen Vortrag auf dem Vorplatz des Bhutan-Pavillons bei Nieselregen in die Arbeit seiner hervorragenden Lehrer ein und gab abends Belehrungen in der Pagode. Am 28. und 29. Oktober fand dann der DBU- Kongress statt.

Für den 31. Oktober war das Ende der Expo angesetzt. Am Abend ließ ich es mir nicht nehmen, den allerletzten Vortrag selbst zu halten, mich stellvertretend für alle Vortragsbesucher, die wir auf 13 000 schätzten, bei den letzten Zuhörern für ihre Aufmerksamkeit und ihr reges Interesse zu bedanken und einige abschließende Worte über die Gastfreundschaft und die Großzügigkeit des bhutanesischen Pavillons zu sagen. Danach war alles vorbei und ich war traurig darüber, denn die Expo hat soviel in meinem Leben verändert und bewegt, wofür ich sonst sicherlich ein Jahrzehnt an Erfahrungen und Entwicklungsschritten gebraucht hätte.

 

Ereignisse am Rande:

Ganz wichtig ist das Fußballspiel, welches wir als Dankeschön für den bhutanesischen Pavillon am 10. September ausgerichtet haben. Es waren sechs Mannschaften daran beteiligt, die Pavillons von Bhutan, Indien und Australien, sowie die Pagode, der Fußballclub „Jedermannfußball", dessen Platz wir benutzen durften und natürlich unsere eigene Mannschaft. Harald Engel aus der Hannover Sangha hat mit seiner großzügigen Spende dieses sportliche Treffen, das zu viel Freude und einer erholsamen Abwechslung der Expo-Pavillon-Mitarbeiter führte, ermöglicht.

Der Besuch von unserem Bundespräsidenten a.D. Richard von Weizsäcker auf dem Bhutan-Pavillon, dem wir eine Pressemappe überreichten, war ein besonderes Erlebnis.

Auch der Besuch einer der vier bhutanesischen Königinnen H.M. Dorje Wangmo Wangchuk zusammen mit dem Kronprinzen H.R.H. Dasho Khesar und der Prinzessin Ashi Sonam zum bhutanesischen Nationentag wird mir unvergessen bleiben.

Spannend war auch mitzuerleben, wie Herr Shakya am nepalesischen Nationentag dem Premierminister Koirala seinen Pavillon zeigte, oder die Pressekonferenz für den nepalesischen Wirtschafts- und Tourismus-Minister, die Michael Fuchs und ich durch den Aufbau einer Leinwand für den Beamer (der dann doch nicht funktionierte) zu retten versuchten.


Sören Hechler (geb. 1972) studiert in Hannover Landschafts- und Freiraumplanung. Er nahm 1996 in Kassel bei Lama Ole Nydahl die Buddhistische Zuflucht und reiste in den folgenden Jahren mehrmals nach Russland, um dort am Aufbau der dortigen Zentren mitzuhelfen.