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BUDDHISMUS HEUTE
Aus: Buddhismus Heute Nr. 30, ( 2000)

Partnerschaft und Sexualitšt?

Von Didi Rowek

Ich war 22 Jahre alt, als ich Buddhist wurde und das erste Buch, das mir nach meiner "buddhistischen Zuflucht" in die Hände fiel, war die Lebensgeschichte von Drugpa Künleg mit dem Titel: "Der heilige Narr".

Damals sagte man mir, ich sollte zuerst etwas Einführendes über den Buddhismus lesen. Mir gefiel die Lektüre aber ganz gut. Endlich eine Religion ohne Prüderie und moralisierende Vorschriften. Und wie zeigt sich der Heilige? 5000 Partnerinnen durch die Liebe zur Erleuchtung geführt! Solche Beispiele finden sich in den Diamantwegsschulen des Buddhismus, aber sogar in ihnen sind "Verwirklicher" wie Drugpa Künleg aufgrund ihres unkonventionellen Lebenswandels ebenso umstritten wie populär gewesen. Sein Beispiel für die erleuchtenden Erfahrungen der Sexualität ist bis heute an den Stellen, die er bewandert hat, lebendig geblieben.

Auch mir als Leser seiner Biographie erschien seine freie und ungezwungene Verhaltensweise und die reine Sicht seiner Lehrgesänge als lohnendes Ziel im Leben. Dennoch brauchte ich die Belehrungen von meinem Lehrer Lama Ole Nydahl, um mir langsam klarzumachen, was es bedeutet "einem buddhistischen Weg" zu folgen.

Die buddhistische Zuflucht 

Am Anfang eines solchen Weges sucht man Mittel und Methoden, um dauerhaftes Glück zu erreichen. Verschiedene Menschen haben dabei die unterschiedlichsten Potentiale von Wünschen und Bedürfnissen. Einige suchen geistigen Frieden für sich, andere die Befreiung aller Wesen von Störgefühlen und geistigen Einengungen. Wieder andere erwarten in der Erleuchtung eine geradezu ekstatische Dauerfreude, die noch dazu völlig stabil und frei von Extremen erfahren wird.

In allen Fällen ist das Verständnis der buddhistischen Zuflucht die Basis für die gesamte weitere Entwicklung. Auch in Bezug auf Sexualität und Partnerschaft ist die Zuflucht ein grundlegend wichtiger Schritt. Gewöhnliche Menschen sehen die größte Erfüllung in der Befriedigung ihrer Wünsche. Sie nehmen Zuflucht in Autos, Geld oder ihre Partner. Untersucht man dieses Glück näher, so stellt man fest, daß es auf Sand gebaut ist. Vielerlei Faktoren, die sich ständig verändern, halten uns in Atem bei dem Versuch, es zu gewinnen oder zu erhalten. Der/die geliebte Partner(in) kann beispielsweise sterben oder sich von uns trennen etc. Bleibendes Glück kann ja nicht auf veränderlichen Faktoren basieren. Das Einzige was immer bleibt, ist der Geist, der nach Glück sucht. Die buddhistische Zuflucht erfordert und fördert ein Verständnis, daß die Quelle des Glücks im Geist selbst liegt.

Die Einstellung zur Sexualität

Aber mit diesem selben Grundverständnis haben die Wesen immer noch verschiedene karmische Hintergründe und damit auch unterschiedliche Einstellungen zu Liebe und Sexualität. Ist das Verhältnis zur Sexualität schwierig, so kann die Liebe eher auf Abstand und etwas abstrakt entwickelt werden. Daher klammert der zölibatäre Weg das Thema Sexualität aus und riegelt die Praktizierenden auf äußerer Ebene eher von der Welt ab. Ist das Verhältnis zur Sexualität leicht und unproblematisch, so sieht man in den Freuden der Vereinigung einen Zugang zu Erleuchtungs-Erfahrungen. Hier öffnen sich die traditionellen Wege der Laien und Verwirklicher. Im klassischen Buddhismus lebten die sogenannten Laien oder "Haushälter" mit Familie und festen sozialen Strukturen und lernten von- und miteinander, wie man die Nach-Meditations-Phase des täglichen Lebens für die Entwicklung eines reicheren Innenlebens verwenden kann. Die klassische Entwicklung dieses Weges nutzt eben diese festen Beziehungsgeflechte zur Entwicklung von größerer Offenheit und Freiheit.

Diejenigen Schüler des Buddha, die wenig Anhaftung verspürten und frei und ungebunden leben wollten, bekamen Ratschläge für den dritten Weg der "Verwirklicher". In ihrer Sichtweise geht es darum, "zunächst alle Wesen zu lieben, und danach vor allem den oder die eine(n) oder andere(n)" (Zitat Lama Ole Nydahl).

Die Erleuchtung entsteht jenseits von Dualität und erfährt sich selbst als strahlende unbegrenzte Offenheit. Der energetische Ausdruck dieser Erfahrung sind die sogenannten Freudenkörper der Buddhas. Nach den höchsten Erklärungen des Buddhismus vermitteln sie die Kraft und Freude der Erleuchtung durch die Vereinigung aller weiblich-männlichen Energien. Mönche, Laien und Verwirklicher können auf solche vereinigte Formen meditieren. Bei Laien und Verwirklichern können Körper und Geist auch gemeinsam bei der Praxis eingesetzt werden. Da der zölibatäre Weg im Westen fast keine Bedeutung hat und sich als wenig geeignet für unsere Gesellschaft herausgestellt hat, will ich im folgenden mehr auf Buddhas Ratschläge zu einer Sinn- und Glückbringenden Partnerschaft und Sexualität eingehen.

Nicht-erleuchtete Menschen erfahren die Welt dualistisch. Aufgrund der Trennung zwischen selbst und anderen bauen sie Karma auf. Durch diese Tendenzen im Geist verbinden sich ihre Bewußtseinsströme mal mit männlichen, mal mit weiblichen Körpern. Auch auf den Ebenen innerer Erlebnisse und Erfahrungen sind einige Menschen eher männlich-aktiv und andere weiblich-intuitiv veranlagt. Schließlich hat auch jedes Wesen ein besonderes Verhältnis zu seinem erleuchteten Potential, der Raum-Natur des Bewußtseins. Eine männliche Sicht sieht diesen Raum als unzerstörbar und strahlend wie einen Diamanten. Die Weibliche erlebt ihn als grundlegend offen und umfassend wie eine Lotusblüte. Die magnetische Anziehungskraft der Geschlechter beruht auf stark ausgeprägten männlichen oder weiblichen Eigenschaften. In Verbindung mit gutem Karma entsteht Liebe daraus, das heißt der Wunsch den anderen glücklich zu machen. War die Diamantwegszuflucht der Ausgangspunkt unseres buddhistischen Weges, so liegt der Sinn von Partnerschaft und Sexualität im Entwickeln der sogenannten vier "unermeßlichen Zustände". Vom ersten Verliebtsein über die vielen Ebenen der Begegnung bis zur Erkenntnis der Quelle jeden Glücks wachsen Liebe, Mitgefühl, Freude und Gleichmut ins Unermeßliche.

Anfangs lieben wir die Freunde(Innen), weil sie gut zu uns sind, wir sind froh über die Geschenke, die wir von ihnen erfahren. Wir unterstützen sie bei Schwierigkeiten, solange es unsere Kräfte nicht überfordert und wir wünschen uns Stabilität in der Verbindung. Ab einer gewissen Ebene der Meditation können wir die guten Gefühle gar nicht mehr auf zwei, dann nicht mehr auf unsere Bekannten und Verwandten begrenzen und gegen Ende des Weges zeigen sich unbegrenzte Eigenschaften des Geistes als natürlich vorhandene Qualitäten.

Aber wir sind nicht nur durch gute Karmas miteinander verbunden. Schon bei der ersten Begegnung liegen auch gemischte oder sogar schwierige Samen für Erlebnisse im Bewußtsein, von denen wir nicht ahnen, wie stark sie sich im Laufe der Freundschaft auswirken. Je länger die Beziehung halten soll, desto wichtiger sind die Ebenen der Verbindung. Geistige Vertrautheit ohne wenn und aber und ähnliche Ziele im Leben sind für lange Beziehungen sicher wichtiger als körperliche Anziehung. Auf der anderen Seite ist das Loslassen von Erwartungen und Befürchtungen eher vom Sprungbrett starker positiver Eindrücke möglich. Eben dieses Loslassen ist aber notwendig auf dem Weg zu Befreiung und Erleuchtung. Das erste Ziel einer geistigen Entwicklung muß also der Aufbau guter Eindrücke im Geist sein. In der Liebe baut man diese Eindrücke durch kraftvoll-bewußten Einsatz von Körper, Rede und Geist auf. Wird der Körper als Geschenk für den anderen gesehen, kann man ihn ohne Eitelkeit in guter Form halten. Die Rede setzt positive Werte, indem wir die Qualitäten des anderen ausdrücken, Gemeinsamkeiten stärken, liebevolle Ausdrücke oder Koseworte verwenden und immer wieder auf den Sinn gemeinsamer Erfahrungen aufmerksam machen. Im Geist wünscht man dem anderen Glück, Erfüllung und die absolute Freiheit von Problemen.

Wenn sich diese guten Vorsätze dann nicht halten lassen, ist es bestimmt notwendig, die Wechselbeziehungen von Ursache und Wirkung tiefer zu untersuchen. Man wird eher meditieren, um Abstand von störenden Einflüssen zu erleben und genügend Freiraum und Kraft für verantwortliches Handeln aufzubauen. In diesen schwierigen Phasen ist es nötig Vertrauen aufzubauen. Vertrauen in die Erleuchtungsnatur wird am besten durch die Begegnung mit dem Lehrer gestärkt, der zeigt, das man es schaffen kann. Vertrauen in die gemeinsamen Möglichkeiten kann man aufbauen, indem man die Beziehungen von anderen Sangha-Freunden untersucht, die durch schwierige Phasen in ihren Beziehungen gereift sind und diese Kraft deutlich machen können. Und schließlich entsteht auch immer neue Kraft, wenn sich die Grundlage der Beziehung bestätigt, weil beide die Zuflucht als gemeinsames Ziel erkennen. Schließlich ist ein kostbarer Menschenkörper mit seinen 18 Bedingungen schon etwas Seltenes, aber Menschen mit diesen Bedingungen, die noch dazu als Partner zusammengehen, sind viel seltener.

Sicht im Diamantweg

In buddhistischem Sinn können die Ursachen starker Gefühle Lebenszeiten zurückliegen, aber soviel scheint sicher: Liebe entsteht nur aus positiven Ursachen. Natürlich gibt es viele Arten der Liebe. Solche aus Anhaftung, Einengung und Erwartung heraus mögen kleinlich erscheinen, aber die Fähigkeit, überhaupt etwas Schönes erleben zu können, entsteht aus positivem Karma von Körper, Rede und Geist. Man verliebt sich eher in den Körper, wenn man sich sieht oder sich berührt. Oder man mag sich, weil man sich gut versteht und dieselben Ideen und Gefühle teilt. Schließlich gibt es auch dieses unbestimmbare Wissen, daß man einfach miteinander verbunden ist, ohne daß es weiterer Bestätigung bedarf. Diese Erfahrung geht auf eine tiefe Ebene zurück, in der jemand versteht, daß man im Geist nicht voneinander zu trennen ist, wie weit die Körper auch auseinander sind.

Die eigentliche Chance einer jeden Partnerschaft und Liebesbeziehung besteht jedoch darin, eine Quelle von dauerhaftem Glück zu finden. Ist diese Quelle aber die Beziehung selbst? Ist der Partner eine dauerhafte Zuflucht? Wirkliches Glück ist wohl eher ein Geisteszustand, der entsteht, wenn man mit jeder Erfahrung auch den Raum erlebt, der sie ermöglicht. Die Erleuchtung selbst ist eine riesige Verschmelzungserfahrung. Ein Buddha erlebt alle Elemente der Innen- wie Außenwelt als Erscheinung derselben Raum-Klarheit. Auch alle Lebewesen sind darin enthalten. In den höchsten Belehrungen des Buddhismus wird beschrieben, daß der Buddha die Erleuchtung in der vereinigten Form von Dorje Sempa (Diamantgeist) mit seiner Partnerin Niema erfahren hat. Es gibt immer wieder Augenblicke, in denen wir diese Erfahrung nachempfinden oder ihre Bedeutung für uns erahnen können. Um es mit den Worten von Michael Reimer aus dem Frankfurter Zentrum zu beschreiben: "In der Liebe sind die Sinne sehr wichtig! Das Sehen, das Fühlen und das Schmecken, aber das Tollste ist, wenn das Denken aufhört!"

Was passiert in diesem Moment? Wenn das Denken, die Wertung, die Analyse verschwindet und die nackte Erfahrung des gemeinsamen Augenblicks erfahren wird. Wir erleben einen Vorgeschmack auf den Zustand der Erleuchtung! Sogar in den traditionellen Belehrungen der "tugendhaften Schule" - der Gelugpas - wird erwähnt, daß neben dem Niesen oder den Erfahrungen von Lebensgefahr - in denen kein (überflüssigerweise kommentierender) Gedanke festgehalten werden kann - der Orgasmus das Erlebnis ist, in dem wir einen Vorgeschmack auf die Erleuchtung bekommen können. Die tatsächliche Erfahrung ist dann allerdings unvergleichlich stärker, denn: Man wird eins mit allem!

Lama Ole Nydahl erklärt, daß man bei der Liebe den Partner als Wiederspiegelung derjenigen erleuchteten Eigenschaften erfahren kann, die man in sich selbst noch nicht erkannt hat. Alle Frauen zeigen Aspekte des großen weiblichen Prinzips der Weisheit. Die Männer verkörpern erleuchtete Aktivitäten. Im Augenblick der Vereinigung erfährt der Mann durch seine Partnerin eine Öffnung in den Raum, die ihn die ganze Welt neu erfahren läßt. Entweder er weiß intuitiv um das Geschehen, ungefiltert von Desinteresse oder Ablenkungen. Oder er erlebt ein unbegrenztes Potential in allen Wesen um ihn herum. Vielleicht sieht er auch plötzlich, durch welche Ursachen Situationen entstehen und sich weiterentwickeln. Oder er kann die Stabilität der Raum-erfahrung glasklar halten, was auch passiert. Letztlich ist es auch möglich, der Mann wird durch die Raumerfahrung fähig, bleibende und vergängliche Qualitäten in den Wesen zu unterscheiden. Welche Facette der Weisheit auch immer in ihm geweckt wird, er sollte daran arbeiten sie zu halten. Die im Zustand der Verschmelzung gewonnene Offenheit ist bedeutender als jede Beschreibung derselben.

Umgekehrt erfahren die Frauen durch ihre Partner bei der höchsten Freude der Vereinigung die kraftvolle Energie erleuchteter Aktivitäten. Weisheit kann nur durch Aktivität ausgedrückt werden und ebenso kann Tatkraft nur dann spontan und mühelos für die Wesen da sein, wenn sie aus Weisheit entsteht. Im Falle der Liebe wird aus eins und eins eben nicht zwei sondern eine Ganzheit!

Bei der Verschmelzung können Frauen vier besondere Kräfte erleben, die zur Erleuchtung führen. Die befriedende Aktivität bestätigt sie in ihrem ganzen Sein. Die vermehrende Aktivität sieht und weckt ihre Fähigkeiten oder schlummernden Talente. Die faszinierende Aktivität erfüllt sie so stark, daß Sprünge in neue Dimensionen leicht werden. Es ist auch möglich, daß die Kraft der Erfahrung einen derart starken Schutz aufbaut, daß keine spätere Erfahrung dieses Vertrauen in die Kraft des Geistes wirklich tief erschüttern kann. Natürlich ist jede Liebesnacht anders, und selten erleben die Wesen die tiefe Bedeutung der Verschmelzung. Aber allein das Wissen um die Möglichkeiten unserer Sexualität ist wichtig und bedeutend. Sind wir einmal auf unser Potential aufmerksam gemacht worden, sucht man immer wieder danach und da die Erleuchtungsnatur im Geist liegt, kann man sie auch entdecken. Und der Zugang ist oft viel intuitiver als sich die Belehrung anhört. Meine Frau Zsuzsi drückt ihre Erfahrung beispielsweise so aus: "Ich kann diese Vier Aktivitäten nicht direkt erleben. Bei der Verschmelzung erlebe ich am Stärksten den Freudenaspekt. Aber im weiteren Tag wird dadurch alles leichter, lockerer und kraftvoller."

Praxis im Diamantweg

Was geschieht aber im täglichen Einerlei des Beziehungslebens? Wie oft nutzen wir überhaupt unsere Chance zur Liebe? Wie verhindert man die aufkommende Langeweile? Was tut man, wenn der Partner einen nicht mehr liebt? Wie kommt man über die "Durststrecken", in denen uns der Partner in der Form aller möglichen Drachen und Monster, aber beileibe nicht als Buddha erscheint?

Grundlegend hat der Buddha drei verschiedene Ebenen von Verhaltenstraining unterschieden:

  1. Arbeit mit Ursache und Wirkung
  2. Heben der Motivation
  3. Halten der Sicht.

Sie unterscheiden sich durch die Stärke unserer Fähigkeit, auf den Raum des Erlebers zu vertrauen. Erleben wir verhältnismäßig wenig inneren Raum, so müssen wir ihn äußerlich schaffen. Um zu verhindern, daß wir immer wieder unseren Gefühlen in Zornausbrüchen oder verletzendem Verhalten freien Lauf lassen, müssen wir immer wieder auf Abstand gehen oder Urlaubszeiten einlegen, in denen wir unseren Geist mit weniger schwierigen Eindrücken beschäftigen. Unter Umständen ist es auch notwendig, sich endgültig zu trennen.

Solange der Geist erkennbar von Störgefühlen geleitet wird, sollte man nach Fähigkeit die Gegenkräfte aktivieren, bevor es zu Wort und Tat kommt. Als Gegenkräfte kann man diejenigen Gedanken und Gefühle verwenden, die uns mehr mit dem Partner verbinden und uns helfen, dualistische Sichtweisen zu überwinden.

Im Fall von Stolz schaut man auf die Fähigkeiten des anderen. Bei Zorn sieht man seine Schwächen und wie sehr er der Hilfe bedarf. Bei Eifersucht wünscht man ihm unermeßlich viel von dem worauf man eifersüchtig ist, und im Fall von Begierde unterscheidet man vergängliches und dauerhaftes Glück. Wenn sich schließlich Langeweile einstellt oder Desinteresse, so hilft nur die tiefe Belehrung, daß der Partner der Weg in die Erleuchtung ist, und wir den Schleier der Unwissenheit zerreißen müssen, indem wir uns immer frisch und neu in jedem Augenblick öffnen, als begegneten wir uns nur dieses eine Mal. An dieser Stelle findet sich die Überleitung zur tiefsten Ebene der Praxis. Das Arbeiten mit der Sicht, das jedes Wesen ein Buddha ist, ob es seine Natur erkannt hat oder nicht. Will man schnell sein, sich stark entwickeln und keine Zeit verschwenden, dann gilt es mit aller Kraft, den Augenblick der höchsten Sicht festzuhalten und immer wieder etwas Anziehendes, Strahlendes, Schönes, Glückbringendes im Partner zu sehen, bis sich herausstellt, daß jede Erfahrung vollendet und einzigartig erscheint, weil das Erlebnis des Geistes an sich erfüllend ist.

Zusammenfassend kann man sagen, daß Buddhistische Partnerschaft mit dem richtigen Verständnis der Zuflucht beginnt. Die gemeinsam entwickelte Liebe und das Mitgefühl lernt man dann auf alle Wesen auszudehnen. Praktiziert man dies lange genug, sieht man nur noch Buddhas und "Buddhinen", wodurch jede Begegnung als Einweihung in die Natur des Geistes erlebt wird.


Dietrich (Didi) Rowek wurde 1961 geboren und nahm 1984 Zuflucht. Seit 1988 reist er als buddhistischer Lehrer. Viele kennen ihn durch die Kassel-Kurse, auf denen er u.a. für Lama Ole ins Englische übersetzt. In seinem Beruf als Heilpraktiker arbeitet er mit der traditionellen chinesischen Medizin, mit Schwerpunkt Tai Chi und Qi Gong.