Aus: Buddhismus Heute Nr. 30, ( 2000)

Karmapa in München

Von Ulla Unger-Göbel

„Wir werden den Karmapa für zwei Tage in München haben!" sagte Detlev uns überraschend etwa Ende November 99.

Karmapa in München? So schnell? Bei seinem ersten Aufenthalt in Europa überhaupt? Wir hatten zwar schon Anfang der neunziger Jahre Topga Rinpoche darauf aufmerksam gemacht, dass München eine der größten und auch schönsten Städte Deutschlands sei und ihn gefragt, ob es von daher nicht angebracht sei, wenn der künftige Karmapa auch mal hierher käme. Er hatte kurz darüber nachgedacht und dann zugestimmt. Als Rinpoche dann jedoch so überraschend gestorben war, sahen wir die Möglichkeit eines solchen Besuches eher in weite Ferne gerückt.

Jetzt sollte er also kommen, so einfach... aber so einfach wurde es dann natürlich nicht. Zuerst mussten wir überhaupt einen Saal finden. So etwas ist in München immer ein Problem und immer teuer. Für wie viele Besucher? Würden 2000 kommen oder sogar 5000? Diese Diskussion zog sich letztlich bis etwa zehn Tage vor dem eigentlichen Termin hin. Unser Bernhard zog sofort los und telefonierte einen Tag lang mit „Gott und der Welt". Er fragte bei allen Sälen, die überhaupt in Frage kommen. Meistens wurde eher nur gelacht, als er sagte, dass wir Räume für einen Termin in sechs Wochen suchen. Die Olympiahalle ist bis zum Jahr 2004 ausgebucht. Schließlich kamen nur die Rudi-Sedlmayer-Halle für 5000 Besucher oder der Löwenbräukeller für etwa 1800 Leute in Frage. Die ersten Preis-Angebote klangen auch toll, nur leider kamen mehr und mehr Kosten dazu, je konkreter die Organisation vorankam. Schließlich waren wir bei dem zehnfachen der anfänglichen Zahlen.

Aber all dies wussten wir Anfang Dezember noch nicht. Da waren wir alle erstmal noch wie benommen von der großen Aufgabe, die so unwägbar vor uns lag. Da war viel Vorfreude gemischt mit dem bangen Zweifel, ob man dieser großen Anforderung überhaupt gewachsen sein würde. Vor allem: Was waren die Anforderungen? Tastend legten wir Ressort-Verantwortliche fest und versuchten herauszufinden, wie die Veranstaltung in Düsseldorf organisiert wurde. Während der Veranstaltung dort beobachteten die meisten von uns das Geschehen äußerst interessiert mit dem bangen Hintergedanken: „Wie wird das bei uns ablaufen?"

Der Druck stieg dann auch mit dem gleichzeitigen Näherrücken des Termins. Natürlich brach Detlevs Computer zusammen. Es gab Gerangel in der Gruppe und längst bekannte Dynamiken, die wir noch aus Zeiten der Organisation des Osterkurses 1998 aufbewahrt hatten, brachen wieder offen auf. Mehrfach tauchte ein „Karmapa kommt doch nicht" auf, eigentlich alles das typische Vorgeplänkel eines großartigen Ereignisses im Dharma. In Anbetracht dessen, wie viel sich bei jedem von uns auf ganz persönlicher Ebene tat, war es eigentlich klar: Hier handelte es sich um klassische Vorreinigungen.

Ursprünglich hatten wir es für selbstverständlich gehalten, dass Karmapa in einem Hotel untergebracht sein würde, weil wir die Räume im Zentrum zu beengt fanden. Aber Lama Ole und Hannah sagten, Karmapa solle kennenlernen, wie seine westlichen Schüler leben, während sie für ihn arbeiten, und deshalb im Zentrum wohnen. Schön, dachten wir, da würden wir gut aufräumen und putzen müssen. Dass wir all unsere persönlichen Sachen letztlich rausräumen mussten, zeigte sich erst nach und nach, was sicherlich auch besser war für unser Gemüt. Barbara, die für die Gestaltung aller Lama-Räume verantwortlich war, vermittelte uns diese Information erst nach und nach. Sie lieh sich tolle Designer-Möbel von Buddhisten mit Geschmack und Geld. Ferdinand zeigte echte Fähigkeiten als Möbel Auf- und Abbauer, sowie als Möbel-Packer. Mit dem großen alten VW-Bus von Thomas fuhr er vor und nach dem Besuch kreuz und quer durch München, wobei er in der überaus schmalen Einfahrt in unseren Hof nur ein einziges Mal die Wand traf.

Gleichzeitig entwickelte und verwirklichte Martina ein neues Gestaltungskonzept für unseren Meditationsraum. Den ganzen Januar über wurde dort unermüdlich gebaut und gestrichen und die Beleuchtung der Thankas und Statuen so verändert, dass sie nun überhaupt erst in ihrer Schönheit zur Geltung kommen. Auch unser Schützer-Raum wurde jetzt von Claudia und Detlev richtig schön gestaltet. Wir empfanden immer, dass dieser eigentlich das „Herz" des Zentrums ist, und nun endlich wurde er dementsprechend hergerichtet.

Je näher der Termin kam, um so mehr steigerte sich die Nachfrage nach den Karten. Der eigentliche Vorverkauf war allerdings erst zehn Tage vorher möglich, als nach einem langen und temperamentvollen Telefonat mit Caty endlich entschieden wurde, dass wir nicht die große Rudi-Sedlmayer-Halle, sondern den kleineren Löwenbräukeller nehmen würden. Unsere Rechtsanwältin Julianne verhandelte heftig um den inzwischen hochgeschnellten Preis, da die Herren dort inzwischen leider sehr deutlich verstanden hatten, wie schmal unser Verhandlungsspielraum im Angesicht unseres Zeitdrucks war. Der Druck der Plakate konnte nicht mehr gestoppt werden, zum Glück aber der der Eintrittskarten. Im kleineren Löwenbräukeller würden wir den großen Bildschirm, wie er in Düsseldorf verwendet wurde, nicht brauchen. Dessen Miete hätte allein schon mindestens DM 10.000 verschlungen.

Mittlerweile war klar, dass das Düsseldorfer Security-Team auch bei uns arbeiten würde und es darüber hinaus einen mitreisenden Tross bereits erfahrener Helfer gab, die auch uns unterstützen würden. Während der Veranstaltung waren die Security-Leute an dem schicken schwarzen Knopf der Sprechanlage im Ohr leicht zu erkennen. Einer soll damit sogar bei MacDonald gesehen worden sein.

Unsere Bühnenchefin Kerstin hatte ausgehandelt, welche Teile der Düsseldorfer Bühne zu uns kommen sollten und vor allem auch, wie sie nach München gebracht werden würden. Bernhard war wie immer der charmante Chef der Job-Vermittlung.

Detlev - der zugleich für die Öffentlichkeitsarbeit und Presse-Betreuung zuständig war, teilte sich die Koordination der ganzen Veranstaltung mit Manfred, welcher - inspiriert von der Organisation in Düsseldorf - das Ganze im Stile des modernen Projektmanagement durchorganisierte. Alle, die etwas tun wollten, mussten zum Beispiel erstmal schriftliche Aufgabenbeschreibungen abliefern - für die meisten etwas gewöhnungsbedürftig, aber wie sich herausstellte sehr effektiv. Martina entwarf einen wunderbaren Zeit-Ablaufplan, wo jeder alles für seinen Bereich Erforderliche eintragen sollte. Es gab immer mehr Sitzungen, bis einige von uns schon lästerten, dass ihnen dadurch die Zeit für die eigentliche Arbeit verloren ginge. Der Security-Chef Michael legte Wert auf die Erstellung eines Konzeptes, das bei künftigen, vergleichbaren Ereignissen die Grundlage der Organisation sein könnte. Manfred bekniete uns immer wieder, alles sehr genau zu durchdenken. Bis zum Abbau in der Halle sind wir letztlich gedanklich wohl nicht alle durchgedrungen. Aber die Pläne sahen dank Computergrafik sehr professionell aus.

Marta organisierte das beinahe Unmögliche: Die private Unterbringung der Helfer und sogenannten VIPs. Marion beherrschte die Lamaküche, was sie schon in Wuppertal gemacht hatte und so sehr wertvolle Erfahrungen mitbrachte.

Schließlich war da noch der eigentliche Zentrumsbereich, der als Aufenthaltsraum für Gäste, wie zum Beispiel Journalisten, dienen sollte. Das Café-Team raufte sich die Haare, weil sie tolles Essen auffahren sollten und ihnen niemand sagen konnte für wie viele Personen. Eine dieser Unwägbarkeiten, sobald man etwas mit Tibetern organisiert, die sich dabei köstlich darüber amüsieren, wie viele Sorgen sich Westler so machen können.

Der Mittwoch, als Karmapa dann - ja wann eigentlich? - kam, lief genauso: Alles war noch im vollendeten Chaos, Karmapas Zimmer morgens noch nicht fertig eingerichtet. Im Wohnzimmer lag überall Werkzeug. Ich war für den Bereich Zentrum verantwortlich, bekam für den Tag aber nicht frei. Die stündlichen Situationsberichte per Telefon, ließen mir die Haare zu Berge stehen. Dabei sollte ich doch später völlig relaxed Karmapa empfangen und auch noch im Namen der Gruppe etwas Gutes sagen. Ja, was? Denk nach und nicht stottern!

Als ich dann um halb fünf nachmittags endlich da sein konnte, war alles (natürlich) super aufgeräumt und Detlev - unser Vertreter beim Zentrentreffen mit Karmapa in Schwarzenberg - konnte mich schließlich von dort anrufen und sagen, um welche Uhrzeit Karmapa kommen würde. Claudia, die für die Organisation dieses Empfangs verantwortlich war, und ich besprachen mit den Anwesenden noch kurz, wie alles ablaufen sollte. Es waren etwa 70 ausgesuchte Münchner da, die sich um das Zentrum und vor allem diesen Besuch verdient gemacht hatten - eine schwierige und nicht unumstrittene Auswahl.

Gegen 18:30 Uhr kamen die Schwarzenberger Autos an. Karmapa saß auf dem Beifahrersitz vorn in Kurts Bus. Alles war plötzlich so einfach, wie immer in seiner Nähe. Viele von uns hatten 15 oder mehr Jahre auf diesen Augenblick gewartet. Der Karmapa, der auf den wir doch alle meditieren, derjenige, der die Aktivität aller Buddhas verkörpert, war bei uns, in unserem Zentrum. Es heißt, dass derjenige, der sich für ihn öffnen kann, das heißt für seine Verwirklichung, damit sofort im Reinen Land Dewachen ist. Das Problem ist, sich ihm öffnen zu können... Aber nicht, wenn er vor uns steht: Er ist da und das ist so völlig normal. Er läuft so schnell ins Zentrum, dass wir kaum hinterherkommen. Wir bemerken kaum, wie sehr ihm unser Zentrum gefällt. Das erzählt er später seinen beiden australischen Englisch-Lehrern Stewart und Shona. Vor allem von der Helligkeit und dem Strahlen der Räume ist er sehr angetan.

Das sorgfältig geplante traditionelle Empfangsritual mit Tee für alle, Reis für Karmapa, seine Mönche, Hannah, Lama Ole, Caty und Tomek ist schnell vorbei. Ebenso meine kleine Rede, bei der ich auszudrücken versuche, wie besonders es für uns alle ist, dass er nun bei uns ist, nachdem so viele von uns die Meditation auf den 16. Karmapa als ihre Praxis machen. Die meisten von uns seien ja in den Dharma gekommen, während er nicht da war, also für uns nicht direkt da war... Da lächelt er fein. Überaus höflich, man möchte meinen, beinahe schüchtern, aber nur beinahe, sitzt er auf dem breiten Sofa, das wir für ihn vor unseren Altar unter sein Bild gestellt haben. Mehr aus Verlegenheit rede ich weiter und erzähle von unserem Zentrumsalltag. Das interessiert ihn. Er hakt nach, fragt wie viele Leute zu welcher Praxis kommen. Ich muss zugeben, dass es beim montaglichen Grundübungs-Abend doch keine 50 wie sonst oft, sondern eher nur zehn Leute sind. Trotzdem ist es wunderbar, mit ihm über unsere Arbeit für ihn reden zu können. Dann bekommen alle Segen und Karmapa zieht sich zurück - nachdem er noch zusammen mit Lama Ole und seinen Begleit-Mönchen unseren neuen Schützerraum mit der großen Statue von „Schwarzer Mantel" gesegnet hat.

Lama Ole setzt sich im Schneidersitz auf einen normalen Stuhl und erzählt noch ein bißchen über die Reise und Karmapa. Dabei wird seine Aktivität sehr offensichtlich: Er arbeitet für den Karmapa und der Chef ist nun da. Während Lama Ole bei seinen anderen Besuchen das Feld souverän beherrscht, ist nun klar zu spüren, wie er sich in Anwesenheit seines eigenen Lehrers zurücknimmt, ohne damit ein Problem zu haben.

Am nächsten Morgen gibt es drei Pressetermine, für die Markus den Meditationsraum eigens in eine elegante Ausstellungshalle über Karmapas Aktivität im Westen verwandelt. Leider erscheint später nur das Interview in der Süddeutschen Zeitung. Dafür gab es bereits einen großen Artikel in der Welt und auch die Abendzeitung wird über den Abend im Löwenbräukeller berichten

Die Vorbereitungen in der Halle laufen auf Hochtouren. Die Leute vom Löwenbräukeller selbst sind begeistert von der Putzwut unserer Mädels. Martina: „Wir hatten abgesprochen, dass alles möglichst bis 16:30 Uhr fertig sein sollte, um für den Zweifelsfall noch eine Stunde Pufferzeit zu haben. Aber dann arbeiteten alle ganz ruhig und sehr konzentriert, es war als seien wir alle bereits in Karmapas Mandala eingetreten. Eines griff in das andere und Punkt halb fünf war auf einen Schlag alles fertig."

Als Freizeitprogramm hatten wir uns eine Stadtrundfahrt überlegt und einen Besuch in der Automobil-Abteilung des Deutschen Museums. Bernhard hatte dafür gesorgt, dass diese Abteilung für uns reserviert und für andere Besucher abgetrennt war und es stand uns ein echter Experte als Führer zur Verfügung. Das Museum wollte mit „Der Nachfolger des Dalai Lamas kommt ins Deutsche Museum!" werben, was wir gerade noch verhindern konnten. Trotzdem steht dann ein Mannschaftswagen der Polizei vor der Museumstüre, als wir kommen. Leider hat Karmapa zu all dem Wirbel keine Lust und will lieber seine Ruhe genießen.

Zu meinem Glück - als ehemalige Taxifahrerin hatte ich den Job der Fremdenführerin - wollen aber Hannah und Lama Ole das Programm sehr gern in Anspruch nehmen. Wir überreden den jüngsten der vier Begleitmönche als „Karmapa-Double" mitzukommen. Eine Aufgabe, die er mit einem nur mühsam unterdrückten Kichern eher leidlich erfüllt. So sehr wir Karmapas Abwesenheit natürlich bedauern, genießen wir diesen Ausflug doch sehr, und Lama Ole fragt unseren Führer jedes Detail, was den Fachmann wirklich begeistert.

Als wir zurückkommen, können wir bereits die Traube der Besucher am Einlass vor dem Löwenbräukeller sehen. Im Vorverkauf waren über 1400 Karten reserviert worden, weshalb wir angesichts unserer 1800 Plätze große Bedenken gehabt hatten, ob wir Leute vor der Tür würden stehen lassen müssen. Dann jedoch werden mehr als 400 Karten nicht abgeholt, so dass schließlich die Zahl der Besucher genau mit den vorhandenen Möglichkeiten übereinstimmt.

Hartmut, der Herr des Fahrdienstes, findet den Gedanken apart, dass Karmapa mal von einer Frau gefahren wird, wodurch ich ihn zum Festsaal und am nächsten Morgen zum Flughafen fahren darf. Als ich dann mit laufendem Motor auf ihn warte, bekomme ich zuerst gar nicht mit, dass er hinten schon eingestiegen ist. In solchen banalen Alltagssituationen handelt er schnell und unauffällig ohne jedes Aufheben um eine Wichtigkeit seiner Person. Als ich mich umdrehe, sitzt er bereits hinter mir. Dabei strahlt er diese überaus friedliche, feine Energie aus, die nichts mit Schüchternheit zu tun hat. Vielmehr ist da kein Ego, das es nötig hätte, irgendeinen Wirbel zu veranstalten.

Der typisch bayerische Festsaal passt erstaunlich gut zu der tibetischen „Folklore". Obwohl wir es vorher anders überlegt hatten, sitzen die Mönche doch auf der Bühne, was von der Abendzeitung eher negativ beschrieben wird („Blasse Mönche singen einen monotonen Singsang..."). Ich habe die Ehre, stellvertretend für alle die symbolische Mandala-Schenkung zu bringen, mit der wir in traditioneller Weise Karmapa um das Bodhisattva-Versprechen bitten. Hannahs kritischer Blick, während ich die durch goldene Ringe gehaltenen Reishäufchen auf der Mandalascheibe hochhalte, irritiert mich ein wenig. Später sagt sie mir, dass der lange weiße Schal direkt neben meinem Fuß hing, und sie befürchtete ich würde darauf treten und alles runterkippen. Obwohl ich während der Zeremonie von dem Schal nichts weiß, plagt mich dieselbe Befürchtung. Aber es geht alles gut.

Karmapa gibt das Bodhisattva-Versprechen und wunderbare Belehrungen über das Verhalten eines Bodhisattvas. Wie schon in Düsseldorf, übersetzt Hannah tibetisch-englisch und Lama Ole englisch-deutsch. Beides zu verstehen bringt sicherlich den größten Vorteil, da Lama Ole seiner eher freien Übersetzung stets noch spezielle Erklärungen für uns beifügt. Es ist wunderbar, gleich alle drei bei einer Veranstaltung zu erleben. Karmapa gibt seine Belehrungen hauptsächlich in Tibetisch, spricht zwischendrin aber immer wieder auch Englisch.

Der Segen für alle dauert bei weitem nicht so lange wie in Düsseldorf, da dort ja fast dreimal so viele Besucher waren. Karmapa widmet sich unermüdlich jedem einzelnen, wodurch ihm jeder Besucher persönlich begegnen kann. Plötzlich heißt es: „Die Segensbänder gehen aus", aber ehe die Nach-Produktion wieder richtig auf Touren kommen kann, sind wir plötzlich alle durch und es heißt, leider, Abschied nehmen.

Karmapa verspricht, öfter wiederzukommen! In Schwarzenberg hatte er bereits angekündigt, dass er alle Zentren besuchen will. Wir bringen ihn zurück in sein Zimmer, wo er die ganze Nacht mit verschiedenen Leuten Arbeits-Gespräche führen wird, das letzte um fünf Uhr morgens.

In der Halle heißt es abbauen! Der Zentrumskeller verwandelt sich wieder in eine Möbelhalle. Wer damit nichts zu tun hat, kann noch in die Kneipe neben dem Zentrum gehen, die wie bei Ole-Besuchen wieder mal eine Buddhistenschwemme erlebt.

Am nächsten Morgen geht es dann schon um 7:30 Uhr zum Flughafen. Etwas zu früh, wie sich herausstellt. Aber wer würde sich trauen, mit einem Karmapa die Zeit zu knapp zu bemessen und das Karma riskieren, daran schuld zu sein, dass er sein Flugzeug verpasst... Er mag die Menschenaufläufe um ihn herum nicht, vor allem, wenn ihn dann alle anstarren, weshalb wir uns bemühen, diskret zu sein, aber wir genießen es sehr, einfach in seiner Nähe zu sein. Detlev und ich fragen ihn, ob wir seine Belehrungen über das Bodhisattva-Verhalten in der Buddhismus Heute veröffentlichen dürfen, und ganz gegen unsere Erwartungen stimmt er ohne zu zögern zu. Ein kleiner Moment mit großer Bedeutung: Die ersten schriftlichen Belehrungen des 17. Karmapa im Westen werden bald erscheinen!

Nach einem herzlichen Abschied mit vielen langen Kathaks, verschwindet Karmapa hinter dem Security-Check und wir suchen unsere Autos.

In den nächsten Tagen meditieren wir mehrfach in seinem Zimmer. Seine Anwesenheit ist für alle spürbar. Mehrere haben sehr klare Träume von ihm. Der Karmapa ist jetzt nach Frankreich weitergereist, wo er von einem großen Yogi einige wichtige Übertragungen bekommen soll, aber für uns wird er nie wieder „weg" sein.

 


Ulla Unger-Göbel ist seit 1981 Buddhistin und Schülerin von Lama Ole Nydahl. Seit der ersten Ausgabe (von damals noch "Kagyü Life", deren Namensgeberin sie war) ist sie Redakteurin der Zeitschrift Buddhismus Heute.