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BUDDHISMUS HEUTE
Aus: Buddhismus Heute Nr. 30, ( 2000)

Karmapa in Budapest

Von Szusza Köszegi

Karmapas Programm in Budapest war das längste und vollste Programm auf seiner ersten Tour in Europa!

Wir bekamen drei Tage mit Karmapa - zwei Ermächtigungen und einen Tag mit Belehrungen. Selbst für die Ungarn jedoch war die Organisation ziemlich eng, denn wir hatten nur einen Monat Zeit. Als wir bei seiner Veranstaltung in Düsseldorf Anfang Januar die ersten Prospekte verteilten, wussten wir noch nicht mehr, als dass er kommen und Ermächtigungen - vielleicht auf Manjushri, den „Weisheits-Buddha" - geben würde.

Wir waren uns natürlich einig, dass wir für die Veranstaltung wegen den Ermächtigungen nicht auf öffentlichen Plakaten werben konnten, wie wir es normalerweise und mit guten Resultaten bei Lama Ole Nydahls Vorträgen tun. So mussten wir diesmal versuchen, eine „Mailing"-Linie zu werden, im traditionellen „Bring Deine Freunde mit"-Stil. Es war wichtig, dass viele Leute kommen würden, denn zwischen den beiden Stellen unter denen wir wählen konnten, entschieden wir uns für die größere. Das bedeutete eine Verdoppelung unseres kalkulierten Budgets.

In der Zwischenzeit erfuhren wir, dass es bei Karmapas Veranstaltung in München nicht nur Ermächtigungen, sondern auch Erklärungen geben würde. So baten wir auch darum, und das Programm sah schließlich so aus, dass es am ersten Tag Belehrungen, am zweiten die Manjushri-Ermächtigung und am dritten die Ermächtigung auf die „Weiße Befreierin" geben würde. Für die Erklärungen wiederum sollte jetzt doch öffentlich geworben werden - tatsächlich bekamen wir jeden Tag Nachrichten, die unsere gewohnten Konzepte durchbrechen sollten. Es machte uns Freude, Karmapas Gesicht in der Stadt zu verbreiten, sowohl in der legalen anerkannten, als auch in der effektiveren nicht-offiziellen Weise.

Dies alles geschah genau in der Zeit, als der chinesische Karmapa-Kandidat aus Tibet floh. Wir entschieden uns, nicht darauf einzugehen und keinerlei Medien-Erklärungen abzugeben. Stattdessen organisierten wir eine Presse-Konferenz, auf der Lama Ole Nydahl der Öffentlichkeit die Angelegenheit erklärte. Eigentlich hatte der durchschnittliche Ungar keine Ahnung von diesem politischen Trip in unserer Linie. Wer weiß, was sie aus den Informationen machten; vielleicht hielten sie Karmapa und den chinesischen Kandidaten für ein und dieselbe Person. Unser Timing war jedoch gut, denn wir hatten am Tag der Belehrungen zwei große TV-Kanäle für uns. Es war spaßig, morgens zwischen den beiden beliebtesten Sendern hin und her schalten zu können und auf dem einen Lama Ole Nydahl über das Ereignis und Karmapa sprechen zu sehen, und auf dem anderen Hannah über die grundlegende buddhistische Sicht und über ihren großartigen Lehrer Karmapa. Am Nachmittag in der Halle, wo das Ereignis stattfinden sollte, gab es eine Presse-Konferenz mit Lama Ole Nydahl und vielen Journalisten von Zeitungen, Zeitschriften, Magazinen und Fernseh-Sendern. Karmapa gab zwei einzelne Interviews, eines für die größte ungarische Tageszeitung und das andere für die Abend-Nachrichten auf dem beliebtesten TV-Kanal. Man stellte ihm keinerlei politische Fragen.

In der Halle waren 130 Leute damit beschäftigt, die Besucher von überall auf der Welt zu empfangen. Es handelte sich dabei um eine große Halle in einem Messe-Zentrum, nicht weit vom Stadtzentrum von Budapest. Wir mussten dort alles mieten, selbst die Stühle und die Einrichtung. Zum Glück gab es oben einen Presse-Raum und einige Büros, so dass Karmapa und Lama Ole Nydahl einige Momente für sich haben und die Interviews dort gemacht werden konnten.

Im Veranstaltungsraum warteten abends mehrere Tausend Leute darauf, den 17. Karmapa zu treffen. Weil auf unserer Hotline viele Leute gefragt hatten, wer der echte Karmapa sei, baten wir Lama Ole Nydahl, vor den Belehrungen den Besuchern die Zusammenhänge zu erklären. Er tat das sehr gerne, denn er hatte in der Vergangenheit oft schon vor Vorträgen den Zuhörern etwas über den jeweiligen Rinpoche erzählt und so etwas Hintergrund gegeben.

Karmapas Belehrungen behandelten die „37 Übungen des Bodhisattva", die er auszugsweise kommentierte. Auf einige Details ging er in Englisch ein, der Rest wurde von Hannah Nydahl aus dem Tibetischen übersetzt. Karmapa war sehr direkt und es war nett zu sehen, wie entspannt auch Lama Ole Nydahl auf der Bühne saß. Jeden Tag nahmen abends 300 bis 400 Leute die buddhistische Zuflucht.

Wir hatten für Karmapa einige Bodyguards bereitgestellt, aber bei den Segnungen ging es sehr entspannt zu - keine Dramen oder große Security-Trips.

Freitagabend hatten wir im Restaurant des Messe-Zentrums eine Party mit Lama Ole Nydahl, denn wir wollten allen die Gelegenheit geben, mit ihm zusammen zu sein und die allgemeine gute Stimmung mitzubekommen.

Die ungefähr 1000 Ausländer hatten bei dem Kurs viel Freude gehabt. Einer beschrieb es als „intensiv, leicht und freundlich zugleich".


Zsuzsa Köszegi wurde 1990 Buddhistin. Seitdem, und damit seit Beginn des Diamantweg-Buddhismus in Ungarn, ist sie ein aktives Mitglied der Gruppe in Budapest. Sie studierte einige Jahre im Karmapa International Buddhist Institute in New Delhi und ist Redakteurin der ungarischen Ausgabe der „Buddhismus Heute".

Aus dem Englischen von Detlev Göbel