Aus: Buddhismus Heute Nr. 29, ( 1999)

Balkan-Tour Juni '99

Auf dem Balkan mit Lama Ole Nydahl - eine Vision

Was ist ein Mahasiddha? Erklärung aus dem Glossar des Buches "Der Dharma" von Kalu Rinpoche: „Große tantrische Meister, die aufgrund ihrer Fähigkeit durch spirituelle Kraft Änderungen in der Welt der Erscheinungen bewirken können. Sie kommen aus allen sozialen Schichten und entwickeln Mittel, mit deren Hilfe der Dharma von Menschen unterschiedlichster Fähigkeiten und Neigungen wirkungsvoll ausgeübt werden kann."


Dieser Bericht ist weit davon entfernt, ein neutraler Reisebericht sein zu wollen. Zu stark die Eindrücke im Kraftfeld eines Lamas, der auf jeder Station der Reise zeigt, daß höchste Wahrheit gleich höchste Freude ist. Möge der geneigte Leser also verzeihen und beschließen, einer Vision zu folgen.

10.6.99 früh am Morgen auf dem Hamburger Flughafen. Unsere kleine Gruppe startet zum Billigflug über London nach Budapest. Von Passau bis Budapest fliegen wir direkt über der Donau. Dieser kraftvolle Fluß weckt Geschichte, ruft Bilder hervor. Ungarn, Österreich, Kultur und Kaiser, Vampire, die sich auf der Donau ins Schwarzmeer verschiffen lassen. Wir werden der Donau Richtung Schwarzmeer folgen.

Aber erstmal Budapest. Vor dem Kagyü Zentrum in Budapest treffen wir auf einen Doppeldecker-Reisebus, vollgestopft mit ungarischen Buddhisten, der uns zum "Grundübungen"-Kurs nach Becske bringen soll. Dort haben wir inmitten schönster Landschaft ein riesiges Stück Land, mit Wald und Hügeln, zu zwei Seiten eingegrenzt durch eine natürliche Schlucht. Der Kurs findet in einem großen Zirkuszelt statt. Doch vorher müssen wir noch zu Fuß mit allem Gepäck in großer Hitze durch das wunderschöne Dorf Becske laufen, für den Bus ist es hier zu eng.

Hier gibt es noch ein kleines Grundstück, mit mehreren Häusern für Lamas und Gäste. Die ungarischen Buddhisten waren schlau genug, in der allgemeinen Verwirrung nach der Perestroika den Buddhismus in Ungarn staatlich anerkennen zu lassen. So sind wir hier im Dorf keine Exoten. Dorfbewohner kommen zu den Erklärungen, eine Familie macht ihr Haus frei für Lopön Tsechu Rinpoche und wir bekommen spät in der Nacht noch Essen in einer kleinen Kneipe, wo wir unter viel Gelächter und mit Händen und Füßen eine angeregte Unterhaltung mit einigen Dörflern haben. Nach einem romantischen Frühstück dort, am nächsten Morgen, unter einem Schilfdach mit viel Kaffee und vielen Eiern, beginnt an diesem Tag der Kurs mit Lama Ole und Lopön Tsechu Rinpoche. Es gibt viel Hitze und viele Gewitter, eine Einweihung auf "Diamantgeist" (tib. Dorje Sempa), eine Einweihung auf "Diamanthalter" (tib. Dorje Chang), ab und zu kein Wasser und viele starke Eindrücke. Hier treffen wir auch auf den Rest unserer Gruppe und sind jetzt mit unseren Reiseleiterinnen Marta und Zsuzsa cirka 15 Leute.

Einige serbische Frauen sind auf dem Kurs, deren Männer im Krieg sind. Lama Ole möchte nach Serbien zu seinen Gruppen dort fahren, bekommt aber kein Visum. Täglich neue Nachrichten aus dem Kosovo.

Lopön Tsechu Rinpoche sagt, er sei sehr froh über sein starkes Band zu Lama Ole. Wieder einmal Segen für Hunderte von Menschen nach den Einweihungen. Jeder bekommt was er braucht, Lopön Tsechu Rinpoche, Lama Ole und Caty sind unermüdlich.

Die obligatorische Abschiedsparty am letzten Tag. Harte Jungs und wilde Mädchen im Essenszelt. Techno- oder Housemusik, keine Ahnung, gehöre schon zur etwas älteren Generation. Bässe stampfen aufs Trommelfell, Füße stampfen in den Kies. Lama Ole kommt. Sofort bildet sich um ihn ein Mandala tanzender Menschen. Um so stärker er tanzt, desto mehr öffnen sich die Herzen. Die jungen Ungarn sind leidenschaftlich und voller wilder Hingabe. Lama Ole brüllt Schreie und Musik nieder und gibt Erklärungen über Kalachakra. Freiheit und Demokratie zu schützen, das sei unsere Arbeit heute nacht, sagt er. Er schafft aus der Hingabe seiner Schüler Kraftfelder, um die Grenzen der freien Länder in der Welt zu schützen. Vier bis fünf Stunden tanzt er so. Als er geht, ist es schon hell.

Abfahrt aus Becske. Wir sitzen auf unserem Gepäck und warten auf einen Kleinbus samt Fahrer, der uns durch Ungarn kutschieren wird, von Marta und Zsuzsa wunderbar organisiert. Barfüßige Zigeunerinnen mit Kindern und Plastiktüten in der Hand kommen, um das Gelände zu inspizieren. Das Holzhaus mit den Duschen und Toiletten muß komplett wieder auseinandergebaut werden, die Zigeuner können vom Klodeckel bis zur letzten Schraube alles gebrauchen.

Unser Fahrer heißt Karl. Er fährt uns nach Szolnok im Osten, Pecs im Süden, Veszprem im Westen nah dem Balaton (Plattensee) und Miskolc im Nordosten von Budapest. In Pecs schlafen wir in einem Jugendhotel mit heißen Duschen! Auf dieser Reise ein ganz besonderer Luxus.

Frühstück mit Lama Ole in einem winzig kleinen Privathaus, dem Zentrum dieser Stadt. Hörsäle, Theatersäle, Schul-Aulen. Schön sind die Ungarn und große Individualisten. Der Dharma ist sehr stark hier. Budapest ist kraftvoll wie die Donau. Zweimal schlafen wir dort im Zentrum. Es gibt mehrere Zentren unserer Richtung in dieser Stadt. Wenn Lama Ole in Budapest lehrt, kommen 1500 Leute. Der Kommunismus sitzt dem Land noch in den Knochen. Viele herrliche alte Häuser verfallen. Auf den Vorträgen stellen die Leute ihre Fragen nicht direkt, sondern lassen von anderen Zettelchen abgeben. Abends beim Bier wilde Tänze und Lieder, die sich auf die Befreiung vom Kommunismus beziehen. McDonalds, Burger King und Massen von deutschen Firmen beherrschen das Straßenbild von Budapest.

Von Miskolc, der letzten Station in Ungarn, fährt uns Karl morgens um zwei Uhr nach Oradea in Rumänien. Die Stadt gehörte vor dem zweiten Weltkrieg zu Ungarn, ist eine Art ungarische Insel in Rumänien, und bisher das einzige buddhistische Zentrum in diesem Land. Rumänien, alle warnen uns - "Zigeuner, Räuber, Diebe, paßt bloß auf"; an der Grenze warnt selbst die rumänische Polizei schriftlich vor Betrügern. Oradea im Morgengrauen, häßliche und kaputte Vorstadtviertel, dann eine kleine bezaubernde Straße, 13 Leute drängen sich in ein Hinterhof-Paradies, exotische Pflanzen, eine kleine Villa, wir sind bei Martas Eltern angekommen und Mama verwöhnt uns. Zwei Tage lang nehmen diese Menschen uns alle bei sich auf.

Oradea ist besonders. Die Innenstadt ist wunderschön. Der Vortragssaal in einem Gebäude im Park, ca. 150 bis 200 Menschen. Auch eine kleine Gruppe Rumänen ist da. Es wird in beide Sprachen übersetzt. Alles scheint zu strahlen und zu blitzen, alles ist kristallklar. Müdigkeit und Hindernisse scheinen vollkommen traumhaft, hinterlassen keinen Eindruck mehr. Auch hier gibt es ein Stück Land, hoch über der Stadt, unten ein Fluß, in dem gebadet wird, Obstbäume, fruchtbares Grün, zwei kleine Häuser, Blick ins Land. Wir nehmen mit Lama Ole dort das Bodhisattva-Versprechen und machen eine Meditation. Noch ein Vortrag, noch mal Essen bei Martas Mama, dann tauschen wir, jetzt darf Lama Ole sich von Mama verwöhnen lassen und wir schlafen im Zentrum. Auch eine wunderschöne alte Villa, drei Generationen leben hier, auch hier werden wir verwöhnt.

21.6.99 am Bahnhof von Oradea, viele bettelnde Zigeunerkinder, wir nehmen den Nachtzug nach Bukarest, fahren nachts durch die Karpaten, keine Vampire, obwohl wir alle die Knoblauchketten vergessen haben, dafür ist der Zug sehr spannend, was man anfaßt, hat man in der Hand, wilde Landschaften, viele Gespräche, aber auch Schlaf, die Betten im Liegewagen halten erstaunlicherweise unser Gewicht.

Bukarest, Gepäck ins Hotelzimmer, wenn man die Tür zuschlägt, geht der Wasserhahn an, Palast von Ceaucescu, große Hitze, abends Lama Ole am Bahnhof treffen, er schafft es in letzter Minute und wir steigen in den Nachtzug nach Sofia in Bulgarien. Abschied von Marta, unserer wunderbaren Reiseführerin, viele Tränen und viel Liebe. Es ist der Nachtzug, der regelmäßig überfallen wird, Gas in die Liegeabteile und dann die Schlafenden ausrauben, in dieser Nacht wird er natürlich nicht überfallen, dafür viel Bier und Party mit Lama Ole, Tomek und Björn. Einsame Grenzposten, bettelnde Hunde am Zug, wir kreuzen die Donau und sind in Bulgarien. Morgens früh in Sofia, es ist kalt, acht Grad, die Stadt liegt in den Bergen. Lama Ole steigt in kurzen Hosen und ärmellosem Hemd aus dem Zug, eine kleine ältere Dame kommt mit einer Plastiktüte, holt einen dicken Wollpullover raus, und gibt ihn Lama Ole.

Hier treffen wir auf Patricia und Alex, unsere neuen Reisebegleiter. Wir teilen uns auf, Frühstück und ein paar Stunden Schlaf bei freundlichen Menschen. Sofia, weltoffene interessante Innenstadt, Blick auf zweitausender Berge, sozialistische Wohnhochhäuser überall, die aussehen, als müßten sie bald wie Kartenhäuser in sich zusammenstürzen. Überall blättert der Putz ab, Jugendhotel, Zimmer im 15. Stock, der Fahrstuhl bleibt häufig stehen, aber immer im falschen Stockwerk oder mittendrin, schließlich gehen wir lieber zu Fuß, kalte Duschen, dünne Wände. Abends zum Vortrag ca. 300 Leute. Die Menschen gieren nach Belehrungen, wenn Lama Ole etwas sagt, was Konzepte oder Moralvorstellungen sprengt, erleichtertes Aufatmen. Nach den Belehrungen wird Lama Ole im Fernsehen live interviewt, wir sitzen mit 30 Leuten und einer gelähmten Katze auf 16 qm vor einem kleinen Fernseher, die Interviewerin, erst etwas streng und sehr souverän, schmilzt dahin, ein voller Erfolg für Buddhismus in Bulgarien. Danach mal wieder Segen, Zuflucht und Bier in einer kleinen Studentenkneipe zwischen unendlichen Hochhäusern und vielen Rudeln wilder Hunde.

24.6.99 morgens in den Zug nach Varna am Schwarzmeer, viele Berge, viele Kalkfelsen und Höhlen, es wird wieder wärmer. Lama Ole besucht uns im Abteil. Mildes grünes Varna, wie schön am Meer zu sein. Wir werden mal wieder umsorgt mit Essen und allem, fast schämen wir uns, daß es uns so gut geht. Für die Bulgaren ist es immer noch sehr schwierig, ins Ausland zu fahren, das bulgarische Geld ist dort nichts wert, sie bekommen keine Visa, noch niemand hat hier jemals einen Rinpoche gesehen. Lama Ole lädt 50 Leute zum Phowa nach Tschechien ein, der Kurs umsonst, so daß sie nur die Reisekosten für einen gemeinsam gemieteten Bus zahlen müssen. So können sie endlich Lopön Tsechu Rinpoche kennenlernen. Lama Oles Laien-Reiselehrer sind hier heiß begehrt und geliebt. Abends Vortrag, der Raum, ein enger heißer Schlauch, an den Fragen merkt man, daß der Dharma hier noch jung ist, Müdigkeit und Hitze überwältigen viele, mit Lama Ole verschmelzen und so Schlaf zur Meditation machen.

Nachts noch ins Hotel, ein Vorort von Varna, grün wie ein Kurpark, zwanzig Mark mit Vollpension und heiße Duschen! In dieser Hotelanlage findet der Kurs statt, ca. 150 Leute, zwischendurch ans Meer, viel gemeinsame Meditation, auch wir müssen hier mal ein bißchen arbeiten, Grundübungen, 8. Karmapa-Meditation und Phowa müssen erklärt werden. Abends in die Kneipe, noch ein Interview mit Lama Ole für's Radio, viele gute Gespräche. Mittags ein Ausflug auf unser Land hier, oben auf einem Hügel mit Blick aufs Meer, nächstes Jahr wird hier vielleicht ein Phowa-Kurs stattfinden. Ein letztes Abendbrot im Hotel, danach zum Nachtzug zurück nach Sofia, tränenreicher Abschied von den Bulgaren. Wieder Besuch von Lama Ole und Party auf dem Gang, alles quetscht sich mit Lama Ole und Caty in ein Abteil, es wird über Beziehungen geredet und diskutiert, es geht uns fast zu gut um wahr zu sein.

Alles ist Traum. Schon wieder Sofia früh am Morgen, nette Menschen, Frühstück und eine Mütze voller Schlaf, Smog von 8-10 Uhr, dann zum Bus nach Thessaloniki. Ein kleine alte Zigeunerin kommt und bettelt, Lama Ole nimmt ihr Gesicht in beide Hände, küßt sie auf die Stirn und gibt ihr einen Segen. Fahrt durch bulgarische Alpenlandschaft, pinkeln im Grünen und Eis, griechische Grenze, alles Gepäck muß raus, wir werden gefilzt, viel Zeit in großer Hitze für persönliche Interviews mit Lama Ole.

Thessaloniki, früher Abend, hier gibt es zwar einige Buddhisten, aber keine Gruppe, die gemeinsam meditiert. Wir werden alle in ein Privathaus eingeladen, hier gibt es Essen, duschen und pinkeln mit 10 Leuten in einem Bad, einige Griechen sind doch leicht irritiert, als ihr Blick ins Badezimmer fällt, sehr exklusives Haus, man raucht und trinkt erst mal, nebenbei ein paar Belehrungen und eine kleine Meditation im Wohnzimmer. Nachts gegen 12 Uhr dann in den Nachtzug nach Athen.

28.6.99 Frühstück im Athener Stadtzentrum, wieder ein bezauberndes Hinterhaus, exotische Pflanzen, viele Katzen, im gleichen Haus, ein Stockwerk höher, noch ein Zentrum einer Gendün-Rinpoche-Gruppe. Mit dem Bus weiter nach Xylocastro am Golf von Korinth. Türkisblaues Meer, schwebende Berge, wir schwimmen gemeinsam mit Lama Ole weit ins Meer, über eine Stunde lassen wir uns so treiben, reden über Delphine und Wale und die Tiefsee, über all das Phantastische, was der Geist so hervorbringt, Freude, Wind und Wasser tragen uns. Wir verteilen uns auf einige Privatautos, Berge, Serpentinen, Übelkeit, Ziegenherden, unterwegs Lama Ole auf dem Motorrad, er zeigt uns eine kühle Schlucht mit einem Bach, aus dem man trinken kann, kühle Stufen führen dort hinab, weiter, höher, verbrannte Bäume, ein kleines Dorf, noch höher hinauf und endlich Berchen Ling! Im wahrsten Sinne des Wortes der Höhepunkt der Reise. Ein Bergrücken, um uns zweitausender Berge, ein Fels in dem man "Diamantsau" (tib. Dorje Phagmo) erkennen kann, Höhlen zum Meditieren, ein Wohnwagen für Lama Ole und Caty, ein Haus mit Küche, Büro und Shop, ein Zeltdach unter dem wir essen, ein Zelt für den Kurs, immer wieder der Blick aufs Mittelmeer, hier gehört einem die Welt, wie Lama Ole sagt. Hier gibt es keine Zeit, hier wird klar wie nie: alles ist Geist.

Abends im Vortragszelt, ca. 40 Leute, der Wind weht herein, egal wo und wie, Tomek und Caty immer fleißig an ihren Laptops, ab und zu fällt der Generator aus und es wird vorübergehend dunkel. Heute gibt es keine Belehrungen. Die Griechen haben ein Problem. Es wird diskutiert. Danach ein paar Fragen. Die meisten Leute liegen flach. Keine Meditation. Kein Segen. Danach beim Bier noch viele Fragen an Lama Ole. In den nächsten zwei Tagen macht Lama Ole alles zur Meditation. Es muß gebaut und gebuddelt werden. Er selbst mit der Spitzhacke von morgens 10 Uhr bis abends 20 Uhr, viele mit Schaufeln, Spitzhacken und Schubkarren um ihn, andere in die Berge Steine sammeln, alles hat einen Rhythmus, keine Müdigkeit, große Hitze, keine Blasen an den Händen, keine Muskelschmerzen, in zwei Tagen schaffen wir so viel, daß wir es selbst kaum glauben können.

Am letzten Abend mit einer Gruppe hoch in die Berge auf den "Diamantsau"-Felsen. Patricia und Alex haben eine Überraschung für uns vorbereitet. Unten geht die Arbeit mit Lama Ole im gleichen Rhythmus weiter. Oben Meditation, Alex leitet, immer wenn er "Karmapa" sagt, donnert es, Donner und Segen sind eins. Danach die Überraschung, wir sollen uns von einem überhängenden Felsen ca. 20 Meter tief abseilen, zuerst "nö, ohne mich" aber nach der Meditation gehen wir alle, Raum und Freude grenzenlos. Morgens früh geht der Rest der Gruppe hoch. Auch sie seilen sich alle ab. Aufbruch am gleichen Morgen. Unterwegs auf halber Höhe, draußen zwischen saftigem Grün und blühenden Pflanzen, Essen in der Taverne eines befreundeten Wirtes. Die Griechen haben ein großes Talent für riesige Gelage, mit viel Rauchen und Trinken und mehreren Gängen. Immer wieder wird Essen nachgereicht, Lama Ole erzählt und es gibt viele Fragen. So haben wir ein herrliches Abschiedsessen. Unten in Xylocastro folgen wir alle Tomek, der versucht, schwimmend das griechische Festland zu erreichen.

Zurück in Athen gibt es etwas ganz Besonderes: Der erste öffentliche Vortrag vor Ort seit 20 Jahren! Er läuft hier unter Buchbesprechung. Schnell ein paar Teachings und schon müssen wir den Saal wieder verlassen. Hier sind Segen und Meditation in der Öffentlichkeit verboten. In Griechenland braucht es fünf Unterschriften praktizierender Buddhisten, um staatliche Anerkennung zu erlangen. Es finden sich aber keine fünf Leute, die unterschreiben wollen, zu groß die Angst vor Repressionen und zu stark die Verbundenheit zur Griechisch-Orthodoxen-Kirche. Doch dieser öffentliche Vortrag war ein erster großer Schritt für Mahayana-Buddhismus in Griechenland. Zum Abschluß in Athen noch ein bißchen Vajrayana, sprich Segen und Nähe zum Lama beim üblichen Freßgelage in der Taverne an langen Tafeln mit vielen Menschen, viel Krach und viel Bier. Wir verabschieden uns von Lama Ole, Caty und Tomek, denn früh morgens geht unser Flieger über London zurück nach Hamburg.

Das Wissen um den Krieg im Kosovo begleitete unsere Reise. Jetzt, im August´99, ist vieles von dem, was Lama Ole unterwegs in Sachen Kosovo voraussagte, bereits eingetroffen. Immer wieder betonte er, wie wichtig unsere Stellen und unser Land in Südosteuropa für die Zukunft sind.

Es sind nicht dieselben Menschen, die hier vor drei Wochen losgeflogen sind, die sich am 2.6.99 am Hamburger Flughafen verabschieden. Auf die Frage an Lama Ole, wie man ihm danken kann, antwortet er: "Jede Minute wo es euch gut geht, da dankt ihr mir."


Sabine Boyens-Hansen, geb. 1961, Schauspielerin und Phonetiklehrerin, Zuflucht 1982 bei Lama Ole Nydahl, lebte acht Jahre im Hamburger Zentrum, danach im Lübecker Zentrum und zurzeit in der Retreatstelle Hohwacht.