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BUDDHISMUS HEUTE
Aus: Buddhismus Heute Nr. 24, ( 1997)

"Ein natürlicher und wichtiger Weg"

Lopön Tsechu Rinpoche über den Laienbuddhismus

Mai 1997, Karma Gön, Südspanien

Am 21. Mai 1997 gab Lopön Tsechu Rinpoche im Dharmazentrum Karma Gön in Spanien die Ermächtigung auf die 84 Mahasiddhas - Praktizierende im alten Indien, die durch die Diamantwegsmethoden in einem Leben die höchste Frucht erlangt hatten. 

Im Zusammenhang mit den Erklärungen dazu sprach Rinpoche auch über Formen der Dharmapraxis, die in unserer Zeit und Gesellschaft angemessen sind, nämlich die Laien- und Verwirklicherwege, die heutzutage im Westen insbesondere von Lama Ole Nydahl gelehrt werden.

Lopön Tsechu Rinpoche kennt Lama Ole Nydahl und Hannah Nydahl seit den 60er Jahren in Kathmandu. Er war ihr erster buddhistischer Lehrer - noch bevor sie den 16. Karmapa trafen - und verfolgte ihre persönliche Entwicklung sowie die des Kagyü-Dharma im Westen mit.

Fast alle der 84 Mahasiddhas erlangten schon vor ihrem Tod Erkenntnis. Der Grund dafür, daß sie in der Lage waren, in einem Leben Erleuchtung zu erreichen, war, daß sie die besonderen Methoden des geheimen Mantra-Fahrzeuges - des Vajrayana - verwendeten und insbesondere weil sie eine starke Verbindung zu ihrem Lehrer hielten. Dieses Band zwischen einem realisierten Lehrer und seinem völlig offenen und hingebungsvollen Schüler ist eine Bedingung, die sehr schnelle Resultate auf dem Weg möglich macht.

Ein Beispiel, das viele von euch vielleicht kennen, ist das des Mahasiddhas Naropa. Er war ein wichtiger Gelehrter an der damaligen buddhistischen Universität Nalanda und kannte sich in allen Lehren Buddhas sehr gut aus. Zu jener Zeit war es üblich, daß Nichtbuddhisten an die vier äußeren Toren des Institutes kamen, um die buddhistischen Torhüter mit ihrer Sichtweise herauszufordern, und es wurden große Debatten abgehalten. Der Gewinner der Diskussion wurde dann der Lehrer des Gegners und Lehrer von dessen Schülern. Es war deswegen nötig, daß diese Torhüter ein umfassendes und tiefgründiges Wissen der buddhistischen Sicht hatten und fähig waren, diese logisch und präzise darzulegen. Naropa war viele Jahre lang solch ein Torhüter am nördlichen Tor von Nalanda.

Zu einer bestimmten Zeit verließ Naropa die Universität, um Tilopa zu suchen. In einer Vision war ihm klar geworden, daß dieser sein Lehrer war, und daß er ihn treffen müsse, um seine Praxis zu vervollständigen. Die starke Verbindung zwischen Naropa und Tilopa ist ein Beispiel für das schnelle Resultat, das durch eine solche Verbindung möglich wird. Es war aufgrund dieser Verbindung zwischen Lehrer und Schüler, daß Naropa in der Lage war, die Schleier in seinem Geist so effektiv zu entfernen, daß eines Tages, als Tilopa ihm mit seinem Schuh schlug, dies zu der äußeren Bedingung dafür wurde, daß die letzten konzepthaften Schleier von seinem Geist entfernt wurden und Naropa Erleuchtung erlangen konnte.

Im allgemeinen ist der traditionell für einen buddhistischen Praktizierenden empfohlene Weg, daß er zuerst in die Drei Juwelen - Buddha, Dharma und Sangha - Zuflucht nimmt und so den buddhistischen Weg betritt. Der darauffolgende Schritt besteht darin, die äußeren Gelübde der Disziplin zu nehmen und eine reine Verhaltensweise - nämlich andere Wesen nicht zu schädigen und sich vor allem auf die eigene Dharmapraxis zu konzentrieren - einzuhalten. Danach nimmt man das innere Bodhisattvagelübde und verpflichtet sich dazu, Erleuchtung zur erlangen, um allen Wesen aus den Leiden der bedingten Existenz herauszuhelfen. Schließlich erlangt man die Ebene, auf der man die Vajrayanapraxis üben kann. Wir leben heute in dem sogenannten "Dunklen Zeitalter", in dem die Lebensbedingungen weltweit sehr schwierig sind. Auch sind die buddhistischen Lehren in vielen Teilen der Welt unbekannt, so daß die meisten Menschen nicht in eine buddhistischen Lebensweise hineingeboren werden. Unter den Umständen der heutigen westlichen Gesellschaften ist der Weg des Verwirklicher (des "Yogi") sehr passend. Das bedeutet nicht, daß irgend etwas an dem traditionellen Weg der Ordination falsch wäre, sondern daß dieser kein Muß ist, und daß es für viele Leute bequemer ist, als Laienbuddhisten ohne die Verhaltensregeln der äußeren Ordinationsgelübde zu praktizieren.

Die 84 Mahasiddhas folgten fast alle dem Laienweg, nur wenige von ihnen waren Mönche und Nonnen. Heutzutage ist der Laienweg für viele Menschen ein natürlicher und nützlicher Weg. Ich bin deswegen der Meinung, daß Lama Ole Nydahl mit seiner Herangehensweise in der Lage ist, einer großen Anzahl von Wesen wirklich zu nutzen. Die Lehren und Methoden Buddhas wurden gegeben, um den Wesen zu nutzen. Dies ist der Zweck der Lehren. Sie müssen uns berühren, unseren Geisteszustand verändern, uns verstehen lassen, daß Ursache und Wirkung funktionieren und so unser Leben in positiver Weise verändern. Lama Oles Arbeit tut genau dies. Nicht nur, daß er vielen Wesen nutzt, indem er ihnen die sehr geschickte Vajrayanapraxis des Phowa lehrt, er geht auch ständig auf viele Wesen zu und nützt ihnen, indem er tatsächlich ihre Leben in positiver Weise verändert. Ich unterstütze und wertschätze seine Aktivität in jeder Weise."


Übersetzung aus dem Tibetischen ins Englische: Hannah Nydahl; ins Deutsche durch die Redaktion.