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BUDDHISMUS HEUTE
Aus: Buddhismus Heute Nr. 21, ( 1996)

Kinder im Dharma - Zwei Beiträge von buddhistischen Müttern

Von Silke Pape, Edita Berger und Karin Sintschnig-Dreier

Seit ungefähr zwei Jahren wird unsere norddeutsche Sangha um einige Kinder bereichert.
Wir finden es toll, daß viele die Herausforderung annehmen und versuchen, ein Beispiel für angewandten Buddhismus in der Mitte unserer Gesellschaft zu geben. Die Frage, die uns als Mütter von 1- und 2 jährigen Kindern aus aktuellem Anlaß beschäftigt, ist: Sollte man Kinder selbstverständlich zu buddhistschen Vorträgen und Einweihungen mitnehmen oder nicht?

Neulich bekamen wir in Hamburg Belehrungen von Künzig Shamar Rinpoche und Einweihungen von Lopön Tsechu Rinpoche. Das Zentrum bat in der Einladung darum, möglichst keine Kinder mitzubringen, damit die Veranstaltung nicht gestört wird. Niemand käme auf die Idee, ein Kleinkind mit ins Kino, Theater oder Konzert zu nehmen. Buddhistische Vorträge und Einweihungen scheinen da jedoch eine Ausnahme zu bilden. So kamen auch zu diesen Veranstaltungen einige Eltern mit ihren Kindern. Wir konnten hier verschiedene Umgehensweisen der Eltern mit den Kindern beobachten. Da gab es diejenigen, die beim ersten Ton ihres Kindes rausgingen und somit die Störung für alle sehr gering hielten. Es gab aber auch diejenigen, die der vermeintlichen Kinderfeindlichkeit der Kagyüs den Kampf angesagt zu haben schienen. Auch nach höflicher Aufforderung hinauszugehen hielten sie dennoch "die Stellung".

Was die Einstellung gegenüber Kindern allgemein angeht, so kann man da nicht nur Kagyü-intern unterschiedlicher Auffassung sein. Ein buddhistischer Vortrag jedoch, der sich vor allem an sogenannte Neueinsteiger richtet, kann unserer Meinung nach nicht das geeignete Forum sein, um an ein "Herz für Kinder" zu apellieren. Alle Eltern probieren es sicherlich einmal aus, ihre Kinder zum Vortrag mitzunehmen und sammeln ihre Erfahrungen dabei. Dagegen ist nichts einzuwenden.

Wichtig finden wir dabei zu hinterfragen, wessen Interesse hier im Vordergrund steht - das eigene Interesse des Kindes am Buddhismus oder das Interesse der Eltern. Für Edita und mich stand zum Beispiel sehr schnell fest, daß es uns streßte, unsere Kinder zum Vortrag mitzunehmen. Einerseits innerlich total angespannt auf einen bevorstehenden Lust- oder Hungerschrei unseres Kindes zu warten und andererseits - wenn es dann soweit war - rausgehen zu müssen. Vom Vortrag bekamen wir überhaupt nichts mit. Daran änderte auch ein extra eingerichteter Videoraum nichts. Da brabbelten, gurrten und spielten dann ca. 10 Kinder zur gleichen Zeit. Dem Zentrum entstanden dadurch nicht unerhebliche Mehrkosten und ein hoher Zeit- und Arbeitsaufwand zum Aufbau der Anlage.

Wir lösen das Thema für uns jetzt so, daß wir uns einen Babysitter (Großeltern, Freunde, Nachbarn...) organisieren. Die Vortragstermine sind ja meist schon Monate im Voraus bekannt. Sollte das nicht klappen, bleiben wir oder unser Partner mit dem Kind zu Hause, während der oder die andere zum Vortrag geht.

Glücklicherweise kann man ja den Vortrag auf Kassette bestellen und später genüßlich zu Hause hören. So müssen wir zwar auf das "Event", aber nicht auf den Vortrag verzichten.

Denn: Ist Dabeisein wirklich alles? Auf Kosten von 500 weiteren Besuchern, die sich wie im alten Tibet fühlen und versuchen, sich trotz der "familiären Atmosphäre" zu konzentrieren? In einer Zeit, in der sich die allgemeine Konzentrationsfähigkeit bereits auf wenige Sekunden reduziert hat, haben die meisten von uns wahrscheinlich schon genug damit zu tun, die Aufmerksamkeit beim Vortragenden zu halten.

"Ja, aber was ist mit dem Segen für unser Kind", werden einige fragen. Wäre es nicht eine Möglichkeit, ein Foto vom Kind zum Segnen mitzubringen? So könnte es ebenfalls die ganze Zeit dabei sein, während es gemütlich zu Hause im Bett schläft. Und es gibt ja auch die Segensbänder und Schützer die das Kind tragen und somit den Segen sogar ständig dabei haben kann.

Hannah Nydahl gab uns noch etwas Wichtiges zu diesem Thema zu bedenken: Stört ein Kind zum Beispiel während einer Einweihung, die hohe Anforderungen an die Konzentration aller Beteiligten stellt, dann werden Eltern und Kind vielleicht Auslöser für Störgefühle und ziehen den Zorn anderer auf sich - was ja keine guten Verbindungen schafft.

Mit der zunehmenden Ausbreitung des Buddhismus in unserer Gesellschaft werden immer mehr Kinder ihren Platz in der Sangha finden. Wir meinen: Die Kinder entwickeln ihr Interesse am Buddhismus ganz natürlich und aus sich heraus. Im Gegensatz zu Babys sind sie dann mit Sicherheit auch aufmerksame Zuhörer bei Vorträgen und Einweihungen und gehören selbstverständlich dazu.

Es geht uns in diesem Artikel nicht darum, Eltern, die ihre Kinder zu den Vorträgen mitbringen, als egoistisch oder rücksichtslos hinzustellen oder Kinder generell als Störenfriede abzutun.Wir wollen auch nicht Partei für diejenigen ergreifen, die sich von jedem noch so leisen Geräusch abgelenkt fühlen. Es geht für uns vielmehr darum, das Thema zur Diskussion zu stellen und zum Nachdenken anzuregen. Wir freuen uns über Eure konstruktiven Vorschläge und Anregungen.

Dharma und Familie

von Karin Sintschnig-Dreier

...über die Freude mit Kindern am Weg in einer Laien- und Yogigesellschaft im Westen. Ein Bericht über die Entwicklung des Eltern- und Familiendaseins im Dharma, seine Möglichkeiten und Anforderungen.

Wir befinden uns in Graz, wir sind ein mittelgroßes Zentrum, geschichtsträchtig, das erste, das Ole in Europa gegründet hat und unser Sangha besteht mittlerweile, sozusagen in die Jahre gekommen, auch aus mehreren Eltern mit ihren Kindern. Mit der Existenz unserer "Kröten", wie Ole liebevoll zu sagen pflegt, und der Tatsache, daß wir uns für den Dharma entschieden haben, wachsen nicht nur sie, es wächst auch immer mehr unser Wunsch, unser buddhistisches Leben mit Meditation, Kursen, Zentrumsarbeit und sonstigen Ereignissen mit der Tatsache, daß wir auch noch Eltern und nicht nur Buddhisten sind, konstruktiv unter einen Hut zu bringen.

Wir sind sozusagen am Weg, Erfahrungen und Möglichkeiten zu finden, die es uns erleichtern, ein spirituelles Leben mit Familie zu führen.

In unserer Gesellschaft gibt es dafür ja leider keine Beispiele, und ich glaube auch, daß wir unseren Anforderungen und Bedingungen im Westen entsprechend, neue Formen des Zusammenlebens finden müssen, um unsere Möglichkeiten und Bedingungen dafür beides zu vereinbaren - sowohl für Kinder als auch für Erwachsene - verbessern zu können.

Aber beginnen wir dort, wo wir sind.

Unsere neueste Errungenschaft, die ich Euch im Laufe dieses Artikels vorstellen möchte, ist unser buddhistisches "Kiddy"-Team und eine Tara-Kindermeditation, die bereits in vielen Zentren im Shop, und in jedem Fall bei uns in Graz erhältlich ist.

Aber da das die neuesten "Meilensteine" sind, möchte ich zuerst noch kurz darauf eingehen, wie sich unsere Beschäftigung mit diesen Inhalten entwickelt hat.

Meine Erfahrungen, was dieses Thema betrifft, stützen sich darauf, daß ich eine neun-jährige Tochter, Jana, habe. Als Jakob und ich zum Dharma kamen, war Jana zwei Jahre alt. Aus dieser Situation heraus mußten wir uns eben diesen oben genannten Fragen stellen, um unser Familienleben partnerschaftlich in Einklang zu bringen mit unseren Wünschen und den Bedürfnissen unserer Tochter, was nicht leicht war:

Themen waren und sind:

Wann kann wer was praktizieren? Das heißt Fragen: Was kann ich als Mutter eines Neugeborenen, oder Kleinkindes, wenn ich zu müde für Verbeugungen bin, machen? Ich begann zuerst mit Dorje Sempa, was den Stress verminderte, sonst nichts machen zu können, während Jakob seine Verbeugungen herunterspulte.

Wie kann Jakob seiner Vaterrolle gerecht werden und mich unterstützen, daß auch ich den Raum für Praxis habe und die gute Laune bleibt?

Wie können wir beide gleichzeitig an einem Phowakurs teilnehmen? Daraus entstand die Organisation der ersten Kinderbetreuung beim Phowakurs in Graz.

Wie können wir uns selbst und den anderen ungestörte Belehrungen und Vorträge gönnen, ohne selbst unter Hochspannung zu stehen? Organisation von gemeinsamen Babysittern im Sangha

Wie kann ich als Frau mit Familie, Kind und Job auch noch praktizieren und froh dabei bleiben? Wir nähern uns bei manchen Fragen der Beantwortung erst an!

Wie organisieren wir Freiräume? Mittlerweile gemeinsame Kinderbetreuung während der Vorträge oder Praxiswochenenden im Zentrum - das heißt die Kinder sind im selben Energiefeld, haben aber ihr eigenes Programm und können doch zu ihren Eltern kommen, wenn es anfällt.

Weitere Erfahrungen machten wir, als nach einiger Zeit das Thema auf uns zukam, daß Jakob und ich uns entschlossen unsere Partnerschaft zu beenden, allerdings nicht unsere Elternschaft. Keiner von uns wollte seinen Lehrer wechseln und/oder zu einer anderen Religion konvertieren. So wurde unser Band zu unserem gemeinsamen Lehrer die Möglichkeit, unsere Verbindung innerhalb des Sangha in Freundschaft umzuwandeln, und wir alle haben in dieser neuen "Familienform" Vorteil davon. Wir können abwechselnd reisen, Retreat machen und haben ein Feld, in dem wir unser Kind, trotz Trennung, gemeinsam erleben.

Außerdem haben wir vor drei Jahren mit fünf anderen nicht-buddhistischen Elternpaaren eine Privatschule in Graz gegründet, die jetzt gerade ins vierte Jahr ihres Bestehens geht. Die Erlebnisse aus dieser Gründungsphase und der allgemeinen und speziellen Auseinandersetzung mit diesem Thema brachte uns viele Erfahrungen, was es heißen kann, neue Wege im Zusammenleben mit Kindern zu beschreiten, über die eigenen Vorstellungen und Begrenzungen hinauszugehen und was Neues zu versuchen. Das war bis jetzt eine spannende intensive Zeit mit großem Erfolg, und die schönste Bestätigung ist, die Freude der Kinder am Lernen und Leben mitzukriegen und zu sehen wie gut es ihnen dabei geht. Mittlerweile nähert sich das Kraftfeld Schule dem Kraftfeld unseres Zentrums an. Sowohl örtlich als auch von den Menschen, die mit der Schule zu tun haben und sich für den Dharma interessieren bzw. schon Buddhisten sind und auch von Menschen aus unserem Zentrum, die ihre Kinder in unsere Schule bringen.

So blicken wir gemeinsam mit den anderen Eltern aus dem Sangha auf ein paar Jahre zurück, in denen wir uns mit dem Thema - mit Kindern leben - auseinandergesetzt haben, was auch zur Gründung unseres "Kiddy"-Teams führte, welches ich Euch jetzt vorstellen möchte:

Maxi Kukuvec und Kordula Schnurr organisieren einmal im Vierteljahr Kindernachmittage, an denen Kinder hauptsächlich erleben, was es heißt, einen eigenen Platz im Zentrum zu haben.

Es wird eine Umgebung für die Kinder vorbereitet, in der sie frei unter den verschiedenen Angeboten wählen können. Sowohl die Umgebung als auch die Angebote stehen im buddhistischen Kontext und es wird gespielt - zum Beispiel Buddhas Lebensgeschichte mit verteilten Rollen, meditiert, gesungen - Kordula textet und komponiert buddhistische Kinderlieder - gebastelt - zum Beispiel Malas, Mandalas, Stupas etc. und die Kinder können sich selbst aussuchen, woran sie teilnehmen wollen.

Maxi Kukuvec hat das schon erwähnte Tara-Kindermeditationsheft initiiert und verfaßt.

Caty Hartung steht uns unterstützend zur Seite und koordiniert Informationen über unsere Arbeit in allen Zentren.

Corinna Schuster, Architektin und Kinder gärtnerin, arbeitet mit ihrem reichen Erfahrungsschatz einer dreifachen Mutter, Kindergärtnerin und Buddhistin mit.

Ich selbst möchte mich gerne auf die Unterstützung von wißbegierigen Eltern konzentrieren, die daran interessiert sind, wie sie Kinder, Dharma und sich selbst - alles zusammen - besser auf die Reihe kriegen können.

Wie für unsere Meditation haben wir auch für unser Zusammenleben mit Kindern im Dharma ein paar Grundgedanken bzw. auch ein paar Grundfragen:

Wie können wir eine möglichst entspannte Atmosphäre für Eltern und Kinder im täglichen Leben schaffen, wenn wir Dharma praktizieren?

Wie können wir diese Anforderung als Schritte auf unserem Weg nutzen, so daß alle froh sind und davon profitieren? (Eltern, Kinder und der Lehrer)?

Wie können wir den potentiellen Buddhisten von morgen - unseren Kindern - ein Leben vorleben, das es für sie attraktiv macht, sich vielleicht auch für den Dharma zu entscheiden?- das heißtwie können wir uns konstruktiv der Verantwortung stellen, daß wir ihnen möglichst positive Eindrücke davon vermitteln, was es heißt im Dharma zu sein und eine nahe Verbindung zum Lehrer zu haben?

Wie wäre es für uns Erwachsene (Rollentausch), wenn wir ein Kind in einer buddhistischen Familie wären und tägliche Meditationen, Zentrumsgeschehen-, -arbeit und Kursereignisse miterleben, wenn es keinen vorbereiteten kindgerechten Platz in diesen Szenen gäbe und sich dann auch noch den Unterschied vorzustellen, wie es wäre, wenn es diesen Platz gäbe und er zum Erfahrungsfeld für Kinder und Eltern wird? Wie wirkt Ursache und Wirkung in der Eltern-Kind-Beziehung?

Wie können wir unseren Wunsch uns selbst zum Besten aller zu entwickeln auch auf unsere Kinder übertragen? Wie können wir unseren Kindern und uns diesen Raum schaffen, in dem beide ihr Potential und ihre Fähigkeiten entfalten können und voneinander lernen können? Wieviel Schutz und Grenzen und wieviel Freiheit sind nötig, um das zu ermöglichen? Behandeln wir unsere Kinder wie unsere besten Freunde? Wie können wir geeignete Vorbilder für unsere Kinder sein? Wie können wir mit unseren Kindern der gesellschaftlichen, politischen und spirituellen Verantwortung gerecht werden? Ist nicht jeder gute Eindruck im Geist ein Same für unsere Befreiung und Erleuchtung? Können wir aufgrund unserer guten Bedingungen in Mitteleuropa an diesem Überschuß auch unsere Kinder geistig teilhaben lassen? Können wir mit unserem buddhistischen Potential neue Familienformen für die Zukunft finden? Es geht den Kindern gut, wenn es den Eltern gut geht. Was heißt das? Wem zuerst? Oder beiden gemeinsam? Was machen wir mit unseren Sorgen, Wünschen und Ängsten diesbezüglich, wenn wir sie nicht gleich wegmeditieren können? Ab wann und in welcher Form sind buddhistische Belehrungen für Kinder sinnvoll? Ab wann ist unsere Anhaftung an die Kinder größer als ihre an uns? Wie können wir am besten Achtung und Respekt vor dem Leben vorleben?

Und wie, daß trotzdem Spaß, Freude und Leichtigkeit nicht zu kurz kommen? Die Beschäftigung und Beantwortung dieser Fragen haben wir uns im Kiddy-Team zum Ziel gesetzt und freuen uns, wenn ihr daran teilhaben wollt.

Inspirative Gedanken von Rebecca und Mauritio Wild, die sich seit 20 Jahren in Ecuador und Deutschland mit neuen Formen des Zusammenleben mit Kindern auseinandersetzen:

"Werte, die wir Kindern beibringen wollen und ihnen nicht vorleben können, führen zu Zynismus"

"Das soziale Lernen des Kindes findet vor allem durch die Art und Weise statt, in der wir ihm vom ersten Tage seines Lebens an begegnen. Erfährt es Respekt, Rücksichtnahme, Wärme und friedliche Familienatmosphäre, so prägt dies sein späteres soziales Verhalten ebenso, wie das Fehlen dieser Qualitäten. Es lernt also nicht durch das, was wir lehren und predigen, sondern daraus, wie wir uns ihm gegenüber verhalten - wie wir sind!"

Ja, die Kunst des Möglichen und das was sich natürlich anfühlt......

Kurz möchte ich noch auf die tragende Rolle von Kindern im Leben Buddhas hinweisen, wie es im Buch von Thich Nhat Hanh "Alter Pfad, weiße Wolken" beschrieben steht:

Svati, ein elf-jähriger Unberührbarer wünschte sich aufgrund seiner Hingabe so sehr dem Buddha etwas zu schenken und sorgte dann über sehr lange Zeit dafür, daß Buddha immer wieder frisch geschnittenes Kusagras als Meditationskissen von ihm bekam. Und ein 13-jähriges Mädchen namens Sujata rettete ihn nach seiner strengsten Askese und nach dem Erkennen der Einheit von Körper und Geist mit einer Schale Milch aus seiner Ohnmacht vor Schwäche. Sowohl Svati als auch Sujata waren die ersten, die nach Buddhas Erleuchtung zu ihm kamen und auch die ersten,die gemeinsam mit mehreren anderen Kindern Belehrungen von ihm bekamen.

Er begann, nachdem sich die Kinder um ihn gesammelt hatten so: "Ihr seid alles intelligente Kinder, und ich bin sicher, daß ihr die Dinge, die ich mit euch teilen möchte, verstehen und üben könnt. Der Große Pfad, den ich entdeckt habe, ist tiefgründig und subtil, doch die, die willens sind, ihr Herz und ihren Geist darauf zu richten, können ihn verstehen und ihm folgen."

Wir in Graz ziehen ja auch bald in unser neues Zentrum am Hof und wir alle haben Kinder. Unsere "Mahamudra-Gemeinschaft" bedeutet für uns eine wunderbare Erleichterung und Öffnung, was Partnerschaft und Familie betrifft. Unsere Einzelkinder sind in eine größere Familie eingebunden, haben mehrere elterliche und gleichaltrige Freunde, die Kinder können leichter beaufsichtigt werden, ohne daß bei uns ein Schuldgefühl entsteht sie zu vernachlässigen wenn wir meditieren oder für das Zentrum arbeiten wollen. Das Zusammenleben bedeutet einfach um soviel mehr Freiraum für die Praxis, daß vor allem auch wir Frauen gute Bedingungen haben, uns zu erleuchten.

Für die Kinder ist es eine gute Möglichkeit, abgesehen davon, daß sie in eine großen Gemeinschaft eingebunden sind, ohne Druck und ohne ausgeschlossen zu werden, entspannt eine Symbiose von Familien- und spirituellem Leben mitzubekommen. Auch das "Druckkochtopf-Problem" innerhalb von Kleinfamilien löst sich im Raum auf - das Ego hat mehrere Gegner und nicht nur einen Partner - was wiederum eine Chance ist, unabhängigere Liebesbeziehungen führen zu können. Auch wenn wir ohne PartnerIn leben sind wir aufgefangen und können, im Freundeskreis gehalten, entspannter unsere Zeit nützen. So haben wir alle Spaß und Vorteil daran.

Für all das sind sicherlich auch viele Überlegungen, Regeln, Toleranz, Geduld und Zeit nötig, die unser gemeinsames Leben freudvoll und sinnvoll machen.

Wir würden uns freuen, wenn dieser Bericht für alle "Betroffenen" und Interessierten eine Einladung zur Mitarbeit und am Weitertragen unserer Erfahrungen wird. Wir sind für alle neuen Anregungen und Wünsche offen und sind, obwohl an der Grenze zu den "halbwarmen Ländern" situiert, jederzeit erreichbar. (KTL Graz, St. Peter-Pfarr-Weg 17, A-8020 Graz, Tel./Fax: +43-316-462117)


Silke Pape, 24, Ergotherapeutin, lebt mit ihrem zwei-jährigen Sohn im Hamburger Karma-Kagyü-Zentrum. Edita Berger, 42, Psychotherapeutin, hat einen 1-jährigen Sohn. Sie ist Schülerin von Künzig Shamar Rinpoche und Lama Ole Nydahl.

Karin Sintschnig-Dreier, 37, Modedesignerin, lebt mit ihrer neun Jahre alten Tochter im Kagyü-Zentrum Graz und macht eine Ausbildung zur Kunsttherapeutin.