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BUDDHISMUS HEUTE
Aus: Buddhismus Heute Nr. 20, ( 1996)

Die "Internationale Karma-Kagyü-Konferenz"

Eine Versammlung der Anhänger des 16. Karmapa, 28. bis 30. März 1996, New Delhi/Indien

Die Mönche des 16. Karmapa Rangjung Rigpe Dorje aus dem Kloster Rumtek in Sikkim hatten Anfang März Vertreter von Karma-Kagyü-Klöstern und Dharmazentren aus aller Welt zu einer Konferenz nach New-Delhi eingeladen.

Ihr Wunsch war zum einen, Künzig Shamar Rinpoche zu bitten, ausführlich die Hintergründe seiner Anerkennung des 17. Karmapa Thaye Dorje darzulegen. Außerdem wollten sie über die Situation in ihrem Heimatkloster Rumtek berichten: über die schockierenden Ereignisse, die im Kloster seit 1992 stattfinden und ihr Leben dort schließlich unerträglich machten, sowie über ihre derzeitige, menschenunwürdige Situation als Mönche ohne Kloster.

Der Einladung des Rumtek-Mönchs-Sangha folgten etwa 300 Personen aus 30 Ländern der Welt. Vertreter verschiedener Klöster und buddhistischer und tibetischer Organisationen aus Sikkim, Bhutan, Nepal, Lhadakh und Indien sowie von Karma-Kagyü-Klöstern und -Zentren weltweit waren anwesend.

Die Berichte der Rumtek-Mönche über die Ereignisse in Sikkim boten zwar Dank des guten Informationsflusses in den letzten Jahren (siehe Karmapa Papers und Berichte in den Kagyü-Life-Ausgaben 9 bis 19) den Westlern wenig wirklich Neues. Uns bewegte jedoch zutiefst, die Menschen persönlich zu erleben, die zum ersten Mal vor einem aufmerksamen Publikum erzählen konnten, was sie mitgemacht hatten, weil sie dem gesunden Menschenverstand gefolgt waren oder ihr Vertrauen in Karmapa und Künzig Shamar Rinpoche nicht aufgeben wollten. Viele der uns bisher nur von Faxen und E-mails bekannten Namen und Geschichten wurden hier sehr lebendig. Was für viele Westler zu einer mehr oder weniger erschütternden Vertrauenskrise geführt hatte - da so viele ihren Wunschtraum nach der "heilen Welt Tibets" in Scherben gehen sahen - bedeutete für einige von Karmapas Anhängern im Himalaya eine konkrete Bedrohung von Leib und Leben. Viele durchlebten einen Alptraum von Bedrohung, Vertreibung und Mißhandlungen jeglicher Art - selbst Mord - deren Folgen noch immer andauern. All dies wurde nun zum ersten Mal öffentlich dargelegt und angehört.

Künzig Shamar Rinpoche berichtete am ersten Tag ausführlich, wie er zu der Gewißheit gekommen war, daß Thaye Dorje die Reinkarnation des 16. Karmapa ist, und offenbarte dabei sehr Persönliches wie zum Beispiel seine Träume im Retreat. Da die Person, die vom 16. Karmapa Anweisungen über dessen Reinkarnation erhalten hat, diese noch nicht bekanntgeben kann, war es Shamar Rinpoche jedoch noch nicht möglich, alle Informationen preiszugeben.

Wollte man ein Resümee aus der Konferenz ziehen, so wäre ein wichtiger Punkt sicherlich jener, daß hier zum ersten Mal in aller Deutlichkeit klar wurde, wieviel Unterstützung Karmapa Thaye Dorje und Künzig Shamar Rinpoche weltweit haben; die Vertreter der verschiedenen Länder und Organisationen sprachen dies in ihren Reden aus.

Wie Topga Rinpoche mehrmals mit Bedauern sagte, zwangen die derzeitigen Umstände dazu, über Politik, Verfolgung etc. statt über Dharma zu sprechen. So gesehen waren wir froh, daß Karmapa Thaye Dorje selbst an dem Kongreß nicht teilnahm, sondern ein Retreat machte; wir wünschen ihm wirklich die Chance, mit so wenig Politik wie möglich aufzuwachsen. Am Morgen nach dem Ende der Konferenz gab Karmapa Thaye Dorje auf die Bitte der Teilnehmer hin schließlich seine erste Ermächtigung - auf den Bodhisattva Liebevolle Augen, Tschenresig.

Ulla & Detlev Göbel

 

Die Einladung zur Konferenz, 8. März 1996

Die offizielle Mönchsgemeinschaft des Dharma Chakra Zentrums Rumtek, Sikkim, Indien lädt hiermit Vertreter der Karma Kagyü Klöster und Dharma Zentren der Himalaya-Region und der ganzen Welt zur Internationalen Karma Kagyü Konferenz vom 28. bis 30. März 1996 nach New Delhi ein.

Die Einladung wendet sich an jene Karma Kagyü Institutionen, die nicht aktiv an den Gewalttätigkeiten und den Verleumdungskampagnen beteiligt waren, die im Zusammenhang mit der Karmapa-Frage aufgetreten sind.

Es wird darum gebeten, daß jedes Land bzw. jede Region nur ein oder zwei Vertreter schickt.

Dieses Treffen hat zum Ziel, Licht auf die Ereignisse um die Karmapa-Frage zu werfen und Informationen auszutauschen über Themen wie:

Eine Präsentation von Künzig Shamar Rinpoche über seine Anerkennung von Karmapa Thaye Dorje als die 17. Inkarnation von Seiner Heiligkeit Gyalwa Karmapa.

Ein Bericht über den Verlauf der Ereignisse im Zusammenhang mit der Karmapa-Frage im Kloster Rumtek von den dort lebenden Mönchen Karmapas.

Die Weiterführung von Karma­pas weltweiter Aktivität.

Aufgrund des wiederholten Mißbrauchs von Rinpoches zur Manipulation von Schülern in den letzten Jahren, haben wir es vorgezogen, die Karma-Kagyü-Rinpoches nicht in dieses Treffen einzubeziehen.

Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme an diesem äußerst wichtigen Ereignis.

Umze Ngedön, Vertreter der Mönchsgemeinschaft Rumteks.