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BUDDHISMUS HEUTE
Aus: Buddhismus Heute Nr. 17, ( 1995)

Interview zum "Buddha-Dharma Zentrum"

Mit Lopön Tsechu Rinpoche

Im Februar 1995 weihte Lopön Tsechu Rinpoche im Wuppertaler Zentrum den neuen Stupa ein. Rinpoche war so freundlich, ein Interview zur Entwicklung seines Projekts in Kathmandu zu geben. Hier entsteht für Rinpoches Schüler aus Ost und West eine Stelle, wo der Dharma studiert und praktiziert werden kann. In Kagyü Life Nr. 15 wurde bereits darüber berichtet.

Wir möchten gerne die Gelegenheit nutzen, näheres über die Entwicklung des Buddha-Dharma-Zentrums zu erfahren.

Die Frage erinnert mich an die Geschichte von Dawa Drakpa1; wann das Projekt nun letztlich fertig sein wird, weiß ich nicht, denn in Nepal dauert alles viel länger als hier. Die Arbeiter müssen dort beispielsweise ohne Maschinen zurechtkommen, und die Baufirma schickt ihre Leute auf mehrere Baustellen zugleich, anstatt sich auf eine zu konzentrieren. Wenn ich nicht da bin - wie im Sommer letzten Jahres oder jetzt wieder - arbeiten die Leute langsamer als in Zeiten wo ich in Kathmandu sein und das Projekt beaufsichtigen kann.

In Deutschland ist so etwas viel einfacher: Jeder hat Erfahrung und es gibt klare Baukostenplanungen. In Asien hingegen kümmert sich niemand um so etwas; es gibt keine zutreffenden Kostenvoranschläge. Ob und wie die Arbeiter arbeiten, hängt davon ab, wie sie bezahlt werden können. Bekommen sie ihr Geld täglich ausbezahlt, so wird gut gearbeitet. Wird zum Beispiel nur wöchentlich bezahlt, dann lassen sich die Arbeiter eher Zeit...

Wenn ich über einen längeren Zeitraum da sein kann und ihnen Geld gebe, dann fangen sie an, dauerhaft gute Arbeiten zu leisten und alles geht gut voran. Doch auch dann kommt es manchmal vor, daß der Inhaber der Baufirma seine Angestellten nicht regelmäßig bezahlt, so daß sie zornig werden und die Baustelle verlassen.

Können Westler beim Bau helfen?

Dies ist nicht so einfach. Man kann nicht mal eben zum Helfen kommen, denn es ist eben keine Baustelle in Deutschland, sondern in Nepal.

Was ist Rinpoches Vision für das Buddha-Dharma-Zentrum?

Ich hoffe, daß viele Leute hinkommen werden, dort eine Verbindung zum Buddha-Dharma aufbauen und davon Nutzen haben werden.

Zuerst dachte ich nur an ein Kloster in den Bergen, weil es in einer Stadt wie Kathmandu sehr schwierig ist, sich auf die Dharmapraxis zu konzentrieren. Auch gibt es ja schon heilige Stellen in Kathmandu selbst, wie die Stupas in Swayambunath oder Bodanath. Eine neue Stelle wäre da nicht so wichtig. Lange Zeit habe ich in dieser Weise gedacht. Außerdem fand auch mein Wurzelguru eine Stelle in der Stadt unangebracht.

1987 kam ich dann zum ersten Mal nach Europa. Infolgedessen wurde ich in den Jahren danach in Kathmandu immer öfter von Westlern besucht, konnte aber keine eigene Aufenthaltsstelle zur Verfügung stellen. Das war nicht so schön - so als ob wir uns hier in Wuppertal treffen müssten, ohne einen eigenen Platz dafür zu haben. Daher kam ich auf den Gedanken, daß es doch gut sein könnte, eine Stelle in der Stadt zu bauen. Hinzu kam, daß ich mehrfach darum gebeten worden war, für Mönche, Nonnen und Laien aus den ländlichen Regionen Nepals eine Stelle für Besuche in Kathmandu zu bauen.

Nepal ist sehr stark von der hinduistischen Tradition geprägt; der König und viele Politiker sind Hindus. Dadurch ist der nepalesische Buddhismus schwach und das Interesse am Buddhismus drückt sich vor allem durch Besuche von Einweihungen aus. Das Buddha-Dharma-Zentrum soll daher die Möglichkeit für mehr Praxis, besonders auch für Laien, bieten. Das Projekt ist nicht groß und soll in zwei Jahren fertig sein.

Wir hörten, daß Rinpoche insbesondere durch den westlichen Laienbuddhismus zum Projekt inspiriert wurde?

Ja, das stimmt. Allerdings macht der westliche Lebensstil die Praxis schwierig, da alle immer sehr beschäftigt sind. Es ist wie auf einer großen Autobahn, immer weiter, weiter, weiter. In Nepal dagegen ist es einfach, weil alle viel Zeit haben. Manche praktizieren, andere schlafen viel.

Wie wird der Meditationsraum des Buddha-Dharma-Zentrums aussehen?

Die Idee ist, als zentrale Figur Buddha Shakyamuni (15 Fuß hoch aus Ton) in die Mitte des Altars zu stellen. Rechts davon Maitreya (11 Fuß) und die Grüne Tara (7 Fuß), links Chenrezig (11 Fuß, aus Kupfer, vergoldet) und Guru Rinpoche (7 Fuß). Die Figuren werden von Hand gefertigt und ihre Ornamente sollen aus kostbaren Materialien, wie zum Beispiel Juwelen bestehen. Die Herstellung braucht Zeit und es gibt nicht so viele Statuenmacher, die diese Arbeit in Metall ausführen wollen. Daher wird auch Ton verwendet.

Außerdem sind Wandmalereien vorgesehen: Die 84 Mahasiddhas, die 16 Arhats, 35 Buddhas, 1000 Buddhas, 108 Buddhas und 21 Taras.

Kann Rinpoche etwas über die finanzielle Situation des Projekts sagen?

In der Lama-Tradition ist es so, daß zuerst etwas Geld gesammelt und dann mit einem Projekt begonnen wird. Das noch fehlende Geld für die Fertigstellung kommt dann nach und nach von selbst.


Das Interview wurde geführt von Mitgliedern des Zentrums KCL Wuppertal. Übersetzung von Andreas von Hagen und Christoph Scheiwe.

1Dawa Drakpa: Berühmte tibetische Geschichte über den Besitzer eines Sackes voll Mehl, der lange überlegte, was er damit anfangen sollte und sich dabei alles mögliche für die Zukunft ausmalte. Währenddessen nagte eine Maus das Seil, an dem der Sack hing, durch, dieser fiel herunter und erschlug Dawa Drakpa. Diese Geschichte wird oft erzählt um zu verdeutlichen, daß man nicht über Zukunftsgedanken die Praxis vernachlässigen sollte.