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BUDDHISMUS HEUTE
Aus: Buddhismus Heute Nr. 16, ( 1994)

Im magischen Land

Ein Interview mit Lama Ole Nydahl zur Einweihung der Kalachakra-Stupa

Karma Gön, 21. Oktober 1994

Was ist die Bedeutung dieses neu erbauten, großartigen Stupa hier in Karma Gön bei Malaga?

Ja, ist sie nicht schön? Dreizehn Meter hoch, gefüllt mit den besten Reliquien der buddhistischen Welt, gesegnet und eingeweiht von Lopö Tsechu Rinpoche. Die Stupa wurde aus verschiedenen Gründen gerade hier in Spanien gebaut. Nach außen hin wurde sie für Frieden und gute Energie errichtet, wobei das Kraftfeld des Buddha Kalachakra besonders die Geschehnisse in der bedingten Welt beeinflußt. Nach innen hin bauten wir sie für die Freiheit. Es geht um unser Leben im Hier und Jetzt. Während der Einweihung lud ich die Stupa mit meinen stärksten Wünschen auf, daß sie die Freiheit Europas schützen möge und vor allem die unserer Frauen. Karma Gön liegt ja unmittelbar an der südlichen Mittelmeerküste, der sich überbevölkernden islamischen Welt gegenüber, die diesen und anderen Freiheiten gegenüber feindlich gesinnt ist. Die Stupa soll also in Verbindung mit der Zukunft Europas gesehen werden - als Ausdruck unseres Willens für Freiheit und Entwicklung.

Bei der Stupa-Einweihung gab es alle möglichen Wunder. Könntest Du etwas dazu erklären?

Ich war sehr zufrieden, sie waren erfolgsverheißend. Obwohl die meisten schon im eigenen Leben die vielen kleinen Wunder erleben, die eine Entwicklung ausmachen, haben sie seit Jahrzehnten Hannahs und meinen Erfahrungen bezüglich der großen Wunder vertrauen müssen. Nur wenige hatten bisher Dinge erlebt, die nicht mit unseren Naturgesetzen übereinstimmen, aber hier waren sie plötzlich im magischen Land. Die Geschehnisse waren wirklich sehr ungewöhnlich, ähnlich wie bei Karmapas Tod 1981. Gerade als die Einweihung der Stupa vorbei war, kamen 17 riesige Adler am weiten Himmel oberhalb der Stupa zusammen, seltene, geschützte Tiere, die wohl nicht so oft zusammen fliegen. Sie bildeten unterschiedliche Muster, während sie sich hochschwangen, und die ganze Sache war atemberaubend. Schließlich verschwanden 16 als kleine Mandalas von vier bis fünf Adlern in einer grauen Wolke - was sie sonst nicht tun - und einer flog in den tiefblauen Himmel selbst. Keiner von ihnen tauchte wieder auf. Ihr ganzes Verhalten sowie ihr einfaches Verschwinden war allen 1000 Zuschauern unerklärlich. Zur selben Zeit schwirrten Dutzende von Schwalben um die Stupa herum und - noch unerklärlicher - es entstand auf der Südseite ohne jeden Wind eine große Wolke aus Blättern und kleinen Zweigen. Sie erhob sich wie in Zeitlupe, machte (dies sah ich selber nicht, aber Freunde weiter oben am Berg beobachteten das) einen Bogen über die Stupa und kehrte dann wieder zurück. Kein Blatt schien herauszufallen und man konnte später weder Blätter noch Zweige finden.

Schließlich gab es noch eine Erscheinung, die die Tibeter "zwei Sonnen" nennen: für lange Zeit stand ein strahlender Lichtfleck rechts von der Sonne am Himmel. Zuerst glaubten wir, daß es ein Teil eines Regenbogens um die Sonne sei. Doch es war nur auf eine Stelle beschränkt.

Das riesige Segensfeld und die Zeichen gingen bis ins Mark der Knochen und wir "verdauen" sie immer noch. Man hätte sein Schulgeld zurückverlangen können, denn die von über 1000 Menschen beobachteten Ereignisse lassen sich nur als Wunder bezeichnen. Lo­pön Tsechu hat später erklärt, daß die Adler die 17 Karma­pas wären, deren Kraftfeld nun auch hier in Spanien angekommen sei, daß es nur möglich sei, weil wir unsere Bände zu Karmapa gehalten haben. Das Laub sei die Opferung der Erdgeister an sie gewesen. Ich sah alles als ein Zeichen, daß wir starke Verbündete haben in der Aufgabe, Europa frei zu halten und war besonders froh, daß der 17. Adler - Thaye Dorje - nicht mit der Wolke verschwand, sondern in den offenen Raum flog.

Was ist das Besondere an dieser Kalachakra- Einweihung?

Rinpoche übertrug die beiden üblichen und zwei sehr besondere Linien und übermittelte die ganze Fülle von Körper, Rede und Geist, Eigenschaften und Tatkraft. Als der Dalai Lama zum Beispiel in Madison/USA, das Kalachakra gab, umfaßte die Einweihung nur Körper und Rede von der Gelugpa-Übertragung. Eine vielseitigere Einführung als die von Lopön Tsechu Rinpoche in dieses Kraftfeld gibt es nicht und sie ist wirklich wichtig. Auf erleuchteter Ebene ist das Ziel dieses Buddhas die Umkehrung der Unwissenheit, die die Ursache aller Geistesgifte, in allesdurchdringende Weisheit. Die Übertragung ist die mittlere der drei sogenannten "höchsten Tantras", die einen in einem Leben zur Erleuchtung führen können. Die in unserer Linie so wichtigen Mutter-Tantras formen vor allem Begierde um, während die Vater-Tantras besonders mit Zorn arbeiten.

Die Übertragung ist besonders wichtig für die heutige Zeit, wo Menge fast überall Wert verdrängt und es so wenig Zeit gibt, mit irgendetwas in die Tiefe zu gehen. Wenn man in der Zukunft über die Jahrhunderte zurückblickt, wird das wohl eine der wichtigsten Beobachtungen sein.

Tsechu Rinpoche riet den Teilnehmern der Einweihung, die Vorbereitenden Übungen (Ngöndro) zu machen, anstatt - wie es oft zuvor bei Kalachakra-Einweihungen anderer Rinpoches geschah - den Leuten eine tägliche Kalachakra-Praxis anzuraten. Kannst Du dazu etwas sagen?

Wieder hilft Rinpoche bei der Entwirrung vieler. Er macht deutlich, daß alle Buddhas von derselben Natur sind; sie sinddie Liebe, Freude und Kraft des Raumes. Das gilt für alle Formen: ob sie friedlich, vereint oder schützend auftreteten; sie sind nichts persönliches und wir sollten sie als die verschiedenen Seiten eines strahlenden Juwels ansehen, der die Fülle der Erleuchtung ausdrückt. Wie alle vereinigten Formen zeigt Kalachakra auf der höchsten Ebene die Ergänzung von männlichem und weiblichem. Da diese Einweihung - außer für Hannah und mich - als Segen gegeben wurde, ist keine zusätzliche Meditation nötig. Sie ist ein guter Kick für die Meditationen, die unsere Freunde bereits machen. Der Segen wird sie sehr bereichern. Wir setzen wie bisher immer erst den Grundstein und der ist nun mal bei uns das Ngöndro.

Bei diesem Ereignis gab es besonders viele Gäste von überall auf der Welt. Wie kam es dazu?

Es war erstaunlich, wieviele aufgrund des Einsatzes von Pedro und Dorrit kamen, im ganzen 1200 Menschen. Außer aus der Ukraine und Rumänien, die keine Visa erhielten und Griechenland, Venezuela, Australien und Neuseeland, denen das Geld fehlte, waren Freunde aus über 120 unserer Zentren rund um die Welt da. Sie kamen von Europa, Sibirien, Japan, Nord- und Südamerika, Kolumbien, Peru, Kanada und Serbien, und noch dazu außerhalb ihrer Urlaubszeit. Mehr Leute als zu den größten Phowas reisten bis ans Ende der zivilisierten Welt. Das sagt etwas über Rinpoches Segen aus.

Wer nicht bei der Stupa dabei war, staunte kurz danach bei der Einweihung: bei wichtigen Stufen der Übertragung hat es kurz geregnet oder heftig geweht. Nun, wo alles vorbei ist - nur blauer Himmel und alles ist klar. Im Norden sieht man die "Löwenpforte" und im Süden jenseits vom Meer heißt der dünne schwarze Strich Afrika. Bei unserer Abfahrt, als sich die örtlichen Energien auf das übergeordnete Kraftfeld einzustellen schienen, gab es riesige Stürme, die die Zelte zerfetzten.

Die von Dir autorisierten Laienlehrer, die inzwischen überall auf der Welt lehren, haben sich hier alle mit Dir getroffen. Könntest Du etwas zu diesem Treffen sagen?

Ja, das Treffen der Lehrer war gut. Sie sind ja alle meine nahen Schüler und es ist wirklich eine flotte Bande. Wir haben jedesmal viel Spaß, sehen uns nur leider viel zu selten. Fast die ganze Welt war diesmal am Tisch. Einige kamen aus Peru zurück, andere von Neuseeland. Viele sind in Rußland, auf dem Balkan und in der Tschechei tätig oder leben schon fest in Nordamerika. Daß so viele Lehrer aus unseren mitteleuropäischen Zentren bereits Überschuß für so große Aufgaben haben, ist einfach toll und ich werde immer neue schicken.

Es hat sie nur mäßig verwundert, daß Tai Situ Rinpoche seit August Indienverbot hat und daß der chinesische Kandidat jetzt öffentlich verspricht "gut zu studieren und immer der kommunistischen Partei Chinas zu folgen".

Es war auch Zeit geworden für einen wichtigen Entschluß, um die Kraft und Reinheit unserer Kagyü-Übertragung nicht zu verwässern, doch leider war die Zeit zu knapp, deshalb jetzt hier: Von nun an wird bei den Belehrungen deutlicher als früher angegeben, ob Kopf oder Ganzheit spricht. Die Zuhörer sollen wissen, ob es um die Vermittlung mündlicher Belehrungen anerkannter Lamas geht, zu denen der "junge Löwe" ein starkes Band hat oder ob aus Uni und Büchern Angelerntes wiedergegeben wird.

Das erste ist für Segen und Erfahrung wichtig, das zweite für geistige Breite und buddhistische Bildung. Beides wird gebraucht, aber man soll sie während eines Vortrags unterscheiden können. Auch die nichtbuddhistischen Außengebiete müssen als solche klar erkennbar sein. Sonst werden eines Tages mit viel Charisma Feng Shui, Taoismus, Heilkünste und Kunstgeschichte als befreiende Einsicht in Buddhas gutem Namen gelehrt und wir werden so verwirrt sein wie alle anderen.


Interview mit Lama Ole Nydahl