Aus: Buddhismus Heute Nr. 15, ( 1994)

Die Kalachakra-Stupa in Karma Gön, Málaga

Von Maggy Lehnert-Kossowski

Auf den Hängen spanischer Berge, im Dharma-Zentrum "Karma Gön", wird diesen Sommer eine 13 Meter hohe Stupa gebaut werden. Es wird eine Kalachakra-Stupa sein; diese wird in den Lehren Buddhas als sehr besonders erwähnt.

Die Idee dieses Stupa-Baus wird unterstützt von Lopön Tsechu Rinpoche, Lama Ole Nydahl und Hannah Nydahl. Lopön Tsechu Rinpoche sagte uns, daß außerhalb Tibets nur sehr wenige Kalachakra-Stupas gebaut wurden. Nicht einmal in Nepal und Bhutan gibt es eine. Er sagte uns auch, daß die Bedeutung dieses Ereignisses von großer Wichtigkeit sei...

Die grundlegende Funktion einer Kalachakra-Stupa ist Schutz und Lama Ole Nydahls Worten zufolge wird sie "die Freiheit und die Frauen ganz Europas schützen". Indem wir uns an diesem Ereignis beteiligen, hat jeder von uns die Möglichkeit, die Zukunft unseres Kontinentes zu unterstützen. Von dem Platz aus, wo die Stupa errichtet wird, ist es bei optimalen Wetter- und Sichtbedingungen möglich, die Küste Afrikas zu sehen.

Die erste Kalachakra-Stupa wurde in Paldenjepung - in Südindien - gebaut, dem Platz, wo der historische Buddha die Kalachakra-Lehren ("Rad der Zeit") gab. Die nächste Kalachakra-Stupa wurde im 13. Jahrhundert vom zweiten Karmapa Karma Pakshi in Karma Gön in Tibet gebaut. Und genau diese war die Inspiration für die heutige Stupa, die in Karma Gön in Spanien gebaut werden wird.

Eine Stupa ist ein symbolische Objekt, das den Geist und die Lehren Buddhas repräsentiert. Die aufeinanderfolgenden Teile der Stupa symbolisieren das Universum und seine fünf Elemente Luft, Feuer, Wasser, Erde - und die Natur des Geistes, die die zuvor erwähnten vier Elemente enthält. Die äußeren Teile der Stupa repräsentieren den Geist Buddhas, und alles, was die Stupa innen enthält repräsentiert die Lehren Buddhas.

Der Konstruktion der Stupa gingen lange Vorbereitungen voraus. Eine Gruppe von Freunden aus Dänemark und Deutschland arbeitete seit zwei Jahren an diesem Projekt: Pedro und Doritt, Maggy und Wojtek, Carl und Norma. Pedro ist der finanzielle Hauptunterstützer und die größte Inspiration für die Arbeit. Wojtek Kossowski ist der Konstruktionsarchitekt und Koordinator für alle Arbeiten. Im Sommer 1992 wurden mit Hilfe einiger Handzeichnungen aus Nepal die ersten Pläne erstellt. Nach vielen Beratungen durch Tsechu Rinpoche, vielen Änderungen und Verbesserungen, nahmen die Pläne Anfang dieses Jahres ihre letztendliche Form an.

Die 13 Meter große Stupa wird die Höhe eines fünfstöckigen Hauses haben, 450 Tonnen wiegen und cirka DM 200.000 kosten. Verschiedene Teile der Stupa wurden in unterschiedlichen Ländern vorbereitet und warten nun auf den Transport nach Spanien.

Die komplizierte Form des Mittelteiles der Stupa, ebenso wie der die Stupa krönende "Schirm" wurden in Deutschland gemacht. Die Formen der Lotusblumen wurden in Dänemark hergestellt. Dort wurde auch der unabdingbare "Lebensbaum" gefunden und gefällt. Sechzig Meter feinste Seide werden in Taiwan gekauft. Die zwei Meter hohe Statue von Channa Dorje ("Diamant-in-der-Hand") ist in Nepal gemacht worden und wird per Schiff nach Karma Gön gebracht. Die kompletten Lehren Buddhas - der Kanjur und Tenjur - kamen bereits mit dem Flugzeug aus Kathmandu an.

In den zwei Schatzkammern der Stupa werden verschiedene Reliquien und symbolische Gegenstände für immer eingemauert. In das Herz der Stupa kommen unter anderen: Der Kanjur und Tenjur, mindestens 500 Kilogramm Papier mit Mantras, Tsa-Tsas, Räucherwerk, Statuen, Edelsteine und -Metalle, Miniaturen von spanischen Bauernwerkzeugen, und verschiedene medizinische Kräuter, die in den Hügeln Andalusiens gesammelt wurden. Lopön Tsechu Rinpoche, der das Projekt mit seiner Hilfe und seinem Schutz unterstützt hat, wird während der ganzen Bauzeit mit Lama Kalsang in Karma Gön sein - vom 15. Juli bis Ende Oktober. Zur Fertigstellung der Konstruktion möchte Rinpoche am 17., 18. und 19. Oktober in Karma Gön, in Anwesenheit von Lama Ole und Hannah Nydahl, die Kalachakra-Einweihung geben.

Die Verdienste des Baus einer Stupa sind enorm. Um nur einige zu nennen, wird man - den Lehren Buddhas zufolge - Wiedergeburt in einer königlichen Familie erlangen; einen schönen Körper haben; ein langes, glückliches, bedeutungsvolles und respektiertes Leben haben; und man wird schnell Erleuchtung erlangen.

Das meiste für dieses Unternehmen benötigte Geld ist bereits da. Wir brauchen jedoch noch cirka DM 50.000, um das Projekt vollenden zu können.

Finanzielle Unterstützung und jede andere Art von Spende wäre eine große Hilfe für die Arbeit. Symbolische Stücke von Edelmetallen und -Steinen werden benötigt, insbesondere Gold, Silber, Kupfer, Türkis, Korallen, Perlen, Diamanten und Rubine. Tsechu Rinpoche selbst hat für die Stupa bereits eine besonders wertvolle Reliquie gegeben - ein Stück von Milarepas Mala.

Die Kalachakra-Gruppe möchte allen die bereits geholfen haben, ihren Dank aussprechen.

Wir sehen uns in Spanien!


Maggy Lehnert-Kossowski

 

 


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