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BUDDHISMUS HEUTE
Aus: Buddhismus Heute Nr. 15, ( 1994)

Ein Vajra-Lied aus dem "Kagyü Gurtso"

Vom zweiten Jamgön Kongtrul Rinpoche

Jamgön Kongtrul Khyentse Öser (1904-1953) war der Lehrer des 16. Karmapa Rangjung Rigpe Dorje. Er verfasste dieses Lied, nachdem er Seiner Heiligkeit Karmapa die Mahamudra-Übertragung gegeben hatte.

Herr aller Familien, höchster uranfänglicher Buddha,
Strahlender Lama,
bitte verweile untrennbar in der Mitte meines Herzens. Ich folge diesem höchsten
Siegreichen als sein
geringster Diener. Wenn man diesen Faulpelz als eine Dharmaperson ansieht,
Die die drei Aktivitäten ausführt,
Ist das, als würde man Dreck als Gold sehen.
Aus Güte hast Du mich als Herrn Deiner Familie gewählt.
E ma, dies geschah durch die Kraft früherer Wünsche,
Darin lag keine Absicht, sondern es geschah als
Spontanes glückverheißendes Zusammentreffen.
Dieses kleine Lied über die Erkenntnis der Natur des Geistes ist
Eine Opferung von Musik, um den höchsten Edlen zu erfreuen.

Als erstes entsteht der Gedanke, daß alle bedingten Dharmas vergänglich sind,
daß sie Leiden bringen und verderblich sind.
Als zweites solltest Du,
Nachdem Du den vollständigen Pfad in der richtigen Weise betreten hast,
Verstehen, daß man Samsara verlassen und Nirvana erlangen sollte.
Dann wirst Du das Vertrauen erlangen, daß Samsara und Nirvana dasselbe sind.
Alle Dharmas sind eine Manifestation des Jnana-Dharmakaya.
Jetztheit, die die Schwelle sowohl zur Intelligenz als auch zur Unwissenheit
bildet,
Ist der Geist, die Wurzel aller Verwirrung und Befreiung.
Dieser Geist des Jetzt wird nicht aufgegeben, verändert oder gemacht.
Er ist selbst-manifestierend und existiert aus sich selbst heraus,
Leer, klar und ungehindert.
Alle äußeren Erscheinungen sind ohne Ausnahme und innere geistige Fixierung leer.
Man kann Erscheinung und Leerheit nicht trennen.
Diese Einheit, die durch Worte nicht vermittelt werden kann
Und die den Geist übersteigt,
Ist der grenzenlose, natürliche Zustand, der durch hundert Namen gezeigt wird.
Durch die hundert Mittel der Sutras und Tantras, Kyerim und Dzogrim,
Erkennt man daß Buddha nichts anderes als dieser Geist des Jetzt ist.

Du aber, Schützer, vollkommen erleuchtet seit anfangsloser Zeit,
Erscheinst in menschlicher Form zum Wohle der leidenden Wesen.
Obwohl Du Dich nicht mühen mußt, die Stufen des Pfades zu durchlaufen,
Erscheinst Du, um die mündlichen Unterweisungen beispielhaft zu zeigen,
In einer Weise, die wir verstehen können.
Obwohl Du vorgibst, Erfahrungen und Einsichten würden nach und nach entstehen,
Erlebst Du mit Sicherheit den großen Ein-Geschmack und weite Nicht-Meditation.

Dieser alte Mann freut sich.
Mit Glauben, Hingabe und Freude falte ich meine Hände vor meinem Herzen.
Zu allen Zeiten des Tages und der Nacht und mit ungeteilter Hingabe,
Denke ich: "Ich habe den Zweck meines Lebens zum Wohle der Lehre erfüllt."
Du bist Dorje Chang selbst, die Essenz Deines Geistes ist das Erbe der Familie,
Die gute Erfahrung, die dem Sohn übermittelt wird.

In der bestehenden Linie der goldenen Kette der Kagyüs
Sind keine Unreinheiten aus Messing,
Die fälschlicherweise wie Gold scheinen, eingedrungen.
Es ist sicher, daß die Siegreichen der zehn Richtungen in ihren Bereichen dies wissen.
Auch die Dakinis und Dharma-Schützer müssen das sehen.
Rangjung Khyabdag Rigpe Dorje,
Nimm mich in Liebe an,
Damit im großen Königreich des Dharmakaya der Nicht-Meditation,
Mein Geist untrennbar mit Deinem verschmilzt.
Mögen durch diesen Verdienst die Belehrungen des Siegreichen
Wunderschön geschmückt werden.

 


Vom 2. Jamgön Kongtrul Rinpoche, Khyentse Öser