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BUDDHISMUS HEUTE
Aus: Buddhismus Heute Nr. 14, ( 1994)

Ansprache von Shamar Rinpoche im KIBI

Karmapa International Buddhist Institute
19. März 1994

Ihr wollt jetzt etwas über Seine Heiligkeit Gyalwa Karmapa erfahren. Einiges habt Ihr schon den gestrigen Zeitungen entnehmen können. Die Koordinatoren hier informierten mich darüber, daß Ihr sehr neugierig seid, etwas zu erfahren, stimmts? Ich kann Euch jetzt ein paar Sachen erzählen, aber nicht viel mehr als das, was ich gestern schon den Journalisten sagte - sonst wären sie ja auch überflüssig. (Rinpoche lacht)
Ich werde alle Details über Seine Heiligkeit enthüllen, wenn die richtige Zeit dafür gekommen ist. Deswegen sagen wir jetzt noch nicht so viel. Es gelten weiterhin meine Worte, die ich in der Vergangenheit - seit 1992 - an die Leute richtete: Ich mache weiter und arbeite daran.
Ich sagte den Leuten, daß die Reinkarnation des Gyalwa Karmapa zum Wohle der fühlenden Wesen da ist, nicht wahr? Jemand kommt also aus dem Nirvana oder aus aus einer früheren Form in diese menschliche Existenz. Es gibt keine Verfassung, die festlegt, wie man das feststellen könnte; es gibt keinerlei Regeln oder Vorschriften. Er braucht keinen Personalausweis für seine Wiedergeburt, muß nicht zur Einwanderungsbehörde gehen und braucht auch kein Visum dafür. Alles kommt aus seinen spirituellen Qualitäten hervor.

Alle fühlenden Wesen werden wiedergeboren - ohne Freiheit, das ist Karma. Die großen Bodhisattvas jedoch werden aus freien Stücken wiedergeboren. Alle früheren Inkarnationen Karmapas haben aufgrund ihrer eigenen Fähigkeit hier oder dort Geburt angenommen. Ein spirituell qualifizierter Lama muß sich darum kümmern: wenn Karmapa Instruktionen hinterlassen hätte, so sollte jemand bestätigen, daß alles den Anweisungen entspricht. Es gibt keine Begrenzungen durch Regel. Es muß rein spirituell geschehen, nicht verbunden mit Sachen wie die, von denen ich zuvor sprach; Einwanderungsbehörde, Regierungen, Botschafter etc. Das führen wir jetzt fort.

Euch allen wurde durch weltweit verschickte Erklärungen bekannt, daß die chinesische Regierung in Tibet einen Karmapa eingesetzt hat. Ich glaube nicht, daß sie lügen: Sie haben wirklich getan, was sie sagen. Sie haben ein »Büro für Religion« mit Hauptsitz in Peking und Zweigbüros in all den verschiedenen Regionen gegründet. Das Zentralbüro hat dann die lokalen Büros angewiesen, einen passenden Jungen für die Karmapa-Position auszusuchen. Die lokalen Religionsbüros taten das und suchten entsprechend den Regierungsanordnungen einen Jungen aus. Er wurde dort eingesetzt und eine Reihe Lamas erklärten ihr Einverständnis damit. Aber es ist nicht meine Angelegenheit, zu sagen, warum und wie sie das taten und was ihre Gründe waren.
Für andere Religionen kann ich keine Entscheidungen treffen, wohl aber in guter Weise für die Karma-Kagyü-Linie, denn ich habe die Autorität dazu. Sie wurde mir übertragen, als ich als die Reinkarnation des Shamarpa anerkannt wurde. Diese Verantwortung wurde mir übertragen, weil alle früheren Shamarpas sie hatten.
Ich traf dann eine Entscheidung, nämlich, daß ich keinen politisch eingesetzten Karmapa will. Ich will einen spirituell eingesetzten Karmapa. Gegen den von der Regierung Chinas eingesetzten Karmapa habe ich nichts einzuwenden, da es in ihrem eigenen Land geschieht. Ich habe auch nichts gegen wen auch immer, der damit übereinstimmt.
Wenn uns aber jemand zwingt, ihm zu folgen und uns nur auf diesen Einen zu konzentrieren, bin ich nicht einverstanden. Das ist meine freie Entscheidung. Wer mir folgen will, ist willkommen. Wer mir nicht folgt, wird niemals von mir dazu gezwungen werden.

Mir wurden eine Reihe Fragen gestellt, wie: »Hat dieser Karmapa die Erlaubnis des Dalai Lama?« und solche Sachen. Was ich dazu sage, ist: Die Karmapas begannen 300 Jahre, bevor die Inkarnationen des Dalai Lama anfingen. Das bedeutet nicht, daß wir den Dalai Lama nicht respektieren. Ich und alle Mönche von Rumtek haben sehr großen Respekt vor dem Dalai Lama. Wir würden uns sehr geehrt fühlen, wenn er uns oder dem Karmapa seinen Segen geben würde. Wir werden aber kein neues System einführen, wie etwa, daß die Karmapa-Inkarnationen die Erlaubnis einer Regierung bräuchten oder so etwas. Dies wäre nicht gut für Karmapas spirituelle Aktivitäten in der Zukunft, nicht nur für diesen Karmapa, sondern auch für den 18., den 19. usw. Er bräuchte dann immer die Bestätigung einer Regierung. Eine Regierung ist eine Regierung.
Ich wurde überzeugt durch meine eigenen spirituellen Fähigkeiten und durch die Qualitäten Karmapas, die er gezeigt hat. Dazu kamen die Anweisungen, die Karmapa hinterließ. Was die Anweisungen angeht, so werde ich sie, wie gesagt, zur angemessenen Zeit enthüllen. Ich glaube nicht, daß es bis dahin sehr lange dauern wird, soviel kann ich jetzt sagen.
Für die Inthronisation sollte sich die Situation beruhigt haben. Es sollte keinen Ärger geben, wie wir ihn hier vorgestern hatten. Dann ist die richtige Zeit für Karmapas Inthronisation gekommen. Ich danke Euch.


Shamar Rinpoche