HOME 0 ARCHIV 0 BUDDHISMUS ABO NACHBESTELLUNG IMPRESSUM KONTAKT
BUDDHISMUS HEUTE
Aus: Buddhismus Heute Nr. 13, ( 1993)

Der Rumtek-Newsletter

 

Im Juli 1993 wurde von Rumtek ein englisch­sprachiger so genannter Rumtek-Newsletter veröffentlicht. Er erreichte die deutschen Zentren im September 1993 und liegt in den Zentren des BDD e.V. aus.

Der 16. Karmapa hatte seinen Wunsch nach einem solchen Newsletter ausgedrückt und so war 1981 der Nectar of Dharma entstanden, der jedoch in den darauf folgenden Jahren wegen Geld- und Personalmangel wieder eingestellt werden mußte. Nun wurde er wiederbelebt, jedoch unter anderem Namen, da im Januar 1993 eine nicht autorisierte und illegale Veröffentlichung unter diesem Namen erschienen war und man eine Verwechslung damit vermeiden möchte.

Der Rumtek-Newsletter wird von Leuten produziert, die nach eigenem Bekunden keine Stellung in der Frage der Karmapa-Inkarnation beziehen, jedoch aufzeigen wollen, in welcher Weise zur Zeit in Rumtek politische Manipulationen versucht werden, und verschiedene umgehende Gerüchte, Verleumdungen etc. klarstellen wollen.

Sie schreiben, daß sie hoffen, in Zukunft wieder über Dharma-Neuigkeiten statt über politische Intrigen berichten zu können.

Drei interessante Themen des ersten Heftes:

1. Ein Bericht über das so genannte Internationale Karma-Kagyü-Treffen in Rumtek

Dieses fand vom 30. November 1992 bis zum 3. Dezember 1992 statt. Abgesehen von seinem Namen war es jedoch nicht besonders international, denn es war nicht ein Vertreter eingeladen aus den Zentren der Länder: Australien, Belgien, Bolivien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Holland, Italien, Japan, Kanada, Kolumbien, Mexiko, Neuseeland, Norwegen, Österreich, Peru, Polen, Rumänien, Rußland, Spanien, Schweden, Ukraine, Ungarn, USA und Venezuela.

Wie auch Jigmela Rinpoche in dieser Ausgabe der Kagyü Life berichtet, war es eine reine Farce; inszeniert, um dem Versuch, den von Karmapa selbst gegründeten Verein zur Verwaltung Rumteks durch einen neuen Verein mit anderen Mitgliedern zu ersetzen, einen legitimen Anschein zu geben. Der Versuch konnte jedoch erfolgreich verhindert werden; die sikkimesische Regierung erkennt den neuen, illegal zustande gekommenen Verein nicht an.

Andere Tagesordnungspunkte waren:

•  Die Entfernung des von Karmapa eingesetzten Generalsekretärs von Rumtek, Topga Rinpoche. Auch dieser Versuch mißlang.

•  Eine Bannbulle gegen die Karmapa Papers.

Wortlaut: Alle bei diesem Treffen Anwesenden kamen zu der einstimmigen Entscheidung, dieses Buch aus dem einfachen Grund zu verdammen, daß es nichts als Fälschungen, Fehlinformationen und blanke Lügen enthält. Nicht ein Abschnitt von Wahrheit findet sich in dieser verdorbenen und falschen Veröffentlichung.

Kommentar des Rumtek-Newsletter: Unter Berücksichtigung der Tatsache, daß dieses Buch vor allem Dokumente, Briefe und Reden enthält, stellt sich die Frage, was daran so verdorben sein kann?

•  Am Ende des Treffens gelobten alle Teilnehmer, daß sie niemals einen anderen Karmapa als das Kind in Tsurphu anerkennen werden.

Wörtlich in einem Brief an den Chief Minister von Sikkim: Wir schwören, daß wir es niemals akzeptieren werden können, wenn es einen anderen Karmapa-Kandidaten geben sollte und daß wir uns voll dagegen stellen werden.

Warum wurde niemals ein internationaler gerichtswissenschaftlicher Test des Prophezeiungsbriefes gemacht? fragt Rumtek-Newsletter.

2. Eine Klarstellung einiger Gerüchte über Topga Rinpoche

Tsultrim Namgyal, Neffe und persönlicher Sekretär des 16. Karmapa, greift in einem Artikel zwei Gerüchte auf, die immer in Umlauf gebracht werden, um Topga Rinpoche zu verleumden. Beide besagen, daß Topga Rinpoche Eigentum von Karmapa gestohlen hätte und beruhen auf der Verdrehung zweier Ereignisse:

Karmapa wurde von der indischen Regierung ein Stück Land in New Delhi geschenkt, daß jedoch bis zu seinem Tod nicht amtlich auf Karmapas Namen eingetragen wurde. Der damalige Generalsekretär Damcho Yongdu bemühte sich um die Eintragung auf einen zum Zwecke des Landkaufs für Rumtek gegründeten  Vereins. Dieser Verein war jedoch nur für das Land in Sikkim gültig und die Eintragung galt deswegen nur vorübergehend. Eine Schülerin von Situ Rinpoche brachte die Frage auf, daß dadurch in Zukunft Probleme entstehen könnten. Der Generalsekretär Damcho Yongdu starb 1983 und niemand konnte Karmapa anschließend rechtlich vertreten. Der Vorsitzende von Rumtek, Künzig Shamar Rinpoche und der neue, noch von Karmapa bestimmte, Generalsekretär Topga Rinpoche, mußten eine Lösung finden, damit Karmapas Projekte weiterlaufen konnten. Ein Anwalt schlug vor, daß Shamar Rinpoche offiziell als derzeitiges Oberhaupt von Rumtek fungieren solle, um Karmapa, das frühere Oberhaupt Rumteks, rechtlich vertreten zu können; eine überall auf der Welt völlig normale rechtliche Prozedur.

Das Land in New Delhi war nicht auf Karmapa persönlich, sondern auf den Verein in Sikkim eingetragen. Der Anwalt schlug vor, das zu ändern, damit Shamar Rinpoche auch bezüglich des Landes Karmapa vertreten könne. Während die vier Regenten von Kalu Rinpoche die Rinchen-Terdzö-Ermächtigungen erhielten, gelang es einigen Leuten, drei der Regenten einzureden, daß der vierte, nämlich Shamar Rinpoche, sich Karmapas Eigentum aneignen wolle. Es wurden rechtliche Schritte gegen ihn unternommen, bis schließlich mehrere Anwälte bestätigten, daß die Vorwürfe haltlos seien, da das Land immer noch eindeutig unter dem Namen von Karmapa registriert gewesen sei, wenn die Änderung stattgefunden hätte. Die Rinpoches entschuldigten sich bei Shamar Rinpoche. Letztendlich wurde das Land 1984 auf den Karmapa Charitable Trust eingetragen. Shamar Rinpoche erwähnt diese Vorfälle auch bei den Fragen im Anschluß an seine Rede in Rumtek am 9. Juni 1992 (Kagyü Life Nr. 2/92 Seite 18). Die Angelegenheit ist niemals in aller Öffentlichkeit richtig gestellt worden und wird immer wieder benutzt, um Shamar Rinpoche und Topga Rinpoche in ein schlechtes Licht zu rücken.

Das zweite Gerücht besagt, daß Topga Rinpoche ein Kloster von Karmapa für seinen persönlichen Gewinn verkauft hätte. Was steckt dahinter?

Das Kloster Tashi Chöling in Bumthang/Zentralbhutan wurde dem Karmapa 1969 vom damaligen König Bhutans geschenkt. Karmapa wollte dort ein Institut eröffnen. Das Projekt verzögerte sich jedoch und Karmapa verstarb bevor es zustande kam. Als Shamar Rinpoche später den bhutanesischen Innenminister um die Eröffnung des Institutes bat, erfuhr er, daß dies vielleicht gar nicht mehr möglich sein werde, aufgrund einer neuen Regierungspolitik in Bhutan. Der Karmapa Charitable Trust beschloß mit Einverständnis von Shamar Rinpoche, Tai Situ Rinpoche, Jamgön Kongtrul Rinpoche, Topga Rinpoche und T.S. Gyaltsen den zuständigen Autoritäten in Bhutan das Kloster – falls sich dieser Schritt als nötig erweisen sollte – zu übergeben.

Tatsächlich gab die Zentrale Klosterverwaltung Bhutans die nötige Erlaubnis nicht, sondern bot an, den Grundbesitz und das Gebäude zu kaufen. Sie baten um Mitteilung eines Preises.

Topga Rinpoche teilte ihnen die Enttäuschung der Mitglieder des Karmapa Charitable Trust mit und schrieb, daß das Kloster ein Geschenk des Königs an Karmapa und kein Handelsobjekt sei. Er überließ der bhutanesischen Regierung die Festlegung einer Entschädigungssumme.

Später wurde eine entsprechende Übereinkunft zwischen den bhutanesischen Behörden und dem Karmapa Charitable Trust, vertreten durch Topga Rinpoche, unterzeichnet. Der Scheck wurde auf den Karmapa Charitable Trust ausgestellt und über die Verwendung des Geldes wurde auf zwei späteren Treffen des Trusts entschieden.

Alle Entscheidungen wurden von Mitgliedern des Vereins gemeinsam getroffen und es gab nie irgendwelche Einwände gegen Topga Rinpoches Entscheidungen, die er immer nur als Generalsekretär des Vereins getroffen hatte, nie auf eigene Faust.

3. Ein Bericht über den Versuch, mit Hilfe eines gefälschten Briefes die Vorsteher der Mönchs­gemeinde in Rumtek zu verleumden

Es handelt sich dabei unter anderen um einen Dorje Lopön und zwei Umzes. Ihre Unterschriften wurden unter einen Brief montiert, in dem unter anderen gesagt wird, daß die Unterzeichnenden den Dalai Lama nicht mehr als ihren geistigen Lehrer anerkennen und nur noch Kunzig Shamar Rinpoche folgen. Man vermutet, daß der Brief aus dem chinesische Botschaft genannten Büro von Anhängern Situ Rinpoches stammt.

 


xx