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BUDDHISMUS HEUTE
Aus: Buddhismus Heute Nr. 10, ( 1992)

Ein Vajra-Lied

10. Karmapa Chöying Dorje an seinen Lehrer, den sechsten Shamarpa Chökyi Wangchug

Der glorreiche große Karmapa, Jetsun Chöying Dorje ist so bekannt wie Sonne und Mond. Der heilige Jetsun Chökyi Wangchug (der sechste Shamarpa), der durch sein wunderbares Mitgefühl den fühlenden Wesen unermeßlichen Nutzen brachte, trat vor nicht langer Zeit ins Parinirvana ein. Für seine kostbaren Überreste wurde ein Stupa erbaut. Zu dieser Zeit erfreute es Chöying Dorje sehr, einige große Yogis zu sehen, die in der Tiefe ihres Herzens Hingabe gegenüber dem Vater und dem Sohn, dem Guru und dem Jetsün empfanden. Jetsün Chöying Dorje selbst fühlte unermeßliche Hingabe. Erfüllt von dem Feuer seines Glaubens und durch die Macht seiner Sehnsucht hatte er starke Erlebnisse. Er befand sich für einige Zeit in einem Zustand, der sich durch nichts beschreiben ließ, weder durch das eine, noch durch das andere. Danach schrieb er dieses Bittgebet, um andere, die es wert sind, zu ermahnen dem Beispiel der Praxislinie zu folgen und dem Guru zu dienen.
NAMO GURAVE
Vor der Zuflucht Amitabha, dem Träger der Shamarkrone,
Dem Bodhisattva, dem siegreichen Maitreya,
Chökyi Wangchuk, meiner einzigen Zuflucht,
Verbeuge ich mich mit ganzem Herzen und ungeteiltem Vertrauen.

Du hast mich mit liebendem Mitgefühl angenommen,
Wie konnte ich es solange wagen,
Dein Mitgefühl so sorglos zu mißachten?
Oh Ckökyi Wangchug, schau voller Mitgefühl auf mich.

Oh, ihr Schützer der drei Familien,
Die ihr die Verbindung, die aus guten Wünschen besteht, besitzt,
Und die ihr nun an mich denkt.
Kommt her, kommt her, ihr Söhne,
Kommt jetzt, vom Mitgefühl des strahlenden Guru beschützt hierher.

Dieser kostbare Menschenkörper,
Der frei und von guter Bestimmung ist, und ein großes Ziel besitzt
Ist schwer zu erlangen.
Seine wahre Bedeutung ist die eines Juwels
Durch die Macht von Karma und störenden Gefühlen in Samsara umher.
Seit so langer Zeit erleben wir die Leiden der niederen Bereiche.

Durch einen geringen Aufbau von Verdienst
Haben wir diesmal eine freie und günstige menschliche Geburt erlangt.
Das ist bedeutender als ein Gott zu sein.
Diejenigen, die sich um der Erleuchtung willen anstrengen,
Erlangen sie und es ist der Mühe wert, daß sie es tun.
Ich wüßte über nichts anderes zu reden.
Wie könnte in diesem Leben, das nur ein vergänglicher Traum ist,
Noch Zeit bleiben, irgendetwas anderes zu tun?

Wenn wirkliche Hingabe in seinem Sohn entsteht,
Das allein erfreut den Lama.
Wenn er erfreut ist, fällt aus der riesigen Wolke seines Mitgefühls ständig ein Regen von Segen herab.
Wenn dieser fällt, wächst die Saat der Hingabe.
Wenn diese wächst, reift die Ernte der Erleuchtung heran.
Wenn diese gereift ist, essen alle früheren Mütter davon.
Essen sie das, erfahren sie den einzigartigen Geschmack der großen Glückseligkeit.
Durch die Kraft dieser Nahrung erkennen sie ihren Geist.
Diesen zu erkennen ist auch das Mitgefühl des Lama!

Wenn der Tod uns nicht trennt, ihr Söhne,
Kommt herbei, um mich noch einmal zu sehen!
Alala, was für ein Segen der Praxislinie!
Alala, was für eine Hingabe der Söhne!
Möge sich unser Geist untrennbar mit dem Euren vermischen.
Alala, wie liebevoll der Lama ist!
Alles ist das Mitgefühl des Lamas.
Jetzt sind wir Kinder wie eine Antilope,
Die in eine Falle geraten ist,
Die es fälschlicherweise für Gras hielt.
Durch die Kraft seines Mitgefühls
Wurde »Liebevolle Augen« zum Träger der Schwarzen Krone.
Man zählt mich als den zehnten dieser Lamas.
Dies ist mein letztes Leben.

Söhne, jetzt ist es Zeit, Hingabe zu entwickeln.
Die Zeit ist gekommen, Bittgebete zu machen.
Ihr wart lange genug abseits gestanden.
Es ist höchste Zeit, zusammen zu kommen.

Versteht ihr das, ihr fühlenden Wesen, unsere früheren Mütter?
Versteht ihr das, ihr verdorbenen Leute, unsere früheren Mütter?
Versteht ihr das, ihr Ungläubigen, unsere früheren Mütter?
Ihr solltet Euch dessen immer bewußt sein.

Kha Ye!
Wie der Himmel im Himmel
Tiefer Friede
Wunderbare Einfachheit
Der geheime Nektar
Der eigene Geist ist selbsterleuchtetes Sosein.

Mögen wir Mahamudra erlangen.
Zugleich entstehende große Glückseligkeit.


Ich dachte ich würde niemals zu irgend jemand in dieser Weise reden. Aber auch ich empfand, da ich einige hingebungsvolle große Yogis sah, die mit ganzem Herzen Freude über die Vorväter der Praxislinie und mich selbst empfanden, Hingabe und grenzenlose Freude. Ich verlor mich für einen Augenblick völlig in einem Zustand, der weder dies noch das war. Dieses Lied, das spontan in meinem Geist aufstieg, ist mein Geist und der Geist des Bodhisattva Chökyi Wangchug (6. Shamarpa) in einem verschmolzen. Ich, Chöying Dorje Trinle Ngöpar Thowe Pal, ein Mönch der Shakyas, der die Freude der Einsamkeit erlebt, schrieb dies im großen Palast von Akanistha, Tsurphu, nieder, dem höchsten Platz der Siddhas in den duftenden Bergen, wo Vögel und wilde Tiere sorglos zwischen den Wäldern und blühenden Blumen umherstreifen.